Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 70, Nummer 21 › Seite 336

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 13. Oktober 1914, Seite 336

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Wort Gottes 4

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Neu utheraner

Regierung den Befehlshabern der Garnisonen Befehl erteilt, daß
die Geschichten über die Teilnahme katholischer Priester Belgiens
an den an deutschen Soldaten verübten Grausamleiten, von denen
Briefe der in Belgien stehenden Soldaten meldeten, bei schwerer
Strafe unterdrückt werden müßten. Ausdrücklich wird gesagt,
daß diese Anordnung auf den Protest der höheren katholischen
Geistlichkeit in Deutschland hin erlassen worden sei. — In Eng⸗
land ist die Home Rule Bill, durch die für Irland ein eigenes
Parlament geschaffen wird, gleich nach Ausbruch des Krieges vom
König unterzeichnet worden, ist also jetzt Gesetz. Wieder ein
Sieg der Römischen; denn seit vielen Jahren versucht das
größtenteils katholische Irland, von der Oberherrlichkeit des
(protestantischen) englischen Parlaments frei zu werden. Das
ist jetzt erreicht, und obwohl das Gesetz erst nach einem Jahre
zur Ausführung kommen soll, weiß man doch, daß die römische
Kirche den Vorteil, den ihr der Krieg in Irland eingebracht hat,
nicht so leicht wieder fahren lassen wird. Auch die zum Papsttum
sich hinneigende englische Epistopalkirche hat den Krieg will⸗
kommen geheißen, weil sie hofft, daß das protestantische Deutsch⸗
land jetzt gedemütigt werde. So stand in einem englischen Episko⸗
palblatt vom 28. August zu lesen. Derselbe Artikel bezeichnet das
griechisch⸗katholische Rußland als das christlichste Volk der Erde!
— Höchst bedeutsam ist ein Leitartikel, der am 15. August in dem
amerikanisch⸗katholischen Blatt CatRolic Gitizen erschien. Der
Verfasser desselben nimmt an, daß Italien auf seiten der Fran⸗
zosen an dem Krieg teilnehmen werde, daß aber Deutschland
Sieger bleibt. Dann fährt es fort: „Was wäre dann natür⸗
licher, als daß die siegenden Nationen die Stadt Rom und einen
kleinen Uferstrich Italiens dem Pap ste schenkten. Dadurch
würde Italien bestraft, und die Katholiken Deutschlands und
Esterreichs würden befriedigt. Der Kaiser bekäme die Hilfe der
Katholiken im Kampf gegen den Sozialismus, Deutschland aber
würde in der ganzen katholischen Welt großes Ansehen besitzen.“
Der Ausspruch ist uns wichtig, schon weil er zu erkennen gibt,
daß die römische Kirche bei dem großen Krieg nur auf eine Ge⸗
legenheit lauert, für den Papst wieder einen Kirchenstaat heraus⸗
zuschlagen, vor allem aber, weil sich darin wieder zeigt, wie das
Papsttum fortwährend mit irdischen Mitteln arbeitet, um
seine Stellung zu behaupten. Es mag aber der Tag kommen, an
dem alle Nationen, die in der gegenwärtigen bedrängten Zeit den
Forderungen der Papisten nachgegeben haben, mit dem Papst eine
harte Abrechnung halten werden. G.

Von Vaterlandsverrat katholischer Priester wurde dem katho⸗
lischen „Grazer Volksblatt“ in der Woche der Kriegserklärungen
gemeldet. Nach Angabe eines Korrespondenten sammelten Prie⸗
ster im südlichen Ssterreich Gelder für das Rote Kreuz, sandten
aber das Geld nach Serbien, also an den Landesfeind! Auch
„beredeten sie die in ihren Pfarrbezirken eingezogenen Reser⸗
visten dahin, sie sollten ja nicht auf ihre serbischen Glaubens⸗
genossen schießen“. In Lembach (nicht mit Lemberg zu ver⸗
wechseln) ließ ein Priester die österreichische Fahne herabnehmen
und die Flagge der Slawen aufsziehen. „Er wurde abends“,
heißt es in dem Bericht, „von der Polizei von seinem Pfarrhofe
abgeholt und unter militärischer Bedeckung ins Gefängnis ab⸗
geführt. Eine große Menschenmenge begleitete den traurigen
Zug, beschimpfte den vaterlandverräterischen Priester in nicht
wiederzugebenden Worten und warf mit Steinen nach ihm.“
Auch in Kärnten waren unter den Personen, die bei der Aus⸗
hebung von Brutnestern der Verschwörung verhaftet wurden,
katholische Priester. Im Krain soll sogar der Beichtstuhl ge⸗
mißbraucht worden sein, um für Serbien zu wühlen. G.

Der Schacher mit Knochen, Nägeln und alten Lumpen, den
die Papstkirche treibt, hat kürzlich einen empfindlichen Verlust er⸗
litten. Es ist ihr nämlich ein wertvoller Fingerknochen ab⸗
handen gekommen. Eine Depesche an das Mil⁴auνee Journal be⸗

richtete aus New Haven, Conn.: „Die hiesige französisch⸗katholische
Genieinde Zum Heiligen Ludwig ist in große Aufregung versetzt
durch die Kunde, daß das Reliquienkästchen der Kirche erbrochen,
und die goldene Büchse, die ein Stück vom Fingerknochen der
heiligen Anna enthalten soll, daraus entwendet worden ist. Die
Reliquie, die als ein großer Schatz angesehen wurde, hat der
Kirche dreizehn Jahre angehört und stand in dem Rufe, bedeutende
Heilkräfte zu besitzen. Sie stammt aus Rom, und das Kästchen,
das sie enthielt, war vom Papst versiegelt worden.“ Da die
heilige Anna, die ja nach römischer Legende die Mutter der
Jungfrau Maria war, durch eine große Zahl heilkräftiger Knochen⸗
stücke vertreten ist und offenbar mehr Knochengerüste besessen hat
als selbst die meisten katholischen Heiligen, so wird wohl der
Verlust bald wiedererstattet sein. Doch erinnerte uns die Mel⸗
dung in dem Milwaukeer Blatt an eine Erklärung, die ein katho⸗
lischer Priester einst abgab, als er befragt wurde, wie doch die
Vervielfältigung so mancher Reliquien zu erklären sei. Nach dem
Converted OCatholic handelte es sich um die Frage, wie es mög⸗
lich sei, daß von den dreißig Silberlingen, um welche Judas den
Heiland verriet, mehr als dreihundert in den verschiedenen
katholischen Reliquiensammlungen zu finden seien. „Ei“, ant⸗
wortete der ältere Priester dem jüngeren, der die Frage stellte,
„bedenken Sie doch, wieviel Jahre seitdem verflossen sind — zu
den dreißig ursprünglichen sind in den vielen Jahrhunderten die
Zinsen hinzugekomnien, die diese getragen haben. Welches
nun gerade die ursprünglichen dreißig sind, ist allerdings schwer
zu bestimmen, doch sind sie alle heilig.“ G.

Erfahrung bekehrter Juden von der Kraft des
göttlichen Wortes.

Hiervon schreibt Christian Scriver in seinem „Seelenschatz“
folgendes:

Zu unserer Väter Zeiten hat sich ein treffliches Exempel an
einem Juden zugetragen, der zu Recklingshausen gewohnt und
in seiner Taufe hernach Christian Gerson genannt worden. Diesem
hatte eine arme christliche Witwe das deutsche Neue Testament für
acht Schillinge, die er ihr geliehen, versetzt. Er wollte nun gern
wissen, was es für kräftige Irrtümer wären, dadurch sich die
Christen seiner Meinung nach verleiten ließen; darum rief er
zwei seiner Verwandten zu sich, und sie lasen in dem Buch nicht
ohne viel Spötterei und Gotteslästerung. Es begann aber die
Gnade, die in und bei dem Worte ist, an seinem Herzen zu wirken,
daß er es nochmals, ohne Wissen der Seinigen, mit Nachdenken
und in der Stille durchlas, und wie er sieht, daß Christus und die
Apostel sich vielfältig auf die Schriften Mosis, der Propheten
und der Psalmen berufen, schlägt er die Sprüche nach und findet
darin ein solches Licht, dem er nicht zu widerstehen vermag, und
sehnt sich nach der Gemeinschaft der christlichen Kirche, zu welcher
er auch durch die heilige Taufe nach fernerem genugsamen Unter⸗
richt gelangt ist.

Auf ähnliche Weise ist auch ein gelehrter Jude namens
Paulus Weidner, der später Professor der hebräischen Sprache
zu Wien gewesen, durch fleißiges Lesen und Erwägen der Heiligen
Schrift von der jüdischen Finsternis zu dem evangelischen Licht
gekommen. Er hat seine Bekehrung selbst mit diesen Worten
beschrieben: „Da ich aus Italien nach Kärnten als Arzt gegen
eine ziemliche Bestallung berufen und in die sechs Jahre darin
zugebracht, geriet ich durch Gottes Gnade auf den Gedanken,
welches wohl die rechte Religion in der Welt und der wahre
Gottesdienst wäre. Dieses zu erfahren, begann ich die Heilige
Schrift fleißig zu lesen; ich hielt das Neue Testament mit dem
Alten zusammen, übersah dabei die Auslegung der Chaldäer und
Talmudisten, dabei mir dann je mehr und mehr die Augen auf⸗

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