Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 70, Nummer 21 › Seite 332
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 13. Oktober 1914, Seite 332
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S er „Tutharamtes
dann müßte auch ein Familienvater, der mit zwölf Kindern
in die Kirche kommt, den meisten Pfarrgehalt bezahlen, obwohl
er vielleicht der Armste ist. Wir wollen alle vielmehr gemein⸗
schaftlich ziehen, damit es niemand zu schwer wird. „Einer
trage des andern Last!“
Gott gebe, daß uns unsere christlichen Schulen in diesem
Lande erhalten bleiben zum reichen Segen für unsere Kinder,
für unsere Kirche und unser Vaterland! Gott segne die Auf⸗
erziehung und Unterweisung unserer Jugend, daß sie aufwachse
in der Furcht Gottes und zum Preise seines Namens!
E. Eckhardt.
Jahresbericht über die Ev.⸗Luth. Taubstummenanstalt
zu North Detroit, Mich.
Treue ist das eine, was an Haushaltern gesucht wird.
Mit Bezug auf die Diener Christi und Haushalter über Gottes
Geheimnisse sagt Paulus 1 Kor. 4, 2: „Nun sucht man nicht
mehr an den Haushaltern, denn daß sie treu erfunden werden.“
Ein Haushalter mag irren und etwas versehen; das soll ihn
nicht verwerflich machen, wenn er nur treu ist. Untreue allein
ist es, die ihn verwerflich macht.
Treue ist es auch, die der HErr anerkennen und lohnen
will. Er spricht: „Ei du frommer und getreuer Knecht! Du
bist über wenigem getreu gewesen, ich will dich über viel setzen;
gehe ein zu deines HErrn Freude!“ Matth. 25, 21. Und
dabei hebt er ein Stück besonders hervor, das wir in unserer
hiesigen Arbeit wohl merken müssen: die Treue im Kleinen.
„Wer im Geringsten treu ist, der ist auch im Großen treu;
und wer im Geringsten unrecht ist, der ist auch im Großen
unrecht.“ Der Treue im Kleinen entspricht Treue im Großen.
Es ist nicht ein großes Werk, das wir hier in North
Detroit betreiben. Wir haben hier nur eine kleine Anstalt
zu pflegen. Zwar ist ihre Sache groß und wichtig genug,
wenn wir sie mit so manchem Ding dieser Welt vergleichen.
Wenn wir „das Geringste“ in dem Sinne nehmen, wie es
der SErr im angeführten Text braucht, für vergänglich Gut
und Geld, so gehört unsere Sache zu dem Großen, nicht zu
dem Geringsten. Das ist wahrlich etwas Großes, daß arme
taubstumme Kinder geistig und geistlich ausgebildet und ent⸗
wickelt werden, nützliche Menschen und Himmelserben werden.
Wir halten unser Werk nicht für klein, wenn wir die prächtigen
Staatsanstalten damit vergleichen. Aber stellen wir unsere
Sache hier neben die 2260 Gemeindeschulen unserer Synode
mit ihren 96,000 Schülern oder neben die weit ausgedehnten
und reichgesegneten Missionen im In- und Ausland, so ist sie
wie ein kleiner Knabe gegen einen Riesen. Messen wir unsere
Nöte ab an den Nöten unserer fünfzehn höheren Lehranstalten,
so dürfen wir gar nicht mitreden. An Ausdehnung, an Er⸗
folgen, an Nöten ist unsere Taubstummenschule klein.
Doch lehrt uns der SErr, wie wir uns da zu halten
haben. Auch in einer kleinen Sache sollen wir treu sein. Ge⸗
wissenhaft sollen wir das irdische Vermögen, das er unter unsere
Hände zur Verwaltung getan hat, die werten Gaben seiner
lieben Jünger und Jüngerinnen, verwerten; gewissenhaft
sollen wir die unsterblichen, teuererlösten Kinderseelen, die
Väter und Mütter uns hier übergeben haben, hüten, sie un⸗
verdorben zurückgeben; gewissenhaft sollen wir beraten und
beschließen, reden und tun, was zu dem allem nötig ist. Treu
sollen wir ausharren und nicht ablassen und ermüden.
In dem verflossenen Berichtsjahr ist eine Veränderung
in der Hausverwaltung eingetreten. In Anbetracht des Be—
findens seiner Frau, die sich von den Anstrengungen in jenen
Zeiten schwerer Krankheiten in der Anstalt nur schlecht erholen
konnte, bat Direktor Gielow, aus dem Hausvateramt entlassen
zu werden. Nach gebührender Prüfung der Verhältnisse und
mit Zustimmung aller Beteiligten wurden Lehrer Klein und
Frau als Hauseltern bestellt und scheinen sich vortrefflich in
ihre neuen Pflichten zu finden.
Auch das darf hier nicht unerwähnt bleiben, daß im Laufe
des Jahres der frühere langjährige und treuverdiente Direktor
der Anstalt, Lehrer H. Uhlig, durch einen plötzlichen, doch gewiß
seligen Tod von Gott in die Ewigkeit versetzt worden ist. Wir
können ihm mit Wahrheit das Zeugnis geben, daß er ein
treuer und auch kluger Haushalter war. Sein HErr hat auch
zu ihm gesprochen: „Gehe ein zu deines HErrn Freude!“
Die Erwählung eines praktischen und erfahrenen Land—
wirts in das Direktorium hat sich als ein Schritt in rechter
Richtung erwiesen, und es steht zu hoffen, daß nach einem
weiteren Jahr, so Gott will, die Frucht seiner uneigennützigen
Tätigkeit noch mehr in die Augen springen wird.
Der werte Frauenverein zur Unterstützung Taubstummer
hat der Anstalt sein Interesse treu bewahrt. Es ist noch immer
Raum und Gelegenheit für die werten Frauen, der Anstalt
treue Dienste zu leisten.
Reparaturen sind nur in geringem Umfange zu machen.
Ausgeführt wurde im letzten Jahr hauptsächlich die Errichtung
eines septic tank. Es wird uns berichtet, daß diese Einrich-
tung sich gut bewährt.
Der SErr wolle uns seinen Geist und göttliche Weisheit
schenken und unserer Hände Werk fördern bei uns; ja das
Werk unserer Hände wolle er fördern! Amen.
Wim. Hagen.
Kurze Nachrichten aus unsern Missionen.
Fremdsprachige Missionen. P. Philippus Pascha, unser
zweiter Persermissionar, ist am 8. September zu Waco, Tex.,
gestorben und wurde am folgenden Tage christlich bestattet.
P. Studtmann hielt die Leichenpredigt. P. A. v. Schlichten
schreibt im „Zeugen und Anzeiger“: „P. Urban von Waco,
Tex., schrieb mir am 11. September: „‚Es ist wahrlich ein
großer Schade um den jungen Mann, aber wir müssen uns
vor Gott demütigen und sagen: SErr, dein Wille geschehe!“
Sterbend hat P. Philippus mich noch grüßen lassen und mich
gebeten, seine Bücher, die noch in meinem Studierzimmer hier
in Nonkers stehen, und unter denen sich gar manches Gute
befindet, zu verkaufen und den Erlös seiner armen Mutter in
Urmia, Persien, zu schicken. Den Auftrag will ich mit Gottes
Hilfe gewissenhaft ausführen. Die arme Mutter! Ihr Mann,
unser seliger Johannes Pascha, ruht hier in Nonkers und ihr
Sohn Philippus in Waco, Tex. Ja, arm ist die Mutter in
mehr als einer Beziehung, auch irdisch arm. Wer ein Buch
aus dem Nachlaß haben möchte, kann sich bei mir melden. — In
unserer Persermission hat also Gott gesprochen: „Meine
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