Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 70, Nummer 21 › Seite 333
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 13. Oktober 1914, Seite 333
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German transcription machine transcription, uncorrected
S er „Tutheranes
333
Stunde ist noch nicht kommen.“ Ja, ‚wir müssen uns vor Gott
demütigen“ — in wahrer Reue und Buße bis in den Staub
hinein! Dabei wollen wir aber den Mut und die Arbeits⸗—
freudigkeit in des HErrn Weinberg nicht verlieren. Laßt uns
weiter pflanzen, wie St. Paulus gepflanzt hat, und weiter be—
gießen, wie Apollo begossen hat; Gott wird schon das Ge⸗
deihen geben, wenn seine Stunde gekommen ist.“ G.
Isla de Pinos, Kuba. Dieses Mal kann ich Ihnen von
einem freudigen Tag in unserm kirchlichen Leben auf der Isle
of Pines berichten.
In der Santa Barbara-Gemeinde sind gleich von Anfang
an die Kinder nach dem Gottesdienst etwas unterrichtet wor⸗
den, vor allem die voraussichtlichen Konfirmanden. Natürlich
war dieser Unterricht, der nur alle vierzehn Tage stattfinden
konnte, ein kümmerlicher Notbehelf. Trotzdem die Kinder meist
erst buchstabieren lernen mußten, kamen wir doch voran. Was
für ein Segen war es dann, als wir mit der Anstellung des
Studenten O. Müller dort mit regelmäßiger Gemeindeschule
beginnen konnten! Nun sind dort vier Kinder, von denen ich
zwei vorher erst habe taufen müssen, so weit gekommen, daß
sie konfirmiert werden konnten. Daneben war ein Kind in
Santa Fe unterdessen von mir allein unterrichtet worden und
sollte nun mit in Santa Barbara konfirmiert werden.
Der Tag der Konfirmation wurde auf den 28. Juni fest⸗
gesetzt. Vierzehn von unsern lieben Santa Feern machten
sich auch mit auf die Reise, trotzdem eine schreckliche Gluthitze
herrschhy. Die Entfernung quer durch die Insel wäre nicht
so weit, aber da gibt es noch keine Straßen. Man muß daher
von Sanza Fe erst nördlich nach Nueva Gerona, der Haupt⸗
stadt der Insel, fahren und von da in einem großen Bogen in
südwestlicher Richtung über MeKinley nach Santa Barbara,
gegen 32 Meilen. Unser Schulhaus in Santa Barbara war
bald bis auf den letzten Platz gefüllt, und einige mußten stehen.
Student Müller hielt eine Predigt über Konfirmation, wäh⸗
rend ich die Kinder prüfte und dann konfirmierte — unsere
erste Konfirmation auf der Insel! Wie haben wir uns alle
über die schönen Antworten und den Gesang der lieben Kon—
firmanden gefreut! Der Gottesdienst wurde auch durch zwei
Sologesänge verschönert. Nach der Konfirmation hielt ich die
Beichtrede, und wir feierten das heilige Abendmahl. Es war
übrigens der heißeste Tag, den wir bis jetzt auf der Insel ver⸗
lebt haben. Die Tropensonne meinte es gut mit uns, und auch
die Abendfahrt im Auto nach Santa Fe zurück brachte wenig
Abkühlung. Mit Pferd und buggy könnte man eine solche
Reise hier nicht unternehmen, da das Zugtier bald ausspielen
würde. Drei große Autos waren von Santa Fe nach Santa
Barbara gefahren.
In Nueva Gerona nahmen wir unser Abendbrot ein und
kamen alle recht müde heim. Doch unser Herz war voll Freude
über den schönen Tag, dessen Segen unter uns noch lange blei⸗
ben wird.
Im Santa Barbara⸗-Schulhaus haben wir eine Kanzel,
aber uns fehlen noch Abendmahlsgeräte, Kreuz und Leuchter.
Ebenso fehlt in dem kleinen Turm noch eine Glocke. Wir haben
für die innere Einrichtung noch nichts beschaffen können, da die
Schuldenlaͤst auf dein Gebäude die kleine Gemeinde dort noch
drückt. Natürlich haben wir im Gottesdienst auch kollektiert,
und zwar für das Nötigste: Schuldentilgung. Ich wollte, wir
könnten von Gemeinden hören, die uns für die verschiedenen
Plätze hier mit gebrauchtem Abendmahlsgerät und für Santa
Barbara mit Glocke, Kreuz und Leuchtern aushelfen könnten.
Auch haben wir jetzt endlich einen Erlaubnisschein von
der kubanischen Republik zur Eröffnung unserer Parochial⸗
schule in Santa Barbara erhalten. Welche Schwierigkeiten
aber waren für uns damit verbunden, dies permit zu erlangen!
Gegen zwanzig Monate habe ich petitioniert, bin in Havana
von einem zum andern geschickt und immer wieder mit faulen
Entschuldigungen hingehalten worden. Ich hatte große Aus⸗
gaben, zumal da öfters ein Dolmetscher nötig war. Ich ließ
Student Müller auf meine Verantwortung hin Schule be—
ginnen, und er hielt das Jahr durch. Beamte untersuchten die ö
Schule, einmal sogar zwei Gendarmen. Zuletzt habe ich die
Hilfe der amerikanischen Gesandtschaft in Anspruch genommen
und trotz aller Umtriebe doch gewonnen. Unsere neue Schule
in Caymanero habe ich gleich durch die britische Gesandtschaft
in Havana anhängig machen lassen und hoffe, bald einen Er—
laubnisschein zu bekommen. Gott gebe es!
In der Santa Barbara-Schule dürfen wir aus sanitären
Gründen nicht mehr als 41 Kinder haben. Die Schule muß
nach kubanischen Ordnungen geführt werden, und zwar unter
Aufsicht eines kubanischen Schulinspektors, der jederzeit das
Recht hat, sie zu besuchen. Schwierigkeiten mag es daher
öfters geben. R. Ortel.
Brasilien. Die Kandidaten W. Schröder, G. Lehenbauer,
A. Becker und E. Sprengeler, die bereits im vergangenen Win⸗
ter von unsern Seminaren in Springfield und St. Louis ent⸗
lassen wurden, um der großen Not in unserer Mission in
Brasilien abzuhelfen, langten bereits am 28. April in Porto
Alegre an und traten dann alsbald in die Arbeit auf den ihnen
überwiesenen Missionsfeldern ein. Einer derselben (P. Spren⸗
geler) kam in das sogenannte Einwanderergebiet des Staates
Rio Grande do Sul. Als der erste Reiseprediger unserer Syn⸗—
ode (P. J. Busch) dort vor drei Jahren ankam, wollte man ihn
aus dem Städtchen vertreiben, und er fand vorläufig Aufnahme
bei einem Katholiken. Heute hat die Gemeinde, die er im Laufe
dieser drei Jahre gesammelt hat, die größte und am schönsten
gelegene Kirche in einer Stadt von etwa 2000 Einwohnern.
Die Schule wird von 40 Kindern besucht. Außerdem bedient
P. Busch noch neun andere Predigtplätze und Gemeinden, die
fast alle nur zu Pferd zu erreichen sind; einer davon ist vier⸗—
zehn Reitstunden vom Wohnsitz des Pastors entfernt. Zwei
Lehrer stehen ihm gegenwärtig zur Seite. Schon im zweiten
Jahre mußte sein Gebiet geteilt werden. Die abgezweigte Par⸗
ochie, an der jetzt P. Sprengeler steht, besteht aus drei Ge⸗
meinden und vier Predigtplätzen. In der Hauptgemeinde sind
es 50, in der zweiten 25 Mitglieder. Im ganzen stehen jetzt
in diesem Gebiete über 200 Familien unter unserer Seelsorge.
S.
Indien. Missionar H. Stallmann aus Ambur, Indien,
schreibt unter dem 2. September: „Wir haben in dieser Zeit
den Schutz unsers Gottes sonderlich nötig. Wir sind hier ziem⸗
lich sicher. Die meisten von uns sind amerikanische Bürger..
Eine ganze Anzahl junger Deutscher haben sie Leienntengenonn
men und nach Nordindien gebracht.“ ö
Missionar R. Freche in Vaniyambadi hat am 30. August
zwei Frauen getauft.
Missionar G. O. Kellerbauer in Deutschland ist recht lei⸗
dend an einem Brustübel, das sich wieder eingestellt hat. Er
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