Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 70, Nummer 21 › Seite 334

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 13. Oktober 1914, Seite 334

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334

SE utheraner

sollte ein südliches Klima aufsuchen.
er sofort nach Indien zurückkehren könnte.
nicht möglich.

Herr Präses Kunstmann berichtet, daß sich unsere andern
Missionsgeschwister in Deutschland wohl befinden. Es wird so
viel als nur immer möglich für sie gesorgt werden. Gott lohne
den lieben deutschen Glaubensbrüdern diese Liebe!

Jul. A. Friedrich.

—2

Am besten wäre es, wenn
Das ist aber jetzt

Zur kirchlichen Chronik.

Allerlei Erfreuliches von den Missionsfesten. Aus dem
Minnesota-Distrikt wird geschrieben: „Obwohl meine Gemeinde
durch Hagelschlag schwer gelitten hat, haben wir doch in diesem
Jahr die beste Kollekte erzielt.“ Aus dem Michigan⸗Distrikt
schreibt ein Pastor: „Kollekte: 5308.74. Kuverte. Letztes Jahr
(Korbkollekte): §5100.“ Aus dem südlichen Ohio: „Wir ge⸗
brauchten zum erstenmal Kuverte. Die Kollekte betrug 9§93.25,
doppelt so viel als in früheren Jahren.“ Aus dem nördlichen

Ohio: „Kollekte: 8107.30. Das Doppelte gegen früher ohne
Kuverte.“ Aus einer Missionsgemeinde in Nebraska: „Kollekte:
8107. Dies ist das erste Missionsfest, das wir gefeiert haben.

Wir haben 24 Glieder und sind fünfzehn Monate alt. In diesem
Jahre haben wir schon 8150 für auswärtige Zwecke aufgebracht.
Es ist eine Lust und Freude, auf diesem neuen Feld zu arbeiten.“
Aus South Dakota: „Diese Gemeinde zählt 9 Glieder; 7 davon
sind Renter. Ernte dieses Jahr nicht besonders, und die Leute
sind arm zu nennen. Kollekte: §103.“ G.

In einem neuerdings erschienenen Buch schmäht Prof. Ger⸗
berding vom Generalkonzil, wie überhaupt auf unsere Synode, so
auch in einem besonderen Abschnitt auf die lutherische Gemeinde—
schule. Es muß das befremden, wenn man sich darauf besinnt,
wie jetzt auch in nichtlutherischen Kreisen das durchaus Unge⸗
nügende eines Schul⸗ und Erziehungswesens, das nicht auf
christlicher Grundlage beruht, immer mehr erkannt wird. Aus
dem Homiletical Revieu führte kürzlich der „Zeuge und An—
zeiger“ solgenden Ausspruch an: „Als ein Fehlschlag ist jedes
borgeschriebene Mittel der Erziehung] anzusehen, das nicht auf
das Haus und die Kindheit, auf die Quellen, welche die Ge—
sinnung und das Handeln unserer Jugend bestimmen, zurückgeht.
So gut auch die Sonntagsschule sein mag, sie reicht doch nicht
aus, die Jugend für die Kirche zu erziehen. Oft stellt sie sich
geradezu an Stelle der Kirche und entläßt ihre Kinder in die
Welt anstatt in die Kirche. Die Katholiken behalten ihre Jugend,
weil sie die Jugend erziehen. Protestanten weisen immer darauf
hin, daß die katholische Kirche einen so großen Einfluß auf die
Jugend hat. Das ist Tatsache. Die katholische Gemeindeschule
ist das große Mittel zu Roms Erfolg. Aber Protestanten haben
ihre Kinder erziehen lassen in Schulen, in denen keine Religion
getrieben wird, und nun ernten sie die Früchte. Selbst viele
Lutheraner haben den Wert einer guten Gemeindeschule nicht
erkannt und haben die durch dieselbe gebotenen Gelegenheiten
nicht gehörig ausgenntzt. Wo es nur möglich ist, sollte eine Ge⸗
meinde für die besondere Erziehung der Jugend sorgen.“ Das
sind Worte, die sich D. Gerberding und andere Lutheraner, die
in unbegreiflicher Verblendung den Wert der Gemeindeschule
nicht anerkennen wollen, hinter die Ohren schreiben sollten.
Auch der episkopalische CMurchman urteilte in seiner Nummer
vom 15. August, daß nur ein religiöser Unterricht, der sich durch
die ganze Woche hindurchziehe, genügend sei. Es heißt da wört⸗
lich: „Eine schwierige Frage ist, was wohl der Grund sein mag,
daß von den Sonntagsschulkindern so wenige später sich der Kirche

anschließen. Der Hauptgrund wird wohl sein, daß eine so karg
zugemessene Zeit dem Unterricht im Christentum gewidmet wird.
Es fehlt auch an geschulten Lehrern. Mehr und mehr bricht sich
die überzeugung Bahn, daß eine Stunde die Woche zu wenig ist,
unm die Grundsätze der Religion einem Kinde beizubringen. Ein
organisiertes System religiösen Unterrichts die ganze Wé oche
hindurch scheint der praktischste Vorschlag zu sein.“ Der
Redakteur des Cxurchman ist noch weit davon entfernt, die Er⸗
richtung eigener christlicher Schulen für die Kinder vorzuschlagen,
doch steht dieser Episkopale dem Gemeindeschulgedanken bedeutend
näher als der lutherische Professor Gerberding. Wir erinnern
noch an ein Wort Herrn A. H. Peakes, des südaustralischen
Ministers des Erziehungswesens, das uns vor einiger Zeit im
Australian Lutheran zu Gesichte kam. Herr Peake erklärte einem
Komitee unserer lutherischen Brüder in Australien, das ihm in
einer Schulangelegenheit seine Aufwartung machte: „Unsere
Regierung steht Ihren lutherischen Schulen nicht feindlich gegen⸗
über. Ich persönlich hege für diese Schulen die freundschaft⸗
lichsten Gefühle. Dadurch, daß sie religiösen Unterricht mit dem
Unterricht in weltlichen Fächern verbinden, lösen diese Schulen
ein Problem, das der Regierung schon viel zu schaffen ge⸗
macht hat.“ G.

Vor einigen Jahren versprach Andrew Carnegie der Vander⸗
bilt⸗Universität eine Million Dollars für ihre medizinische Ab⸗
teilung. Carnegie ist ein bitterer Feind des Christentums, und
wenn er einer Anstalt Schenkungen macht, vergewissert er sich erst,
daß die Anstalt nicht einer religiösen Körperschaft angehört. Ist
dies der Fall, so muß die Verbindung mit dem betreffenden
Kirchenkörper erst gelöst werden, ehe Carnegie seine Unterstützung
gewährt. Auch der Vanderbilt-Universität in Nashville, Lenn.,
wurde diese Bedingung gestellt. Ehe die Schenkung übertragen
wurde, mußte die Südliche Methodistenkirche, der bisher die
Trustees der Universität angehören mußten, ihre Verbindung mit
der Anstalt lösen. Dagegen erhoben die Führer der Südlichen

eethodisten Protest. Doch hat es ihnen nichts genützt; die
Trustees der Vanderbilt-Universität haben die Anstalt dem Un⸗
glauben ausgeliefert, um Carnegies Million zu bekommen. —
Um diesen Verlust wieder zu ersetzen, haben die Südlichen Metho—
disten in Atlanta, Ga., eine neue Universität gegründet. Ein
Privatmann, Herr Asa G. Chandler, hat zu diesem Zweck eine
runde Million Dollars geschenkt, ein anderer schenkte 5500,000,
ein anderer 825,.000. Außerdem ist den Südlichen Methodisten
liegendes Eigentum im Werte von einer halben Million zur Ver⸗
fügung gestellt worden. Herr Chandler begleitete seine Gabe mit
den Worten: „Ich bin in tiefster Seele überzeugt, daß unser
Land nicht mehr Erziehung rein weltlicher Art, sondern mehr
Erziehung auf bewußter religiöser Grundlage bedarf. Ich sehe
nicht, wie eine solche Erziehung beschaffen werden kann außer
durch Anstalten, die Eigentum der Kirche und von der Kirche
kontrolliert sind.“ G.

Unmittelbar von dem Kriege betroffen war von den frei⸗
kirchlichen Gemeinden bisher nur die Gemeinde in Mülhausen im
Elsaß. Von dort blieben fast drei Wochen lang alle Nachrichten
außer dem schon mitgeteilten Telegramm P. Willkomms aus.
Mitte September lief folgender Brief bei der Redaktion der „Frei⸗
kirche“ ein: „Der 9. Sonntag nach Trinitatis und die darauf⸗
folgende Nacht brachten für die Glieder unserer Gemeinde in
Mülhausen Stunden der Angst und des Schreckens, besonders für
die im Rebbergviertel und in Riedisheim, wo sich auch Pfarrhaus
und Kirchsaal befinden, wohnhaften. Die Gottesdienste konnten
wir noch halten, obwohl schon am Sonnabendmittag die ersten
feindlichen Patrouillen in die Stadt eingeritten und die ganze
Nacht hindurch größere Abteilungen durchgezogen waren. Wäh⸗
rend des Vormittagsgottesdienstes wurde vom Ortsdiener aus⸗

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