Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 70, Nummer 23 › Seite 362
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 10. November 1914, Seite 362
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Teufel 9
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Ser 2 utheraner
sendet, ihn zu schlagen, und das Regiment zieht mit fliegenden
Fahnen in das Lager des Gegners und macht gemeinsame Sache
mit ihm!
Wir sehen, es ist ein ernster, schwerer Kampf, in dem
wir stehen. Und dieser Krieg ist nun schon im Gange, beinahe
solange die Welt steht. Wir haben von einem siebenjährigen,
ja von einem dreißigjährigen Krieg gehört. Aber dieser unser
Krieg geht fort von einem Jahrhundert zum andern, von einem
Jahrtausend zum andern. Er hat angefangen, als Satan
gegen Gott rebellierte. Gott sprach: „Ich will Feindschaft
setzen zwischen dir und dem Weibe.“ Und dieser Krieg wird
dauern bis ans Ende der Welt. Ein tausendjähriges Reich
auf Erden, wo eitel Friede herrscht, wo aller Unglaube aus⸗
gerottet und alle bösen Geister geschlagen sind, wird nie
kommen, solange die Welt steht. Was hat dieser Krieg für
furchtbare Verwüstungen in der Welt angerichtet! Welch ein
Jammer, welch ein Fluch ist dadurch über die ganze Welt ge⸗
kommen! In diesem Kampfe kann auch niemand neutral
bleiben. Amerika mag dem europäischen Krieg gegenüber
neutral bleiben, aber keiner von uns kann neutral bleiben in
dem Krieg des HErrn. Hier heißt es: „Wer nicht mit mir
ist, der ist wider mich.“
Ja, wir haben zu kämpfen. Aber warum eigentlich?
Wozu muß die Kirche eine streitende sein? Um was han ·
delt es sich? Um was es sich in Europa handelt, kann
man aus politischen Blättern einigermaßen erkennen. Wenn
unter Völkern Krieg geführt wird, so kommt das manchmal
daher, daß man angegriffen wird und einen Verteidigungskrieg
führen muß, oder daß die Ehre des Landes verletzt worden ist,
oder daß man ein irdisches Reich weiter ausdehnen möchte und
einen Eroberungskrieg führt. Es handelt sich um das irdische
Vaterland. Und nicht jeder Krieg ist ein gerechter Krieg oder
ein nötiger Krieg. Unser Krieg aber ist ein gottgefälliger
Krieg. Er ist zwar auch ein Eroberungskrieg. Wir wollen
das Reich Christi ausbreiten in dieser Welt. Wir wollen so
viele Seelen wie möglich aus Satans Reich gewinnen. Aber
dabei handelt es sich nicht um irdische Vorteile, sondern um
das himmlische Vaterland, um das himmlische Jerusalem, um
die Krone der Ehren, die man uns und andern Menschen zu
entreißen sucht. Unser Krieg ist daher ein Werk der Liebe
und der Not. Es handelt sich darum, unsterbliche Seelen aus
den Fesseln und Banden der Sünde, des Todes und der Hölle
zu befreien. Wen der Sohn freimacht, der ist recht frei. Es
handelt sich darum, unsterbliche Menschenseelen ewig glücklich
und selig zu machen. Alle Arbeit in der christlichen Gemeinde
hat nur dieses eine Ziel.
Und nun die Waffen. Furchtbar sind die Waffen der
Neuzeit. Geschütze der modernsten Art richten Tod und Ver⸗
derben an. Wir machen unsern Gegnern mit Recht den
Vorwurf, daß sie auch schon irdische Waffen gegen uns Chri⸗
sten in Anwendung gebracht haben, von Kain an bis in die
Zeit der letzten Christenverfolgungen. Aber unser Heerführer
hat den Befehl gegeben: „Stecke dein Schwert in die Scheide!“
Mit irdischen Mitteln, gar mit Gewaltmitteln, kann man keinen
Ungläubigen zu einem Freunde des Heilandes machen. „Ziehet
an den Harnisch Gottes! Nehmet das Schwert des Geistes,
welches ist das Wort Gottes.“ Das ist schärfer denn kein
zweischneidig Schwert und durchdringt Mark und Bein, auch
Seele und Leib. Geht ein Sünder in seinen Sünden sicher
und sorglos dahin und hört dann auf einmal das Gesetz Got⸗
tes in seiner ganzen Schärfe, so ist es oft, als ob eine Bombe
in sein Herz einschlüge, daß er ganz verwundet, erschrocken und
zerschlagen ausruft: „Wo soll ich fliehen hin? Wenn alle
Welt herkäme, mein' Angst sie nicht wegnähme.“ Wenn dann
das liebe Evangelium kommt, wenn der Heiland vor ihm steht
und so freundlich zu ihm redet: „Schaue meine Hände und
Füße. Habe ich nicht mein Blut für dich vergossen? Ich habe
dich je und je geliebet; bei mir sollst du Ruhe und Frieden
finden für deine Seele; kommet her zu mir, alle, die ihr
mühselig und beladen seid, ich will euch erquicken“ — o wie
mancher ist da schon auf seine Knie gesunken und hat ausge⸗
rufen: „Mein HErr und mein Gott!“ — So wird Satans
Reich zerstört. Lieber Christ, willst du recht kämpfen, so
kämpfe nicht mit Strohhalmen, nicht mit Vernunftgründen,
sondern mit der Waffe des Wortes Gottes.
Wie steht es endlich aber mit dem Erfolg, mit dem Sie 92
Wer in Europa als Sieger hervorgehen wird, das ist noch un⸗
entschieden. Der Sieg ist von vornherein für beide Teile ein
ungewisses, zweifelhaftes Ding. Die Stärke des Heeres allein
entscheidet nicht immer. Der Rat Husais gefiel Absalom besser
als der Rat Ahitophels, und die Schlacht war verloren. Zu
dem allem ist es der HErr, der die Schlachten lenkt, den Krie⸗
gen steuert und Bogen zerbricht. Er hat das mächtige Heer
Pharaos geschlagen und den stolzen Napoleon gedemütigt.
Kein Heer, das in den Krieg zieht, weiß, ob es siegreich heim⸗
kehrt. Nur uns ist der Sieg von vornherein gewiß.
Sehen wir freilich auf unsere Gegner, so möchte uns der
Mut gänzlich entfallen. Wir Christen gegen den alt' bösen
Feind, mit groß Macht und viel List. Dazu die vielen Millio⸗
nen Heiden und Ungläubige in der Welt und viele Namen⸗
christen. „Wir sind gar bald verloren.“ Doch nein! Eins
dürfen wir nie vergessen: „Es streit't für uns der rechte Mann,
den Gott hat selbst erkoren. Fragst du, wer der ist? Er heißt
JEsus Christ.“ „Ich kämpfe selbst, ich brech' die Bahn, bin
alles in dem Streite.“ Jesaias, Paulus, Luther, sie waren große
Heerführer, aber doch nur Untergenerale. Der eigentliche
Schlachtenlenker ist Gott. Gott mit uns! ist das Losungswort
der Christen. „Ist Gott für uns, wer mag wider uns sein?“
Darum, „wenngleich das Meer wütete und wallete, und von
seinem Ungestüm die Berge einfielen, dennoch soll die Stadt
Gottes fein lustig bleiben“L. Der Sieg ist unser!
Was heißt das aber: Der Sieg ist unser? Heißt das, daß
wir die ganze Welt erobern, endlich alle Ungläubigen über⸗
winden und zu Christen machen werden? Die Zeit wird nie
kommen. Es wird nie dahin kommen, daß wir unsere Mis⸗
sionskassen abschaffen und unsere Arbeit einstellen können. Und
doch bleibt es wahr: Der Sieg ist unser. Das heißt, überall,
wo das Evangelium gepredigt wird, da ist auch Sieg. Gottes
Wort wird ausrichten, wozu es gesandt wird. Wenn wir durch
all unser Kämpfen und Arbeiten nur eine Seele gewönnen,
so wäre das der Mühe wert. Nun aber ist es ihrer eine große
Zahl, die in jener Ewigkeit auftreten und bezeugen wird, daß
unsere Arbeit an ihr nicht vergeblich war. Der Sieg ist unser,
das heißt: Jeder Christ ist ein Sieger über Sünde, Welt, Tod
und Teufel. „Unser Glaube ist der Sieg, der die Welt über⸗
wunden hat.“ Der Sieg ist unser, das heißt: Am Jüngsten
Tage wird der SErr alle seine Feinde zum Schemel seiner
Füße legen.
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