Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 70, Nummer 23 › Seite 369

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 10. November 1914, Seite 369

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trauen im Toben der Schlacht und zuweilen von tief ergreifenden
Beispielen der Umkehr zu Gott, von denen wir hier zur Ehre
Gottes, der auch im größten und schauerlichsten Kampf, den die
Völker je geführt haben, seine Verheißungen wahr macht, seine
Kinder behütet und seine Gnade und heiße Sünderliebe leuchten
läßt, berichten wollen. G.

Kriegsbettag in einer Dorfgemeinde.

Darüber berichtet ein Pastor:

„Tiefergreifend und herrlich war der Zug zu Gottes Hause
und Gottes Wort. Gleich am ersten Sonntag, dem ersten Mobil⸗
machungstage, war die Kirche doppelt so gut besucht wie sonst,
und 21 Heerespflichtige kamen mit ihren Angehörigen zum heili⸗
gen Abendmahl. Der Zudrang wuchs am 5. August, dem von
unserm Kaiser angesetzten Bettage, so daß die Kirche mit 450
Erwachsenen, 200 Männern und 250 Frauen, ganz gefüllt war,
und an dem Abend 71 Männer und 94 Frauen zum Tische des
SErrn kamen. Es befanden sich darunter auch solche, welche seit
Jahren und Jahrzehnten nicht erschienen waren. Die ersten
Wochen hindurch wurden für jeden Abend Kommunikanten ange⸗
meldet; die Sonntagsgottesdienste und die an jedem Mittwoch⸗
abend um 8%½ Uhr gehaltenen Betstunden, zu welchen die Teil⸗
nehmer gemäß der ergangenen Aufforderung in Alltagskleidern
erschienen, waren besucht wie sonst die Gottesdienste an hohen
Festtagen.

„Aus der Gemeinde wurde manches schöne Zeugnis vernom⸗
men. Hier hieß es: „Es mußte so kommen; die Sünde war zu
groß, die Welt war zu schlecht geworden.“ Dort: „Wir beten an
jedem Abend auf den Knien in unserm Hause. Es war besonders
sowohl in der Predigt wie auch in der persönlichen Seelsorge die
Bitte ausgesprochen, daß doch in den Häusern die Angehörigen
der Krieger jetzt Hausandachten halten und für ihre in den Krieg
ziehenden Väter, Söhne, Männer, Brüder usw. beten möchten,
mit dem Ziel, daß der weiteingerissenen Gebetslosigkeit in den
Häusern, wo möglich, dauernd abgeholfen werden möge. Zu dem
Zwecke war auch ein kurzer, dringender Aufruf in den Zeitungen,
welche hier in jedem Hause gelesen werden, ergangen.“

Aus einem „Feldbrief an deutsche Soldaten“.

„. . . Eins muß ich noch berühren, und ich weiß es, es ist
bei Euch kein wunder Punkt: Ihr vergeßt doch Euren Gott und
Heiland nicht! Nichts hat mich so gefreut wie dies, daß Ihr
beide vor Eurem Auszug unaufgefordert zum heiligen Abendmahl
gegangen seid. Als ich Euch an unserm Altar unter dem Bilde
des segnenden Christus knien sah, da wurde mir mein Vaterherz
mächtig bewegt, da dankte ich Gott. Söhne zu haben, die den Erunst
der Stunde verstehen und dort sich Kraft und Beistand holen.
wo der Christ allein sie holen soll und kann. Schlaft niemals
ein, ohne an Euren Gott gedacht, ohne zu ihm gebetet zu haben!
Das Militärgesangbuch habt Ihr ja. Da findet Ihr manches
schöne Lied, das einen Kriegsmann erbauen und stärken kann.
Wir beten täglich für Euch, und wenn Sonntags im Kirchen⸗
gebete der ausgezogenen Streiter gedacht wird, da drückt mir die
Mutter fest die Hand, und wir sehen einander an und bitten:
Ach HErr, behüte sie!

„Wie lange wir Euch noch entbehren müssen — wer weiß
es! Ob wir uns wiedersehen, wer kann es sagen! Euch kann
der Tod dahinraffen in der Ferne, wir können hier seine Beute
werden. Es ist nur ein Schritt zwischen uns und dem Tode
draußen und daheim. Ihr wißt, wie ich das Lied liebe: „Mache
mich selig, o IEsu!' Wer diesen Seufzer sein letztes Gebet sein
läßt, wahrlich, der hat einen schönen Tod. Wenn Ihr dem Feinde
die Stirne bietet, wwenn eine Kugel Euch treffen sollte, und wenn
Ihr fühlt, daß der Tod naht, dann laßt den Heiland Euren

letzten Gedanken sein. Ist es Gottes Wille, daß wir uns nicht
wiedersehen, dann wollen wir uns beugen unter seine Hand.
Erweist er uns aber die Gnade, daß wir uns wieder umarmen
können, dann wollen wir ihm danken lebenslang. Er halte seine
Hand über Euch und segne Euch!“

Ein Kaiserwort.

Als der Kaiser nach dem im Lustgarten abgehaltenen Gottes⸗
dienst die Bataillone seines ersten Garderegiments zu Fuß hatte
an sich vorbeiziehen lassen, hat er neben andern auch einem
P. Rogge die Hand zum Abschied gereicht und dabei freundlich
seiner Tätigkeit als Feldgeistlicher im Kriege 1870 gedacht. Als
Rogge seinem Bedauern Ausdruck gab, diesmal nicht wieder mit
ins Feld ziehen zu können, erwiderte der Kaiser: „Um so mehr
können Sie hier für uns beten. Es tut uns bitter not.“.

Das Morgengebet der Soldaten.

In einem Kloster in der Umgebung von Maubeuge wurden
deutsche Soldaten einquartiert. Sogar die Kapelle war angefüllt.
Um 6 Uhr morgens ertönten plötzlich von der Orgel der Kapelle
die Klänge des „Großer Gott, wir loben dich“. Ein Soldat, in
Zivil Lehrer, hatte sich an die Orgel gesetzt. Gegen 200 Solda⸗
ten stimmten nun freudig in das Lied ein und dankten Gott, daß
er sie bisher so gut beschützt hatte. ö

Matth. 18, 8.

Aus dem Lazarett schreibt ein schwerverwundeter Ulane an
seinen Vater: „Vater, ich habe meinen Arm verloren, aber mei—
nen Gott gefunden!“

2 4
—

Neue Drucksachen.

Alle an dieser Stelle angezeigten Bücher, Musikalien, Bilder usw. kön⸗
nen durch das Concordia Publishing House, St. Louis, Mo., zu den bei⸗
gefügten Preisen bezogen werden. Wo eine andere Bezugsquelle angegeben
wird, wolle man, bitte, bemerken, ob zu besorgen, falls nicht vorrätig.

Neunundzwanzigster Synodalbericht der All gemeinen Deutschen
Ev.⸗Luth. Synode von Missouri, Ohio u. a. St., versam⸗
melt als vierzehnte Delegatensynode im Jahre 1914. Concordia
Publishing House, St. Louis, Mo. 192 Seiten. Preis: 45 Cts.

MIVUTES OV THE 29TH GENHNRALUEETING of the Ev. Luth.
Synod of Missouri, Ohio, and Otlier States, being the lath
Assembly of Delegates, and held in the year of our Lord
1914. Concordia Publishing House, St. Louis, Mo. 64 pages.
Price, 15 ets.

Unsere letzte Delegatensynode hatte, wie aus dem vorliegenden Syno⸗
dalbericht ersichtlich ist, eine sehr große Menge wichtiger Geschäfte zu er⸗
ledigen. Der Bericht über unsere Lehranstalten umfaßt allein fünfzig
Seiten und ist für jedes Synodalglied, das Interesse und Verständnis
für die Angelegenheiten des Reiches Gottes über die eigene Gemeinde
hinaus hat, von großer Wichtigkeit. über unsere Missionen im Inland

und Ausland bekommen wir Aufschluß auf vierzig Seiten. Die Finanz⸗
angelegenheiten der Synode sind auf Seite 130—174 besprochen. Ein
Verzeichnis aller Synodalbeamten ist Seite 183—187 zu finden. Das

Regulativ für die Wahlen auf der Allgemeinen Synode macht den Be⸗
schluß. — Der in englischer Sprache erschienene Bericht gibt nur die
Beschlüsse auf 64 Seiten. Beide Berichte seien hiermit alten und jungen
„Lutheraner“-Lesern herzlichst empfohlen! K.

Vierundfünfzigster Synodalbericht der Ev.⸗Luth. Synode von
Minnesota u. a. St. 1914. Northwestern Publishing House,
Milwaukeée, Wis. 93 Seiten 5 ½ X8. Preis: 10 Cts.

Dieser Bericht enthält zuerst den Präsidialbericht Präses J. H. Nau⸗
manns über das vergangene Synodaljahr, sodann eine lehrreiche Abhand⸗
lung Direktor J. Schallers: „Wie können wir die gute Sache der christ⸗
lichen Gemeindeschule fördern?“ die diesen allezeit wichtigen und zeit⸗
gemäßen Gegenstand in klarer, überzeugender Weise behandelt, und
schließlich eingehende Mitteilungen über die Arbeit der Synode auf ihren

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