Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 70, Nummer 24 › Seite 380

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 24. November 1914, Seite 380

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Zeitſchriften · Zeitſchriften 4

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zelnen Glieder von der Kanzel aus zu handeln. Wir machen
diese Weise nicht mit. Aber ohne Zweifel werden unsere Pa⸗
storen andere Gelegenheiten wahrnehmen, in dieser Weltzeit,
wo die Zeitung eine solche Macht ist, wo viele Menschen nichts
anderes lesen als eine Zeitung, auch einmal etwas eingehend
von der kirchlichen Zeitung zu reden und von der großen,
wichtigen Aufgabe, die sie hat gegenüber der meistens un⸗
gläubigen, oft geradezu gottlosen Tagespresse. Treue Lehrer
und eifrige, verständige Vorsteher, denen das Wohl und der gute
Stand ihrer Gemeinden am Herzen liegt, werden ihren Pastor
darin unterstützen. Aber wir wenden uns ganz besonders auch
an unsere Gemeindeglieder. Nichts bahnt einem Kirchenblatt
so gut den Weg als die Empfehlung des Freundes an seinen
Freund, des Nachbars an seinen Nachbar. Seit Jahren stehen
wir mit Gemeindegliedern hin und her in unserer Synode in
gelegentlichem brieflichen Verkehr. Und wir wissen daraus,
daß in mehr als einer Gemeinde durch das Interesse und den
Eifer einzelner Glieder die Zahl der Leser kirchlicher Blätter
ganz bedeutend zugenommen hat. Ist die Sache es nicht wert,
daß man in diesen Wochen und Monaten wieder einmal einen
allgemeinen und ernstlichen Versuch in dieser Richtung macht?
Unter Gottes Segen wird er ganz gewiß Früchte tragen für
Zeit und Ewigkeit. L. F.

— ——
— —

Der Papst und die Obrigkeit.

2. Die römische Kirche ist politisch tätig, um den Ansprüchen der
Päpste auf weltliche Macht Anerkennung zu verschaffen.

I. In Großbritannien und Irland. Unter
den größeren Reichen der Erde gibt es keins, in dem die
römische Kirche weniger politische Fortschritte errungen hat als
in England. Die Engländer haben sich nämlich noch nicht von
dem Schrecken erholt, den sie einst im siebzehnten Jahrhundert
erlebten, als es dem Papst um ein Haar gelungen wäre, sich
wieder zum Oberherrn Englands zu machen. Damals wurde
König Karl J., der mit Hilfe der Jesuiten fleißig an der Arbeit
war, die römische Religion wieder als Staatsreligion einzu⸗
führen, für seinen Eidbruch geköpft, und über die Römlinge
brach ein hartes Gericht herein. Weil die Engländer ihre
Landesgeschichte gut kennen, haben sie sich bisher sehr gesträubt,
den Katholiken politische Rechte einzuräumen. Es darf in
England nicht einmal eine öffentliche katholische Prozession ge—
halten werden. In der Wachsamkeit, mit der man in England
die römische Gefahr beobachtet, liegt der Grund dafür, daß in
dem britischen Weltreich das Papsttum bisher keine große poli⸗
tische Rolle gespielt hat.

Die römische Kirche ist deswegen jedoch durchaus nicht
untätig auf dem Felde der englischen Politik. Sie versucht
in Großbritannien wie in allen andern Ländern dem An⸗
spruch des Papstes, er sei der höchste irdische Herrscher, sein
Wille habe zu entscheiden, was ein Katholik in zeitlichen Hän—
deln für eine Stellung zu nehmen habe, Geltung zu verschaffen.
Wo sie die Macht besitzt, wendet auch im britischen Reich die
Papstkirche ihre Mittel dazu an, die Gesetzgebung und die
Gerichtshöfe zu ihrem eigenen Vorteil zu beeinflussen.

In England scheut sich zwar die Klerisei, öffentlich die
Lehre vorzutragen, daß der Papst ein irdischer Herr sei, der
über dem König stehe, und daß seine Gesetze höchste, göttliche

Geltung haben. Doch treibt sie in ihren Schriften, die weniger
unter das allgemeine Volk kommen, genau diese Lehre, und
zwar ohne Abbruch und Einschränkung. Das Londoner Katho—

likenblatt 7½ Tablet erklärte kürzlich, die römische Kirche be⸗
anspruche allerdings das Recht, in allen Fragen, die irgendwie

mit der Moral in Berührung kommen, auch zum Beispiel in

der Arbeiterfrage und in andern politischen und sozialen
Das Wort

Fragen, das letzte, entscheidende Wort zu reden.
des englischen Kardinals Manning, daß der Papst keine
politische Gewalt anerkenne und der höchste Herrscher auf Erden
sei, haben wir schon angeführt.

Papst zu widerstehen; man sei sicherer, wenn man auf Seite
des Papstes sei.

sie habe das Recht, solche, die nicht ihres Glaubens sind, aus
dem Staate zu entfernen, wie ein Mensch das Recht hat, Gift
aus seinem Körper zu entfernen. Wir lesen da einen Satz,
den wir uns merken sollten: „Toleération to Protestants is
intolerance to Catholics.“

in principle“, „Wir verwerfen sie durchaus im Prinzip“.
Wir werden durch solche Aussagen an das Wort des großen

englischen Staatsmannes Robert Peel (1830) erinnert: „Der
Tag ist nicht sehr fern, daß wir den Kampf der Reformation

wieder überkämpfen müssen.“ Diese Warnung verhallte nicht un⸗
beachtet. Als im Jahre 1829 das Catholic Emancipation-Gesetz
verabfaßt wurde, welches Katholiken erlaubte, öffentliche Amter
zu bekleiden, bestand der Staatsmann Pitt darauf, daß die
Vereinigung Irlands mit England unter einem Parlament
eine Bedingung dieser Verleihung staatlicher Rechte an die
Katholiken sei. Warum das? Weil Pitt voraussah, daß die
Katholiken diese Gleichberechtigung mit andern Bürgern dazu
benutzen würden, im Sinne des Papstes Politik zu treiben.
Dem sollte dadurch ein Riegel vorgeschoben werden, daß man
das großenteils katholische Irland dem protestantischen Eng—
land unterordnete. Diese Maßregel hat ihrem Zwecke
wohl gedient; doch sind die Römischen schon seit Jahrzehnten
an der Arbeit, das Gesetz, welches Irland an das (protestan⸗
tische) Parlament Englands knüpft, wieder aufzuheben. Das
ist die sogenannte Home Rule-Bewegung. Weil sich die eng⸗
lische Regierungspartei, die jetzt am Ruder ist, ohne die 80
Stimmen der irischen Parlamentsglieder nicht halten konnte,
hat sie auf das Drängen der letzteren ein solches HKome Rule-
Gesetz passiert, und dasselbe ist kurz nach Ausbruch des großen
Krieges vom englischen König unterzeichnet worden. Es soll
im Sommer 1915 in Kraft treten. Nach den Bestimmungen
dieses Gesetzes hat Irland das Recht, seine innere Verwaltung
durch eigene Landesgesetze selbständig zu ordnen. Doch be—
hielte Irland im englischen Parlament immer noch 42 Abge⸗—
ordnete, die der Mehrzahl nach Katholiken wären und sich die
Gelegenheit nicht entgehen lassen würden, ihren Einfluß, wie
bisher, zugunsten der römischen Kirche in die Wagschale zu
werfen.

Gegen dieses Home Rule-Gesetz haben vor allem die Be—
wohner der nördlichsten Provinz Ulster, die zum guten Teil
Protestanten schottischer Abkunft sind, Protest eingelegt. Diese
Ulsterleute machen kaum ein Fünftel der Bevölkerung Irlands

——— —

Kardinal Newman tat einst
den Ausspruch, es sei gefährlich, in weltlichen Händeln dem!

Der katholische Geistliche Croke-Robertson
schrieb in einem 1887 veröffentlichten Pamphlet, die römische
Kirche könne das Recht der Religionsfreiheit nicht anerkennen;

Von der Gewissensfreiheit schreibt
dieser Papist ganz wie Leo XIII.: „We utterly condemn it x

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——. II———

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