Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 70, Nummer 24 › Seite 383
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 24. November 1914, Seite 383
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EII —
3r Tutßberane 283
ner, die in sehr naher verwandtschaftlicher Beziehung zu früheren
Pastoren der Dreieinigkeitsgemeinde stehen. Im Eröffnungs⸗
gottesdienst lauschte die Gemeinde einer packenden, volkstüm⸗
lichen Predigt Herrn P. Brauers von Beecher, Ill., dessen Vater
einst Seelsorger der Gemeinde gewesen war. In fesselnder Weise
wandte er auf Grund des Textes 1 Kor. 1, 31 das dreifache Amt
unsers HErrn IEsu Christi auf das Werden und Bestehen der
Gemeinde an. Am Abend des 18. Oktober predigte Herr Prof.
Gräbner, ein Enkel des seligen Professors Schaller, der eben⸗
falls Pastor der Dreieinigkeitsgemeinde gewesen war, in eng⸗
lischer Sprache. Diese Predigt war ein Zeugnis für die Grund⸗
wahrheiten der lutherischen Lehre, doppelt wertvoll für manchen
Fremden, der sich zu diesem Gottesdienst eingefunden hatte. Am
zweiten Festsonntag hielt Herr Prof. Fürbringer, dessen Mutter
in ihrer ersten Ehe die Gattin des ersten Pastors der Dreieinig⸗
keitsgemeinde, des Herrn Pastor Hermann Walther, gewesen
war, vor voller Kirche einen historischen Vortrag über die sächsische
Einwanderung vor fünfundsiebzig Jahren, mit welcher bekannt⸗
lich die Gründung der Dreieinigkeitsgemeinde zusammenfällt.
Es waren aber nicht trockene Zahlen und Daten und unbekannte
Persönlichkeiten, sondern das gnädige Walten Gottes, des er⸗
höhten Christus in seiner Gemeinde, die großen Taten Gottes
unter dem Volk seiner Weide, die in diesem Vortrag der Ge⸗
meinde vorgeführt wurden. Diese Betrachtung leitete einerseits
zur Demütigung, andererseits zu herzlichem Dank und Lob
Gottes an. Am Abend fand unter Leitung Herrn Pastor Herz⸗
bergers ein englischer Gesangsgottesdienst statt, in welchem der
Cantata-Chor der Gemeinde, der unter der Direktion Herrn
Seuels steht, Gauls „Eternal City“ vortrug. Am Freitagabend
vor diesem Sonntag hatten die lieben Frauen die Gemeinde, alt
und jung, zu einer schönen geselligen Feier in der Schulhalle ver⸗
sammelt. — Die Dreieinigkeitsgemeinde hat bekanntlich sehr regen
Anteil nehmen dürfen an dem Entstehen und der Entwicklung
unserer teuren Synode. In ihrer Mitte entstand unser Synodal⸗
organ, „Der Lutheraner“, das Gesangbuch, das wir jetzt noch
besitzen, und die deutsche Bibel, die wir gebrauchen. Diese Ge⸗
meinde war es auch, die durch ihre Opferfreudigkeit die Verlegung
unsers Seminars von Altenburg nach St. Louis ermöglichte.
Gott hat dieser Gemeinde besondere Gnade erwiesen, indem er
ihr so überreiche Gelegenheiten schaffte, für seine Kirche tätig zu
sein. Er hat sie für viele zum Segen gesetzt. Möge der opfer⸗
freudige, tätige Sinn in dem jetzigen Geschlecht dieser Gemeinde
weiterleben! Wir rufen der Gemeinde das Wort eines der be⸗
stellten Festprediger zu: „Dein Alter sei wie deine Jugend!“
D.
Unsere Lehranstalten. Einige statistische Angaben stehen
noch aus. Es sind den letzthin gemeldeten noch folgende hinzu⸗
zufügen:
Anstalten. Neueingetretene. Gesamtzahl.
Fort Wayhne 60 2⁴45⁵
Oaklaodddte 8 30
Conoveeeeeerrr. 18 60
Aus Winfield schreibt Dir. Meyer: „Am Nachmittag des
22. Sonntags nach Trinitatis (8. November) fand die feier⸗
liche Eröffnung unserer neuerbauten Turnhalle mit zweckent—
sprechendem Gottesdienst statt, in welchem P. R. Mießler (Vor⸗
sitzer der Aufsichtsbehörde) in deutscher Sprache und Prof. H.
Stöppelwerth in englischer Sprache redete. Der Ortspastor sprach
das Gebet und verlas einen Schriftabschnitt. Am darauffolgen⸗
den Abend fand eine gesellige Feier statt. Es wäre in dieser
Zeit nicht zum Bau einer Turnhalle gekommen, hätte nicht auch
die Allgemeine Aufsichtsbehörde erkannt, daß durchaus mehr
Raum beschafft werden müsse für unsere wachsende Schülerzahl,
wenn wir nicht Schüler abweisen wollten. Die Zahl unserer
Schüler beläuft sich jetzt auf 120.“ G.
Danktag — Bußtag. Das soll der Danktag immer sein, ein
Bußtag, an dem wir uns darauf besinnen, wie gleichgültig wir
meistens gegen Gottes Wohltaten sind, wie reichlich wir nicht
Segen, sondern Strafe, Leid und Unglück verdient haben unserer
Undankbarkeit halben, unserer Lässigkeit halben, wenn es heißt,
dem HErrn in seinem Reich mit unsern Gütern zu dienen. Willst
du das erkennen und dir helfen lassen, daß dein Danktag ein
rechter Bußtag werde, so höre einmal, Leser, wie es jetzt drunten
in Australien steht. Erstens ist Australien auch von dem
großen Weltunglück, dem gegenwärtigen Krieg, sehr hart betroffen.
Handel und Geschäfte stehen still. Es herrscht aber noch eine
andere, furchtbare Plage, nämlich eine Dürre, wie sie schreck⸗
licher nicht gedacht werden kann. Im Jahre 1900 wurde durch
eine Dürre ein großer Teil des Volkes verarmt; doch ist die dies⸗
jährige die schlimmste, die Australien seit sechzig Jahren erlebt hat.
Dazu kommt, daß schon vorher durch einen Frost fast die ganze
Obsternte ruiniert war. Krieg, Dürre, Frost, Arbeitslosigkeit —
welch ein schweres Gericht! Ein Glied unserer australischen
Schwestersynode schreibt: „Wir leben hier augenblicklich in großer
Spannung, da wir sehr betroffen werden von den Kriegsereig⸗
nissen in Europa; denn als Abkömmlinge von Deutschen werden
wir von manchen unserer Mitbürger mit scheelen Augen angesehen,
fast so, als sei es gar nicht möglich, ein loyaler Untertan zu sein,
wenn man deutscher Herkunft ist. Außerdem sucht der liebe Gott
unser Land mit einer schrecklichen Dürre heim, mit einer Dürre,
wie sie seit Menschengedenken in Australien nicht vorgekommen ist.
Die Folgen dieser Dürre sind unabsehbar. Schon jetzt nimmt die
Arbeitslosigkeit überhand; viele Pferde werden einfach erschossen,
weil niemand sie geschenkt haben will; die Schafe (der Haupt⸗
wohlstand Australiens] sterben zu Tausenden; Wassermangel tritt
fast allenthalben ein; wir hier in Adelaide haben nur noch Wasser
auf etliche Monate im Reservoir, und wenn es nicht bald regnet,
müssen menschlicher Berechnung nach Seuchen ausbrechen. Der
HErr sehe in Gnaden drein!“ In einem australischen kirchlichen
Blatt wird geschrieben: „Denkt man an alle Nöte, die uns jetzt
betroffen haben, an die Trockenheit, den Frost, den Krieg, so
kommen einem die Gerichte über Israel, Jes. 9 und 10, in den
Sinn: „Aber in dem allem läßt sein Zorn noch nicht ab, seine
Hand ist noch ausgereckt.“ Es gibt noch härtere Gerichte über die
Sünde als Krieg und Hungersnot, das sind die Strafen, welche
Gott über die verhängt, die mit irdischen Gütern reich gesegnet
sind, aber dem Geber alles Guten nicht mit diesen Gaben dienen
zur Erhaltung und Ausbreitung seines Reiches. Solche Gerichte
sind Spaltungen, Niedergang christlicher Sitte,
falsche Lehre, der geistliche Tod. Wie reich ist doch
auch unser lutherisches Christenvolk hierzulande mit allerlei irdi⸗
schem Gut gesegnet, und wie leidet doch die Kirche allenthalben
Not, weil so viele Gottes Gaben hinnehmen, ohne daran zu denken,
daß wir nur Haushalter sind über dieses irdische Gut, die einst
Rechenschaft geben müssen von ihrem Haushalten. Wie schwer
versündigt sich doch manche Gemeinde damit, daß sie das Werk ihrer
Pastoren und Lehrer mit Undank ablohnt, wohl gar ihre Pastoren
und Lehrer darben läßt oder doch mit einem so jämmerlich geringen
Gehalt besoldet, daß sie nie aus den Nahrungssorgen heraus⸗
kommen. Daß solche Gemeinden doch in sich kehren möchten und
nicht den Zorn Gottes länger herausfordern, der die treffen muß,
die da meinen, sie könnten Gott dienen und dem Mammon! Am
30. September, mitten in der Zeit großer Dürre, feierte eine
unserer Schwestergemeinden in Australien Missionsfest. „Wie?“
fragte der Festprediger, „wir wollen jetzt in dieser ernsten, küm—
merlichen Zeit Missionsfest feiern?“ und sagte dann in seiner
Antwort auf diese Frage: „Es ist Gott der HErr, der unser Land
jetzt heimsucht mit Dürre und Mißwachs, damit wir uns unter
seine allmächtige Hand demütigen und erkennen sollen, daß wir
mit unsern vielen und schweren Sünden solche Heimsuchungen
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