Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 70, Nummer 24 › Seite 385
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 24. November 1914, Seite 385
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385
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„Ein' feste Burg“ oder „IEsu, geh voran“. Das Sorgen über⸗
ließen sie ihrem Pfarrer oder den Hausvätern.
Am 20. September, am zwanzigsten Tage der Flucht, ge⸗
lang es, das Endziel, Gallneukirchen, zu erreichen. So wurde
eine Wanderfahrt glücklich vollendet, die in der Geschichte des
christlichen Anstaltslebens wohl ohne Beispiel dastehen wird.
Beinahe 700 Meilen, eine Entfernung etwa wie von Wien über
Berlin nach Bremen, mußten zu Fuß und mit der Bahn zurück⸗
gelegt werden, und diese lange Strecke wurde zurückgelegt ohne
Unfall und Krankheit.
Der Wolken, Luft und Winden
Gibt Wege, Lauf und Bahn,
Der wird auch Wege finden,
Da dein Fuß gehen kann.
Im Feldlazarett.
(Von einem Feldprediger.)
In den ersten Tagen des Aufenthalts in St. D. war die
Arbeit fast nicht zu bewältigen. In sieben Gebäuden von an⸗
sehnlichem Umfang lagen Verwundete. Ich habe mein best⸗—
mögliches getan, vielen Leuten Karten geschrieben, ein paar Worte
zum Trost und zur Ermunterung gesagt, ein Lied oder einen
Psalm vorgelesen und ein Gebet gesprochen für die Leute in
einem Raum. Aber es kommt recht viel Elend zutage. Da stirbt
ein Vater von vier Kindern bei der Einlieferung ins Lazarett.
Da stehe ich am Sterbelager eines jung verheirateten Freundes.
sehe, wie es langsam zu Ende geht, und muß der Frau etwas
zum Trost schreiben. Da liegt ein junger Artillerieoffizier mit
drei schweren Wunden, der mir selber sagt, er werde sterben
müssen, und bittet, ich solle für ihn beten. Kaum bin ich zum
Zimmer hinaus, da erfahre ich, daß seine Schwester im Rote⸗
Kreuz-Lazarett hier ist. Ich erwirke die Erlaubnis vom Arzt,
daß die Schwester kommen darf; so haben sich die zwei noch ge⸗
sehen. Nach wenigen Stunden starb er. Mancher hört es nur
noch im halbwachen Dämmerzustand des Wundfiebers, wenn ich
ein Vaterunser spreche oder die Verse: „Wenn ich einmal soll
scheiden“ usw. Mein täglicher Gang um 6 Uhr abends ist zum
Friedhof. Im stillen Zug tragen sie ihre toten Kameraden von
der Kathedrale durch ein paar enge Straßen zur freien Höhe des
Friedhofs, wo ein langes Grab die deutschen Krieger aufnimmt,
und jeden Tag bohrt in mir der Gedanke, wieviel Trauer in der
Heimat diese neuen Gräber hervorrufen werden.
Und doch ist es eine wundervolle Aufgabe, unter den Ver⸗
wundeten und Sterbenden als Seelsorger zu stehen. Man kann
doch manchen Dienst tun, und wenn es nur ein Gruß ist, den
man heimschreibt, oder ein Glas Wasser, das man bringt, oder
das Herbeiholen des Arztes.
zu, wenn ich im Saal einen Psalm vorlese; manche bitten drum,
und manchem sieht man es an den Augen an, wie tief die Worte
gegangen sind. Einer meinte: „Jetzt muß mer bete; zehnmal
's Tags langt net.“ Und ein anderer sagte: „'s Bete gibt ei'm
so a Ruh.“ Ich finde keinen Unterschied zwischen Arbeiter und
Bauer, Städter und Landbewohner. Daß man Gottvertrauen
braucht, davon sind sie alle durchdrungen. Manch einer fängt von
selber davon an, daß er bisher wenig auf Bibel und Beten ge⸗
halten habe. Nun soll's anders werden. Die großen Nöte, durch
die wir hindurchgehen, sind doch nicht umsonst.
Wunderbare Bewahrung.
Der Landsturmmann Gabor Weiß aus Verebely in Nord⸗
ungarn wurde bei einem Kampfe vor Lublin von einer russischen
Infanteriepatrouille beschossen. Eine Kugel traf ihn und hätte
ihn sicher gefährlich verletzt oder gar getötet, wenn Weiß nicht
zufällig (so pflegt man zu sagen) ein Gebetbuch, das seine Frau
ihm mitgegeben hatte, in die Brusttasche gesteckt hätte. Die Kraft
Und gerne hören alle andächtig
*
der Kugel wurde durch das starke Buch wesentlich abgeschwächt.
Er wurde auf die Prager Klinik gebracht und von Professor
Schlosser behandelt. Er konnte schon nach einer Woche als ge⸗
heilt entlassen werden.
Abendgebet der Kinder während der Kriegszeit.
Lieber Gott, bei Tag und Nacht
Hältst du treue Himmelswacht,
Und der Menschen Gut und Blut
Steht in deiner sichern Hut.
Sei auch der Soldaten Hort!
Stärke sie mit deinem Wort!
Schirme sie in Kriegsgefahr!
Mach' sie tapfer immerdar!
Führe sie an deiner Hand
Wieder heim in unser Land!
Gib uns Frieden nach dem Streit!
Schenk' uns deine Seligkeit! Amen.
(Evang. Sonntagsbl. aus Bayern.)
Besuch des Kaisers im Feldlazarett.
. . .Der Kaiser ging von Bett zu Bett und überreichte den
Verletzten mit einem Handschlag prachtvolle Rosen. Einige Zeit
verweilte er am Lager eines jungen Kriegers, der mit todernsten
Augen zu seinem obersten Kriegsherrn aufschaute und erzählte,
wo er seine schweren Verwundungen erlitten habe. Der Kaiser
fuhr dem schwerverwundeten jungen Soldaten liebevoll mit der
Hand über den Kopf und sagte: „Gott hilft; er ist mit uns im
Osten und im Westen; er wird auch dir weiter helfen, mein
Junge!“
Aus einem Abschiedsbrief an die Eltern.
„Der Gedanke an Euch, liebe Eltern, ist das einzige, was
mir die Sache etwas schwer macht. Gott tröste Euch und führe
mich durch diese ernsten Stunden für immer an sein Herz! Auf
Wiedersehen! spätestens in der ewigen Reserve!“
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Todesanzeige.
Julius Prelle, treuverdienter Lehrer der Gemeinde
bei Lanesbille, Ind., ist am 31. Oktober eingegangen zu der Ruhe,
die der HErr seinem Volk bereitet hat. Tags zuvor wurde er,
nachdem er eben die biblische Geschichte vom verlornen Sohn be⸗
endet hatte, von einem Schlaganfall betroffen. Am nächsten
Morgen hatte er ausgekämpft. — Geboren wurde der Entschlafene
am 8. Dezember 1862 zu Alfeld, Hannober, Deutschland. Mit
seinen Eltern kam er als zehnjähriger Knabe nach Amerika. Im
Jahre 1888 bezog er unser Schullehrerseminar zu Addison und
folgte 1886 einem Ruf an die Gemeinde zu Lanesbville, Ind.,
der er 28 Jahre in aller Treue gedient hat. Sein Pastor, der
mit ihm fast 22 Jahre zusammen gearbeitet hat, hielt ihm die
Leichenrede über Joh. 12, 26. Sein Alter brachte er auf
51 Jahre, 10 Monate und 23 Tage. Sein Gedächtnis bleibe
unter uns im Segen! ö C. S.
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Neue Drucksachen.
Alle an dieser Stelle angezeigten Bücher, Musikalien, Bilder usw. kön⸗
nen durch das Concordia Publishing House, St. Louis, Mo., zu den bei⸗
gefügten Preisen bezogen werden. Wo eine andere Bez ugsquelle angegeben
wrd, wolle man, bitte, bemerken, ob zu besorgen, falls nicht vorrätig.
Luthergiri. Ein Besuch im lutherischen Pfarrhause in Indien. Von
Reinhold Freche, Missionar im Dienst der Heidenmisston
der Ev.⸗Luth. Missourisynode in Vaniyambadi, Ostindien. Con-
cordia Publishing House, St. Louis, Mo. 1914. 64 Seiten.
Preis: 30 Cts.
„Luthergiri“* heißt „Lutherberg“. Diesen Namen trägt seit dem Be⸗
such unsers Missionsdirektors Friedrich das Misstonshaus der Station
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