Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 70, Nummer 24 › Seite 382
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 24. November 1914, Seite 382
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382
Ser „Tutherane⸗
einer katholischen Behörde geziemtL. Das war eine poli⸗
tische Behörde, die hier dem „Rat“ des Priesters gehorsam
war und nach seinen Wünschen ein politisches Amt besetzte.
Als für die Besetzung einer Dispensary-Stelle in Kilti⸗
magh verschiedene katholische Kandidaten in Vorschlag gebracht
worden waren, erhielt wiederum derjenige von ihnen, der in
einer katholischen Anstalt ausgebildet war, das Amt, und zwar
„mit Rücksicht auf die Verordnung unserer kirchlichen Behörden,
die es uns nicht erlaubt, andere Kandidaten zu berücksichtigen“,
wie es in einem öffentlichen Schreiben der Wahlbehörde heißt!
Der (katholische) Western People vom 9. Dezember 1905
veröffentlichte den Beschluß eines Zweigvereins der Irish
League, der eine Wahl gutheißt, weil der Verein die über⸗
zeugung hege: „Wir glauben, daß diese Wahl die Zustimmung
der Bischöfe und Priester Irlands finden wird.“
Durchaus ist in obigem von politischen Stellen
die Rede.
Eine Versammlung von Priestern, die am 24. Oktober
1906 in Claremorris stattfand, faßte mit Rücksicht auf eine
bevorstehende Wahl den Beschluß: „Wir bitten die Räte, ihre
Unterstützung jedem Kandidaten zu entziehen, der nicht eine
Empfehlung von seinem Priester vorzeigen kann.“
Mit Recht konnte also die London Times vom 26. April
1911 sagen: „Die eigentliche Regierung Irlands liegt in den
Händen der Bischöfe und Priester.“
In einem Buch, TNe Sorrous of Treland („Irlands Lei—
den“), das im Jahre 1907 ein irischer Katholik in Dublin
herausgab, kommen folgende Bemerkungen über die Priester⸗
herrschaft vor: „Die Regierung Irlands ist kaum von einer
geschlossenen Priesterkorporation zu unterscheiden... Was
den Ausschlag gibt, ist der Wille der Priester und Bischöfe, die
das katholische Volk als stock in trade halten, und die es, je
nachdem sie mit dem Staatssäckel ein Abkommen treffen, zu
Gelde machen. Der Katholik hat keine eigene Meinung mehr
in politischen Dingen.“
Wir schließen diesen Abschnitt mit dem Ausspruch eines
irischen Presbyterianers in einem amerikanischen Presbyteria⸗
nerblatt: „Die katholische Kirche hat seit dem Tridentinischen
Konzil behauptet und behauptet jetzt noch, daß sie, wo sie die
Gewalt besitzt, die protestantischen „Ketzer“ nicht dulden wird.
Versprechungen und Kontrakte haben in ihren Augen keine
Gültigkeit, denn sie beansprucht die Oberhoheit über die Kirche,
über den Staat und über die unsichtbare Welt; und wenn man
ihr diese Ansprüche nicht einräumt, dann behauptet sie, sie
werde verfolgt. Wir wissen alles dies in Irland, und die
Zeit wird kommen, daß ihr in den Vereinigten Staaten es auch
erkennen werdet.“ G.
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Kurze Nachrichten aus uusern Missionen.
Innere Mission. Canada. P. Laabs, Pastor der Ge⸗
meinde in Luella, Saskatchewan, Canada, für deren Kirchbau
die Allgemeine Unterstützungskommission im
Gaben bat und bittet, schreibt: „Nun möchte ich auch berichten,
daß wir gestern Einweihung feierten. Die Leute sind voller
Freude, besonders darüber, daß sie so reiche Hilfe bekommen
haben; denn wenn sie diese Hilfe nicht bekommen hätten, wäre
es ihnen im Herbst nicht gut gegangen. Man erfährt doch
immer wieder: Wenn die Not am größten, ist Gottes Hilfe
„Lutheraner“ um
am nächsten.“ Später schreibt er: „Ich hatte nicht erwartet,
daß der Aufruf im „Lutheraner“ mit solch großem Erfolg ge⸗
krönt sein würde. Ich will beim nächsten Gottesdienst es einmal
der Gemeinde so recht vorhalten, insonderheit jenen Para⸗
graphen im letzten Lutheraner (Nr. 19, S. 303) von jenem
Mann im Westlichen Distrikt. Ich glaube, das sollte doch
meine Leute zu großem Dank anspornen. Ich glaube, etwas
Frucht hat es schon getragen. Wir haben nämlich letzten Sonn⸗
tag zum erstenmal Missionsfest gefeiert. Viele wußten nicht,
weshalb man Missionsfeste feiert; jetzt wissen sie es. P. L.
war hier und predigte im Vormittagsgottesdienst. Die Kol⸗
lekte betrug 514.80. Das ist meiner Ansicht nach sehr gut.
Wohl hatten sie dieses Jahr eine kleine, etwa eine Viertelernte,
aber wenn man bedenkt, wie tief sie in alle Schulden stecken und
fast buchstäblich von den Gläubigern „gefressen“ werden, so ist
es wirklich eine feine Kollekte zu nennen. Ich hatte erst Angst,
Missionsfest zu feiern, weil ich meinte, es würde doch nichts
zusammenkommen; aber das war einmal wieder mein Klein⸗
glaube, der nicht bedachte, was die allmächtige Gnade Gottes
tun kann und tut.“ C. F. Walther.
Indien. Missionar O. Ehlers hat im Trivandrum-Ge⸗
biete an den drei Orten Timirichel, Nadukani und Madathiko⸗
nam unter Beihilfe der andern Missionare die Arbeit über⸗
nommen. Gott segne seine Arbeit zu seines Namens Ehre! —=
Missionar Freche schreibt unter dem 1. Oktober: „Meine Flinte
ist mir abgenommen worden. Völlige Neutralität habe ich
versprechen müssen, sowie daß ich keinen Verrat üben wolle
Krieg und Flotte betreffend. Zum Reisen im North Arcot⸗
und Salem⸗Distrikt habe ich schriftliche Erlaubnis bekommen.
Will ich wo anders hin, so muß ich besondere Genehmigung
haben. Komme ich in den Salem⸗Distrikt, so muß ich dies dem
Distriktsoberhaupt anzeigen. Ferner, bei jedem Wegsein von
der Station muß ich dem Stadtoberhaupt Bericht erstatten
über Abreise, Aufenthalt und Rückkehr. Das nennt man Ge⸗
fangenenzustand.“ Jul. A. Friedrich.
Missionar A. Hübener hat allerlei Scherereien gehabt, weil
er ein Deutscher ist. Er wird aber vielleicht binnen kurzem
von Kodai an seinen Posten am Institut bei Nagercoil zurück⸗
kehren dürfen.
Frau G. Hübener hat man allerlei Unannehmlichkeiten
bereitet. Sie ist eine Deutsche. Aber ihr Gatte ist naturali⸗
sierter amerikanischer Bürger. Folglich wird sie von dem
Konsul der Vereinigten Staaten für Amerika „geclaimed“'.
Aber die Engländer wollen sie nicht als eine Amerikanerin
behandeln. Erst sollte sie sich, glaube ich, täglich im Polizei⸗
amt präsentieren. Das wurde ihr dann erlassen. Heute war
P. Harms beim Residenten, um ihn zu bitten, Frau Hübener es
doch zu erlassen, daß sie nach Trivandrum kommt, um sich ihm
vorzustellen. Er sagte aber, er könne es nicht ändern. Er
habe seine „orders“. O. A. E.
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Zur Kirchlichen Chronink.
Das diamantene Jubiläum durfte am 18. und 25. Oktober
die vielen Lesern des „Lutheraner“ wohlbekannte Dreieinigkeits⸗
gemeinde zu St. Louis begehen. Die Feier, welche an beiden
Sonntagen vom schönsten Wetter begünstigt war und sich fast zu
einer „reunion“ der alten Lutheraner von St. Louis gestaltete, ver⸗
lief in folgender Weise: In allen Gottesdiensten predigten Män⸗
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