Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 70, Nummer 24 › Seite 381
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 24. November 1914, Seite 381
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baben.
sächlicher Oberherr Irlands eingesetzt würde?
S „Tuthieraneb
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aus, sind aber die intelligentesten Bewohner der Insel und
haben es zu bedeutendem Wohlstand gebracht, während die
katholische Bevölkerung Irlands sehr arm und unwissend
geblieben ist. Während die Home Rule-Vorlage im Parla⸗
ment verhandelt wurde, forderten die Ulsterleute, daß man
ihrer (protestantischen) Provinz gestatte, unter dem eng⸗
lischen Parlament zu bleiben; denn, sagten sie: Home
Rule is Rome Rule!“ — das heißt, wenn dieses Gesetz durch⸗
geht, wird Rom, wird der Papst Irlands innere Verwaltung
regieren, und darunter werden wir Protestanten zu leiden
So ernst nahmen die irischen Protestanten diese Sache,
daß sie drohten, sich der Ausdehnung des Home Rule auf ihre
Provinz mit Waffengewalt widersetzen zu wollen. „Durch ein
irisches Parlament“, so lautete ein Protestbeschluß, „geraten
wir unter die Botmäßigkeit des Papstes, und die Geschichte
beweist, daß die römische Kirche zu jeder Zeit die Rechte der
Protestanten vergewaltigt hat.“ Man organisierte eine Armee
von 110,000 „Orangemen“, die mit den neuesten Kriegswaffen
ausgerüstet wurden. Auch die katholischen Irländer
rüsteten sich, zum Teil unterstützt durch Gaben, die von Katho—
liken in den Vereinigten Staaten gesammelt worden waren,
und es sah ernst aus, als urplötzlich der Weltkrieg entbrannte,
durch den die endgültige Erledigung der Home Rule-Frage
vorerst auf ein Jahr hinausgeschoben worden ist.
ö Womit begründen die protestantischen Irländer ihre Be—
hauptung, daß durch irische Selbstregierung der Papst als tat⸗
Sie weisen hin
1. auf die Tatsache, daß die römische Klerisei hinter der
Home Rule-Bewegung stehe. Schon in den achtziger Jahren
des vorigen Jahrhunderts, als eine ähnliche Vorlage im Par⸗
lament verhandelt wurde, hatte der Noniteur de Rome, ein
päpstliches Blatt, erklärt (14. Oktober 1882), diese Bemühun⸗
gen hätten das Wohlgefallen des Heiligen Vaters. Man hat
alich in der London Catholic Times vom August 1910 ge—
lesen: „Gebt uns Home Rule, und wir werden eine starke
ultramontane (päpstliche) Partei haben wie in Deutschland.
Wir werden den andern Parteien die Wage halten, von der
Regierung Zugeständnisse erzwingen, die Interessen unserer
Religion nach allen Seiten hin zur Geltung bringen, die Zer—
splitterug der protestantischen Kirche nach Kräften ausnützen
und unsere Finger in den Staatssäckel stecken.“ Angesichts
solch unmißverständlicher Aussprüche will uns die Furcht vor
dem Home Rule-Gesetz allerdings als begründet erscheinen.
Doch man hat noch eine viel deutlichere Sprache geführt. In
dem irischen Blatt Catxolio Progress stand nach einer Angabe
im Protestant Observer (August 1914) folgendes zu lesen:
„Warum ist Irland unzufrieden? Weil es unter einer Ver⸗
waltung steht, die protestantisch und englisch ist. Es sei denn,
* daß Irland als eine katholische Nation regiert, und der Ent⸗
wicklung der römischen Kirche in Irland freier Spielraum
durch Hilfe aus der Staatskasse gewährt wird, muß diese
Unruhe fortbestehen. Daß doch jede protestantische Kirche aus
dem Lande gefegt würde! Dann könnte sich Irland erholen;
denn dann wären keine Ungläubigen (1) mehr da, um unser
Werk zu stören.“ Also zum Fortfegen aller protestantischen
Kirchen will dieser Priester die Macht der katholischen Kirche
in der irischen Politik benutzen! Ein Priester, O'Nolan, sagte
am 1. Dezember 1912 in Belfast: „Wir werden in Zukunft
freie Hand haben. Laßt uns Gebrauch davon machen! Dieses
ist ein katholisches Land; wir wollen es nach katholischer Weise
und zum Schutz katholischer Interessen regieren.“ (Die andert⸗
halb Millionen Protestanten in Irland existieren für diesen
Mann nicht.) Wir wundern uns also nicht, wenn wir hören,
daß die Vorsitzer und Redner auf Home Rule-Versammlungen
in Irland fast ausnahms los Priester waren. „The priests are
the ring-leaders and the masters of the whole movement“,
schreibt ein irischer Presbyterianer.
2. Wie in unserm Lande beteuern allerdings auch die eng⸗
lischen Wortführer der Papstkirche, wenn sie vor dem allgemeinen
Publikum stehen, daß es ihnen nicht im Traum einfalle, Anders⸗
gläubige in ihrer Religion hindern zu wollen. Auch in ame⸗
rikanisch⸗katholischen Zeitungen werden die Ulsterleute als Fa⸗
natiker, die den „alten Religionshaß wieder anfachen wollen“,
geschmäht und verspottet. Ein ähnliches Urteil hat die ameri⸗
kanische Tagespresse über Ulster gefällt. Letzteres wundert uns
nicht, denn der amerikanische Zeitungsmann kennt eben die
Geschichte des Papsttums nicht. Doch meinen wir, auch der
verbohrteste Zeitungsschreiber sollte nach den angeführten Aus⸗—
sagen erkennen, weshalb die römische Kirche auch hierzulande
das Home Rule-Projekt mit solcher Begeisterung begrüßt hat,
weshalb zum Beispiel Bischof MeFaul von New Jersey nach
Annahme der Home Rule-Vorlage per Kabel gratulierte. Dazu
kommt nun, daß die Römlinge in Irland schon den Be⸗
weis geliefert haben, daß sie mit ihrer politischen
Tätigkeit es darauf abgesehen haben, den Staat durch die Kirche
zu regieren. Noch vor einigen Jahren haben die irischen Bi⸗
schöfe eine Empfehlung gutgeheißen, daß die ganze Erziehung
der Jugend in die Hände der Jesuiten gelegt werde. Man be—
hauptet schon frech, kein Priester, Mönch noch Nonne brauche
sich vor dem weltlichen Gericht zu verantworten. Die Priester
sind, jeder in seiner Parochie, intensiv tätig auf dem Gebiete
der Politik. Die Catolic Times ist unser Gewährsmann für
die Tatsache, daß über ganz Irland eine Catholie Federation
verbreitet ist, die an jedem Ort ein Register aller katholischen
Wähler führt und in städtischen Wahlen ausgiebigen Gebrauch
von diesen Listen macht. Vielfach hängt die Anstellung im
Regierungsdienst jetzt schon vom guten Willen des Priesters ab.
Nicht nur hat man die Protestanten so ziemlich allgemein aus
den städtischen Behörden entfernt und ihre Stellen mit Katho⸗
liken besetzt — das ist wohl in einem stockkatholischen Lande
kaum anders zu erwarten —, sondern „nach dem Wort und
Rat des Priesters“, wie es der Papst verordnet hat, werden
auch in Irland politische Amter ausgeteilt. Hierzu einige Bei⸗
spiele aus letzter Zeit.
Im Jahre 1900 erließ ein katholischer Bischof ein Schrei⸗—
ben, worin er die Eltern auffordert, ihre Söhne nur in katho—
lischen Schulen Medizin studieren zu lassen, denn „die städti⸗
schen Behörden sind gehalten, im Gesundheitsamt nur Männer
anzustellen, die in einer katholischen Anstalt Medizin studiert
haben“.
Als am 11. Oktober 1905 eine Stelle in der Verwaltung
des Irrenhauses bei Limerick besetzt werden sollte, wählte die
Behörde aus vier Kandidaten denjenigen, der die Empfehlung
der Priesterschaft hatte; „denn“, wurde von einem Gliede der
Behörde geltend gemacht, „die Zustimmung der Priesterschaft
ist die beste Empfehlung, die eine katholische Behörde für einen
Kandidaten haben kann, und so bitte ich Sie, alle persönliche
Freundschaft aus dem Spiel zu lassen und zu stimmen, wie es
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