Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 71, Nummer 5 › Seite 77
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 2. März 1915, Seite 77
Scan: from a 2009 DVD; the same scans are on the Internet Archive as DerLutheraner71_partial. Selected pages only: not every page of this year is held.
⤓ Download page image (full resolution)
German transcription machine transcription, uncorrected
ns Wort und Lulfers 3
790 nun und ninmer
AUnd ich sahe einen Engel
8liegen mitlen durch den
Himmel, der hatte ein ewig
Cuangelium, zu verkündigen
denen, die auf Erden sihen
und wohnen, und allen Hei⸗
den, und Geschlechtern, und
Sprachen, und Völkern, und
sprach mit grohrr Slimme:
Lürchttei Golt, und gebet
ilmn die Chrt; denn die Zeit
seines Gerichts ist kommen,
und betel an den, der gemacht
hat Himimiel, und Erde, und
Meer, und die Wasser⸗
brunnen. Offb. Joh. 14, 6.7
—
—
— — 7 D —
—
.*
HBerausgegeben von der Deutschen Evangelisch⸗Lutherischen Synode von Missouri, Ohio u. a. Staaten.
Redigiert von dem Lehrerkollegium des theologischen Seminars in St. Lonis.
71. Jahrgang.
St. Louis, Mo., den 2. März 1915.
Nx. 5.
* ——— —
Lukas 22, 29.
Geht es auch durch Kampf und O so laß uns nimmer wanken
Leiden, In dem heißen Glaubenskrieg:
Err, mit uns zu dieser Frist, Nur in deines Wortes Schran—
Du willst uns das Reich beschei⸗ ken
den, Geht es ja von Sieg zu Sieg.
Wie es dir beschieden ist.
Du hast alle Macht in Händen;
haß und Hohn und Herzeleid
Muß doch für dein Zion enden
Droben in der Herrlichkeit.
Laß uns kämpfen, leiden, ster⸗
ben,
Deinem teuren Bilde gleich,
Und nach der Verheißung erben
Deines Vaters Ehrenreich!
F. W. Herzberger.
—3—39————
Von der Kreuzesgestalt der Kirche.
II.
Die christliche Kirche der ersten Jahrhunderte hatte in
vollem Maße die Wahrheit des Wortes zu kosten: „Ihr müsset
gehasset werden von jedermann um meines Namens willen.“
Sie ging sichtbarlich unter dem Kreuze daher. Sie wandelte
in Knechtsgestalt. „Wir sind stets als ein Fluch der Welt“,
schreibt Paulus an die Korinther, „und ein Fegopfer aller
Leute.“ Und wiederum: „Man schilt uns; man verfolgt uns;
man lästert uns.“ Ja, „wir sind Narren worden um Christi
willen“. Denn „nicht viel Weise nach dem Fleisch, nicht viel
Gewaltige, nicht viel Edle“ nahmen die Lehre Christi an, son⸗
dern „das Unedle vor der Welt, das Verachtete hat Gott er⸗
wählet“. Die ersten Gemeinden bestanden aus armen, ver⸗
achteten Handwerkern und Sklaven; nur wenig Leute, die ihres
Reichtums, ihrer Kenntnisse oder ihrer edlen Herkunft wegen
bei der Welt in Ansehen standen, schlossen sich den christlichen
emeinden an. Der gekreuzigte Christus war ihnen eine
orheit.
Ahnliches nun gilt von den ersten Anfängen unserer
Synode. Wer sich davon überzeugen will, der schaue in die
Sammlung von D. Walthers Briefen hinein, die kürzlich in
unserm Verlag erschien. Man gewinnt da einen Einblick in
die kümmerlichen Verhältnisse jener ersten Zeit. Welch ein
Mangel an allem, was der Welt Respekt vor einer Körperschaft
einflößen könnte! Es war, wenn wir auf das Rußerliche sehen,
eine jämmerliche, elende Zeit. Jedem Leser ist das Bild unsers
ersten Seminars, der Blockhütte in Perry County, Mo., be⸗
kannt. Es ist dieses Bild zugleich ein Sinnbild des Mangels,
der Armut, unter der die Gründung unserer Synode stattfand.
Die Welt konnte nur Verachtung hegen für einen Synodal—
körper, der über solch geringe Hilfsquellen verfügte. Was
konnte bei solcher Armut aus der Missionstätigkeit, was konnte
aus solch einem Anstaltswesen werden! Man hat unserer
Synode ja auch den baldigen Untergang vorausgesagt; es sei
dies weder die Zeit noch das Land, in dem eine Körperschaft
wie die Missourisynode bestehen könne. Besonders um ihres
festen Standes in der Lehre, um ihrer Bekenntnistreue willen,
wurde sie von den Reformierten und auch von solchen, die den
lutherischen Namen trugen, auf das härteste angegriffen und
geschmäht. ö
Sehen wir auf die jetzige äußere Erscheinung unserer
Kirche, so läßt sich nicht leugnen, daß in einer Hinsicht ein
großer Wandel eingetreten ist. Aus dem armen, verachteten
Häuflein von Gemeinden ist ein großer Synodalkörper geworden,
dessen Tätigkeit sich über unser ganzes Land und in fremde
Erdteile erstreckt. Die Zahl der Pastoren beläuft sich auf Tau⸗
sende, die Gliederzahl unserer Gemeinden auf Hunderttausende.
Fast hunderttausend Kinder werden in unsern Gemeindeschulen
unterrichtet. Großartig hat sich unser Anstaltswesen entwickelt.
Wie, findet sich auch jetzt noch bei uns die Kirche in der unserm
Heiland so lieben, von ihm selig gepriesenen Gestalt? Wandelt
sie noch jetzt in Kreuzesgestalt?
Da gilt nun, was schon von der einzelnen Gemeinde ge⸗
sagt worden ist: äußere Armut und geringe Gliederzahl ge⸗
hören nicht zu den Merkmalen einer rechtgläubigen christlichen
Gemeinschaft. Wo Gottes Wort lauter und rein gepredigt und
die Sakramente recht verwaltet werden, da besteht eine recht⸗
English translation
Not yet translated.