Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 71, Nummer 5 › Seite 81
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 2. März 1915, Seite 81
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Tutßerancr.Sese 81
lich gegenwärtig. . . . Die Tage des Wartens auf seine Gegen⸗
wart sind jetzt vorbei, und das lange vorhergesagte Glück der
Wartenden ist uns zuteil geworden.“
Stellt man an Russell die Frage: „Wo ist denn Christus?
Wir sehen ihn ja nicht. Wenn er seit 1874 auf Erden gewesen
ist, warum merkt man denn nicht seine Gegenwart?“ so ant⸗
wortet er: „Ihr seid eben Ungläubige; und der SErr offen⸗
bart sich, wie zwischen seiner Auferstehung und Himmelfahrt,
nur den Seinen, nicht den Feinden. Von 1914 an werdet
auch ihr ihn sehen.“
Sollte man es für möglich halten, daß treue Bibelchristen
sich in das Garn dieses Irrgeistes hineinlocken lassen? Ist es
nicht ganz klar, daß nur durch frevle Umdeutung und Fälschung
des klaren Gotteswortes „Pastor“ Russell seine falsche Lehre
stützen kann? Aber die Macht der Lüge ist groß, und wir
wollen nicht müde werden in unserm Flehen:
Den stolzen Geistern wehre doch,
Die sich mit G'walt erheben hoch
Und bringen stets was Neues her,
Zu fälschen deine rechte Lehr'!
Der Stand unserer Kassen.
In der letzten Nummer des „Lutheraner“ ist unsern Ge⸗
meinden der Bericht unsers Allgemeinen Kassierers mitgeteilt
worden. Der Unterzeichnete erlaubt sich, zu demselben einige
Bemerkungen zu machen und zugleich kurz anzugeben, was die
Allgemeine Synode in diesem Jahre bedarf.
Während im Jahre 1913 durch die Hände des Allgemeinen
Kassierers 5465,000 geflossen sind, waren es im letzten Jahre
rund §524,000. Der treue Gott hat also unsere Gemeinden
wiederum willig gemacht, für unsern großen Haushalt beizu⸗
steuern, und wenn es auch manchmal ein wenig knapp herging,
so konnten doch die nötigen Auslagen bestritten werden.
1. Unsere Synodalkasse weist leider eine Schuld
von §63,957.61 auf. Im ganzen wurden aus dieser Kasse
5184,593.91 verausgabt. Die Summe hat sich höher gestellt,
als zu Beginn des Jahres veranschlagt wurde. Es kommt das
daher, daß einige rückständige Posten von Aufsichtsbehörden
mitgetilgt werden mußten. An diese Kasse wurden von unserm
Verlagshause 585,000 überwiesen, und unsere Gemeinden
haben für dieselbe 582,918.31 kollektiert, so daß die Gesamt⸗
einnahme sich auf §167,918.31 beläuft. Daß in dieser Kasse
sich noch eine so hohe Schuld befindet, ist dadurch verursacht
worden, daß noch immer eine große Anzahl unserer Gemeinden
für dieselbe nichts tut. So bemerkt ein Präses eines aller⸗
dings volkreichen Distrikts zu seinem letzten Bericht: „Dieser
und der vorhergehende Bericht enthalten eine große Anzahl
Lücken, welche zeigen, daß noch lange nicht alle Gemeinden für
die Synodalkasse kollektiert haben. Ich zähle deren 60.“ So
betrübend dies nun ist, und so klar dies auch beweist, daß in
den betreffenden Gemeinden es noch an der Erkenntnis fehlt,
wie nötig es für den Aufbau der Kirche ist, daß Prediger und
Lehrer herangezogen werden, so ist doch auf der andern Seite
auch nicht zu vergessen, daß das Verständnis und der Eifer
für diese Reichssache unsers Gottes in unsern Kreisen beständig
wächst.
Um den öfter ausgesprochenen Gedanken, man wirtschafte
diesen vierzehn Jahren verdoppelt.
auf unsern Anstalten nicht mehr so sparsam wie zu den Zeiten
unserer Väter, und die Liebe zu unsern Hohenschulen sei im
Abnehmen, zu begegnen, möge hier ein kurzer Vergleich zwischen
den Jahren 1900 und 1914 stattfinden.
Im Jahre 1900 befanden sich auf allen unsern Lehr⸗
anstalten 1005 Studierende, die von 47 Professoren unter⸗
richtet wurden. Im Jahre 1914 hatten wir 2000 Studierende
und 80 Professoren. Unser Erziehungswesen hat sich also in
Seit 1900 sind die Pro⸗
gymnasien zu St. Paul, Concordia und Bronxville zu Voll⸗
gymnasien erhoben, die Progymnasien zu Oakland, Portland
und New Orleans gegründet, die Gymnasien zu Winfield und
Conover von der Synode übernommen, und in Porto Alegre
ist eine allgemeine Anstalt ins Leben gerufen worden. Im
Jahre 1900 verausgabte die Synodalkasse §73,837 und 1914
§184,593.91. Gemäß der Zunahme von 1000 auf 2000 Stu⸗
denten hätten die Ausgaben zunehmen können um §73,837;
die normale Ausgabe nach dem Satz von 1900 wäre also ge⸗
wesen §147,674. Diese Ausgabe ist überstiegen um §36,919,
fast genau 25 Prozent, verhältnismäßig also nur wenig, trotz⸗
dem die Kasse seit 1900 von der Synode mit Auslagen für
laufende Reparaturen und für das Dienstpersonal belastet ist,
die sie früher nicht zu tragen hatte. Im Jahre 1900 wurden
in unsern Gemeinden für die Synodalkasse 59603.14 gesam⸗
melt und 1914 882,918.31. Diese Zahlen zeigen doch zur
Genüge, daß in unsern Gemeinden ein Fortschritt zu ver—
zeichnen ist.
Für das laufende Jahr nun werden wir für die Synodal⸗
kasse etwa wieder §5175,000 nötig haben. Von dem Pub—
lishing House sind ungefähr 585,000 zu erwarten; 590,000
fallen demnach auf die Gemeinden. Auch sollten wir versuchen,
die noch vorhandene Schuld zu tilgen. Wenn die Gemeinden,
die regelmäßige Beiträge für diese Kasse einsenden, in ihrem
Eifer fortfahren, und zu diesem Dienst nach und nach alle Ge—
meinden — wie es ja nicht anders sein sollte — herangezogen
werden, so wird es an den nötigen Geldern nicht fehlen.
2. Unsere Synodalbaukasse. Für diese Kasse
sind im verflossenen Jahre rund §117,000 kollektiert worden.
Der größte Posten war für den Brandschaden in River Forest.
— Die letzte Delegatensynode hat für die Baukasse für das
laͤufende Triennium §205,000 bewilligt, teils um die noch auf
der Anstalt zu River Forest lastende Schuld von §70,000 zu
decken, teils um Neubauten und größere Reparaturen auszu⸗
führen. Seit der Synode sind in diese Kasse an Kollekten
524,415.86 und der Überschuß von dem Brandschaden in River
Forest im Betrage von §521,917.26 (Summa: §46,431.12)
geflossen. Es fehlen demnach noch rund §160,000. Im
laufenden Jahre sollte die Hälfte dieser Summe gesammelt
werden, damit die Allgemeine Aufsichtsbehörde die Beschlüsse
der Synode zur Ausführung bringen kann.
3. Unsere Missionskassen. Diese Kassen zeigen
im allgemeinen einen gesunden Bestand. Nur die Kasse für
Brasilien weist ein großes Defizit auf, nämlich §5 137.76. Die
Missionen werden in diesem Jahre dieselben Summen be—
dürfen wie in dem verflossenen mit Ausnahme unserer wich⸗—
tigsten Mission, der Inneren Mission in Nordamerika. Die
Synode hat beschlossen, daß sie dieses Jahr einen Zuschuß von
550,000 erhalten soll, und die Gemeinden gebeten werden sollen,
für diese Mission direkte Kollekten zu sammeln. Unsere Emi⸗
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