Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 71, Nummer 5 › Seite 82

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 2. März 1915, Seite 82

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8²2 S Der 23. LutheranesSes

grantenmission gebraucht auch kräftigere Unterstützung, da
infolge des Krieges ihre geschäftlichen Einnahmen fast ganz
aufgehört haben.

4. Die Kollekten für unsere bedrängten Glau⸗
bensbrüder in Europa sind reichlich geflossen. Unsere
Genieinden haben auch Gelder eingesandt für die Kriegsnot in
Deutschland und das Rote Kreuz. Diese werden den Be—
stimmungen der Geber gemäß von unsern zuständigen Be—
hörden verteilt werden.

Für das Jahr 1915 ergibt sich nun folgendes Budget:

Schuld in der Synodalkassso § 63957.61
Laufende Ausgaben der Synodalkasse. 175000.00
Baukasdoooooeeeeee 80000.00
Missionen 150000.00

5468957.61

Hiervon fallen auf das Verlagshaus §85,000 und auf
die Gemeinden rund §385,000.

Damit nun unsere Glieder beständig auf dem laufenden
bleiben, wird von unserm Allgemeinen Kassierer monatlich im
„Lutheraner“ ein kurzer Bericht über den Stand unserer Haupt—
kassen veröffentlicht werden.

Wir aber wollen dem lieben Gott innig danken, daß er
uns und unserm Lande den edlen Frieden geschenkt und bis—
lang erhalten hat, und nun fleißig das Reich unsers Heilandes
bauen. F. Pfotenhauer.

Nachrichten aus unsern Missionen.

Eine neue Mission. In unserer Synode wird ja Innere
und Außere Mission der verschiedensten Art getrieben; doch
dürfte es das erste Mal in der Geschichte der Synode sein, daß
in einem britischen Gefangenenlager deutschen, schweizerischen
und österreichischen Gefangenen die reine lutherische Lehre von
der freien Gnade Gottes in Christo verkündigt worden ist.
Dies ist am letzten Sonntag geschehen. In dem dreizehn Meilen
von hier gelegenen Military Camp zu Petawawa, Ontario, sind
500 Reservisten interniert, die von 150 Mann englischen Volun-
teers bewacht werden und unter dem Kommando eines Majors
stehen. Durch Vermittelung des hiesigen Parlamentsgliedes
wurde mir von dem canadischen Kriegsminister die Erlaubnis
gegeben, den gefangenen Lutheranern in dem Military Camp
zu Petawawa zu predigen und Seelsorge an ihnen zu üben.
Am letzten Sonntag predigte ich nun in Gegenwart einer
Wache mit aufgepflanztem Bajonett einem Deutschen, einem
Schweizer und niehreren Ssterreichern, unter welch letzteren sich
auch ein Reserveoffizier befand, auf Grund von Luk. 10, 38—42
von dem einen, das not ist, und hatte sehr aufmerksame Zu—
hörer. Da zur selben Zeit den slawischen Katholiken von einem
polnischen Priester und den Soldaten von einem anglikanischen
Prediger in größeren Räumen gepredigt wurde, war Major
de la Ronde so gütig, mir seine Office für meinen Gottesdienst
zur Verfügung zu stellen. Ich habe letzterem sowohl wie auch
den lutherischen Brüdern in der Gefangenschaft versprochen,
alle drei Wochen dort Gottesdienst zu halten, zumal es mir
miöglich ist, auch an diesem Sonntage meine beiden Gemeinden,
die eine nachmittags und die andere abends, zu bedienen.

H. Landsky.

Haben unsere englischen Gottesdienste stark gelitten;

—

Italienische Mission. Ohne unser Zutun hat P. Andrea
Bongarzone, ein früherer römisch-katholischer Priester, der seit
etlichen Jahren der Generalsynode angehört und Mission unter
seinen Volksgenossen in West Hoboken, N. J., getrieben hat,
sich an uns gewandt um Aufnahme in unsere Synode. In
einem Schreiben, unterzeichnet von 26 Männern seiner früheren
Gemeinde, bitten diese Leute uns um Bedienung und um
Unterstützung.

Die einleitenden Schritte zur Aufnahme P. Bongarzones
sind bereits getan, aber bis die endgültige Aufnahme geschieht,
können vielleicht noch etliche Wochen vergehen.

Um den Arbeiter nicht müßig am Wege stehen zu lassen,
sondern ihn in den Weinberg des SErrn zu senden, hat die
New York⸗Lokalkonferenz, die sich mit dieser Sache befaßte,
die New Jersey⸗Pastoralkonferenz gebeten, ein Komitee zu er⸗
wählen, das einstweilen die Sache in die Hand nehme, damit
diese wichtige Mission so bald als möglich in Angriff genom⸗
men werden kann.

Das Komitee, bestehend aus den Pastoren G. Steinert
und P. Lindemann, ist erwählt, der Arbeiter ist da, die Leute
sehnen sich nach Gottes Wort, aber es fehlt uns an einem
Lokal, wo die Gottesdienste abgehalten werden können. Ein
solches Lokal können wir bekommen, ja ein solches ist uns
bereits in Aussicht gestellt, aber, abe
Wir brauchen Geld, um Miete zu bezahlen, um dem Mis—
sionar wenigstens so viel zu geben, daß er leben kann.

G. St.

London, England. Eure Augen sind auf den europäischen
Brand gerichtet; gewiß schaut Ihr da auch aus nach uns, mit
denen Ihr Euch durch das heilige Band des Glaubens ver—
bunden wißt, und brünstige Gebete für Eure Mission in London
steigen aus Euren Herzen zu Gottes Gnadenthron empor. Das
kann gar nicht anders sein; denn „so ein Glied leidet, so leiden
alle Glieder mit“. Dem gläubigen Gebet so vieler Christen
— nächst der Fürbitte unsers einigen Fürsprechers bei dem
Vater — haben wir es denn auch zu verdanken, daß wir nicht
gar aus sind, sondern uns bisher behütet und bewahrt sehen
durften. Noch ist keiner von uns interniert worden, so sehr
einzelnen die Gefahr der Freiheitsberaubung drohte; noch er—
freuen wir uns unserer schönen Gottesdienste, in denen auch
etliche Verjagte Trost in ihrer Trübsal suchen; noch haben
wir unsern Kindern das tägliche Brot reichen können; noch
haben uns unsere Häuser ein Obdach gewährt, und unsere
Ruhestätten die müden Glieder zum sanften Schlummer auf—
genommen.

Freilich, die Zukunft ist dunkel und verdüstert sich von
Tag zu Tag. Schon haben einige unserer Glieder Arbeit und
Verdienst verloren, und das Geschäft stockt immer mehr; auch
kann man das Elend der notleidenden Volksgenossen nicht ohne
die tiefste Bewegung sehen. Schon sind eine Anzahl Seelen
nach Amerika ausgewandert oder in die Heimat zurückgekehrt;
andern wird der Aufenthalt hierselbst sehr verleidet; schon
schon sind
die Einnahmen unserer Gemeindekasse bedenklich zurückgegan—
gen, so daß nur noch durch die Güte der lieben amerikanischen
Glaubensgenossen das Werk in der bisherigen Weise fortge—
führt werden kann; schon ist das Massengrab auf unsere Insel
ausgedehnt worden; schon müssen wir stündlich Tag und Nacht
erwarten, in allernächster Nähe die Schrecken dieses mörderischen

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