Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 71, Nummer 5 › Seite 80
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 2. März 1915, Seite 80
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80
Russell beansprucht nicht nur das Lehrrecht in der Kirche,
sondern gebärdet sich als den einen großen Lehrer der Chri—
stenheit, und mit einer seine sämtlichen Bücher und Schriften
kennzeichnenden Anmaßung und Aufdringlichkeit bezeichnet er
seine „Schriftstudien“ als ein zum rechten Verständnis der
Schrift unbedingt notwendiges Werk. In seinem Blatt Waten
Tower (15. September 1910) schreibt Russell: „Wenn die
sechs Bände von Scripture Studies tatsächlich die Bibel, inhalt⸗
lich geordnet, sind, so können wir füglich diese Bände „Die
Bibel in geordneter Form‘ nennen. Mit andern Worten, sie
sind nicht nur Betrachtungen über die Bibel, sondern sind tat⸗
sächlich die Bibel selbst. . . . Wir finden, daß die
Menschen den göttlichen Plan nicht erkennen können, indem sie
die Bibel selber studieren“ (also aus der Bibel allein kann
man Gottes Plan nicht erkennen!); „aber wir sehen auch, daß,
wenn jemand die Screyture Studies kennen gelernt und studiert
hat, sie dann aber aus der Hand legt und ignoriert und wieder
die Bibel allein studiert, er in einigen Jahren, wie die Er⸗
fahrung lehrt, wieder in Finsternis sitzt. Dagegen, wenn er
nur meine Seripture Studies liest mit ihren Bezugnahmen und
nicht ein Blatt in der Bibel selbst liest, so wird er nach einigen
Jahren im Lichte sein, denn er hat dann das Licht der Schrift.“
So lästert Russell die Schrift. So erhöht er sich selbst.
So erniedrigt er „die heiligen Menschen Gottes, die geredet
haben, getrieben von dem Heiligen Geist“, 2 Petr. 1, 21.
Russell ist ein falscher Prophet, der im Schafskleid zu
uns kommt, inwendig aber ein reißender Wolf ist:
1. weil er behauptet, gerade das wissen zu können, vorher⸗
sagen zu können und vorhergesagt zu haben, wovon die Schrift
wiederholt und in den ausdrücklichsten Worten lehrt, daß kein
Mensch es wissen und vorhersagen kann, nämlich die genaue
Zeit des zweiten Advents, des zweiten Kommens JEsu auf
diese Welt, zu richten die Lebendigen und die Toten;
2. weil er den Chiliasmus lehrt (der Chiliasmus ist die
schwärmerische Lehre vom Millennium oder tausendjährigen
Reich);
3. weil er leugnet, daß die Welt, die Erde, zerstört werden
wird, und behauptet, sie werde ewig fortbestehen;
4. weil er behauptet, daß es keine Hölle gibt und keine
ewige Strafe der Sünde;
5. weil er lehrt, daß der Mensch sich nach seinem Tode
noch bekehren kann, ja, daß die allermeisten Menschen sich nach
ihrem Tode tatsächlich bekehren werden, und daß Gott die, die
sich dann nicht bekehren, nach Leib und Seele vernichten wird,
so daß sie nicht mehr vorhanden sein werden;
6. weil er die ewige Gottheit Christi leugnet; weil er
lehrt, daß Christus eine Kreatur ist, von Gott geschaffen worden
ist; daß Christus, während er hier auf Erden weilte, nur
Mensch war, nicht Gott und Mensch; daß Christus erst nach
seinem Tode in ein göttliches, gottähnliches Wesen verwandelt
wurde, und weil er überhaupt einen Christus beschreibt und
abmalt, den es gar nicht gibt;
7. weil er die biblische Lehre von der Erlösung, Ver—
söhnung und Rechtfertigung grob verfälscht;
8. weil er die Persönlichkeit des Heiligen Geistes leugnet;
9. weil er die Lehre von der heiligen Dreieinigkeit leugnet,
ja sogar zum Gegenstand des Spottes macht;
10. weil er eine falsche Lehre von der Taufe und vom
Abendmahl führt.
Anhang.
Schon an dieser Stelle bemerken wir, daß eine von Russell
oder den Russelliten vollzogene Taufe, da sie die Dreieinigkeit
Folgende Taufformel empfiehlt näm.
leugnen, keine Taufe ist.
lich Russell (Band 6, Seite 430) seinen Anhängern: „Bruder
Johannes (oder ein anderer Vorname!], im Namen des Vaters 1
und des Sohnes und des Heiligen Geistes — in dieser Autorität
taufe ich dich in Christum.“
Wir sehen uns jetzt etwas näher an erstens
Russells Lehre von der Wiederkunft Christi.
Russell gibt vor, ihm und seinen Anhängern sei die Zeit
der Wiederkunft Christi wohlbekannt; er habe sie an Hand
der Schrift genau und zuverlässig ausgerechnet.
Hält man ihm Schriftstellen vor, die gegen seine An⸗ +
maßung zeugen, zum Beispiel Mark. 13, 32: „Von dem Tag
aber und der Stunde weiß niemand, auch die Engel nicht im
Himmel, auch der Sohn nicht, sondern allein der Vater“, so .
antwortet er (Band 4, Seite 308): „Es war des Vaters Wille,
daß sein Volk es damals nicht wissen sollte; ... aber
denen, die beten und treu bleiben würden, hat Gott verheißen, 3
daß er sie zur rechten Zeit nicht werde im Dunkeln und im
Ungewissen lassen.“
klare Wort Christi hinein.
Zu Matth. 24, 42: „Darum wachet;
(Band 4, Seite 312) die abenteuerliche Erklärung, daß der
Herr, von dem hier die Rede ist, nicht der HErr Christus ist, 2
sondern „der Herr dieser Welt“, „der Fürst der Mächte in der 1
Lies die Stelle im Zusammen⸗
hang nach, lieber Leser, und sieh zu, ob die Meinung derselben
sein kann: „Darum wachet; denn ihr wißt nicht, welche Stunde F
Luft“, nämlich der Teufel.
der Teufel kommen wird“!
Auf die Stelle Matth. 24, 44:
So legt Russell seine Irrlehre in das *
denn ihr wißt
nicht, welche Stunde euer HErr kommen wird!“ liefert Russell
„Darum seid auch ihr E
bereit; denn des Menschen Sohn wird kommen zu einer Stunde,
da ihr nicht meinet“ antwortet Russell (Band 4, Seite 314):
„„Auch ihr“ steht im Gegensatz zum Teufel und seinem
werden, nicht einmal von den Heiligen.
nicht erkannt.
Gegenwart des Menschensohnes erkennbar geworden.“
Früher konnte des SErrn Plan nicht erkannt
Ja selbst bis etwa
ein Jahr nach Oktober 1874 wurde des HErrn Gegenwart
Seitdem aber sind die Zeichen von der
Russell
deutet hier an, was er an andern Stellen weitläuftig aus führt,
daß er, Russell, „etwa ein Jahr nach Oktober 1874“ des HErrn
Gegenwart erkannt hat.
Jeder Bibelchrist erkennt sofort: Russell treibt frevelhaftes
Spiel mit Gottes Wort. Er verdreht mit Absicht die Schrift⸗
stellen, die so laut und deutlich gegen ihn zeugen und ihn als!
falschen Propheten brandmarken.
Und wann soll denn nun nach Russells Behauptung der
SErr Christus kommen zum großen Endgericht, zu richten die
Lebendigen und die Toten? Höre, lieber Mitchrist, höre und
So lehrt Russell. Er
Eben im Oktober 1874 habe der zweite Advent
Nicht
zaghaft und schüchtern, sondern mit der größten Bestimmtheit
So schreibt er
zum Beispiel (III, 118): „Nicht daß der HErr kommt, oder
daß er kommen wird, sondern daß er gekommen ist.“
Ferner (III, 124): „Und nun ist er dal Der SErr ist wahr⸗
staune: Er ist schon gekommen!
ist schon da.
die Wiederkunft Christi zum Gericht, stattgefunden!
behauptet Russell dies Hunderte von Malen.
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