Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 71, Nummer 5 › Seite 85

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 2. März 1915, Seite 85

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Uene DOrucksachen.

Alle an dieser Stelle angezeigten Bücher, Musikalien, Bilder usw. kön⸗
nen durch das Concordia Publishing House, St. Louis, Mo., zu den bei⸗
gefügten Preisen bezogen werden. Wo eine andere Bezugsquelle angegeben
wird, wolle man, bitte, bemerken, ob zu besorgen, falls nicht vorrätig.

Briefe von C. F. W. Walther an seine Freunde, Synodalgenossen und
Familienglieder. Erster Band: Briefe aus den Jahren 1841 bis
1865. 5½756. X und 240 Seiten. Concordia Publishing
House, St. Louis, Mo. Preis: 51.00 portofrei.

Um einer Sammlung von Briefen D. Walthers Eingang in recht
vielen Christenhäusern in unserer Synode zu verschaffen, bedarf es eigent⸗
lich nur der Anmeldung, daß der erste Band einer solchen Sammlung jetzt
erschienen ist. Wollten wir auf den Inhalt des vorliegenden Buches ein⸗
gehen, so würde zudem die Wahl schwer, wo anfangen und wo aufhören.
Gewiß gilt aber von dieser Sammlung Waltherscher Briefe, was so oft
von den Briefen großer Männer gesagt wird, daß man aus ihnen besser
als aus dem Urteil der Zeitgenossen, besser selbst als aus ihrer Lebens⸗
beschreibung den Menschen selbst, seinen Charakter, seine Gefinnung, ken⸗
nen lernt. Nur ist hier ein Unterschied zu verzeichnen zwischen den ge⸗
sammelten Briefen D. Walthers und der Korrespondenz anderer großer
Männer: bei diesen lernt gewöhnlich erst derjenige, der in ihre intime
Briefschreibung hineingeschaut hat, ihre eigentliche Gesinnung, die Beweg-
gründe ihrer äußeren Handlung kennen; ganz anders bei Walther. Es ist
kein fremder, kein neuer Walther, der aus diesen Briefen zu uns redet,
sondern es ist der treue, fromme, hochgelehrte, aber auch vielgeplagte Got—
tesmann, den wir schon aus seinem öffentlichen Leben kennen. Nicht klei—
ner, sondern größer steht Walther vor uns da, wenn wir lesen, wie er
gegen seine Freunde sein Herz ausschüttet über die Not und Drangsale
der Kirche, wie er mit seinem Rate dient, wie er warnt und straft, wie er
über Zeit und Welt seine Meinung abgibt und sich dabei immer gleich⸗
bleibt, nie der Wahrheit etwas vergibt, auch wenn er teure, vertraute
Freunde zur Rede stellen muß, nie anders redet und urteilt, als er in
seinen öffentlichen Schriften geurteilt hat. Die natürliche Zartheit seines
Gemütes, aber auch sein Scharfsinn, sein geübtes Urteil, seine Besonnen⸗
heit im Handeln, gepaart mit großer Entschlossenheit, wenn es galt, einen
entscheidenden Schritt zu tun, sein Sinn für Humor, seine Liebe zum
Studium, sein tiefes, deutsches Gemüt, seine Bescheidenheit und Demut,
sein unerschütterlicher Glaube — alles das, was ihn zu einem Großen in
Gottes Reich gemacht hat, ist uns ja bekannt aus der Geschichte unserer
Synode und aus der von Prof. Günther verfaßten Biographie. Und
doch, wieviel näher tritt uns diefer große Mann in seinen Briefen! Wie
läßt er uns hier in die geheimsten Schubfächer seines Herzens schauen,
und wie echt und wahr und ganz ist alles, was wir da sehen! Hier ist
sein Herz vor uns aufgeschlossen, so daß wir ihn kennen lernen nicht nur
als Professor, als Theologen, als Prediger, als Berater, als liebenden
Verwandten und Freund, sondern vor allem auch als einen Mann, in
dessen Herzen der Heilige Geist seine Wohnstätte hatte, dessen Herz sich
in allen Stürmen des Lebens — und sein Leben war voller Stürme —
an das Evangelium von dem Sünderheiland IEsu Christo hielt. In
diesen Briefen redet Walther selbst. Sie sind nicht redigiert worden; es
ist nicht eine Sammlung von zugestutzten Bruchstücken Waltherscher Kor⸗
respondenz, die uns hier vorliegt, sondern es find die Briefe Walthers,
von den Originalhandschriften abgesetzt, die im Laufe der Jahre sich bei
dem Herausgeber, Herrn Prof. Fürbringer, angesammelt haben. Nur
ganz vertrauliche Mitteilungen, die sich nicht für die Offentlichkeit eignen,
sind bei der Wiedergabe im Druck in Wegfall gekommen. Den Briefen
find, um das Verständnis zu erleichtern, vielfach Fußnoten beigefügt wor⸗
den, und der ganzen Sammlung ist ein Inhaltsverzeichnis, das zum
Nachschlagen vorzügliche Hilfe leistet, vorausgesandt. Mit der Herausgabe
dieser Briefe führt unser Verlag einen Beschluß der Ehrw. Delegaten⸗
synode vom Jahre 1911 aus. Die Arbeit wurde Herrn Prof. Fürbringer
übertragen, da ihm außer dem nötigen Geschick eine umfangreiche Kenut—
nis der Zeit- und Lebensumstände D. Walthers zu Gebote steht. Die
Ausstattung dieses ersten Bandes ist würdig und dem Inhalt entsprechend
nobel gehalten. Als Beigabe bringt das Buch die Reproduktion einer
Photographie D. Walthers aus dem Jahre 1857 mit seinem Namenszug.

G.

Beichtreden über alt- und neutestamentliche Texte. Gesammelt von
H. Bouman. 164 Seiten 544756. In schwarze Leinwand
gebunden, mit Goldtitel auf Vorderdeckel und Rücken. Concordia
Publishing House, St. Louis, Mo. Preis: 75 Cts.

In seinem Vorwort zu dieser Sammlung von Beichtreden weist Prof.
Pardieck auf den Zweck der Beichtanmeldung wie auch des Beichtgottes-—
dienstes und der Beichtrede hin. Dieser Zweck sei nämlich, „dem unwür—
digen Genuß des Sakraments zu wehren und den Christen zu helfen bei

ihrer Selbstprüfung und Vorbereitung auf einen würdigen, gesegneten
Abendmahlsgang“. Mit diesem Doppelzweck nun stimmen die Predigten
in der vorliegenden Sammlung ganz vorzüglich. Zwar tritt in manchen

dieser Ansprachen mehr der erstgenannte Zweck in den Vordergrund: sie

wollen vor unwürdigem Genusse des Sakraments warnen. Andere, und
zwar die meisten, enthalten vorherrschend tröstende, ermunternde Ein—
ladung und erinnern an die köstlichen Verheißungen, die an das heilige
Mahl geknüpft sind. In allen ist jedoch dem genannten Doppelz weck Rech⸗
nung getragen, in allen wird dem Sünder gesagt, wie er sich zum Sakra—
ment würdig vorbereiten soll, und welch herrliche Güter ihm im Sakra—
ment gespendet werden. Dazu kommt noch, daß in dieser Sammlung von
Beichtreden nicht die Predigtweise eines Mannes, sondern von etwa
dreißig Predigern unserer Synode zur Geltung kommt. Da ist es denn
wunderbar zu sehen, wie bei großer Verschiedenheit des Ausdrucks und
der Gedanken die schönste Einmütigkeit herrscht nicht nur in bezug auf die
Schriftlehre vom heiligen Abendmahl — das versteht sich von selbst —,
sondern auch in bezug auf den Zweck des Beichtgottesdienstes und der
Beichtrede. Gerade in der Erhaltung dieser Einmütigkeit dienen solche
Sammelwerke wie das vorliegende einem Nebenzweck, der keineswegs zu
unterschätzen ist. Schon aus diesem Grunde wie auch wegen des Geschicks,
das P. Bouman bei der Veranstaltung dieser Sammlung an den Tag ge⸗
legt hat, begrüßen wir den Gedanken, daß von ihm bei günstiger Auf⸗
nahme dieser Beichtreden die Herausgabe ähnlicher Sammlungen von Ka⸗
sualreden in Aussicht gestellt ist, mit besonderer Freude. G.

Gnade um Gnade. Ein Jahrgang Evangelienpredigten von D. Georg
Stöckhardt, weiland Pastor der ev.⸗luth. Gemeinde Zum
Heiligen Kreuz und späterem theologischen Professor am Concordia⸗
Seminar in St. Louis. 1914. Northwestern Publishing House,
Milwaukee, Wis. 567 Seiten 649. Zu beziehen vom Concor-
dia Publishing House, St. Louis, Mo. Preis, gebunden: 52.25.

Nachdem das Verlagshaus unserer Schwestersynode von Wisconfin
sich den Predigtnachlaß unsers seligen D. Stöckhardt auf dem Wege
des Meistgebots käuflich erworben hat, bietet es aus diesem Material
jetzt die erste Auswahl dar. Der vorliegende Band enthält 63 Pre⸗
digten über Evangelientexte auf die Sonn- und Festtage des Kirchen⸗
jahres. Sie stammen aus den Jahren 1879 bis 1886 und wurden wohl
alle in der hiesigen Kirche Zum Heiligen Kreuz gehalten. Daraus ergibt
sich schon, was wir an Form und Inhalt von diesen Predigten zu er⸗
warten haben. Sie haben einer christlichen Gemeinde zur Erbauung ge⸗
dient, sollen daher vor allem die Hauptlehren der Schrift, Gesetz und

Evangelium, behandeln, und dies in einer Weise, vor allem auch in einer

Sprache, die der gemeine Mann verstehen kann. Und weil es D. Stöck⸗

hardt, der große Schriftforscher, ist, der hier redet, so erwarten wir, daß

diese Predigten sich auszeichnen durch ungewöhnliche Fülle und Tiefe der

Gedanken, und daß sich in ihnen reich sprudelnde Quellen des seligmachen⸗

den Evangeliums auftun. In diesen Erwartungen sehen wir uns beim

Durchblättern des Bandes nicht getäuscht. Es sind das Predigten, in

denen einer redet, der „selber tief in der Schule des Heiligen Geistes ge⸗

sessen, den Schaden des eigenen Herzens tief erkannt, selbst reichlich aus
dem Brunnen der Gnade getrunken und die Kräfte der zukünftigen Welt
am eigenen Herzen gewaltig erfahren“ hat. Zwar sind es Predigten für
reife Christen, denen nicht nur die Gedanken der Heiligen Schrift, son⸗
dern auch die Ausdrucksweise, die Sprache der heiligen Schreiber zum
geistigen Eigentum geworden ist. Für solche, und nicht etwa nur für

Pastoren, sollte diese Sammlung von Predigten eine überaus kostbare

Lektüre sein. Der Leser wird hie und da auf Predigten ftoßen, die schär⸗

fere Aufmerksamkeit und etwas Nachdenken beim Lesen erfordern; wir

denken zum Beispiel an die Predigt auf den Himmelfahrtstag und vier
oder fünf andere. Auch Pastoren werden manchmal Schwierigkeit finden,
die Gliederung mancher Predigten im einzelnen genau zu verfolgen, wer—
den sich auch an den manchmal reichlich lang geratenen Einleitungen und
der ungleichen Länge der einzelnen Teile nicht Vorbilder für die eigene

Arbeit suchen. Aber was sind solche geringe Mängel in der Form im

Vergleich mit dem reichen, ja überreichen Inhalt dieser Predigten! Mit

welcher Meisterschaft wird der Zustand der Ungläubigen, die Verderbt⸗

heit der menschlichen Natur geschildert, mit welcher ungeschwächten Schärfe
die Forderungen des Gesetzes vorgetragen! Dann aber, welch süße Lockun⸗
gen des Evangeliums, welch dringender Ruf zur Umkehr, zur Erneuerung,
zum Glauben, zur Betätigung des Glaubens im Gebet, in Werken der

Liebe! Immer ist der Gang der Gedanken gleichsam in Spiralen: vom

Gotteswort in das Herz, in die Seele, und dann wieder zur Schrift, zur

Belehrung, Ermahnung, Tröstung, mit genauer Beachtung des Ziels, das

sich der Prediger in seinem Thema gestellt hat, daß man zuletzt sich eines

Gefühls des Staunens über solche Kenntnis des menschlichen Herzens,

gepaart mit solcher Meisterschaft in der Schrift, nicht erwehren kann.

Dazu sind auch gerade unter den Predigten, die in einfachere Form ge—

kleidet sind, wahre Meisterstücke der Predigtkunst; wir denken zum Bei⸗

spiel an die Predigt über die Versuchung IEsu, an die Neujahrspredigt,

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