Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 71, Nummer 5 › Seite 79
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 2. März 1915, Seite 79
Scan: from a 2009 DVD; the same scans are on the Internet Archive as DerLutheraner71_partial. Selected pages only: not every page of this year is held.
⤓ Download page image (full resolution)
German transcription machine transcription, uncorrected
Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Kirchengemeinſchaften. 4„99
E/
2
d
t
ir
it
——
Kirche habe, redet.
ö und noch darob sich selig preist.
theranedS 79
wenn man so von dem „Anspruch auf Anerkennung“, den unsere
Wie leicht geschieht es, daß man eben
neint, andere Gemeinschaften, die Presbyterianer, die Metho—
disten, die Baptisten, seien in aller Leute Mund, ihr Werk
werde auch von Ungläubigen anerkannt und gelobt; wir Luthe—
raner dagegen stünden zu weit hintenan; wir müßten mehr
prominent werden, unsere Zahl, unser Reichtum, unsere Ver—
dienste um das Land berechtigten uns dazu. Wo man so nach
dem Beifall, der Freundschaft, dem guten Willen der Welt
strebt und ihr Lob, ihre Anerkennung sucht, ist die Gefahr
sehr groß, daß eine Kirchengemeinschaft der Welt zuliebe Stücke
cristlicher Lehre und Praxis fallen läßt, nur um eine Rolle
zu spielen. Man vergißt dann leicht, was D. Stöckhardt ein⸗
mal in einer Predigt so ausdrückte: „Auch wenn die Welt
äußerlich die Kirche in Frieden läßt, ja dem Evangelio, dem
Christentum, einen großen Respekt erzeigt, so ist und bleibt sie
doch die alte Lügnerin und Mörderin, die das Wesen ihres
Fürsten nicht verleugnen kann, und sucht durch viel List und
Kunst die Wirkungen des Christentums zu hindern und unschäd—
lich zu machen.“ (Gnade um Gnade, S. 310.) Ein anderes
Mal machte derselbe Gottesmann auf die Gefahr der Ver—
leugnung, der wir Christen allezeit ausgesetzt sind, in folgenden
Worten aufmerksam: „Wir wissen wohl, daß das Christentum
uns keine Herrlichkeit auf Erden bringt. Wir wissen, daß die
Bibel von der Schmach Christi redet, die auch dem Volke Gottes
mit zufällt. Aber solche Worte haben noch nicht tief in unsere
Gesinnung und Denk⸗ und Lebensweise eingegriffen. Wir
halten doch noch ziemlich viel auf Ehre und Ansehen bei den
Menschen. Das geht uns noch wider den Strich, daß die welt⸗
liche Gesellschaft unsern Namen als einen schändlichen von sich
ausschließen und aus ihrem Register tilgen sollte. Das können
wir noch gar schlecht vertragen, wenn jemand unser Ehrgefühl
kränkt und verletzt. An diesem Wort („verspeiet'! haben wir
noch viel zu lernen und zu studieren. Das ist und heißt Chri⸗
stentum, daß man sich also von den Menschen schmähen läßt
Wir können diese Worte „ver—
spottet und geschmähet und verspeiet werden“ kaum noch buch—
ö stabieren.“ (Gnade um Gnade, S. 174.)
Was sollen wir also tun?
Wir sollen erstens Gott allein die Ehre geben dafür, daß
wir das reine Evangelium haben, daß er auch uns undank—
1bare, saumselige, opferkarge Lutheraner von der Missourisynode
mit diesem kostbarsten aller Güter begnadet hat. Wir wollen
Buße tun im Staub und in der Asche, daß wir uns dieses
Gutes so vielfach unwürdig gezeigt haben, und bekennen, daß
wir es um unserer Lauheit und unsers Geizes willen gar wohl
verdienten, daß unser Leuchter verlösche, und das Erbteil unserer
Väter andern gegeben würde.
Sodann wollen wir aber, allen Lockungen der Welt und
unsers eigenen Fleisches zum Trotz, fröhlich in den heiligen
Krieg ziehen, das Panier Christi, das Kreuzesbanner, auf—
pflanzen und die Rüstung anziehen, die Paulus Epheser am
letzten beschreibt, umgürtet sein um die Lenden mit Wahr—
heit (die nennt der Apostel zuerst), angezogen mit dem
Harnisch der Gerechtigkeit, an Beinen gewappnet, zu treiben
das Evangelium des Friedens, vor allen Dingen aber den
Schild des Glaubens ergreifen und den Helm des Heils und
das Schwert des Geistes, welches da ist das Wort Gottes. Und
nachdem wir also mit der Waffenrüstung Gottes angetan sind,
großer Teil irrsinnig war.“
wäs sagt dann die Welt, wenn sie uns erblickt? Ei, sie spottet!
Sie sagt: „Was ist das für eine altmodische Ausrüstung! So
geht doch in diesem Jahrhundert kein Mensch mehr in den
Krieg!“ Verstehst du das Bild, Leser? Die Welt wird zu uns
sagen: „Also deswegen so viel Aufhebens? Wir hätten ge—
meint, wer seine Kirche so anpreist, wird uns etwas ganz Neues
bieten können, uns neue Wege weisen, neue Wahrheiten lehren,
und jetzt ist es die alte Lehre vom Sündenfall, vom ewigen
Gnadenratschluß, von der Menschwerdung Gottes, von dem Ver—
söhnungsleiden, von der Rechtfertigung aus dem Glauben“ —
und man wird uns noch obendrein schmähen, daß wir glauben,
im Besitz der ganzen göttlichen Wahrheit in all diesen Stücken
zu sein. Unter so viel Verachtung und Schmach haben wir
unsere Arbeit zu tun. Aber getrost, es soll unser Werk nicht
umsonst sein, sondern dem Zeugnis der Wahrheit sollen große
Scharen zufallen. „Siehe“, spricht der HErr der Kirche, „ich
habe gegeben vor dir eine offene Tür, und niemand kann sie
zuschließen; denn du hast eine kleine Kraft und hast mein Wort
behalten und hast meinen Namen nicht verleugnet.“ Daruni:
Fahre fort, Zion, fahre fort im Komm nicht an den Stuhl des
Licht, Drachen. (Offenb. 12, 3.)
Mache deinen Leuchter helle! Zion, wenn sie dir viel Lust ver⸗
Laß die erste Liebe nicht, spricht,
Suche stets die Lebensquelle. Folge nicht!
Zion, dringe durch die enge
Pfort':
Fahre fort!
Brich herfür, Zion, brich herfür in
Kraft,
Weil die Bruderliebe brennet;
Folge nicht, Zion, folge nicht der Zeige, was der in dir schafft,
Welt, Der als seine Braut dich kennet.
Die dich suchet groß zu Zion, durch die dir gegebne
machen; Tür
Achte nicht ihr Gold und Geld, Brich herfür!
G.
Der Russellismus.
3.
Russell kommt im Schafskleid, ist aber in⸗
wendig ein reißender Wolf.
Als einen Wolf im Schafskleid bezeichnet Christus in der
bekannten Stelle jeden Irrlehrer, der in der Kirche das Lehr—
recht beansprucht und auf dem Boden der Schrift zu stehen
behauptet.
Ein solcher Wolf im Schafskleid ist dieser Russell. Er
behauptet, er stehe auf dem Grunde der Schrift. Er beansprucht
das Lehrrecht in der Kirche. Und allen, die nicht so lehren,
wie er lehrt, spricht er das Lehrrecht ab, ja nennt sie die ge⸗
weissagten „falschen ChristiL. In seinen „Schriftstudien“
(Band 3, Seite 289—298) führt er unter den überschriften:
„Die falschen Christi“ und: „Falsche Messiasse“ die folgenden
an: 1. Sabbathai Levi von Smyrna, der im Jahre 1648 auf—
trat. Dabei bemerkt er: „Im ganzen mag es etwa 50 falsche
„Christi'“, Männer und Weiber, gegeben haben, von denen ein
2. Das Papsttum. 3. „Die Kirche
Englands.“ 4. „Die russische Kirche.“ 5. „Andere (prote⸗
stantische! Kirchen.“ Unter diesen nennt er besonders die Pres⸗
byterianer, die Methodisten, die Baptisten und die Luthe⸗
raner. Ausdrücklich sagt er von diesen: „Gleichwohl warnt
uns der SErr vor diesen falschen Christi.“
English translation
Not yet translated.