Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 71, Nummer 5 › Seite 83
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 2. März 1915, Seite 83
Scan: from a 2009 DVD; the same scans are on the Internet Archive as DerLutheraner71_partial. Selected pages only: not every page of this year is held.
⤓ Download page image (full resolution)
German transcription machine transcription, uncorrected
8E Der TutberanesSe 83
Krieges zu sehen, zu hören und wohl gar zu — fühlen.
wird noch werden?
Uns ist bange, aber wir verzagen nicht. Warum denn
auch sollten wir wohl? „Ist Gott für uns, wer mag wider
uns sein?“ Ist nicht der Gott Sadrachs, Mesachs und Abed—
negos in diesen schaurigen Tagen ebenso mächtig wie „vor
alters“? Stehen ihm nicht noch heute ganze Scharen starker
Helden zu Dienst? Er gebe und erhalte uns nur die Gnade,
seinen Verheißungsworten zu trauen: „Ob tausend fallen zu
deiner Seite und zehntausend zu deiner Rechten, so wird es
doch dich nicht treffen.“ Soll aber nach seinem weisen Rat
unsere Seele in diesem Schlachtenfeuer von uns genommen
werden, so lasse er sie um Christi willen auf Eliä Wagen dahin
fahren, wo kein Krieg und Kriegsgeschrei mehr sein wird, son—
dern Friede und Lobgesang immer und ewiglich. Darum, liebe
Brüder, werdet nicht laß in Eurem Gebet für uns! Der ewig
reiche Gott aber segne Euch und erhalte gnädiglich den güldenen,
edlen, werten Fried' in unserm lieben freien, gesegneten
Amerika!
Mit herzlichem Brudergruß
Euer dankbarer ö
K. Knippenberg.
London, den 10. Februar 1915.
Indien. Missionar Theodor Gutknecht in Nagercoil taufte
am 29. November vorigen Jahres in Kananputhur 21 Per⸗
sonen, Kinder und Erwachsene, und am 6. Dezember durfte
er in Thovalai 12 Personen taufen. — Die Ankunft unserer
indischen Post wird in letzter Zeit oft verzögert. So kam
am 6. Februar Post an, die schon am 6. Dezember 1914 abge⸗
schickt worden war. Früher war die Post selten länger als fünf
Wochen unterwegs. — Den letzten Nachrichten zufolge waren
Missionar Nau, Frau Freche und Witwe Kellerbauer und ihre
Kinder in Deutschland wohlauf. — Kürzlich lief die Nachricht
ein, die indische Regierung habe beschlossen, nach dem 26. De⸗
zember alle deutschen Männer, die das 45. Lebensjahr erreicht
haben, sowie alle Frauen und Kinder in der Nähe von Madras
zu internieren. Die Männer, die unter 45 Jahren sind, sollten
nach Ahmednagar gebracht werden. — Da es unsere Leser ge⸗
wiß interessieren wird, zu erfahren, wie es unsern Missionaren
im Gefängnis zu Ahmednagar geht, so teilen wir einen Aus⸗
zug aus einem eben eingelaufenen Briefe mit: „Es sind viele
Gefangene hier. Wir wohnen in Kasernen und Zelten. Das
Klima ist angenehm, und die Nächte sind kühl. In einer Be⸗
ziehung ist's ganz angenehm, wieder unter so vielen Weißen
sein zu dürfen, nachdem man so lange nur unter Schwarzen
gelebt hat. Wir haben jeden Sonntag Gottesdienst. Wir
haben auch das Weihnachtsfest gefeiert. Es besteht hier ein
guter Männerchor. Wir haben eine tennis court usw. Wir
bekommen genügend nahrhafte Speise und dürfen uns auch
nach Belieben Speise kaufen.“
Am 10. Dezember vorigen Jahres wurde auch Missionar
J. Williems in Krishnagiri verhaftet und als Kriegsgefangener
zunächst nach Bangalore und von da aus wahrscheinlich nach
Ahmednagar in Nordindien transportiert. Sollte das ein—
treten, was oben berichtet wird, daß auch alle dentschen Frauen
und Kinder in der Nähe von Madras interniert werden sollen,
so würde auch Frau A. Hübener, deren Mann schon am 10. No⸗
vember vorigen Jahres interniert wurde, mit ihren vier Kin—
Was
dern davon betroffen werden. — Während die Travancore—
Konferenz vom 8. bis zum 10. Dezember in Trivandrum
versammelt war, traf die Nachricht von dem am 27. Oktober
erfolgten und im „Lutheraner“ bereits angezeigten Tode Mis—
sionar G. O. Kellerbauers ein. Jul. A. Friedrich.
Zur kirchlichen Chronik.
Mit Recht wird die Innere Mission als die Hauptmission
unserer Synode bezeichnet. Innere Mission ist die Mission unter
solchen unserer Volksgenossen, die entweder nach Ortschaften ge⸗
zogen sind, in denen sie keine lutherische Gemeinde vorgefunden
haben, also unter lutherischen Christen, die wieder zu Gemein⸗
den gesammelt werden müssen, oder unter solchen, die vom luthe⸗
rischen Glauben abgefallen sind und nun durch die Arbeit unserer
Missionare und Reiseprediger wieder gewonnen werden sollen.
Jeder unserer 21 Synodaldistrikte hierzulande treibt innerhalb
seiner eigenen Grenzen Innere Mission. Darüber wird dann auf
den Versammlungen der Distrikte, die in diesem Jahre wieder
stattfinden, berichtet; auch geben die monatlichen Quittungen der
Distriktskassierer, die im „Lutheraner“ erscheinen, immer an, wie⸗
viel die Gemeinden des Distrikts für die Innere Mission auf dem
eigenen Gebiet gesammelt haben. Nun gibt es aber eine Anzahl
von Distrikten, die in ihren Grenzen sehr große Missionsgebiete
haben, so daß sie der Aufgabe, eine genügende Anzahl von Mis⸗
sionaren anzustellen, nicht gewachsen sind. Um diesen Distrikten
zu helfen, hat unsere Synode eine besondere Kasse aufgerichtet,
die Kasse für Allgemeine Innere Mission. Aus dieser
Kasse erhalten die Distrikte mit großen Missionsgebieten Zuschuß.
Das sind vor allem der Minnesota-⸗Distrikt, der die große cana⸗
dische Mission unterhält, und die Distrikte der Südstaaten und des
Westens. Wenn wir die Rechnungsablage unsers Allgemeinen
Kassierers in der letzten Nummer des „Lutheraner“ uns näher
ansehen, so merken wir, daß nur die Gaben für Allgemeine
Innere Mission, nicht aber die Gaben für die Innere Mission
der Distrikte durch die Hände unsers Kassierers gehen. Man
schließe also aus diesem Bericht nicht, daß die Missourisynode
jährlich nur zirka 826,000 für Innere Mission aufbringt. Die
Gelder, die in den einzelnen Distrikten für Erhaltung der Mis⸗
sionare und Reiseprediger in dem eigenen Gebiete aufgebracht
werden, würden die Summe von §200,000 jährlich überschreiten.
Diese Summe ist also der Totalsumme aller für außergemeind⸗
liche Zwecke in einem Jahre von unserer Synode aufgebrachten
Gelder, §524,301, hinzuzufügen. Nicht eingeschlossen in diese
Gesamtsumme von etwa 8725,000 ist dann noch alles, was unsere
Gemeinden für den eigenen Haushalt sowie für Wohltätigkeit im
eigenen Lande aufbringen. Das muß gesagt sein, damit das Bild
von der Missionstätigkeit unserer Kirche ein gerechtes wird. Zu⸗
gleich liegt darin eine Erinnerung an alle Gemeinden, auch an
die kleinen, ja gerade an die kleinen Gemeinden, sich nicht von der
Beteiligung an diesem Werke unserer Synode zurückzuziehen.
Sei die Gemeinde noch so klein und arm, sie soll nicht denken:
Ei, was können wir mit unsern kleinen Gaben ausrichten, wo die
Bedürfnisse so groß sind! Man sage auch nicht: Wenn wir mit
größeren Gaben auftreten können, wollen wir anfangen, die
Missionen unserer Kirche zu unterstützen. Wenn wir bedenken,
daß die Mehrzahl unserer Gemeinden gering an Gliederzahl ist,
so wird es klar, daß ohne die Mithilfe der vielen kleinen Ge⸗
meinden das Werk des HErrn Not leiden muß, wie auch, daß diese
vielen kleinen Gemeinden, wenn sie nur alle sich beteiligen, Großes
ausrichten können. G.
English translation
Not yet translated.