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Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 18. September 1900, Seite 289
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Freiheit. —— 5 · Glaube 27 · Mitteldinge 6
23
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N
Und ich sahe einen Engel
liegen mitten durch den
Hinmmel, der hatte ein eiig
Euvangcelium, zu verkiindigen
denen, die auf Erden sihen
und wohnen, und allen Vei-
den, und Oeschlechtern, und
Sprachen, und Völkern, und
spradwmil großer Stinunt:
Lürchten Sott, und gebei
imm die Chre; demn die Zeit.
seines Gerichis ist lommien,
und betet au den, der gemiacht
hat Bimmel, und Erde, und
Aeer, und dit Wasser⸗
brunnen. Ossb. Joh. 14, 6.
V 8
HBerausgegeben von der Beutschen Evangelisch⸗Lutherischen Zynode von Missouri, Ohio u. a. Staaten.
* — 0 *
Redigirt von dem Lehrer⸗Collegium des theologischen Seminars in St. Louis.
56. Jahrgang.
St. Louis, Mo., den 18. September 1900.
No. 19.
Was lehrt die Bibel vom Aergerniß?
(Fortsetzung.)
8.
Nehmen Schwachgläubige an solchem Thun eines
Christen Anstoß, das in christlicher Freiheit steht, so hat
ein Christ sie zu belehren, wo aber dies nicht gelingt, um
der Liebe willen sich des desfallsigen Gebrauchs seiner
christlichen Freiheit zu enthalten; vorausgesetzt, daß da⸗
durch das Bekenntniß nicht verletzt wird, und daß an⸗
dere Schwachgläubige hinwiederum an solchem Enthal⸗
ten nicht Aergerniß nehmen.
Das ist unser achter Satz.
Wir wollen zunächst die erste Hälfte des Satzes darlegen,
die so lautet: „Nehmen Schwachgläubige an solchem
Thun eines Christen Anstoß, das in christlicher
Freiheit steht, so hat ein Christ sie zu belehren,
wo aber dies nicht gelingt, um der Liebe willen
sich des desfallsigen Gebrauchs seiner schristlichen
Freiheit zu enthalten.“
Es gibt viele Dinge, die stehen in christlicher Freiheit. Was
heißt das? Das heißt, es gibt viele Dinge, die sind „Mittel⸗
dinge“, die sind in Gottes Wort weder geboten noch verboten;
ein Christ hat also die Freiheit, sie zu gebrauchen und zu thun,
oder auch sie nicht zu gebrauchen und nicht zu thun. Zum Beispiel,
gewisse liturgische Formen des Gottesdienstes sind in Gottes Wort
weder geboten noch verboten; christliche Gemeinden haben also
die Freiheit, sich ihrer zu bedienen, oder sich ihrer nicht zu be⸗
dienen. Ebenso — um aus dem gewöhnlichen Leben ein Beispiel
zu nehmen — ist der Gebrauch des Tabaks in Gottes Wort weder
geboten noch verboten; ein Christ hat also die Freiheit, es in
diesem Stücke zu halten, wie er will und wie es ihm gut däucht.
Nun gibt es aber schwache, das ist, schwachgläubige Christen,
die ärgern sich an diesem oder jenem Thun eines Christen, das,
wie eben gezeigt, ein Mittelding ist und in christlicher Freiheit steht.
Das ist ja freilich verkehrt. Sie sollten sich daran nicht ärgern.
Sie sollten sagen: „Das, was unser Bruder da thut, das ist
etwas, was in Gottes Wort nicht geboten ist und auch nicht ver⸗
boten ist; es ist ein Mittelding; es steht in seiner Freiheit, er
mag es thun oder lassen, wie er will; wo Gott nichts vorschreibt,
da haben wir auch nichts vorzuschreiben.“ So sollten sie sagen.
Diese Erkenntniß sollten sie haben. Wir reden aber jetzt von
dem Fall, daß sie diese Erkenntniß nicht haben. Sie sind eben
schwach, schwach in der Erkenntniß. Von manchen Mitteldingen,
die in Gottes Wort nicht geboten oder verboten sind, meinen sie
doch, daß sie in Gottes Wort geboten oder verboten seien. Woher
das kommt, daß sie so meinen? Nun, das kommt daher, daß sie
gewisse Sprüche heiliger Schrift falsch verstehen, oder falsche Fol⸗
gerungen aus denselben machen, oder daß sie in gewissen ange⸗
lernten und anerzogenen Vorurtheilen befangen sind. Also sie
meinen von manchen Dingen, die in Wahrheit Mitteldinge sind,
daß sie in Gottes Wort geboten oder verboten seien, je nachdem.
Und wenn sie nun sehen, daß andere Christen solche Dinge nicht
thun, von denen sie meinen, daß sie in Gottes Wort geboten seien,
oder daß andere Christen solche Dinge thun, von denen sie meinen,
daß sie in Gottes Wort verboten seien, — so ärgern sie sich daran.
Freilich nehmen sie dann Aergerniß, aus ihrer eigenen Schuld.
Aber item, sie ärgern sich daran, sie werden dadurch ärger. Wie
das? Ei, entweder fangen sie an, die andern Christen zu richten
und zu verdammen, weil diese nach ihrer Meinung Sünde thun,
und ziehen sich von der Gemeinschaft mit ihnen zurück — und das
ist doch nicht gut. Oder sie werden durch das Beispiel der an⸗
deren Christen verleitet, daß sie das auch thun, was sie doch für
Sünde halten — und das ist doch gewiß auch nicht gut, denn
dann verletzen sie ihr Gewissen und thun mit bösem Gewissen,
was sie so thun.
Wenn nun Schwachgläubige in dieser Weise Aergerniß neh⸗
men an solchem Thun eines Christen, das in christlicher Freiheit
steht, — was soll ein Christ dann thun?
V
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