Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 56, Nummer 19 › Seite 292

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 18. September 1900, Seite 292

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Kirchengemeinſchaften 2

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S „utherane

„Ich kann tödten und lebendig machen, ich kann schlagen und
kann heilen.“ Hiob 5, 17. 18. lesen wir: „Weigere dich der
Züchtigung des Allmächtigen nicht. Denn er verletzet, und ver⸗
bindet; er zerschmeißet, und seine Hand heilet.“ Ps. 41, 4.:
„Der HErr wird ihn erquicken auf seinem Siechbette; du hilfst
ihm von aller seiner Krankheit.“ Darum sollen wir in gläubigem
Gebet mit kindlicher Ergebung in Gottes Willen seine Hülfe
erbitten. „Rufe mich an in der Noth“, spricht Gott, „so will
ich dich erretten, so sollst du mich preisen.“ Ps. 50, 15. Und
Christus selbst legt uns im Vater⸗Unser die Bitte in den Mund:
„Erlöse uns von dem Uebel.“ Gerade Krankheit ist ein äußer⸗
liches Mittel, dadurch Gott die Menschen zum Gebet treibt. Es
steht geschrieben: „HErr, wenn Trübsal da ist, so suchet man dich;
wenn du sie züchtigest, so rufen sie ängstiglich.“ Jes. 26, 16. An
Assa wird es gerügt, daß er auch in seiner Krankheit nicht den
HErrn, sondern die Aerzte suchte. 2 Chron. 16, 21. Auch die
Fürbitte anderer zu begehren, macht Gottes Wort uns zur Pflicht.
„Ist jemand krank“, heißt es im Jacobusbrief, „der rufe zu sich
die Aeltesten von der Gemeine, und lasse sie über sich beten.“
Jac. 5, 14. Als Beispiele dafür, daß die Gläubigen das Gebet
in solchen Fällen geübt haben, nennen wir Hiskias, Jes. 38, 2.;
Hiob, Cap. 10; David, als sein Kind todkrank war, 2 Sam.
12, 16.; den Hauptmann zu Capernaum, der für seinen Knecht
Hülfe suchte, Matth. 8, 5.; das cananäische Weiblein, das für
seine vom Teufel geplagte Tochter bat, Matth. 15, 22.

Die Christian Science dagegen verwirft das Gebet als etwas
ganz Unnützes. „Sollen wir das göttliche Princip alles Guten
bitten“, fragt sie, „sein eigenes Werk zu verrichten?“ (308, 4.)
„Das hörbare Gebet — bringt es irgend einen dauernden Nutzen?“
(312, 5.) „Die bloße Bitte, daß Gott den Kranken heilen möge,
hat keine Kraft, Gottes Hülfe näher zu bringen, als sie schon ist.
Die einzig günstige Wirkung eines solchen Gebets für den Kran⸗
ken erfährt das Gemüth des Menschen, das nun durch ein blindes
Vertrauen auf Gott um so kräftiger auf den Körper einwirkt.
Das heißt aber einen Glauben durch den andern austreiben —
den Glauben an die Krankheit durch den Glauben an das Un⸗
bekannte“ (317, 3). „Die allgemeine Gewohnheit, für die Ge⸗
nesung der Kranken zu beten, findet in blindem Glauben Hülfe;
dagegen sollte die Hülfe aus dem erleuchteten Verstand kommen“
(318, 2). „Tritt Gott für einen Betenden ein, während er einem
anderen, der ebensoviel betet, nicht hilft? Wenn die Kranken
deshalb gesund werden, weil sie beten, oder hörbar für sie gebetet
wird, dann sollten nur solche gesund werden, die selber oder durch
andere beten“ (318, 3). So verlästert die Christian Science
das Gebet.

Aus Gottes Wort wissen wir Christen auch, daß das Ver⸗
trauen auf Gottes Allmacht und Güte, das im gläubigen Gebet
seinen Ausdruck findet, den Gebrauch der Aerzte und Arz⸗
neien nicht ausschließt. Nicht nur lesen wir in der Schrift
von Frommen, die sich beider bedient haben, sondern die Zu⸗
ratheziehung der Aerzte, sowie die Anwendung äußerlicher Mittel
wird auch in der Schrift ausdrücklich gebilligt und empfohlen.
Joseph hatte Aerzte unter seinem Hauspersonal, 1 Mos. 50, 1.
Lucas, der Evangelist und Verfasser der Apostelgeschichte, war
selber Arzt, Col. 4, 14. Und wenn Christus den Grundsatz aus⸗
spricht: „Die Gesunden bedürfen des Arztes nicht, sondern die
Kranken“, Luc. 5, 31., so ist damit der Gebrauch der Aerzte gewiß

gutgeheißen. Ueber die Anwendung äußerlicher Heilmittel lesen
wir: Als Hiskias krank war, ließ der Prophet Jesaias ihm „ein
Pflaster von Feigen auf seine Drüse legen, daß er gesund werde“,
Jes. 38. 21. Die Jünger des HErrn salbten viel Sieche mit
Oel und machten sie gesund, Marc. 6, 13. Der barmherzige
Samariter behandelte die Wunden des unter die Mörder Ge⸗
fallenen mit Wein und Oel und legte einen Verband an, Luc. 10.
Wenn Jacobus sagt: „Ist jemand krank, der rufe zu sich die
Aeltesten von der Gemeine, und lasse sie über sich beten, und sal⸗
ben mit Oele im Namen des HErrn“, Jac. 4, 14., so wurde
damit wiederum offenbar die Anwendung eines äußerlichen Mit⸗
tels empfohlen. Dasselbe gilt von dem Rath, den Paulus sei⸗
nem Schüler Timotheus gab: „Brauche ein wenig Weins um
deines Magens willen, und daß du oft krank bist“, 1 Tim. 5, 23.

Trotz alledem wird die Anwendung irgend welcher Mittel
zur Erhaltung der Gesundheit, sowie der Gebrauch der Aerzte und
Arzneien in Krankheitsfällen von der Christian Science aufs ent⸗
schiedenste als unchristlich und gegen Gottes Wort streitend ver⸗
boten. „Nahrung hat“, behauptet sie, „mit der wirklichen Exi⸗
stenz des Menschen nichts zu thun“ (387, 4). „Speise flärkt den
Körper nicht und schwächt ihn auch nicht“ (118, 2). „Das täg⸗
liche Waschen eines Säuglings ist nicht natürlicher und nöthiger,
als es ist, einen Fisch jeden Tag aus dem Wasser zu ziehen und
ihn mit Erde zu beschmieren“ (411, 3). „Wir hören jemand
sagen: Ich bewege mich täglich im Freien, ich gebrauche kalte
Bäder, um eine Anlage, mich zu erkälten, los zu werden, und
doch leide ich beständig an Erkältung, Katarrh und Husten.
Solche Zugeständnisse sollten den Leuten über die Nutzlosigkeit der
Gesundheitsmaßregeln die Augen öffnen“ (116, 1). Arznei be⸗
treffend, sagt die Christian Science: „Die materielle Heilkunde
setzt Arznei an die Stelle der Macht Gottes“ (395, 5). „Wir
müssen die Apotheker künste fahren lassen“ (23, 2). „Arzneien
zur Heilung der Krankheit auzuwenden, offenbart einen Mangel
an Gottvertrauen“ (214, 5).

(Schluß folgt.)

4 P. Wilhelm Julius Friedrich. 4

Schluß.)

Weil damals, als unser Friedrich sein Amt antrat, nur erst
wenige Pastoren unserer Synode im Nordwesten waren, so zog
sich seine Ordination lange hinaus. Dem jetzt auch schon ver⸗
storbenen P. J. Horst von Red Wing, Minn., war dieselbe über⸗
tragen worden. Auch er mußte den weiten Weg mit seinem
Fuhrwert zurücklegen. Armuth war auch bei ihm zu Hause. Als
er in Eau Claire auf einer Fahre den Fluß kreuzen wollte —
Brücken gab es damals noch nicht —, da hatte er nicht mehr so
viel, um die Fahrt bezahlen zu können. Aber Friedrich, der ihn
erwartete, hatte jetzt 50 Cents, und so ging alles gut. So wurde
denn der Entschlafene im kleinen Schulhaus am 2. October, den
19. Sonntag nach Trinitatis 1864, von P. J. Horst ordinirt.
Im nächsten Jaͤhre baute die Gemeinde ein kleines Haus, Fach⸗
werk mit Lehm ausgesetzt, als Pfarrwohnung. In diesem
Jahre (1865), den 21. Juni, trat der Entschlafene mit Pau⸗

line Ernestine Maywald, welche als verlobte Braut ihm aus

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