Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 56, Nummer 19 › Seite 291

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 18. September 1900, Seite 291

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Kirchengemeinſchaften 3

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SDer „TutheranebS

291

würde etwa gar irre werden am Glauben, und würde, durch dein
Beispiel bewegt, das auch thun, was du thust, aber mit bösem
Gewissen und in der Meinung, damit eine von Gott verbotene
Sunde zu thun; und das wäre ja ein Abfall von Gott. „Darum
schaffet, daß“ um einer so geringen Sache willen, wie der
Gebrauch eines Mitteldinges ist, „euer Schatz nicht ver⸗
lästert werde“, das heißt, bei Schwachgläubigen das Evan⸗
gelium nicht in Abfall komme und verlästert werde. „Denn
das Reich Gottes ist nicht Essen und Trinken“, oder
daß man sonst äußerlicher und Mitteldinge sich bedient oder nicht
bedient, „sondern Gerechtigkeit, und Friede, und
Freude in dem Heiligen Geist“, beide gegen Gott und
Menschen. „Wer darinnen Christo dienet, der ist Gott
gefällig und den Menschen werth“, ihnen als Diener
Christi bewährt und nütze. „Darum lasset uns dem nach⸗
streben, was zum Frieden dienet, und was zur Besse⸗
rung unter einander dienet“, und nicht zum Aergerniß.
„Lieber, verstöre nicht um der Speise“ oder um eines
anderen Mitteldinges „willen Gottes Werk“, nämlich deinen
schwachgläubigen Bruder! „Es ist zwar alles rein; aber
es ist nicht gut dem, der es isset mit einem Anstoß
seines Gewissens“, wozu er durch dein Beispiel verleitet
werden möchte. „Es ist dir besser, duessestkein Fleisch,
und trinkest keinen Wein, oder“ (thuest) „das“ (sonst
etwas), „daran sich dein Bruder stößet, oder ärgert,
oder schwach wird. Hast du den Glauben“, daß du
durch den Gebrauch von Mitteldingen nicht sündigest, „so habe
ihn bei dir selbstvor Gott. Selig ist, der sich selbst
kein Gewissen macht in dem, das er annimmt. Wer
aber darüber zweifelt, und isset doch“ — wozu dein
schwachgläubiger Bruder durch dein Beispiel verleitet werden
möchte —, „der ist verdammt; denn es gehet nicht aus
dem Glauben. Was aber nicht aus dem Glauben
gehet, das ist Sünde.“ Und willst du denn, daß dein
schwacher Bruder also sündige und verdammt werde? Gewiß
nicht! Also enthalte dich des Gebrauchs der Mitteldinge, so
dein Bruder daran Aergerniß nimmt! „Wir aber, die wir
stark sind, sollen der Schwachen Gebrechlichkeit
tragen, und nicht Gefallen an uns selber haben. Es
stelle sich ein jeglicher unter uns also, daß er seinem
Nächsten gefalle zum Guten zur Besserung.“

Nun, lieber Christ, hat dich St. Paulus nicht überzeugt,
daß du um der Liebe willen dich des Gebrauches deiner christ⸗
lichen Freiheit enthalten sollst, wenn Schwachgläubige daran An⸗
stoß nehmen? C. M. 3.

Fortsetung folgt.)

„Christian Science“' in Widerspruch mit
Gottes Wort.

(Auf Beschluß einer Conserenz eingesandt von Aug. B.)

Fortsetzung.)

Nachdem wir die unchristlichen, gottlosen Lehren der
Christian Science näher kennen gelernt haben, kann es nun auch
nicht schwer fallen zu erkennen, daß die von ihren Anhängern
vorgeblich geübten Krankenheilungen nicht auf einer christ⸗

lichen, sondern auf einer überaus unchristlichen Wissenschaft be⸗
ruhen und keineswegs als göttliche Werke, sondern als gottloser
Unfug anzusehen sind. Doch wollen wir die Christian Science
auch nach dieser Seite hin einer genaueren Prüfung unterziehen.

Das Weib, von dem die Christian Science herrührt, rühmt
sich, durch sein Wort und seine Schriften allerlei Kranke geheilt
zu haben. Es schreibt: „Die Verfasserin hat hoffnungslose Krank⸗
heiten geheilt und Sterbende zum Leben und zur Gesundheit auf⸗
gerichtet“ („Science and Health'', 426, 3). „Das Lesen der
Schriften der Verfasserin heilt beständig Krankheiten“ (443, 1).
Nach ihrer Aussage hat sie Christi Werk vervollkommnet. „Unser
Meister“, schreibt sie, „hat die Kranken geheilt, hat die christliche
Heilung geübt und seine Jünger die allgemeinen, göttlichen
Grundsätze derselben gelehrt; aber er hat keine bestimmte Regel
für die Demonstrirung seines Princips der Heilung und der Ver⸗
hütung der Krankheiten hinterlassen. Diese mußte erst noch durch
die „Christliche Wissenschaft“ entdeckt werden“ (41, 2). Den Er⸗
folg ihrer Methode betreffend, heißt es: „Die metaphysische Heil⸗
melhode hat sich immer weiter ausgebreitet und sich, wo immer
sie wissenschaftlich geübt wurde, als das wirksamste Mittel in der
medicinischen Praxis erwiesen“ (43, 2). Ob das Leiden ein
organisches oder functionelles (43, 1. 69, 3), ob die Krankheit
acut oder chronisch (69, 3), ob der Patient ein Christ oder ein
Gottesleugner (33, 3), ob er anwesend oder abwesend ist (71),
bleibt sich für die Christian Science gleich. Sie „richtet Worte
der Wahrheit an die Stummen, und sie antworten mit Frohlocken,
macht die Tauben hören, die Lahmen gehen und die Blinden
sehen“ (288, 4). Sie geht aber noch weiter. „Unseres Meisters
erster Glaubensartikel war die Heilung. Die alten Christen waren
Heiler“ (39, 4). Und „Christen haben heut zu Tage noch ebenso
den directen Auftrag wie damals — die Kranken zu heilen“
(32, 2). „Der Act, die Kranken allein durch den Geist zu heilen,
zeigt deine Stellung als Christ an“ (74, 4). Das begründet sie
durch den Mißbrauch des Schriftwortes: „Ich bitte aber nicht
alleine für sie, sondern für die, so durch ihr Wort an mich glau⸗
ben werden“ (167, 3). Endlich sagt sie gar: „Gehet hin in alle
Welt und prediget das Evangelium aller Creatur. Heilet die
Kranken. Warum hat dieser christliche Befehl so wenig Macht,
die Menschheit zu christlicher Thätigkeit anzuspornen? Weil die
Menschen glauben, daß dieser Befehl nur für eine bestimmte Zeit
und einer auserwählten Zahl seiner Nachfolger galt. Diese Lehre
ist schändlicher als die alte Lehre von der Vorherbestimmung —
die Wahl einer kleinen Zahl zur Seligkeit, während die Uebrigen
verdammt werden. Jesus hat gesagt: „Die Zeichen aber, die
da folgen werden denen, die da glauben, sind die: ... auf die
Kranken werden sie die Hände legen, so wird's besser mit ihnen
werden. Wer glaubt ihm aber? Zwar redete er seine Jünger
an, doch sagte er nicht: Diese Zeichen werden folgen euch, son⸗
dern denen — denen, die da glauben, und zwar zu allen Zeiten“
(343, 2. 3). Das verfehlt nicht, auf viele den gewünschten Ein⸗
druck zu machen. Damit gibt sich die Christian Science den
Schein, als ob sie allein auf dem unerschütterlichen Grund der
Schrift stände. Aber wir werden sehen, wie auch in diesem
Stück die Christian Science Gottes Wort verwirft und mit Be⸗
rufung auf die eben genannte Schriftstelle sich selbst verurtheilt.

Nach Gottes Wort geschieht die Heilung der Krank⸗
heit durch Gottes Kraft. 5 Mos. 32, 39. spricht Gott:

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