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Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 16. Oktober 1900, Seite 321
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Beſchneidung · Freiheit. —— 5 · Mitteldinge 6
Und ich sahe einen Engel
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denen, die auf Erden siden
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hat Himmel, und Erde, und
Acer, und die Wasser⸗
7
Redigirt von dem Lehrer⸗Colleginm des theologischen Seminars in St. Louis.
56. Jahrgang.
St. Louis, Mo., den 16. October 1900.
No. 21.
Was lehrt die Bibel vom Aergerniß?
Fortsetzung.)
Nehmen Schwachgläubige an solchem Thun eines
Christen Anstoß, das in christlicher Freiheit steht, so hat
ein Christ sie zu belehren, wo aber dies nicht gelingt, um
der Liebe willen sich des desfallsigen Gebrauchs seiner
christlichen Freiheit zu enthalten; vorausgesetzt, daß da⸗
durch das Bekenntniß nicht verletzt wird, und daß an⸗
dere Schwachgläubige hinwiederum an solchem Enthal⸗
ten nicht Aergerniß nehmen.
Von unserem achten Satz haben wir bis jetzt betrachtet und
dargelegt diese Worte: „Nehmen Schwachgläubige an solchem
Thun eines Christen Anstoß, das in christlicher Freiheit steht, so
hat ein Christ sie zu belehren, wo aber dies nicht gelingt, um der
Liebe willen sich des desfallsigen Gebrauchs seiner christlichen Frei⸗
heit zu enthalten.“
Jetzt wollen wir die noch übrigen Worte betrachten und dar⸗
legen. Nämlich diese: „vorausgesetzt, daß dadurch das
Bekenntniß nicht verletzt wird, und daß andere
Schwachgläubige hinwiederum an solchem Ent⸗
halten nicht Aergerniß nehmen“.
Wir sollen also — so sagen wir jetzt zuerst — um der
Schwachgläubigen willen uns des Gebrauchs unserer christlichen
Freiheit enthalten, vorausgesetzt, daß dadurch das Be⸗
kenntniß nicht verletzt wird.
Wir wollen, um zu zeigen, was wir meinen, gleich in die
Schrift gehen.
Apost. 16, 1—3. wird Folgendes erzählt: Der Apostel Pau⸗
lus kam auf einer Missionsreise gen Derben und Lystram. Und
siehe, ein Jünger war daselbst, mit Namen Timotheus, eines
jüdischen Weibes Sohn, die war gläubig (eine Christin), aber
eines griechischen (heidnischen) Vaters. Der hatte ein gut Ge⸗
—
rücht bei den Brüdern, umner den Lystranern, und zu Iconien.
Diesen wollte Paulus lassen mit sich ziehen, und nahm und be⸗
schnitt ihn um der Juden willen, die an dem⸗
selbigen Ort waren; denn sie wußten alle, daß sein Vater
war ein Grieche gewesen, und daß er also nicht beschnitten wor⸗
den war.
Merkst du? Um der schwachgläubigen Judenchristen willen,
deren Gewissen noch in den alttestamentlichen Satzungen befangen
war, und um der andern Juden willen, die etwa durch das Evan⸗
gelium noch gewonnen werden konnten, enthielten Paulus und
Timotheus sich des Gebrauchs ihrer christlichen Freiheit. Denn
Paulus beschnitt den Timotheus, und Timotheus ließ sich be⸗
schneiden. Nachdem Christus erschienen war, nachdem also der
Tag des neuen Testaments angebrochen war, da war es aus
mit den Schatten des alttestamentlichen Ceremonialgesetzes. In⸗
sonderheit die Beschneidung, das große Zeichen des alten Bundes,
war nicht mehr gefordert. Gott verlangte durchaus nicht, daß
Timotheus beschnitten werde. Die Beschneidung war ein Mittel⸗
ding geworden, sie war nun weder geboten noch auch verboten.
Es stand dem Timotheus völlig frei, es in diesem Stücke zu halten,
wie er wollte. Aber um den in der Erkenntniß noch schwachen
Judenchristen keinen Anlaß zu geben, daß sie etwa Anstoß und
Aergerniß nahmen, und um die noch nicht bekehrten Juden nicht
von vorneherein vor den Kopf zu stoßen, nahm Paulus den Timo⸗
theus und beschnitt ihn. Paulus und Timotheus thaten also den
Schwachen zu Liebe etwas, was sie sonst nicht zu thun brauchten.
Sie pochten nicht auf ihre christliche Freiheit. Sie sagten nicht:
„Das Beschneiden ist nicht mehr gefordert, also thun wir's auch
nicht.“ Nein, um der Schwachen willen enthielten sie sich solchen
Gebrauchs ihrer christlichen Freiheit und thaten's doch. Und
das war recht und Gott gefällig.
Aber nun höre eine andere Geschichte, die Paulus selbst er⸗
zählt. Du findest sie Gal. 2, 1—5. Da schreibt Paulus so:
„Darnach über vierzehn Jahr zog ich abermal hinauf gen Jeru⸗
salem mit Barnaba, und nahm Titum auch mit mir. Ich zog
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