Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 61, Nummer 19 › Seite 290

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 12. September 1905, Seite 290

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Unzucht

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SVer 2„Tutheraness

größeste Sünde und eine gerade Lästerung wider die göttliche
Wahrheit“. Darüber, daß Selbstprüfung den Christen vor
Rückfall aus der Gnade schützt, spricht sich unser D. Walther“)
folgendermaßen aus: „Auch dem, der bereits Christum ergriffen
hat, ist das tägliche Wachsthum in der Erkenntniß seiner selbst
überaus nöthig und heilsam; denn diese Erkenntniß treibt ihn
täglich immer aufs neue, sich vor Gott zu demüthigen, Christum
nicht fahren zu lassen, in ihm allein alle seine Gerechtigkeit und
Kraft und Stärke, sein Leben und seine Seligkeit zu suchen.“
Auch seiner Seligkeit und seiner ewigen Erwählung in
Christo bleibt der gläubige Christ bei steter Selbstprüfung gewiß.
Nimmt ein Gläubiger an sich selbst die Früchte und Zeugnisse
des seligmachenden Glaubens wahr, so soll er nicht zweifeln,
sondern fest davon überzeugt sein, daß er zu den Auserwählten
gehöre. Darum sagt die Schrift 2 Petr. 1, 10. den Christen:
„Thut desto mehr Fleiß, euren Beruf und Erwählung fest zu
machen.“ Alle, die nach Gottes ewigem Vorsatz zum Erbtheil
verordnet sind, die hören das Evangelium, glaͤuben an Christum,
beten und danken, werden geheiligt in der Liebe, haben Hoffnung,
Geduld und Trost im Kreuz. Und ob dies alles gleich sehr
schwach in ihnen ist, haben sie doch Hunger und Durst nach der
Gerechtigkeit. Findest du daher, mein Christ, daß du Gottes
Wort aufrichtig annimmst, demselben glaubst und ihm folgen
willst, so erkenne darin das Zeugniß des Heiligen Geistes, daß
du Gottes Kind und gewiß ein Erbe des ewigen Lebens bist.
Wie aber, wenn ein Mensch bei seiner Selbstprüfung das
gerade Gegentheil fände? Wie, wenn er bekennen muß: „Ich
habe bisher Gottes Wort durch muthwilligen Unglauben beharr⸗
lich verworfen?“ Auch einem solchen war die Selbstprüfung
nicht vergeblich. Ja, eben ihm kann sie zu ewigem Nutzen ge⸗
reichen. Er bedenke, daß Christus, der allwissende Gottmensch
und einstige Weltrichter, so deutlich wie möglich sagt: „Wer
nicht glaubet, der wird verdammt werden“, Marc. 16, 16.; und
abermals Joh. 12, 48.: „Wer mich verachtet und nimmt meine
Worte nicht auf, der hat schon, der ihn richtet. Das Wort,
welches ich geredet habe, das wird ihn richten am jüngsten Tage.“
Wegen dieser Drohung erschrecke er über sich selbst und erkenne
seinen verlorenen Zustand. Selbsterkenntniß ist das Gegentheil
von Selbstverblendung. Aber noch ist die Gnadenzeit! Noch
ist Hülfe da auch für den größten Sünder. Derselbe Christus,
der einst die Welt richtet, hat für alle Sünden Vergebung er⸗
worben. Darum sagt er Marc. 16, 16.: „Wer da glaubet und
getauft wird, der wird selig werden“, und Joh. 3, 16.: „Also
hat Gott die Welt geliebet, daß er seinen eingebornen Sohn
gab, auf daß alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden,
sondern das ewige Leben haben.“ Durchstreiche, o reuiger
Sünder, alle Schuldposten mit dem Blute deines Versöhners!
Glaube an den HErrn IEsum Christum, so wirst du selig,
Apost. 16, 31. Bei der Selbstprüfung findet der Mensch, der
in Unglauben gefallen ist, Gelegenheit zur Umkehr, Luc. 15,
11—24. D. Luther sagt:““) „Die wahrhaftige und beständige
Prüfung ist, wenn sich ein Mensch befindet eitel, leer und ledig
und ohne das Gewicht des Heils, der Seligkeit und Gerechtigkeit
und beladen mit viel bösen Begierlichkeiten. Und wenn der
Mensch dies befindet, so soll er hitziglich und mit allem Fleiß der

) Casualpred., S. 429. *½) XII, 1349.

Gnade und Barmherzigkeit Gottes begehren und nicht Zweifel
haben, er werde sie erlangen.“

Endlich hat die Selbstprüfung noch einen herrlichen Nutzen.
Ein Christ, der sich gläubig und in Christo weiß und fleißig
darauf achtet, ob er im Glauben bleibe, wächst dadurch im Glau⸗
bensmuth und in der Bekennerfreudigkeit. Mag die Feindschaft
der Welt seinem Fleisch gleich wehe thun, er weiß, daß denen,
die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen, Röm. 8, 28.
Und Christus sagt seinen treuen Bekennern zu: „Wer mich be⸗
kennet vor den Menschen, den will ich bekennen vor meinem
himmlischen Vater“, Matth. 10, 32. So wird der Christ bei
steter Selbstprüfung auch besser gerüstet für die Trübsale, daß er
mit St. Paulo sprechen, ja, triumphiren lernt: „Wir rühmen
uns auch der Trübsale, dieweil wir wissen, daß Trübsal Geduld
bringet; Geduld aber bringet Erfahrung; Erfahrung aber bringet
Hoffnung; Hoffnung aber läßt nicht zu Schanden werden“,
Röm. 5, 3. f.

Bei den Heiden des Alterthums galt das „Erkenne dich
selbst“ als große Weisheit. Wie viel mehr sollten wir Christen
Fleiß thun in der Selbstprüfung! „Welchem viel gegeben ist,
bei dem wird man viel suchen; und welchem viel befohlen ist,
von dem wird man viel fordern“, spricht der HErr Luc. 12, 48.
So wollen wir die Selbstprüfung nicht aufschieben, sondern
täglich unser Herz und Wesen durchsuchen und erforschen, ob wir
immer noch Christum ergreisen und uns gläubig an ihn halten.
„Versuchet euch selbst, ob ihr im Glauben seid, prüfet euch selbst“,
2 Cor. 13, 5. P. E.

Drisdialberict und die lette „steie Ceulenens.

In dem Präsidialbericht für die diesjährige Allgemeine
Synode hatte der Unterzeichnete auch über die sogenannten
„freien Conferenzen“, die innerhalb der letzten drei Jahre statt⸗
gefunden hatten, den versammelten Delegaten Bericht erstattet.
In diesem Bericht, der inzwischen auch im „Lutheraner“ erschie⸗
nen ist, heißt es unter anderm: „Ueber das Resultat der Con⸗
ferenzen ist ein Doppeltes zu sagen. Es haben manche, denen
bisher nur eine Caricatur unserer Lehrstellung vor Augen geführt
worden war, unsere wirkliche Lehrstellung kennen gelernt. Zum
andern: die Wortführer in den gegnerischen Synoden sind nicht
für die Wahrheit gewonnen worden, sondern haben sich an⸗
scheinend in dem Irrthum, daß die Seligkeit nicht allein auf
Gottes Gnade, sondern auch auf dem Menschen selbst stehe, noch
mehr verfestigt. Dazu ist bei diesen Conferenzen auf Seiten
der gegnerischen Wortführer noch mehr als früher der grundsätz⸗
liche Irrthum hervorgetreten, daß nicht die heilige Schrift allein
Artikel des Glaubens stelle, sondern daß die Menschen, sonder⸗
lich die Theologen, nach einem Vernunftganzen — das man
fälschlich, Analogie des Glaubens“ nennt — die Schriftaussagen
zu reguliren haben. Unter dem, was dem Glauben gemäß ist,
versteht man nicht das, was die Schrift lehrt, sondern das, was
dem Theologen in den von ihm herzustellenden Zusammenhang
zu passen scheint.“

Wie wir schon aus den politischen Zeitungen erfuhren und
nachträglich aus dem iowaschen „Kirchenblatt“ No. 18 ersehen,
so haben ohiosche Theilnehmer an der letzten Fort Wayner „freien

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