Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 61, Nummer 19 › Seite 291
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 12. September 1905, Seite 291
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Verhalten 2 · Paſtor 5
8r 2„Wuthieraner
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Conferenz“ gegen diese Beurtheilung öffentlich und feierlich
„Protest“ eingelegt und sogar die Dreistigkeit gehabt, dieselbe
als „Lüge und Verleumdung“ zu bezeichnen.
Jenes Urtheil des Präsidialberichts ist nicht „Lüge und
Verleumdung“, sondern im Gegentheil die lautere Wahr⸗
heit. Hätte der Unterzeichnete anders geurtheilt, dann hätte
er sich einen Verstoß gegen die Wahrheit zu Schulden kommen
lassen. Wollte er aber seiner Synode einen wahrheits⸗
getreuen Bericht erstatten, wie es seine Schuldigkeit war und
ist, so mußte er gerade so urtheilen, wie er geurtheilt hat.
Der Präsidialbericht redet nicht von allen unsern Gegnern,
sondern von den Wortführern derselben, und von diesen
Wortführern sagt er, daß sich nach wie vor bei ihnen ein
doppelter Irrthum finde: 1. daß der Mensch nicht allein
aus Gnaden bekehrt und selig werde; 2. daß nicht allein
die heilige Schrift endgültig die Glaubensartikel be⸗
stimme. Beide Irrthümer haben die Wortführer unserer Gegner
je und je gelehrt und bis jetzt festgehalten.
Was den ersten Punkt betrifft, so haben sie nicht nur aus⸗
drücklich und wiederholt gesagt, daß Bekehrung und Seligkeit
nicht allein von Gottes Gnade, sondern auch von dem Ver⸗
halten des Menschen abhängig sei, sondern auch hinzugefügt, es
sei „die eigentliche Quintessenz der calvinischen Wahllehre“, „un⸗
christlich und heidnisch“, wenn man sage, daß die Erlangung der
Seligkeit „in keiner Hinsicht vom Verhalten des Menschen der
Gnade Gottes gegenüber, sondern in jeder Hinsicht allein von
Gott abhängig sei“. Als später einige innerhalb der Ohio⸗
Synode den Satz, daß des Menschen Bekehrung und Seligkeit
nicht allein von Gott abhänge, beanstandeten, wurde nach dem
Bericht des ohioschen Westlichen Distriets vom Jahre 1896 er⸗
klärt, daß der Satz „durchaus berechtigt“ und festzu⸗
halten sei, insofern und weil Gott niemand zur Bekehrung
zwinge. Hiervon haben die Wortführer unserer Gegner auch
auf den „freien Conferenzen“ nichts zurückgenommen, sondern
wir mußten in Detroit zum Beispiel die Aeußerung wieder hören,
dem Menschen sei in Sachen der Seligkeit „Wahlfreiheit“ zu be⸗
lassen, die „Wahlfreiheit“ des Menschen sei ein Hauptstück „der
Analogie des Glaubens“. Das heißt wahrlich klar den Irrthum
aussprechen, „daß die Seligkeit nicht allein auf Gottes Gnade,
sondern auch auf dem Menschen selbst stehe“.
Was den andern Punkt betrifft, so ist die Sache ebenso klar
und am Tage. Wenn wir in dem Lehrstreit die Wortführer
unserer Gegner auf die klaren Schriftworte verwiesen, in
welchen unsere Lehre ausgesprochen sei, so beriefen sie sich auf
die „Aehnlichkeit des Glaubens“ oder das „organische Ganze“
oder „System“ der christlichen Lehre, welches sie zwinge, die
Schriftworte in ihrem Sinne zu deuten. So wurde die Frage
besprochen, was denn dem Glauben ähnlich sei oder dem christ⸗
lichen Glauben entspreche. Die Glieder der Synodalconferenz
und der Norwegischen Synode erklärten: die Analogie oder
Regel des Glaubens und die klare Schrift selbst seien der Sache
nach Ein Ding. Was die klare Schrift lehre, sei dem Glau⸗
ben gemäß. Nie liege die Analogie oder Regel des Glaubens
über das klare Schriftwort hinaus. Dem gegenüber gaben
Wortführer der Gegner die Erklärung ab: „Die Analogie des
Glaubens“ — oder „das harmonische Ganze oder System“, das
namentlich der Theologe erkenne — „steht als höchste Norm der
Schriftauslegung noch über dem Parallelismus oder der Ver⸗
gleichung der von derselben Lehre handelnden Schriftstellen.“
Was hier gelehrter und schwerer verständlich ausgedrückt ist, sucht
der Präsidialbericht etwas einfacher so auszudrücken: „Unter
dem, was dem Glauben gemäß ist, versteht man nicht das, was
die Schrift lehrt, sondern das, was dem Theologen in den von
ihm herzustellenden Zusammenhang zu passen scheint.“ So legt
auch in Bezug auf diesen Punkt der Präsidialbericht durchaus
der Wahrheit gemäß den Standpunkt der Wortführer der
Gegner dar. Hiernach haben auch die Wortführer der Gegner
auf den „freien Conferenzen“, denen wir beiwohnten, ge⸗
handelt. Sie haben die klaren Worte der Schrift von der
ewigen Erwählung nicht zur Geltung kommen lassen, wenn die
Worte nicht in ihr (der Gegner) „Ganzes“ paßten.
Wenn nun Glieder der Ohio⸗Synode den traurigen Muth
hatten, unsere durchaus wahre und sachgemäße Darstellung als
„Lüge und Verleumdung“ zu bezeichnen, so ist das ein Beweis
dafür, daß sie in dem Zustande sich befinden, in welchem man
Wahrheit Lüge und Lüge Wahrheit nennt.
Uebrigens spricht der Präsidialbericht in Bezug auf die Lehr⸗
stellung der Gegner nur dasselbe aus, was von uns und andern
Gliedern der Synodalconferenz seit mehr als zwanzig Jahren,
und zwar viel schärfer, gesagt worden ist. Auch die Glieder der
Synodalconferenz, welche dieses Mal in Fort Wayne zur „freien
Conferenz“ zugegen waren und das Wort führten, sind fest da⸗
von überzeugt, 1. daß die gegnerischen Wortführer die Seligkeit
des Menschen nicht allein auf Gottes Gnade, sondern auch auf
den Menschen selbst stellen, 2. daß die gegnerischen Wortführer
bei der Darlegung der christlichen Lehre nicht die heilige Schrift
das erste und letzte Wort reden lassen, sondern die heilige Schrift
nach ihrem eigenen Kopfe deuten und verkehren und dann ihren
eigenen Kopf „Analogie des Glaubens“ nennen. Wenn daher
jene Glieder der Ohio⸗Synode die „freie Conferenz“ in Fort
Wayne mit jenem feierlichen „Protest“ eröffneten, so können wir
uns des Eindrucks nicht erwehren, daß es mit dem „Protest“
auch auf eine Art Theaterspielerei abgesehen war. Auf
einer „freien Conferenz“ wird naturgemäß den Theilnehmern
viel Freiheit gestattet. Aber offenbare Albernheiten, wie jener
„Protest“, sollten doch möglichst vermieden werden.
F. Pieper.
Luthers Fürsorge für arme Studenten.
In allen unsern Lehranstalten beginnt in diesen Tagen ein
neues Schuljahr. Gar mancher Schüler und Student wird in
ihnen sein Studium beginnen oder fortsetzen, der in Wahrheit
ein armer Schüler oder Student ist und der Unterstützung be⸗
darf. Um nun unsern Gemeinden und den einzelnen Christen
in ihnen zu solcher nöthigen Unterstützung rechte Lust zu machen,
seien einige Aussprüche von unserm Vater Luther mitgetheilt,
die uns zeigen, wie der große Reformator auch in diesem Stücke
vorbildlich gewirkt hat.
Luther war ja selbst Professor an der Universität Witten⸗
berg, kam viel mit den Studenten zusammen und nahm sich auch
treulich ihrer an in ihrer Noth. Er ist wirklich unermüdlich thä⸗
tig gewesen, hat ihnen entweder selbst Wohlthaten erwiesen,
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