Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 61, Nummer 19 › Seite 296

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 12. September 1905, Seite 296

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Auwiſſenheit · Papſttum 140

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Pfarrer Corneloup fragte in seinem Monatsblatte: „Paulus nennt
den Namen JEsu Christi zehnmal in den zehn ersten Versen des ersten
Corintherbriefes. Wie viel mal finden Sie den Namen Maria in allen
Briefen aller Apostel? Um Antwort wird gebeten.“ Keine Antwort.

Das Neue Testament empfiehlt das Lesen des Alten Testaments
durch 850 Hinweisungen. Das Wort Gott findet sich 46,000mal in
der Bibel. Wer Bibeln durch Henkershand verbrennen ließ, schändete
den Namen Gottes 46,000mal.

„Welche Kirche hat die Schriften IEsu und seiner Apostel in
450 Sprachen übersetzt und in 250 Millionen Bänden verbreitet
und welche Kirche hat dieselben Schriften gar oft durch Henkershand
verbrannt?“ Die Antwort ist leicht. Das erstere hat die protestan⸗
tische Kirche gethan, das letztere die römisch⸗katholische.

(Wartburg.)

Sieben Tage des Menschen.

Unter allen seinen Tagen hat ein jeder Mensch seine vornehmen
Tage. Der erste Tag ist der Geburtstag, der uns allen gleich ist,
Hiob 1, 21. Der andere Tag ist der Wiedergeburtstag, an welchem
wir getauft werden, Tit. 3, 5. f. Der dritte Tag ist der Lebetag,
den Gott einem länger, dem andern kürzer verordnet hat, der auch
von einem wohl und christlich, von dem andern übel und ärgerlich zu⸗
gebracht wird. Der vierte Tag ist ein Ehrentag, da man entweder
zum Ehestande greift, oder sonst von Gott, durch ordentliche Mittel,
in ein gewiß Amt und Beruf gesetzt wird. Der fünfte Tag ist der
Sterbetag; dieser ist uns abermals ungleich; denn etliche sterben im
HErrn, Offenb. 14, 13., zum ewigen Leben, etliche im Teufel, zur
ewigen Verdammniß. Der sechste Tag ist der jüngste Tag zum Ge⸗
richt, da denn alle Menschen auferstehen und vor des Menschen Sohn
erscheinen werden, Matth. 25, 31. Der siebente Tag ist der ewige
Ruhetag; denn wie Gott am siebenten Tage ruhete von allen seinen
Werken, die er gemacht hatte, 1 Mos. 2, 2., also wird im siebenten
Theil der Zeit die ewige Ruhe anfahen, Hebr. 4, 11. So schaue
nun ein jeder zu, daß er seine Lebetage und Ehrentage also zubringe,
damit er seines Schöpfers und seiner eigenen Seligkeit nicht vergesse
und einen fröhlichen Sterbetag, einen gnädigen Gerichtstag und einen
ewigen freudenreichen Ruhetag erlangen und behalten möge, in IEsu
Christo, unserm einigen Heilande, Amen.

„Du, Gott, siehest mich.“

Vier kleine Worte sind es, so erzählt ein vor einigen Jahren ge⸗
storbener Pastor, die mir in meinem Leben viel Gutes gethan haben.
Es waren die ersten Worte, die meine Mutter mich lehrte: „Du, Gott,
siehest mich“, 1 Mos. 16, 13. Dafür werde ich ihr noch in Ewigkeit
danken. Ich sehe sie noch vor Augen, als wenn es heute wäre, die
gute selige Mutter, die nun schon lange im Himmel ist, wie sie an
jedem Morgen, wenn sie mich angekleidet und mit mir gebetet hatte,
mir die Hand auf mein kleines Haupt legte und gar feierlich zu mir
sagte: „Nun vergiß es nicht den ganzen Tag, mein liebes Kind: „Du,
Gott, siehest mich.“ Leider hab ich es doch oft unter dem Spielen und
bei den Kameraden im Laufe des Tages vergessen und habe nament⸗
lich, wenn mich das Auge der Mutter nicht sah, vielmals ihr Gebot
übertreten. Wie beschämt sah ich dann unter mich, wenn sie mich nach
dem Abendgebet auf ihre Kniee nahm und mich bis ins Herz hinunter
fragte: „Hast du auch heute immer daran geacht: „Du, Gott, siehest
mich‘? Auch wenn kein Menschenauge auf dich achtet, wenn du ganz
allein im Garten oder im dunklen Keller bist, Gottes Auge ist überall
und sieht alles, was du thust. Darum hüte dich, daß du in keine

Sünde willigest, noch thust wider Gottes Gebot.“ Das ging mir tief
zu Herzen und hat mich durchs ganze Leben begleitet, ja, ich kann
sagen, kein Eindruck ist mir von der Kindheit Tagen so lebendig ge⸗
blieben und so ununterbrochen nachgegangen als der, den meiner
Mutter vier kleine, aber stets wiederholte und auch vorgelebte Worte
auf mich machten: „Du, Gott, siehest mich.“

Gottes Wort eine Gotteskraft.

In Recklingshausen in Westphalen wohnte ein Jude, dem eine
arme christliche Wittwe das deutsche Neue Testament für acht Schillinge,
die sie ihm schuldete, überlassen hatte. Als dieser das Buch in Em⸗
pfang genommen hatte, wollte er gern wissen, was das für kräftige
Irrthümer wären, durch welche die Christen zu ihrem Glauben sich
verleiten ließen. Darum rief er zwei seiner Schwäger zu sich, und
sie lasen in dem Buch, nicht ohne viel Spötterei und Gotteslästerung.
Was aber geschieht? Die Gnade, die in und bei dem Worte ist, be⸗
ginnt in dem Herzen jenes Juden zu wirken; er fängt an, auch heim⸗
lich, ohne der Seinigen Wissen, mit Nachdenken in dem Buch zu lesen,
sieht, daß Christus und die Apostel so nachdrücklich auf Mosen und
die Propheten hinweisen, schlägt die Sprüche nach und findet darin
ein solches Licht, daß er nicht mehr zu widersprechen vermag, die
Taufe begehrt und ein Christ wird.

Todesanzeige.

Am 28. August entschlief selig im HErrn nach nur fünftägiger
Krankheit in Folge von Lungen⸗ und Brustfellentzündung P. W. C.
Brink, Seelsorger der St. Pauls⸗Gemeinde zu St. Louis, Mo. Er
hat sein Alter nur auf 42 Jahre und 26 Tage gebracht, und davon
18 Jahre im heiligen Predigtamte gestanden. Er hinterläßt eine Wittwe
und 8 unmündige Kinder. Die Beerdigung fand am 1. September statt.
P. O. Hanser amtirte im Trauerhause, P. C. C. Schmidt und P. F. S.
Bünger in der Kirche, P. Herzberger auf dem Concordia⸗Gottesacker.

L. F.
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Neue Drucksachen.

Christliche Weltanschauung. Kosmogonie und Astronomie, oder
Entstehung und Beschaffenheit der Welt. Von F. E. Pasche,
Pastor in Webster, S. Dak. Zu beziehen vom Verfasser.
241 Seiten 8454, in Leinwand mit Goldtitel gebunden.
Preis: 51.00.

Der Verfasser hat sich, wie das Vorwort der South Dakota⸗Pastoral⸗
conferenz sagt, Jahre lang mit den Gegenständen, die er in diesem Buche be⸗
handelt, beschäftigt. Das haben wir nicht gethan, und wir können darum
auch nicht beurtheilen, ob seine wissenschaftlichen Ausführungen immer richtig
sind. Daß die modernen Vertreter der Wissenschaft in ihren Aufstellungen
und Behauptungen vielfach von Bibelfeindschaft beseelt sind, steht fest; daß
in diese Reihe gerade auch die vom Verfasser öfters erwähnten, erst in einer
Monatsschrift, dann in Buchform veröffentlichten Artikel von dem Americaner
Andrew D. White gehören, aus denen so viele in unserm Lande ihre Be⸗
lehrung schöpfen, ist ebenfalls gewiß; daß die Wissenschaftler sich schon oft
gründlich geirrt haben und sich häufig geradezu widersprechen, zeigt der Ver⸗
fasser mit vielen Beispielen und Aussprüchen. Daß hingegen die Schrift auch
in naturwissenschaftlichen Dingen, um mit Luther zu reden, „noch nicht ge⸗
irret hat“, ist Glaube und Bekenntniß unserer Kirche, für das wir bei jeder
Gelegenheit eintreten und eintreten sollen. Wir unterschreiben nicht alle
Ausführungen des Verfassers. Aber rückhaltlos tritt er für die Wahrheit,
Glaubwürdigkeit und Irrthumslosigkeit der Schrift und ganz besonders auch
des biblischen Schöpfungsberichtes ein. Und das ist die Hauptsache, die uns
an diesem Buche erfreut und derentwegen wir das Buch hier zur Anzeige
bringen. L. F.

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