Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 63, Nummer 23 › Seite 360
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 5. November 1907, Seite 360
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Geſangbuch 5 · Anhang · Gemeindegeſang 4
360 S Wer „Tutheranesss ö
sagt, daß, die solches tun, das Reich Gottes nicht ererben werden,
Gal. 5, 21. Das wird nicht immer erkannt und beachtet. Manche,
die das Saufen für ein Laster halten, leben in dem ebenso schänd⸗
lichen Laster des Fressens und frönen ihm im eigenen Hause und
bei öffentlichen Gelegenheiten und Banketten. Ja, es werden sogar
besondere Freßvereine gebildet, gerade so wie es Saufvereine gibt,
manche mit einem ausdrücklich dahinlautenden Namen und noch
viel mehr der Tat nach. Ein deutsches Blatt berichtet: „Nach dem
neuesten Nürnberger Adreßbuch gibt es dort als eingetragene ge⸗
sellige Vereine neben einem Schmausverein und vier Eßvereinen
noch 52 — schreibe fünfzig und zwei — Freßgesellschaften, Freß⸗
vereine, Freßelubs ꝛc. Die meisten sind nach der Stadtgegend
benannt, aber manche haben auch sehr schöne Sondernamen, zum
Beispiel: Freßverein ‚Bis er platzt“, Freßverein „Die Affen“, Freß⸗
verein „Hau di o“, Freßverein Nimmersatt“, Freßverein Tou de
gouté (Tu dir gut), Freßverein ‚Unaufhörlich“, Freßverein Vieche⸗
rei'. Daseinszweck der Freßvereine ist, so lange Geld zu sam⸗
meln, bis ein ordentliches Fressen abgehalten werden kann.“ Wie
man von viehischem und mehr als viehischem Saufen redet, so
erniedrigt sich auch durch Fressen der Mensch unter das Tier, macht
den Bauch zu seinem Gott und sucht seine Ehre in Schande, Phil.
3, 19. L. F.
Wo ist das Glück?
Wo ist das Glück? Dort, wo du richt bist, dort ist das
Glück! lautet eine trübselige Antwort, die für viele recht zu⸗
treffend ist, obgleich alle rastlos und ruhelos danach jagen.
„Man hat mich immer als einen vom Glück besonders Be⸗
günstigten gepriesen. Ich will auch nicht klagen, will den Gang
meines Lebens nicht schelten. Allein es ist nichts als Mühe und
Arbeit gewesen, und ich kann wohl sagen, daß ich in meinen
75 Jahren keine vier Wochen eigentlich Behagen gehabt habe.
Es war das ewige Wälzen eines Steines, der immer gehoben
sein wollte. Was ist überhaupt das Leben? Man macht allerlei
dumme Streiche, beschäftigt sich mit niederträchtigem Zeuge, geht
dumm aufs Rathaus, klüger herunter und am andern Morgen
noch dümmer wieder hinauf.“ So bekennt der deutsche Dichter
Goethe, als er auf sein langes Leben zurückblickt. Die Welt
nennt es glorreich und weiß des Rühmens kein Ende; er selbst
seufzt über seine Armseligkeit.
Ein anderer, ebenfalls hochbegabter und mit dem, was die
Welt als Glück betrachtet, reich gesegneter Mann, der deutsche
Dichter Dingelstedt, sagt:
Und wenn ihr mich dereinst begrabt,
So steh' auf meinem Stein zu lesen:
Glück hat er immerdar gehabt,
Doch glücklich ist er nie gewesen.
Also auch eine Bankerotterklärung. Ach, wenn doch alle so
ehrlich wären! Auf wie vielen Leichensteinen würde dann diese
Inschrift stehen! Die meisten sind und bleiben so blind, daß sie
von ihrer Elendigkeit nichts sehen, bis sie ihre Augen für diese
Welt schließen. Eine glänzende Seifenblase nach der andern
zerplatzt ihnen — sie lassen sich dadurch nicht irre machen, denn
die nächstfolgende, meinen sie, wird gewiß standhalten; ja, sie
sehen dabei wohl stolz auf die Christen herunter, von denen es
im Liede heißt:
Man sieht sie vor andern nichts Sonderlich's machen,
Nur daß sie die Torheit der Weltlust verlachen.
Wo ist das Glück? Einem sterbenskranken Könige wurde
geraten, das Hemd eines Glücklichen anzuziehen, danach würde er
genesen. Er schickte Boten aus durch sein ganzes Reich, die an
alle Türen klopften, hinter denen sie einen Glücklichen vermuteten.
Sie fanden keinen, bis sie zuletzt noch in einer armseligen, zer⸗
fallenen Hütte nachfragten. Welche Freude! Da wohnte ein
Glücklicher. Doch mit der Freude war es sofort wieder aus —
dieser eine Glückliche hatte kein Hemd. Einen Rock aber hat er
gehabt, der dem kranken Könige auch gut getan hätte, den Rock
der Gerechtigkeit, mit dem der HErr die bekleidet, die ihr Glück
bei ihm suchen.
Wo ist das Glück? „Glaubet an den SErrn, euren Gott,
so werdet ihr sicher sein; und glaubet seinen Propheten, so werdet
ihr Glück haben“, 2 Chron. 20, 20.
Mein Herze geht in Sprüngen
Und kann nicht traurig sein,
Ist voller Freud' und Singen,
Sieht lauter Sonnenschein.
Die Sonne, die mir lachet,
Ist mein HErr JEsus Christ,
Das, was mich singend machet,
Ist, was im Himmel ist. (Lied 366, 15.)
Luthers tägliches Gebet.
Mein lieber himmlischer Vater! Ich bekenne allewege, und
du siehest auch und weißt es, daß ich allenthalben, wo ich gehe oder
stehe, inwendig und auswendig, mit Haut und Haar, mit Leib
und Seele in das höllische Feuer hingehöre. Das weißt du auch,
mein Vater, daß meinethalben nichts Gutes in mir ist, nicht ein
Haar auf meinem Haupt; es gehört doch alles in den Abgrund
der Hölle zu dem leidigen Teufel. Was soll ich viel Worte
davon machen? Aber, mein lieber Vater, ich bitte wieder alle⸗
wege, ich sei meinethalben, was ich wolle, so bitte ich dennoch
und will es von dir auch gebeten haben alle Tage, daß du dein
Aufsehen und Aufmerken nicht haben wollest auf mich, und wollest
deine Augen auf mich nicht kehren und wenden als auf einen
solchen Sünder, wie ich bin. O, es ist sonst mit mir verloren und
verdorben, und wenn hunderttansend Welten auf meiner Seite
wären. Sondern das bitte ich dich, daß du wollest dein Aufsehen
und Aufmerken also auf mir haben, daß du wollest deine Augen
kehren, wenden und richten auf das Angesicht deines liebsten Soh⸗
nes JEsu Christi, deines Gesalbten, meines Mittlers, Hohenprie⸗
sters und Fürsprechers, meines Heilandes, Erlösers und Selig⸗
machers, und wollest mir um seinetwillen verleihen ein seliges
Ende und eine fröhliche Auferstehung und mir hier und dort helfen
an Leib und an Seele. Und um seines rosinfarbenen Blutes
willen, das er so mildiglich am Stamine des Kreuzes, zu Ver⸗
zeihung und Vergebung meiner Sünde vergossen hat, bitte ich
dich, mein Vater, daß du dasselbige Blut JEsu Christi, deines
lieben Sohnes, an mir armen Kreatur meiner mannigfaltigen
Sünden halber, die da nicht auszusprechen noch auszurechnen
sind, nach deiner Gerechtigkeit nicht wollest lassen verloren sein,
sondern wollest es nach deiner grundlosen Barmherzigkeit den Nutz
und die Frucht lassen schaffen und ausrichten, dazu es von dir in
Ewigkeit ist verordnet und von deinem lieben Sohn IEsu Christo
am Kreuze auch vergossen ist; als nämlich, daß du mir es wollest
gereichen und kommen lassen zur Vergebung meiner Sünden, auf
daß, welche Stunde und welchen Angenblick du kommest und an⸗
klopfest und wollest wiederum meinen Geist, welchen du mir hast
eingeblasen, hinwegfordern, so bitte ich dich allewege, mein Vater,
daß du dir denselben meinen Geist und meine Seele wollest ja
lassen befohlen sein in deine Hände. Amen!
Trost im Liede.
Ein Prediger erzählt, wie er auf seinen seelsorgerischen Be⸗
suchen einst auch zu einem Droschkenkutscher kam. Der Mann
litt an der Kehlkopfschwindsucht. Als der Prediger bei seinem
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