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Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 5. November 1907, Seite 353

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Kirchenzucht · Lehranſtalt 5 · Lehranſtalt. ö

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— ————

Herausgegeben von der Deutschen Evangelisch⸗Lutherischen Zynode von Missouri, Ohio u. a. Staaten.
Redigiert von dem Lehrerkollegium des theologischen Seminars in St. Louis.

63. Jahrgang.

St. Louis, Mo., den 5. November 1907.

No. 23.

Welcher Art wird die Lehre sein, die in unsern neuen
Lehrhallen gelehrt werden wird?

Rede, gehalten bei der Einweihung des neuen Anstaltsgebäudes
in St. Louis von F. Pieper.

Hochgeehrte Anwesende, teure Glaubens⸗ und Bekenntnis⸗

genossen!

Das neue Seminargebäude, das wir heute öffentlich dem
Gebrauch übergeben, soll vornehmlich als Lehrgebäude
dienen. Das war der große Mangel, den wir seit Jahren in
unserer Anstalt empfunden haben: es fehlte an genügendem
Raum in den Lehrhallen. Diesent Mangel ist jetzt durch das
neue Gebäude abgeholfen. In dieses neue Gebäude sind drei
große Lehrsäle hineingebaut, die genügend Raum und Licht für
die vergrößerte Anzahl von Studierenden bieten. In diesen
prächtigen Lehrsälen wird sich von jetzt ab das Lehren in unserer
theologischen Hochschule vornehmlich vollziehen.

Doch, teure Väter und Brüder, große Lehrfäle gehören nur
zu den äußeren Dingen, zu den Dingen, die in der christlichen
Kirche keinen Wert an sich haben. Große Lehrsäle, wie
überhaupt große kirchliche Gebäude, bekommen ihren Wert erst
dadurch, daß in ihnen die rechte Lehre erschallt. Wird in großen
Lehrsälen und großen Kirchgebäuden nicht das Rechte gelehrt,
sondern falsche Lehre vorgetragen, so werden sie zu großen
Hallen und Pforten des Verderbens. So fragen wir bei diefer
Einweihungsfeier mit Recht: Welcher Art wird die
Lehre sein, die in unsern neuen, prächtigen

Lehrhallen gelehrt werden wird?

Ich gebe auf diese Frage die kurze, aber die Sache völlig
deckende Antwort: Gottes Wort. Gottes Wort mit Aus⸗
schluß aller menschlichen Meinungen und Ansichten wird
hier als die rechte und in der Kirche allein berechtigte Lehre
vorgetragen werden. Begehrt man noch nähere Erklärung, so

setze ich hinzu: Wir lehren in unserer Anstalt, wie es sich für

eine theologische Hochschule schickt, sorgfältig alle Teile der

christlichen Lehre. Wir lehren von der Schöpfung der Welt
und des Menschen. Wir lehren vom Sündenfall, durch den
über die ganze Menschheit Sünde, Tod und Verdammnis ge⸗
kommen ist, und von der Erlösung, die durch Christum ge⸗
schehen ist. Wir lehren von der Bekehrung, von der Rechtfer⸗
tigung, von der Heiligung und guten Werken. Wir lehren von
den Gnadenmitteln, von der Kirche und dem Predigtamt. Wir
lehren vom Tode, von der Auferstehung von den Toten, vom
Endgericht, von der ewigen Seligkeit und von der ewigen Ver⸗
dammnis. über alle diese Dinge aber lehren wir Gottes
Lehre im Gegensatz zu menschlicher Lehre. Es haben nämlich
über alle diese Dinge auch Menschen ihre Ansichten in Wort
und Schrift geäußert. Der Papst hat hierüber seine eigenen
Ansichten geäußert. Die Theologen aller Zeiten und aller
Schattierungen haben hierüber ihre eigenen Ansichten ge⸗
äußert. Und nun ist unsere Stellung diese: nicht was Men⸗
schen über das Ganze der christlichen Lehre und über die
einzelnen Stücke derselben gedacht haben und noch denken, son⸗
dern was Gott darüber denkt und in seinem Wort geoffen⸗
bart hat, tragen wir in unserer Concordia als christliche Lehre
vor. Das verstehen wir unter dem Lehren des Wortes Gottes
mit Ausschluß aller Menschenmeinungen. Nehmen wir einige
Beispiele. Üüber die Schöpfung der Welt haben Menschen
je und je ihre eigenen Ansichten gehabt und auch in der Chri⸗
stenheit kundgegeben. Die einen haben die sechs Schöpfungs⸗
tage in einen einzigen Augenblick zusammengezogen, weil
sie meinen, daß die Schöpfung in einem Augenblick besser zu
Gottes Majestät passe; andere haben die sechs Schöpfungstage
zu sechs Perioden von langer Zeitdauer ausgedehnt, weil
sie meinen, daß die Heilige Schrift mit den angeblichen Resul⸗
taten der menschlichen Wissenschaft in Einklang gebracht werden
müsse. Wir lehren des Schöpfers Ansicht von der Schöpfung,
die er in seinem Wort geoffenbart hat, nämlich daß Gott in
sechs Tagen Himmel und Erde und alles, was darinnen ist,
erschaffen hat. — Auch über die Erlösung der Menschen
wird bis auf diesen Tag eine ganze Reihe menschlicher Ansich⸗

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