Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 63, Nummer 23 › Seite 357

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 5. November 1907, Seite 357

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ehren.“

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Versammlung des Westlichen Distrikts unserer Synode.

Es war eine stattliche Versammlung, die sich am Vor⸗
mittag des 16. Oktober in der geräumigen Kreuzkirche zu
St. Louis zusammenfand, unn die Synode des Westlichen
Distrikts zu eröffnen, mehr als 300 Pastoren, Lehrer und Ge⸗
meindedeputierte aus den drei Staaten Missouri, Arkansas und
Tennessee. Mächtig brauste der alte Pfingstchoral „Komm,

11 Heiliger Geist, HErre Gott“ durch das Gotteshaus und ver⸗
einte die Synodalen im Gebet um die Gnade und Gabe, die

Kraft und den Trost des Heiligen Geistes für die in den
nächsten Tagen vorliegende Arbeit. Lehrreich, erbaulich und
ermunternd war die Eröffnungspredigt Prof. D. F. Piepers
über 1 Tim. 2, 4—6, in der des längeren ausgeführt wurde,
warum wir alle Müdigkeit in bezug auf die Predigt des Evan⸗
geliums von uns abtun sollen. Der Grund ist nach den Worten
des Textes ein dreifacher: 1. weil Gott allen Menschen durch
das Evangelium geholfen haben will; 2. weil das Evangelium
die einzig berechtigte seligmachende Religion in der Welt ist;
3. weil das Evangelium um einen so hohen Preis erkauft wor⸗
den ist. Beim Namensaufruf am Nachmittag erwiesen sich
131 Pastoren, 107 Gemeindedeputierte, 64 Gemeindeschullehrer
und 12 Professoren als gegenwärtig; doch wurden diese Zahlen
in den nächsten Tagen noch durch einige später eintreffende
Synodalglieder erhöht.

Die Lehre von der heiligen Dreieinigkeit bildete wieder
den Gegenstand der Lehrverhandlungen im Anschluß an die
Verhandlungen des vorigen Jahres. Und zwar war es dies⸗
mal besonders der Satz, daß die Lehre von der heiligen Drei⸗
einigkeit zur Seligkeit zu wissen und zu glauben unbedingt
nötig sei, den der Referent, Prof. Pardieck, vorlegte und der
dann besprochen wurde. Wir bekennen im sogenannten Atha⸗
nasianischen Glaubensbekenntnis mit der ganzen Christenheit:
„Wer da will selig werden, der muß vor allen Dingen den
rechten christlichen Glauben haben. Wer denselben nicht ganz
und rein hält, der wird ohne Zweifel ewiglich verloren sein.
Dies ist aber der rechte christliche Glaube, daß wir einen einigen
Gott in drei Personen und drei Personen in einiger Gottheit
ö Wir sagen mit Luther: „Der Grund des Glaubens
ist, daß du glaubst, es sind drei Personen in der einigen Gott⸗
heit, und eine jegliche Person ist derselbige einige, vollkommene
Gott; daß also die Personen nicht gemengt, das Wesen nicht
getrennt werde, sondern Unterschied der Personen und Einig—
keit des Wesens bleibe.“ Bei diesem Bekenntnis des allgemei⸗
nen christlichen Glaubens wollen wir verharren, diesen Grund⸗
artikel des Christentums wollen wir einfältig glauben, so lieb
uns unsere Seligkeit ist, wenn wir ihn auch nicht begreifen
können. Dadurch scheiden wir uns von allen Juden, Türken
und Heiden, von allen Rationalisten und freien Protestanten,
von allen Unitariern und andern Lästerern der heiligen Drei⸗

einigkeit, die mit ihrer Leugnung dieses Artikels die Erkenntnis

des wahren Gottes verleugnen, außerhalb der christlichen Kirche
sind und kein Heil und keine Hoffnung haben. Denn mit der
Lehre von der Dreieinigkeit steht und fällt der ganze christliche
Glaube. Ohne die Erkenntnis der Dreieinigkeit gibt es keine
wahre Erkenntnis Gottes, keine rechte Erkenntnis Christi, kein
Evangelium, keine Versöhnung und Rechtfertigung, kein ewiges
Leben.

Daß bei unserer diesjährigen Synode die sonst übliche Zeit

für die Lehrverhandlungen sehr gekürzt werden mußte und des⸗
halb auch die Besprechung des Lehrgegenstandes nicht beendigt
werden konnte, hatte einen besonderen Grund. Die Synode
sah sich genötigt, nicht weniger als fünf Sitzungen auf eine
besondere Angelegenheit, die eine alte Synodalgemeinde und
ihren Pastor betraf, zu verwenden. Es ist hier nicht der Ort,
auf die Einzelheiten der Sache, die viele Christen beunruhigt
und schon verschiedene Kommissionen und auch zwei frühere
Versammlungen der Synode beschäftigt hatte, einzugehen; das
Genauere wird der Synodalbericht bringen. Hier sei nur dies
gesagt: Die Verhältnisse machten es nötig, daß die Synode
selbst sich eingehend mit dem Handel befaßte. Bei aller Geduld
und Nachsicht, bei allem Entgegenkommen mußte doch auch
ganzer Ernst gezeigt und die Sache zu einem Abschluß gebracht
werden. Nach wiederholt ergangener Einladung waren der
Pastor und zwei von der Gemeinde beglaubigte und genau in⸗
struierte Delegaten in einer Sitzung der Synode erschienen.
Da sie sich jedoch gleich anfangs weigerten, über eine gegen die
Gemeinde erhobene schwere Anklage zu verhandeln, trotz aller
Bemühung bei ihrer Stellung blieben und schließlich, als die
Synode in die Verhandlung eintreten wollte, die Versammlung
verließen, sah sich die Synode genötigt, mit betrübtem Herzen
zu erklären, daß diese Gemeinde samt ihrem Pastor ihre Ver⸗
bindung mit der Synode gelöst und das brüderliche Verhältnis
zu ihr abgebrochen habe. Dieser Beschluß soll der Gemeinde
mit einem besonderen Schreiben übermittelt werden.)

War der ebengenannte Handel derart, daß er die Syno⸗
dalen bekünmerte, so wurden doch auch mancherlei freudige
Mitteilungen auf der Synode gemacht. Die Missionskommis⸗
sion unsers Distrikts berichtete von fröhlichem Wachsen und
Gedeihen auf dem Missionsfelde. Sie wurde beauftragt, be⸗
sonders die Missionsarbeit in den beiden rasch heranwachsen den
Großstädten Kansas City und St. Joseph zu pflegen, am erst⸗
genannten Ort durch die Berufung eines besonderen Missio⸗
nars, am zweiten Ort durch die Anstellung eines Lehrers. Die
Unterstützung, die die Kommission einer Gemeinde unserer eng⸗
lischen Schwestersynode hier in St. Louis zur Erhaltung ihrer
Gemeindeschule gewährt, wurde gutgeheißen und soll fortgesetzt
wer den. Der Kirchbaukasse soll besondere Aufmerksamkeit ge⸗
widmet werden. Der Kassenbericht unsers Distriktskassierers
verzeichnete eine Einnahme von §32,151.22 während des letzten
Rechnungsjahres. Bei der gegenwärtigen Notlage unserer
Synodalkasse beschlossen die Synodalen als Vertreter ihrer Ge⸗
meinden, besondere Anstrengungen zu machen, damit der augen⸗
blicklichen Not durch Kollekten gesteuert werde. Aber auch die
Unterstützungskasse soll regelmäßig bedacht wer den. Die Stadt⸗
mission in St. Louis, deren erster Missionar von den Gemeinden
in St. Louis, der zweite aber von den Gemeinden des Distrikts
erhalten wird, soll nicht vergessen werden. Für die Neger⸗
mission wurde ein gutes Wort eingelegt, die Kasse für arme
Studierende soll gut bedacht und den mit uns verbundenen
Freikirchen in Europa soll die nötige Handreichung getan
werden. Bei der Erörterung all dieser verschiedenen Bedürf⸗
nisse ermunterten sich die Synodalen gegenseitig in recht evan⸗

I) Dies ist inzwischen geschehen, und wir können mitteilen, daß die be⸗
treffende Gemeinde in einer Versammlung am 28. Oktober durch einen mit
großer Majorität angenommenen Beschluß erklärt hat, daß sie nicht recht
getan habe, daß sie ihre Delegaten so instruierte, und daß sie sich der Syno⸗
dalordnung fügen. wolle.

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