Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 64, Nummer 5 › Seite 80

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 10. März 1908, Seite 80

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Kirchengemeinſchaften 3 · Kirchengemeinſchaften · Loge 4

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vatleuten unersetzliche Verluste gebracht hat (auch das General⸗
konzil und seine Missionsarbeiter haben viel verloren), ist im
September durch den Madrasser Gerichtshof des Betrugs über⸗
führt und zu achtzehn Monaten schwerer Zuchthausstrafe verurteilt
worden. Da der Verurteilte zu den angesehensten Männern von
Madras gehörte und als Vorsitzender der Handelskammer und
Beisitzer in der gesetzgebenden Ratskammer, sowie als Förderer
gemeinnütziger Bestrebungen und Wohltätigkeitsvereine sich sehr
um Madras verdient gemacht hatte, so hat sein tiefer Fall das
schmerzlichste Aufsehen erregt, aber auch das Ansehen der Euro⸗
päer in Indien sehr erschüttert und vielen Heiden Anlaß gegeben,
den Christennamen zu schmähen. — So erfüllt sich immer wieder,
was Röm. 2, 24 steht: „Eurethalben wird Gottes Name ge⸗
lästert unter den Heiden.“ L. F.

Die Heilsarmee, die in Verbindung mit ihrer allerdings ganz
verkehrten und schwärmerischen religiösen Arbeit auch dem leib⸗
lichen Elend der untersten Bevölkerungsklassen abhelfen will, hat
vor etwa einem Jahre in verschiedenen Weltstädten eine Rat⸗
und Hilfsstelle für solche, die Selbstmord begehen wollen, einge⸗
richtet. über die Tätigkeit dieses „Bureaus gegen den Selbst⸗
mord“ liegt nunmehr der erste Bericht vor, der einen überblick
über die Erfolge der neuen Einrichtung bietet. Die „Allgemeine
Evangelisch-Lutherische Kirchenzeitung“ berichtet: „Nicht weniger
als 1125 Männer haben im Londoner Hauptquartier im ver⸗
flossenen Jahre diese Hilfe in Anspruch genommen, und dem ent⸗
spricht auch die Zahl der Ratbegehrenden in den Bureaus, die in
New York, Chicago, Berlin und Melbourne errichtet wurden.
Unter den Verzweifelten befanden sich Prediger, Offiziere, Arzte,
Advokaten, Kaufleute, Schauspieler, Lehrer, Beamte und Hand⸗
werker. Nur 90 Frauen nahmen die Hilfe in Anspruch; ob dabei
eine größere Kraft im Erdulden von Not und Schicksalsschlägen
oder die größere Schüchternheit der weiblichen Natur die Haupt⸗
rolle spielt, ist nicht zu entscheiden. Unter den Ursachen des
Lebensüberdrusses stellt bei den Männern plötzliche Verarmung
54 vom Hundert, Unglücksfälle, Krankheit und dergleichen 21 vom
Hundert; die übrigen Fälle stellten Trunksucht, 9 vom Hundert,
Schwermut, 9 vom Hundert, und Verbrechen, 5 vom Hundert. Bei
den Frauen ist Schwermut in weitaus den meisten Fällen die
Ursfache der Lebensmüdigkeit; Trunksucht stellt ein Drittel. In
75 von 100 Fällen ist es der Heilsarmee gelungen, die Verzwei⸗
felten von dem letzten Schritte zurückzuhalten und ihnen durch
Rat und Tat weiterzuhelfen.“ L. F.

Aus Welt und Zeit.

Der Betrug der Christian Science“'. Der „Luth. Herold“
berichtet folgenden Fall aus Rochester, N. Y.: Dieser Tage starb
unweit der Wohnung des Schreibers ein zwanzigjähriges Mädchen
an der Bauchfellentzündung. Sie hätte operiert werden sollen,
dann wäre nach dem Urteil der Arzte das übel gehoben und die
Entzündung berhindert worden. Statt dessen wandte man sich
an die „Heiler“ der „Ohristian Scientists“. Diese kamen nicht
einmal ins Haus, um das Mädchen zu untersuchen, sondern sag⸗
ten, die Schmerzen seien bloße Einbildung, und geboten dem Vater
in den Worten des HErrn: „Gehe hin, dein Kind lebt.“ Aber
es starb, und der Leichenbeschauer untersuchte den Fall. Auf die
Frage, warum er keinen Arzt geholt habe, sagte der Vater: „Ich
hatte zu viel Vertrauen auf Gott, um einen Arzt zu holen. Es
gibt keinen Tod. Meine Tochter ist nicht tot; sie ist immer noch
in unserer Mitte. Aber ihr, die ihr keine Christian Seience'-
Leute seid, könnt dies eben nicht verstehen. Sie fühlte keine
Schmerzen“ — obwohl gerade bei der Krankheit, an der das Mäd⸗
chen starb, die Schmerzen sehr groß sind. „Wir glauben nicht an

Schmerzen. Das ist bloße Einbildung.“ Nachdem man den
Vater verhört hatte, wurde einer der „Heiler“ vernommen. Er
erklärte: „Ich habe das Mädchen elf Monate behandelt, habe
sie aber nie gesehen, geschweige untersucht. Es gibt ja keine
Schmerzen, auch nicht, was ihr Krankheit nennt. Ich habe sie

—

zweimal in der Woche behandelt“, das heißt, für sie gebetet, „und

berechnete für die erste Behandlung §5.00 und für jede weitere

53.00.“ Die Eltern sagten, das Mädchen habe die „Heiler“ der
Sekte verlangt, und auch sie hätten der Sache ihr Zutrauen ge⸗
schenkt. Dies seien Dinge, die den Glauben und die Religion
angingen, und der Staat und sein Leichenbeschauer hätten damit
nichts zu tun. Und in der Tat, der Leichenbeschauer und seine
Jury erklärten, das Mädchen sei alt genug gewesen, um ihren
Arzt selbst zu wählen. Das Verkehrte ist, daß das Gesetz diese
„Heiler“ als Arzte anerkennt. Es wurde seinerzeit gerade durch
die „Ohristian Science“-⸗Leute bei der Legislatur unter der Spitz⸗
marke der freien Religionsübung zur Annahme gebracht. — So
betrügt dieser verhängnisvolle Irrtum die Leute leiblich und geist⸗
lich und stürzt sie ins Elend. L. F.
Einfluß der Logen. Im Staate Tennessee ist vor einiger
Zeit ein Gesetz angenommen worden, das deutlich den Einfluß der
Logen auf die Gesetzgebung zeigt und diesen lichtscheuen Gesell⸗
schaften offenbar zu Hilfe kommen soll. Das Gesetz verbietet
nämlich den Druck und Verkauf solcher Bücher und Traktate, die
sich als Kopien der Rituale geheimer Gesellschaften bezeichnen,
und bestimmt eine Strafe für jede übertretung dieses Gesetzes.
Der erste Paragraph dieses Gesetzes lautet nach der norwegischen
„Ev.⸗Luth. Kirketidende“, der wir diese Nachricht entnehmen, fol⸗
gendermaßen: „Be it enacted by the General Assembly of the
State of Tennessee, That it shall be unlawful for anz person,

firm, or corporation to publish, print, or import auy book,

pamphlet, or other written instrument, or to sell or expose to
sale any book, pamphlet, or other written instrument purport⸗
ing to be a copy of the secret or ritualistie work of any fra⸗
ternal, benevolent, or charitable institution, society, or order,

organized under the laws of any State or Territory having
subordinate organizations or branch offices within this state.“

— Die Absicht der Logen bei diesem Gesetz ist klar genug. Sie
wollen auf alle Weise verhindern, daß den Leuten die Augen über
sie geöffnet werden, daß durch den Abdruck ihrer Rituale ihre
unchristlichen Gebete, ihre gottlosen Eide, ihre falsche Religion
Und ihre törichten, läppischen und oft lebensgefährlichen Zeremo⸗
nien bekannt werden. Gar mancher wird vom Anschluß an die
christus⸗ und kirchenfeindlichen Logen abgehalten, wenn ihm ge⸗
zeigt werden kann, was die Logen tun und treiben. Und darum

suchen nun die Logen durch solche Gesetze die Wirksamkeit der be⸗
kannten National Christian Association“ in Chicago, die genaue

Abdrucke ihrer Rituale veröffentlicht, zu hindern.

Zugleich ist

dieses Gesetz wieder ein Beleg von der Macht der Logen im öffent⸗

lichen Leben. L. F.

Eine Anzahl christlicher Frauenvereine in Deutschland hat
sich mit einem besonderen Bittgesuch an den deutschen Reichstag
gewandt. Sie ersuchen darin die Volksvertreter in der eindring⸗
lichsten Weise, darauf hinzuwirken, daß bei der Verhandlung von
Skandalprozessen strenger und häufiger das Publikum ausge⸗
schlossen und daß die Veröffentlichung skandalöser Einzelheiten
aus solchen Gerichtsverhandlungen in den Zeitungen unmöglich
gemacht werde.
wenn der Sittenverfall in Deutschland überhaupt ein fortdauernd

wachsender sei, die schamlose Erörterung skandalöser Prozesse in

breiter Öffentlichkeit diesen Verfall nur steigern und befördern
könne. Gerade in den Berichten der Zeitungen, die in jedes Haus
kommen und auch von der Jugend und den Dienstboten gelesen
werden, liege eine besondere Gefahr, deren Bekämpfung eine hoff⸗

Die Bittstellerinnen weisen darauf hin, daß,

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