Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 65, Nummer 22 › Seite 340
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 2. November 1909, Seite 340
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8 Ner„WuthoraneSS-
zigenswerte Aussprachen, namentlich auch seitens des Vertre—
ters des Allgemeinen Präsidiums. Folgende Beschlüsse wur⸗
den gefaßt: 1. Jeder Pastor soll gebeten werden, seine Gemeinde
über die Wichtigleit der Gemeindeschule zu belehren und diese
bis zur Berufung eines Lehrers selbst zu halten; 2. die Visita⸗
toren sollen ersucht werden, bei Visitationen die Schulsache recht
in den Vordergrund zu rücken und die Gemeinden über diese
Angelegenheit gründlich zu belehren; 3. drei dazu erwählte
Pastoren sollen in den Gemeinden Vorträge über den Segen
der Gemeindeschulen halten.
Von den Geschäftsverhandlungen nahm die Besprechung
der Inneren Mission des Distrikts den größten Teil der Nach—
mittagssitzungen in Anspruch. Der von der Missionskommis⸗
sion vorgelegte, von einem Komitee revidierte und von der
Synode angenommene Bericht sprach seine Freude darüber aus,
daß im Laufe des letzten Jahres drei Parochien selbständig
geworden seien und auf eine fernere Unterstützung verzichteten.
Hingegen sprach die Kommission ihr Bedauern darüber aus,
daß noch immer manche ältere Gemeinden, in denen überhaupt
keine Mission getrieben wird, Unterstützung aus der Missions—
kasse beanspruchen. Trotzdem bewilligte die Synode für das
Jahr 1910 die erbetenen Beiträge in der Erwartung, daß
manche dieser Parochien vom 1. Januar 1911 an ihren Pastor
selbst erhalten werden. Ferner ermunterte die Synode die
Missionskommission, alles zutun, was in ihren Kräften steht,
die Mission in den beiden großen Städten Hamilton und To—
ronto so eifrig wie möglich zu betreiben. In betreff des Mis⸗
sionsfeldes in New Ontario, in welchem seit einem Jahre
P. A. Schwidder mit Treue und Eifer arbeitet, beschloß die
Synode, diese Mission so energisch wie möglich zu betreiben und
sofort mit dem Bau eines Gotteshauses in North Cobalt zu
beginnen.
In betreff des „Volksblattes“ wurde beschlossen, es in
Zukunft in vergrößertem Format erscheinen zu lassen und Druck
und Redaktion von Neujahr ab nach Pembroke zu verlegen.
Deshalb sind nach dem 15. Dezember alle Einsendungen und
Wechselblätter zu senden an „Lutherisches Volksblatt“, care
of Rev. H. Landsky, P. O. Box 284, Pombroke, Ont., Can.,
alle Geldsendungen, Bestellungen und Abbestellungen aber an
Rev. A. Saar, Germanicus, Renfrew Co., Ont., Can.
Endlich wurde beschlossen, so bald als möglich zur In⸗
korporation des Distrikts zu schreiten und mit den Vorarbeiten
P. Böse und Herrn W. Schmalz in Berlin zu betrauen.
Die Beamtenwahl ergab folgendes Resultat: Präses:
P. W. C. Böse; Vizepräsides: P. A. Saar und P. R. Eifert;
Sekretär: P. H. Landsky; Kassierer: Herr W. H. Schmalz,
Berlin; Kontrolleur: Lehrer H. Bruer, Ottawa.
Am Nachmittag des 6. September vertagte sich die Synode
mit dem Singen der zwei ersten Verse des Liedes „Ein' feste
Burg ist unser Gott“ und mit Gebet, um sich im September
1910 in der Gemeinde des Unterzeichneten zu Pembroke, so
Gott will, zu versammeln. H. Landsky.
Schulen kann man nicht entraten, denn sie müssen die
Welt regieren. Und wenn ich kein Prediger wäre, so weiß ich
keinen Stand auf Erden, den ich lieber haben wollte. Man
muß aber nicht sehen, wie es die Welt belohnet und hält, son⸗
dern wie Gott es achtet und an jenem Tage rühmen wird.
(Luther.)
Eine dringende Bitte an alle Gemeinden unserer
Synode.
Die evangelisch-lutherische Kreuzgemeinde zu Winnipeg,
Manitoba, Kanada, befindet sich in Not. Sie hat diese Not den
Vertretern des Minnesota- und Dakota-Distrikts mit einer Bitte
um Hilfe vorgelegt. Diese haben einstimmig beschlossen, nach
Kräften zu helfen, ermunterten aber auch die Gemeinde, allen
Glaubensgenossen durch den „Lutheraner“ ihre Notlage zu
schildern, was denn hiermit geschehen soll.
Unsere Kirche liegt im östlichen Teil der Stadt Winnipeg.
Winnipeg ist in den letzten Jahren ungeheuer gewachsen, und
besonders die deutsche Bevölkerung hat sehr zugenommen.
Unsere Stadt ist das Zentrum für den großen kanadischen
Westen, bekanntlich eins der hoffnungsvollsten Gebiete unserer
Mission. Nun ist es eine alte Erfahrung in der Mission, daß,
wenn wir in einem Gebiete Erfolg haben wollen, wir besonders
auch in den Großstädten festen Fuß fassen und Kirchen und
Schulen haben müssen. Und gerade in diesem Stadtteil von
Winnipeg ist es jetzt an der Zeit, daß wir Kirche und Schule
bauen. Jetzt haben wir eine Gelegenheit, die vielleicht nie
wiederkommt. Gerade jetzt hat diese Genieinde die besten Aus⸗
sichten auf Zuwachs. Grundeigentum ist hier noch billig zu
bekommen, und darum siedeln sich die Leute besonders hier an.
Bis jetzt wohnen fast nur deutsch-lutherische Leute hier, und es
vergeht kaum eine Woche, daß nicht Bauplätze in der Nähe an
unsere Glaubensgenossen verkauft werden. So haben kürzlich
15 lutherische Familien sich hier Eigentum gekauft, auf dem sie
später sich Häuser bauen wollen. Daß Gottes Segen auf unse⸗
rer Arbeit im Werke der Mission in diesem Stadtteil ruht, zeigt
das Wachstum der Gemeinde in den letzten zwei Jahren. Im
Jahre 1907 zählte sie 18 Stimmberechtigte, jetzt 41. Vor zwei
Jahren brachte sie jährlich an Beiträgen §120.00 auf, dieses
Jahr §5540.00. Die Sonntagskollekten vom 1. Januar dieses
Jahres bis Ende Juni betrugen §5150.00. Die Gemeindeschule
wurde im vorigen Jahre von 67 Schülern besucht.
Wollen wir nun das, was wir haben, behalten und noch
zunehmen, so muß unbedingt eine neue Kirche gebaut werden,
in der zugleich Raum für eine Schule ist; denn die jetzige Kirche
bietet nur für 80 Personen Sitzraum, während die Gemeinde
243 Seelen zählt. So müssen also viele fernbleiben, die sonst
gern zum Gottesdienst kommen möchten. Die schulpflichtigen
Kinder haben schon seit letztem Herbst nicht mehr an den Mor⸗
gen⸗ und Abendgottesdiensten teilnehmen können, da ich ihnen,
obwohl es mir sehr weh tat, geradezu verbieten mußte, zur
Kirche zu kommen. In einem Umkreis von vier Blocks stehen
drei Oppositionsgemeinden. Wenn wir jetzt nicht bauen, so
werden diese Gemeinden den Gewinn haben.
Eine Kirche aber, wie wir sie haben müssen, kann unsere
Gemeinde nicht allein bauen, da die Mittel dazu fehlen. Die
ersten Glieder sind erst vor sechs Jahren aus Europa einge⸗
wandert; manche sind erst kürzlich angekommen. Und alle
waren blutarm, als sie nach Kanada kamen. Zudem war die
ganze Gemeinde vor zwei Jahren sieben Monate lang ohne
allen Verdienst, und auch jetzt sind ihre Verhältnisse keineswegs
glänzend. Die Glieder sind alle arme Tagelöhner, die große
Familien zu ernähren haben und sich nur durch monatliche Zah—
lungen ein eigenes Heim gründen können. Jedoch sind die
Leute sehr willig, nach Kräften zur Erhaltung von Kirche und
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