Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 65, Nummer 22 › Seite 341
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 2. November 1909, Seite 341
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Der utheranerS
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Schule beizusteuern; trotz großer Armut bezahlt niemand
weniger als §512.00 im Jahr. Größere Opfer aber, wie sie
ein solcher Kirchbau nötig macht, können sie nicht bringen. Ein
Gebäude, wie wir es brauchen, wird etwa §54500.00 kosten;
dazu kommen 8700.00 für Banplätze. Zu diesem Bau wird
die Gemeinde 40,000 Ziegel stellen. Darum treten wir nun,
geliebte Mitchristen, vor euch mit dieser Bitte: Helft uns!
Nun könnte vielleicht jemand einwenden: Warum wendet
ihr euch nicht an die Allgemeine Kirchbaukasse? Antwort: Erst⸗
lich hat die Gemeinde noch eine beträchtliche Schuld auf der
alten Kirche, die später als Pfarrhaus dienen soll, die sie in
Raten abzahlen muß; zum andern würde die Schuldenlast der
Gemeinde dann so groß sein, daß die Neueingewanderten da⸗
durch abgeschreckt würden. Sie meinen, weim sie sich der Ge⸗
meinde anschließen, würden sie gezwungen⸗ sein, ihnen unmög⸗
liche Summen zur Tilgung der Schulden aufzubringen.
Darum, liebe Christen, bitten wir euch herzlich: Helft uns
das Reich Gottes hier bauen! Sei die Gabe noch so klein, jede
ist uns herzlich willkommen. Ihr seht unsere Not, darum steht
uns bei. Gott hat euch so reichlich gesegnet im Geistlichen und
Leiblichen; helft dazu, daß auch andere, daß viele des göttlichen
Segens teilhattig werden. Ihr seid teuer erkauft mit dem
Blute unsers HErrn und Heilandes IEsu Christi, darum helft,
soviel an euch ist, daß auch hier teuererkaufte Seelen gewonnen
werden. Die Liebe Christi möge euch treiben, das Wort des
Apostels zu bedenken: „Lasset uns Gutes tun an jedermann,
allermeist aber an des Glaubens Genossen.“ Der HErr, unser
Gott, aber sei uns freundlich und fördere das Werk unserer
Hände bei uns; ja das Werk unserer Hände wolle er fördern!
Im Namen der ev. Auth. Kreuzgemeinde zu Winnipeg,
Manitoba, W. C. Hitzemann, Pastor.
Vorstand: Rudolf Lang.
D. Wagner.
P. Schmidt.
Geo. Streib.
Dieser Bitte schließt sich an die Missionskommission des
Minnesota⸗ und Dakota-⸗Distrikts. C. F. Walther.
Das obige Bittgesuch sei der Liebe unserer Gemeinden
bestens empjfohlen.
Die Allgemeine Unterstützungskommission:
Aug. Lange.
F. Zucker.
H. C. Paul.
Zur kirchlichen Chronik.
Amerika.
Ein schönes Beispiel. Zu einem unserer Pastoren in X. kam
vor kurzem eine Person und sagte etwa folgendes: „Ich wollte
gerne unserer Gemeinde §1000.00 schenken, will aber nicht warten
bis zu meinem Tode, da ich fürchte, daß dann vielleicht mein Wunsch
nicht ausgeführt werden möchte; ich will es gleich tun; mein Name
soll aber erst nach meinem Tode bekannt gemacht werden. Daß
aber jemand dies Geld geschenkt hat, kann meinetwegen bekannt
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gemacht werden. Sehen Sie, Gott hat mich so reichlich gesegnet,
besonders im Geistlichen, aber auch im Irdischen, obgleich ich ja
in der Welt nicht zu den Reichen gezählt werde. Ich fühle auch
so, daß ich mit den Meinen nicht so viel für die Gemeinde ge—
geben habe, wie wir hätten geben sollen. Das liegt mir manch⸗
mal recht schwer auf dem Herzen. Da will ich nun nachholen,
was ich versäumt habe.“ — Unter den Lesern des „Lutheraner“
gibt es gewiß noch viele, die auch nicht so viel für Gottes Reich
gegeben haben, für den Gemeindehaushalt, für Lehranstalten, für
Missionen ꝛc., wie sie hätten geben können und sollen, und die
doch ebenso reich im Geistlichen von Gott gesegnet sind wie jene
Person und im Irdischen noch viel reichlicher. Möchten doch auch
diese daran denken, daß sie, „als sie denn nun Zeit haben“ und
„solange es noch Tag ist“, nachholen, was sie versäumt haben.
2 Kor. 9, 2 sagt der heilige Apostel Paulus: „Euer Exempel
hat viele gereizet.“ Möge das Exempel dieses gläubigen Gebers
auch die Wirkung haben, daß viele gereizt werden, dasselbe zu
tun! Und möge Gott solche Geber in Gnaden segnen! S.
Von unsern Gemeinden in New Orleans, La., berichtet der
Southern Lulheran. „Daß unsere hiesigen Gemeinden immer
noch darauf bedacht sind, die Gemeindeschule aufrecht zu erhalten
als das beste Mittel, die Kinder aufzuziehen in der Zucht und Ver⸗
mahnung zum HErrn, zeigt die Tatsache, daß kürzlich nicht weni—
ger als 5 Lehrer in unserer Mitte eingeführt worden sind.“ Zwei
dieser Lehrer traten allerdings an die Stelle fortberufener Lehrer,
aber zwei andere sind die ersten Lehrer in ihren Gemeinden, und
der fünfte wirkt an einer Schule, die vor mehreren Jahren ein⸗
gegangen war, aber nun wieder eröffnet worden ist. In der New
Orleans⸗Lokalkonferenz, die 14 Pastoren, 14 Lehrer und mehrere
Gehilfen zählt, findet sich nur noch eine Gemeinde, die noch keinen
eigenen Lehrer hat. Diese Nachricht ist um so erfreulicher und
beachtenswerter, als unsere Gemeinden in New Orleans infolge
der dortigen Verhältnisse mehr englisch als deutsch sind und schon
seit einigen Jahren weitaus die meisten Konfirmanden in eng⸗
lischer Sprache unterrichtet werden. Auch die ganz englische Ge⸗
meinde der englischen Synode hat eine Gemeindeschule. Zwei der
erwähnten fünf Lehrer sind in unserm Progymnasium in New
Orleans ausgebildet worden. L. F.
Ausland.
Der 5. Oktober dieses Jahres hat den dreihundertjährigen
Geburtstag eines Liederdichters unserer Kirche gebracht, der es wohl
wert ist, daß seiner mit einigen Worten gedacht werde. Das ist
Paul Fleming, der am 5. Oktober 1609 zu Hartenstein in
Sachsen geboren wurde, aber schon am Gründonnerstag des Jah⸗
res 1640 in Hamburg gestorben ist. Das Lied, durch das er vor
allem bekannt geworden ist, das zu den Perlen des großen Lieder⸗
schatzes unserer Kirche gehört und wohl in alle Gesangbücher, auch
in das unsrige, aufgenommen worden ist, ist das bekannnte schöne
Reiselied No. 329: „In allen meinen Taten lass' ich den Höchsten
raten.“ Wer könnte diejenigen zählen, die in schweren Stunden
an diesem innigen Glaubenslied zum Gottvertrauen sich aufge—
richtet haben, die besonders auf schweren, gefahrvollen Reisen sich
mit diesem Liede Mut eingesprochen und zugesungen haben. Denn
es ist ein echtes, rechtes Reiselied, und Fleming hat es gedichtet,
als er im Alter von 24 Jahren mitten in den Stürmen des
Dreißigjährigen Krieges eine weite, gefährliche und fast sechs
Jahre währende Reise von Deutschland über Rußland nach Per⸗
sien machen mußte, eine Reise, die ihn durch Länder führte, die
damals so unbekannt waren wie jetzt das Innere Asiens. Weil
es in „ferne Lande“, in „wilde Wüsten“, in „Gefahren“ und
unter „Feinde“ geht, will er ganz sein Vertrauen auf den setzen,
der „alles kann und hat“, der die Sünden vergibt, vor allem
Schaden und übel schützt und denen, die auf ihren Berufswegen
—
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