Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 68, Nummer 4 › Seite 56
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 20. Februar 1912, Seite 56
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Anhang
56
das Vaterunser. Sie wissen auch, was es um Taufe, Abend⸗
mahl und Absolution sei. Sie wissen und glauben auch, daß die
Heilige Schrift' Gottes Wort ist. Sie können auch allesantt lesen
und mehr oder weniger fließend reden. Kurz, sie sind allesamt
geschickt, ihre Kinder und ihre Hausgenossen aus Gottes Wort zu
lehren, wenn auch der Grad der Geschicklichkeit ein sehr ver—
schiedener ist. Luther erklärt es für einen Schimpf, den man
einem Christen antut, wenn man von ihm sage, er wisse nicht,
was er glaube, und könne nicht davon reden. Er hat deshalb
seinen Kleinen Katechismus nicht bloß für die Pastoren, sondern
gerade für den christlichen Hausvater geschrieben, wie
der seinem Gesinde die Hauptstücke der christlichen Lehre einfältig
vorhalten soll. Wohlan, ihr christlichen Eltern, waltet allesamt
eures Amtes! Ihr werdet bald merken, wie auch ihr selbst dabei
in der Erkenntnis wachst und eures Glaubens gewisser werdet.
F. P.
Lutherische Universität in Amerika. Ein Schreiber im
Iitheran Observer tritt in fast stürmischer Weise für die so⸗
fortige Errichtung einer lutherischen Universität ein. Es hat
ihn aufgeregt, daß junge Leute wenn sie nach Absolvierung einer
generalsynodistischen Anstalt noch Union Theological Seminary
oder Columbia University oder New Vork University oder eine
andere Anstalt besuchten, meistens flügellahm zurückkamen und
für den Dienst in der Kirche verdorben waren. Deshalb möchte
er sofort eine lutherische Universität haben, wo junge Leute noch
weiter studieren können, ohne dabei der Gefahr ausgesetzt zu sein,
den christlichen Glauben zu verlieren. In bezug auf die Aus⸗
führung des Plans sagt der Schreiber: „Vor allen Dingen
brauchen wir eine Summe von §1,000,000. Um diese Summe
zu erlangen, brauchen wir nur hundert Gaben im Betrage von je
810,000. . . . So wollen wir denn ... diese 81.000,000
sammeln und es möglich machen, daß wir im Herzen unsers
Landes eine so starke Universität errichten, daß unsere begabte⸗
sten jungen Leute stolz darauf sind, in ihren Hallen ihre Studien
zu vollenden und beim Verlassen der Universität in ihrem Glau⸗
ben nicht wankend gemacht, sondern gestärkt worden sindZ.“ —
Hierzu einige Bemerkungen: Gewiß wäre eine lutherische Uni⸗
versität etwas Gutes. Auch die Väter der Missourisynode hatten
nicht bloß ein theologisches Seminar, sondern eine Universität im
Auge. Ihre Kräfte und Mittel waren aber bald so durch die
unmittelbaren Bedürfnisse der Kirche, nämlich durch die Aus⸗
bildung von Predigern und Lehrern, in Anspruch genommen, daß
die Universität in den Hintergrund gedrängt wurde. Trotzdem
bleibt eine lutherische Universität etwas Wünschenswertes. Man
möchte gerne eine Universität, auf der sotvohl die Heilige Schrift
als die menschliche Vernunft zu ihrem Recht kommen, die Heilige
Schrift als das Wort Gottes, dem alles sich unterwerfen muß,
die menschliche Vernunft in all den Dingen des natürlichen Lebens,
die Gott der menschlichen Vernunft unterworfen hat. Auf den
bestehenden Universitäten Deutschlands und Amerikas hat
man sowohl mit der Heiligen Schrift als mit der menschlichen
Vernunft gebrochen. Das ist ein Jammer! Wenn man nun
in der Generalsynode an eine lutherische Universität denkt,
so soll man wohl die Kosten überschlagen. Die Million Dollars
kann man schon in der angegebenen oder einer ähnlichen Weise
aufbringen. Aber hat man in der Generalsynode die schrift⸗
tüchtigen und vernümftigen Leute, die als Lehrer an einer luthe⸗
rischen Anstalt dienen können? Man braucht Leute, die nicht
bloß sagen, daß die Schrift Gottes Wort ist, sondern auch
imstande und willens sind, die christliche Lehre tatsächlich der
Schrift zu entnehmen und alle Verhältnisse nach der Schrift zu
beurteilen. Der Observer hat in letzter Zeit einige vortreffliche
Artikel veröffentlicht. Aber bei den meisten Schreibern tritt noch
immer eine große Unklarheit in bezug auf die christliche Lehre
zutage. Und was die Vernunft anlangt, so hat der Observer
S Der V„Tutperaned
gewöhnlich die Modetorheiten, wie gegenwärtig die Friedens⸗
träumerei, mitgemacht. F. P.
Methodistische Universität. Die Methodisten sind im Begriff,
eine Universität in Guthrie, Okla., einzurichten. Die Universität
soll die Zentralanstalt für die Staaten Oklahonia. Texas und
Neto Mexico werden. Es stehen der Anstalt §250,000 bereits
zur Verfügung. Das in diesem Sommer zu errichtende erste
Gebäude soll aber nur §100,000 kosten. Kürzlich wurden für
die Universität in einer Versammlung §60,000 in einer Stunde
unterschrieben. F. P.
Durch unser ganzes Land geht eine religiöse Bewegung, die
zum Zweck hat, das männliche Geschlecht in die kirchliche Arbeit,
sonderlich in die Missionsarbeit, hineinzuziehen. Der Zweck ist
löblich. Es ist ein unberechenbarer Schade, den Satan der Kirche
dadurch zufügt, daß er durch Logen, Saloons und kirchenfeindliche
Vereine die Männer der Kirche entfremdet, so daß die Durch⸗
schnittsgemeinde in Amerika eine Frauengemeinde ist. Leider
verfehlt The Men and Religion Movement“ meistens den Zweck.
über eine Versammlung dieser Art, die neulich in Philadelphia
stattfand, fpricht sich die Redaktion von Tνε ↄPreshetertan im
ganzen lobend aus, erteilt aber den Betreffenden den „brüder⸗
lichen Rat“, die Redner bei diesen Versammlungen möchten die
volle Orgel spielen, wenn sie von dem Wirken Gottes redeten,
aber wenn sie von dem Tun der Menschen redeten, möchten sie
doch die leisesten Register ziehen. Was aber den Presbyterian
am meisten wundernahm, war die Beobachtung, daß die Ver⸗
sammlung sich vornehmlich aus Pastoren und solchen Laien zu⸗
sammensetzte, die bereits eifrige Gemeindeglieder waren. Der
Beobachter meint, die Zuhörer hätten sehr oft den Rednern einen
guten Rat geben können, wie die Sache anzugreifen sei. Er ge⸗
wann von der ganzen Bewegung folgende überzeugung: „Was .
vor allem nötig ist, ist dies, daß man die Männer erreicht,
erweckt und überzeugt, die noch außerhalb der Kirche stehen oder
nur formell zur Kirche gehören.
sucht aber solche Versammlungen nur selten, und aus diesem
Grunde schließen viele ernste und treue Christen, die tätige Ge⸗
mieindeglieder sind, daß in diesen allgemeinen Bewegungen zwar
eine gute Absicht anzuerkennen sei, daß aber die Bewegungen in
sich selbst (in tbeir very nature) unfähig seien, die so sehr be⸗
gehrten Erfolge herbeizuführen. Sie kehren sich darum von diesen
Bewegungen ab, um ihre Kraft und Aufmerksamkeit der Einzel⸗
arbeit (hand-to-hand work) zuzuwenden, wofür in der Ortsge⸗
meinde bereits die nötigen Vorkehrungen getroffen worden sind.“
D.
Empfang der römischen Kardinäle. Aus Boston wurde be—
richtet: „Kardinal O'Connell, einer der neugeschaffenen ameri⸗
kanischen Kardinäle, traf am Mittwoch wieder in Boston ein, wo
ihm die katholische Bevölkerung einen herzlichen Empfang be⸗
reitete. Die zum Empfang des Kardinals arrangierten Fest⸗
lichkeiten werden mehrere Tage andauern.“ Aus New HYork
wurde gemeldet: „Zu Ehren Kardinal Farleys fand ein Bankett
in New Hork statt, an welchem hauptsächlich Nichtkatholiken teil⸗◻
nahmen, um zu zeigen, welche Verehrung sie für den Kardinal
hegten.
geisterung aufgenommene Ansprache an den Kardinal, und Toast⸗
meister Hermann A. Metz verlas ein Schreiben von Präsident
Taft, in welchem dieser den Kardinal seiner größten Hochachtung
versicherte und auf die gegenseitige Toleranz Bezug nahm, die in
Amerika zwischen den verschiedenen Religionen bestehe.“ Präsi⸗
dent Tafts Bezugnahme auf die „gegenseitige Toleranz“ in
Amerika ist maiv, da er jedenfalls die ausdrückliche Erklärung
des Papstes kennt, daß in Amerika der Katholizismus Staats⸗
religion werden müsse, und es dann mit der „Toleranz“ aus sei.
Die ganze Gesellschaft, die in New York so große „Verehrung“
Diese Klasse von Männern be⸗ 1
Gouverneur Dix von Netv York hielt eine mit Be⸗ 4
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