Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 68, Nummer 4 › Seite 57

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 20. Februar 1912, Seite 57

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Gemeindeſchule · Gemeindeſchule

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für den Kardinal gehegt hat, ist 400 Jahre hinter der Zeit zurück.

Seit durch die Reformation das Unwesen des Papsttums in bezug

auf Kirche und Staat in so helles Licht gestellt ist, ist es eine

unentschuldbare Unwissenheit, wenn jemand für den Papst und

seine Kardinäle „Verehrung“ hegt und sie der „größten Hoch—

achtung“ versichert. F. P.
Ausland.

Die Christen in der Hamburger Landeskirche sind in großer
Not. Sie werden von den Ungläubigen, die ja auch Glieder der
Landeskirche sind, bei den Wahlen überstimmt. Die Ungläubigen
gehen zwar nicht in die Kirche, aber wenn es zu den kirchlichen
Wahlen kommt, geben sie ihre Stimmen ab. So klagt ein Pastor
in bezug auf die Wahlen für den Kirchenvorstand, die kürzlich in
Hamburg stattfanden: „Liberaler Sieg fast auf der ganzen Linie!
Natürlich, denn es gibt in Hamburg hundertmal so viel Ungläu⸗
bige als Gläubige. . . . Wenn solche Kirchenvorstände Pastoren
wählen, so müssen die Pastoren sich sagen, daß sie gewählt sind
indirekt von denen, die Sonntaas nicht zur Kirche zu geben pflegen.
Wenn Synode und Kirchenrat Mehrheitsbeschlüsse fassen, so soll
man wissen, daß hinter diesen Mehrheiten nicht die Kirchlichen
stehen, sondern die Unkirchlichen. Die Kirche wird regiert von
den Beauftragten derer, die sich nicht unn die Kirche kümmern.
Die gläubigen Kirchgänger werden sich Pastoren aufdrängen
lassen müssen, die von denen gewählt sind, die Sonntags draußen
bleiben.“ Man hat in dieser Not den Ungläubigen nahegelegt,
jie möchten ihren Austritt aus der Kirche erklären, für die sie
keinen Gebrauch mehr haben, und so den Gläubigen das Feld
allein überlassen. Aber die Ungläubigen tun das nicht. — Diese
Notlage hat der Heilige Geist zuvorgesehen. Deshalb fordert er
in der Heiligen Schrift nicht die Ungläubigen auf, sie möchten
sich von den Gläubigen absondern, sondern er wendet sich an die
Gläubigen und ruft ihnen zu: „Ziehet nicht am fremden Joch
mit den Ungläubigen! Denn was hat die Gerechtigkeit für Ge⸗
nieß mit der Ungerechtigkeit? Was hat das Licht für Gemein⸗
schaft mit der Finsternis? Wie stimmt Christus mit Belial?
Oder was für ein Teil hat der Gläubige mit dem Ungläu⸗
bigen? ... Darum gehet aus von ihnen und sondert euch ab,
spricht der HErr!“ Wir werden aus aller Not errettet, wenn
wir Gottes Wort unsers Fußes Leuchte und ein Licht auf unserm

Wege sein lassen. Die Christen der Hamburger Landeskirche
sollten daher zu den Christen treten, die schon vor Jahren die
lirchliche Gemeinschaft mit der Hamburger Landeskirche anfge—
geben und eine freikirchliche lutherische Gemeinde gebildet haben,
die jetzt von P. Löffler bedient wird. F. P.

Die Römischen und die Sozialisten bilden nach den letzten
Wahlen in Deutschland die stärksten Parteien im Reichstag. Ein
Katholik wurde zum Präsidenten des neuen Reichstags und ein
Sozialist zum ersten Vizepräsidenten gewählt. Der Lutheran
Observer bemerkt hierzu: „Die Zukunft des Vaterlandes scheint
sich bei dem kirchenfeindlichen Sozialismus einerseits und dem
latholisch-jesuitischen Zentrum andererseits ziemlich dunkel zu ge—
stalten.“ Das ist leider wahr. Und die Sachlage erscheint um
so trauriger, wenn man daran denkt, daß Deutschland das Land
der Reformation ist. Diese traurige Sachlage ist aber die
Folge davon, daß Deutschland die Güter der Reformation lieder⸗
lich fortgeworfen hat. Auf Deutschlands Universitäten ist der Un⸗
glaube zur Herrschaft gekommen. Auch die Theologen, die für
die besten und kirchlichsten gehalten werden, verwerfen nicht nur,
sondern verspotten sogar die Wahrheit, daß die Heilige Schrift
Gottes Wort ist. Ohne Gottes Wort aber kann man weder dem
Aberglauben noch dem Unglauben wehren. F. P.

Aus der griechisch⸗katholischen Kirche Rußlands dringt nur
selten etwas an die weitere Offentlichkeit. Sie ist ganz in Formel⸗
wesen, Aberglauben und Werkgerechtigkeit erstarrt. Wie sehr sie

SVr 2„TutheranedS

aber an Einfluß verliert und wie wenig sie das Volk zu be⸗
friedigen vermag, zeigt die zunehmende Bewegung der übertritte,
sogar zum Mohammedanismus. In den letzten fünf Jahren
traten zur römisch⸗katholischen Kirche etwa 237,.000 Personen
über, zur lutherischen Kirche 16,315, dem Vordringen des Islam
fielen über 50,000 zur Beute, während Rücktritte zur griechisch⸗
katholischen Kirche nur wenig über 5000 stattfanden.

L. F.

Aus Welt und Zeit.

Eine im ganzen vernünftige und anerkennenswerte Stellung
zu den Gemeindeschulen nimmit der Staatsschulsuperintendent von
South Dakota, C. G. Lawrence, ein, der einem Pastor der Jowa⸗
synode, der ihn über seine Stellung befragte, dem „Kirchenblatt“
zufolge diese Worte schrieb: „Ich habe Ihren Brief vom 2. Sep⸗
tember in dem Sie meine Meinung isher die Parachialichulen er—
bitten, erhalten. Ich kann Ihnen sagen, daß ich die Parochial⸗
schule sehr befürworte, wenn sie recht geführt wird. Ich betrachte
die Arbeit der Parochialschule als eine große Hilfe in der Er⸗
ziehung unserer Jugend. Strikt religiöser Unterricht, worauf
sittliche Vorschriften ruhen müssen, ist von unserer öffentlichen
Schule ausgeschlossen, und deshalb scheint es mir, daß die Arbeit
der Parochialschule die Billigung aller Bürger des Staates finden
sollte, denen die sittliche Erziehung unserer Jugend am Herzen
liegt. Der Religionsunterricht der Jugend ist selbstverständlich
Sache jeder Kirchengemeinschaft, und der Staat sollte in keiner
Weise solchen Unterricht hindern. Wenn ich obiges bezüglich der
Parochialschule ausspreche, will ich nicht so verstanden sein, als
ob ich jede Parochialschule billige. Ich kenne etliche Parochial⸗
schulen, die nicht ordentlich geführt werden, weil die Lehrer an
denselben nicht ordentlich dazu befähigt sind. Ich glaube, jeder
Lehrer an einer Parochialschule sollte ein gesetzliches Staatszeug⸗
nis haben, um dadurch den rechten Grad der Leistungen in solchen
Schulen zuzusichern. Viele Lehrer an Gemeindeschulen in diesem
Staate haben Staatszeugnisse, und ihre Arbeit ist sehr zufrieden⸗
stellend.“ — Wenn freilich ein Staatszeugnis gefordert werden
würde, so wäre das nicht annehmbar. Eine solche Forderung des
Staates würde über die Grenzen seiner Gewalt hinausgehen und
in die Rechte der Eltern und der Kirche greifen. Aber allerdings
soll sich die Kirche durch das Lautwerden solcher Forderungen mah⸗
nen lassen, für die möglichst tüchtige Ausbildung ihrer Lehrer zu
sorgen, und jede Gemeinde soll sich die allseitige Hebung ihrer
Schule sehr angelegen sein lassen. L. F.

Karneval. Im „Geisteskampf der Gegenwart“ lasen wir
vor einiger Zeit: Wie dieses undeutsche Gewächs des Karnevals
durchaus nichts Harmloses, sondern eine Volksgefahr ist, und
daher jede Behörde ihn zum mindesten nicht unterstützen sollte,
zeigen folgende Tatsachen: In Mainz bpurden vor Jahren meist
von unbemittelten Leuten 300,000 Mark Sparkasseneinlagen an
Fastnacht zurückgezogen. Wie reimen sich zu den Klagen über
die schlechten Zeiten die unsinnigen Ausgaben für Fastnachtszüge?
In einer rheinischen Stadt kostete ein Umzug 25,000 Mark. In
Konstanz wurden an Fastnacht in einem Leihgeschäft allein
180 Trauringe versetzt, und in einer Stadt mit 200,000 Ein⸗
wohnern wurden am Aschermittwoch (der Name wird wohl ab⸗
sichtlich verschwiegen! vormittags von 8 bis 12 Uhr in 19 Apo⸗
theken über 700 Rezepte gegen schmutzige Krankheiten ausgefertigt.
Die Staatsbehörden hätten wohl Ursache genug, gegen diese sich
immer mehr breitmachende Gemeinheit unter der Maske schon
aus sozialen Gründen vorzugehen. L. F.

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