Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 68, Nummer 26 › Seite 407

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 24. Dezember 1912, Seite 407

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Synodalverſammlung 6

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S utheranerN.

407

Bericht über die Synodalversammlung des
Westlichen Distrikts.

1 Petr. 2, 9.

In dem SéErrn JeEsu geliebte Zuhörer!

In diesem Text redet der Apostel Petrus mit den Christen
von dem großen, seligen Glück, das ihnen durch Christum
widerfahren ist, von dem herrlichen Vorzug, den sie vor denen
haben, die keine Christen sind. Den Ungläubigen, die das
Evangelium zwar gehört, aber nicht angenommen haben, ist
Christus ein Stein des Anstoßens geworden. Daß sich JEsus
ihnen offenbaren wollte zu ihrer Seligkeit, und sie wollten nicht
an ihn glauben, dieser Unglaube wird ihnen eine Ursache ewiger
Verdammnis. O was für unselige Menschen sind das! Wie
seid ihr Christen da glücklich, daß ihr IEsum im Glauben er⸗
kennt und an ihm aufgestanden seid! Denn seht, was ist da⸗
durch aus euch geworden? Ihr waret ja auch, wie alle andern,
ein sündliches Geschlecht, unheilig und ein Greuel in Gottes

Augen. Nun aber seid ihr „das auserwählte Ge⸗—
schlecht“. Aus großer Barmherzigkeit hat euch Gott aus

der verlornen Welt herausgenommen und zu seinen Kindern
gemacht. Ihr seid „das königliche Priestertum“,
Kinder des großen Königs Himmels und der Erde. Wenn ihr
ein Anliegen habt, braucht ihr nicht andere zu bitten, sie möchten
für euch zum König gehen. Ihr seid ja seine Kinder und dürft
frei vor ihm und mit ihm verkehren und ihm euer Anliegen
vortragen. Wenn ihr gesündigt habt, bedürft ihr nicht, daß
andere für euch eintreten und Versöhnung suchen. Ihr seid
selbst Priester und kommt vor ihn mit Beten, bekennt eure
Sünden und beruft euch auf das Opfer, das er für euch ge⸗
bracht hat. Ihr erscheint vor ihm mit den Opfern eurer Lippen
und Hände, und er hat Wohlgefallen daran. Ja, ihr seid
„das heilige Volk“, welches Gott mitten in dieser argen
Welt gesammelt hat, das ihn erkennt, ehrt und anbetet. „Das
Volk des Eigentums“ seid ihr, das Volk, welchem das
Erbe im Himmel bereitet ist. Es ist ihr eigen, und sie sollen
gewiß dahin kommen, wo sie es ewig genießen werden. So
redet der Apostel mit den Christen. — Und nun denkt doch
daran, ihr Lieben, mit diesen Worten sind wir gemeint. Alle,
die wir Christen sind, wir gehören wirklich zu diesem auser⸗
wählten Geschlecht, zu diesem königlichen Priestertum und Volk
des Eigentums.

Wie sollen wir Gott dafür danken? Was erwartet er
dafür von uns? Darüber hat sich Gott schon Jes. 43 ausge⸗
sprochen. Er sagt dort: „Dies Volk habe ich mir zugerichtet;
es soll meinen Ruhm erzählen.“ An diese Worte denkt hier
der Apostel Petrus und schreibt daher: Ihr lieben Christen,
Gott hat so Großes an euch getan, „daß ihr verkündigen
sollt die Tugenden des, der euch berufen hat
von der Finsternis zu seinem wunderbaren
Licht“. Sorgen und mithelfen sollen wir, daß unter uns
und bei andern Christen der Ruhm unsers Gottes immerfort
in Erinnerung bleibe; bekannt machen sollen wir auch bei an⸗
dern, die es noch nicht wissen, welch einen gütigen, gnädigen
und allmächtigen Gott und Heiland wir haben, damit sie auch
glauben und zu seinem Volk gesammelt werden. Ist das etwa
zu viel von uns gefordert? Wer ist unter uns ein Christ und
wollte nicht gerne den Ruhm seines Heilandes ausbreiten helfen?

Aber wie soll das geschehen? Davon wäre viel zu sagen,
es wird ja auch das Jahr hindurch viel davon gesagt. Ich will
heute nur auf eins aufmerksam machen. Die Erfahrung hat
immer gelehrt, daß ein großes Werk mit vereinten Kräften
viel besser ausgerichtet wird, als wenn jeder allein und für sich
daran arbeitet. Darum haben sich die Christen schon in alter
Zeit zu dem Werk der Verkündigung der Tugenden des HErrn
zusammengetan, und ihre Kinder haben es von ihnen gelernt.
So haben auch wir es gelernt. Wir haben zu dem Zweck eine
Synode gegründet. Eine Gemeinde hat ja auch schon viele
Kräfte und kann, wenn die zusammenwirken, viel ausrichten.
Viel besser aber gedeiht das Werk, wenn auch die Gemeinden
sich untereinander dazu verbinden. In unserer Synode stehen
jetzt etwa 1600 Gemeinden zusammen, die in den verschieden—
sten Teilen unsers großen Landes wohnen. Ihre Pastoren,
2000 an der Zahl, predigen das Evangelium an ungefähr 4000
Orten. Und der Zweck dieser großen Synode ist kein anderer
als der, ein Werk auszurichten, durch welches die Tugenden
unsers Gottes verkündigt werden. — Alle drei Jahre kommen
Vertreter der Synode zur Beratung und Beschlußfassung zu—
sammen. In den beiden andern Jahren versammelt sich die
Synode in 22 Distrikten. Jede Gemeinde sendet dazu ihren
Pastor, ein Laienglied und ihre Lehrer. Bei solchen Versamm—
lungen hört man dann, wie das Werk im vergangenen Jahr
geführt worden ist, und hält Rat, wie es weitergeführt werden
soll. So ist nun kürzlich auch der Westliche Distrikt in Sitzung
gewesen, wie ich ja vor vierzehn Tagen angekündigt habe. Und
zu diesem Distrikt gehören wir, gehört diese Gemeinde. Ihr,
liebe Christen, Alte und Junge, seid Glieder, und eure Sache
ist es, was da geschieht. In eurem Namen wird das Werk
getrieben. Wie, sollte da nicht jeder von euch gerne wissen
wollen, was da geschehen ist, was mitgeteilt und beschlossen
wurde? Doch sicherlich. Wohlan, so will ich jetzt kurz darüber
berichten.

ö 1.

Die schönsten Stunden waren die Vormittagsstunden, in
denen uns Prof. Krauß die Geschichte der Jungfrau Maria
erzählte, was man davon aus Gottes Wort weiß. Das war
zu unserer persönlichen Erbauung, uns zu unserm Werk recht
munter und tüchtig zu machen. Außer der Geschichte unsers
Heilands IEsu Christi haben wir nie etwas Schöneres gehört.
Ich will aber nicht weiter davon berichten. Die Geschichte wird
bald im Druck erscheinen; da kann dann jeder sie kaufen
und lesen.

Und nun zu der Hauptarbeit: Bericht und Beschlußfassung
über Mission. Ja, Mifsion, Ausbreitung des Evangeliums,
ist das eigentliche, große Werk unserer Synode. Alles andere
hängt damit zusammen. Die Mission ist zweierlei Art, In⸗
nere und Außere. In unserm Westlichen Distrikt, in Mis⸗
souri, Arkansas und Tennessee, arbeiten 36 Pastoren in dieser
Mission, predigen an etwa 70 verschiedenen Plätzen das Evan⸗
gelium und suchen da christliche Gemeinden zu sammeln und
aufzubauen. Manche Gemeinde. im Distrikt ist in dieser Weise
gesammelt und gebaut worden. Es wurde berichtet, daß auch
im letzten Jahr wieder einige Gemeinden selbständig geworden
sind und keiner Hilfe mehr bedürfen. Es sind aber neue Mis⸗
sionsplätze an ihre Stelle getreten. Die Arbeit erfordert
58000.00 das Jahr. — Wie unser Westlicher Distrikt, so missio—
nieren auch alle andern Distrikte, und darüber hat uns unser

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