Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 68, Nummer 26 › Seite 410
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 24. Dezember 1912, Seite 410
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der Heiden“, auch gerade unter diesen armen malayalischen Hei⸗
den herrliche Frucht bringt.
Am Sonntag, den 10. November, also an Luthers Ge⸗
burtstag, hatte Missionar Nau in dem fünfzehn Meilen von
Trivandrum entfernten Predigtplatze Kuddizzel einen gemein⸗
schaftlichen Gottesdienst eingerichtet, an dem die Leute von den
sechs hiesigen Predigtplätzen sich beteiligten. Die entferntesten
waren mit ihren Kindern acht Meilen weit in der glühenden
Hitze zu Fuß gekommen, um an diesem Jubelgottesdienst teil⸗
zunehmen und den Unterzeichneten zu begrüßen. Besonders
für diese Versammlung hatten die lieben Leutchen ein 50 Fuß
langes und 30 Fuß breites Schutzdach aus Bambus und Palm⸗
matten errichtet und mit Inschriften, Blumen und Fahnen
hübsch geschmückt. Es war ein reizendes Bild, als die Bewohner
der verschiedenen Predigtplätze auf der breiten Landstraße mit
Trommeln, Fähnlein und Gesang angewallt kamen. Ja, auch
an knallenden Freudenschüssen fehlte es nicht. Als der Gottes⸗
dienst eröffnet wurde, waren an die 600 Menschen versammelt,
die, auf der Erde sitzend, andächtig der Predigt lauschten, die
Missionar Nau über Ps. 32, 1 hielt, und auch frisch auf die
eingestreuten Fragen des Missionars antworteten.
Nach Schluß des Gottesdienstes folgte die übliche Be⸗
kränzung des Missionars und des Unterzeichneten, und dann
verlas der eingeborne Katechet Arulanandam ein von ihm selbst,
ohne irgendwelche Mithilfe von seiten des Missionars verfaßtes
Begrüßungsschreiben. Und eben dieses Schreiben ist es nun,
das ich unfern lieben Christen als Weihnachtsgruß unserer
lieben Pfleglinge auf dieser unserer jüngsten Missionsstation
in Indien mitteilen möchte. Das Schreiben bedarf keiner Er—
klärung. Es redet für sich selbst. Es lautet in genauer über—
setzung, wie folgt:
Begrüßungsschreiben.
Hochwürdiger Herr!
Dies ist das Begrüßungsschreiben, das die zur lutherischen
Mission gehörigen malayalischen Gemeinden in Puliurkonam,
Kuddizzel, Kurungallur, Puthukulankarei, Kaddeikal usw. ihrem
großen Lehrer, dem hochwürdigen Herrn Direktor Julius A.
Friedrich, in aller Ehrfurcht überreichen.
Unserm Gotte, der Sie auf Ihrer Reise von Amerika bis
hierher zu Wasser und zu Lande sicher bewahrt und gnädig
geschützt hat, danken wir von ganzem Herzen und auch für die
große Gnade, die er uns daͤdurch hat zuteil werden lassen, daß
er uns die Frende gewährt hat, Ihnen dies Begrüßungsschrei⸗
ben überreichen zu dürfen.
Ihnen aber, Ehrw. Herr Direktor, danken wir für Ihre
große Liebe, die Sie bewogen hat, Ihr Heimatland und Ihre
Lieben zu verlassen, so viel Beschwerden auf sich zu nehmen
und, um uns zu besuchen, in ein so entferntes Land zu kommen.
Unserer Ehrw. lutherischen Mutterkirche in Amerika dan—
ken wir herzlich dafür, daß sie uns, die wir als Heiden den
wahren Gott vergessen hatten und als Diener des Teufels ge—
fangen lagen, nachdem die beiden jetzigen Katecheten ihre Mis⸗
sionare in Nagercoil oft und vielmals darum gebeten hatten,
in ihre Mission aufgenonnnen, aus unserer Mitte einige Knaben
in ihr Institut in Nagercoil, wo sie zu Katecheten und Lehrern
ausgebildet werden, frei aufgenommen und anfangs dieses
Jahres den Ehrw. Herrn Missionar Nau als Prediger des
Evangeliums in unsere Mitte gesandt hat.
Die Arbeit, die der Ehrw. Missionar Nau ohne Rücksicht
auf seine Gesundheit und persönliche Bequemlichkeit fortwäh⸗
rend für unser geistliches und leibliches Wohl verrichtet, ist
unschätzbar. Insonderheit möchten wir hervorheben, daß dank
seiner Bemühungen um die Erziehung unserer Kinder es jetzt
so weit gekommen ist, daß an allen Predigtplätzen christliche
Schulen eingerichtet worden sind. Dafür danken wir ihm
herzlich und bitten unsern himmlischen Vater, daß er ihm und
seiner Familie für die glückliche Weiterführung seiner Arbeit
Gesundheit und langes Leben bescheren möge.
Wir erkennen darin, daß uns, die wir ein ganz unwissen⸗
des und verachtetes Volk sind, die reine Lehre des Evangeliunis
gebracht worden ist, die Liebe unsers HErrn JeEsu
Christi. In diesem Teile Indiens sind noch viele Heiden,
und wir sind der guten Zuversicht, daß auch ihnen das Evan⸗
gelium gebracht werden wird, und werden für alles, was die
Ehrw. lutherische Mission zu unserm und zu ihrem geistlichen
und leiblichen Wohl fernerhin tun wird, allezeit von Herzen
dankbar sein. Wir bitten den Hochw. Herrn Direktor, unserer
lutherischen Mutterkirche in der Heimat, die ja unsere geistliche
Wohltäterin ist, unsern ehrfurchtsvollsten Dank
auszusprechen und sie mit unserer Lage bekannt zu
machen.
Ihn selbst aber, unsern großen Lehrer, den Hochw. Herrn
Direktor, wolle unser himmlischer Vater, solange er in diesem
Lande verweilt, vor allem Schaden und aller Gefahr behilten
und ihn glücklich in seine Heimat zurückkehren lassen.
Mit diesem Segenswunsche erlauben sich die beiden Kate⸗
cheten, die Lehrer, die Altesten und die Gesanitheit der hiesigen
Katechumenen, Ihnen dies Begrüßungsschreiben ehrfurchtsvoll
zu überreichen.
(Gezeichnet:) Joseph Canchanan, Arulanandam, Madi
Daniel, Chardayan Jakob, Chardayan Mathai, Nielan Ma⸗
nasse, Nielan Joseph, Ayi Patros, Mardan Isaak.
Kuddizzel, an Luthers Geburtstag, den 10. November
1912.
So weit das Schreiben. Wie schon berichtet, hat Missionar
Nau hier 500 Katechumenen im Unterricht. Er könnte 1000
und mehr haben, aber es ist ihm unmöglich, die Arbeit allein
zu bewältigen. Gott sei Lob und Dank, daß er uns in Kan⸗
didat Harms einen neuen Arbeiter für dieses wichtige Feld ge⸗
schenkt hat. Aber was sind zwei unter fo vielen? Ihr lieben
Christen, bittet den HErrn der Ernte, daß er uns noch mehr
Arbeiter für dieses Feld schenken wolle! Die Ernte ist reif
zum Schnitt, aber es fehlen die Schnitter!
Jul. A. Friedrich.
Zur kirchlichen Chronik.
Der Grundstein des neuen Lehrerseminars zu Chicago wurde
am 15. Dezember gelegt. Die feierliche Grundsteinlegung voll⸗
zog der Ehrw. Präses des Nord⸗Illinois⸗Distrikts, P. W. C.
Kohn. Die deutsche Festrede hielt der Hochw. Allgemeine Präses,
P. F. Pfotenhauer, die englische der Ehrw. Allgemeine Vizepräses
J. W. Miller. — Gott gebe Gnade zur Vollendung des neu ange⸗
fangenen Baues! Er segne unsere Lehrerseminare und unsere
christlichen Gemeindeschulen, in deren Dienst sie ja stehen!
E. P.
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