Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 68, Nummer 26 › Seite 412

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 24. Dezember 1912, Seite 412

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Kirchengemeinſchaften. 4„99 · Saloon 3 · Tpracheufrage 3

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— utbsraners

handelt sich nur darum, ob unsere lieben Christen der Anfechtung
erliegen, oder die Anfechtung siegreich überwinden sollen. Daß
letzteres der Wille Gottes an die Christen sei, wird jedermann
zugeben. Der Abostel Paulus ermahnt die Christen: „So stehet
nun, lieben Brüder, und haltet an den Satzungen, die ihr ge⸗
lehret seid, es sei durch unser Wort oder Epistel. Er aber, unser
HErr JEsus Christus, und Gott, unser Vater, der uns hat ge⸗
liebet und gegeben einen ewigen Trost und eine gute Hoffnung
durch Gnade, der ermahne eure Herzen und stärke euch in
allerlei Lehre und gutem Werk“, 2 Thess. 2,. 15—17.
Ein allgemeines „Kirchenblatt“, das die Christen nicht in die
Streitigkeiten „hineinziehen“ und so den Christen in den Strei⸗
tigkeiten nicht Hilfe leisten will, verfehlt seinen vornehmsten Zweck.
F. P.
Abendmahlswein auf den Indianerreservationen. Es wurde
diesen Sommer wiederholt die Befürchtung ausgesprochen, daß
durch die strenge Durchführung der Prohibitionsgesetze auf den
Indianerreservationen auch die Einführung von Abendmahls⸗
wein berboten sei. Dadurch würden allerdings unsere Reise⸗
prediger, die auf Indianerreservationen arbeiten, in große Ver⸗—
legenheit kzommen. Die Christen mißten in diesem Falle zur
Feier des Abendmahls sich zeitweilig von der Reservation ent—
fernen. Aber wir bezweifelten sofort, daß das J Indianerbureau
die geltenden Regeln so auslegen werde. Das Indianerbureau
hat nun schon vor mehreren Wochen ausdrücklich entschieden, daß
der Gebrauch von Wein für kirchliche Zwecke nicht ver⸗
boten sei. Aber Arzte dürfen ohne besondere Erlaubnis des
Kriegsministers alkoholhaltige Getränke auch nicht einmal als
„Medizin“ („for medicinal purposes“) verschreiben. F. P.
Im „CoNGREHATLONALIST klagt der Superintendent ihrer
deutschen Abteilung der Inneren Mission, daß es so schwer sei—
aus Deutschen kongregationalistische Gemeinden zu bilden. Er
betont: Wir müssen eine eigene Lehranstalt haben, sowohl um
eigene Arbeiter unter den Deutschen auszubilden, wie auch zu⸗
gleich als Mittelpunkte und Stützpunkte der gewonnenen Ge⸗
meinden. Er hebt hevor, daß die Presbyterianer, Methodisten,
Baptisten und sogar die Siebenten-Tags⸗Adventisten ihnen darin
voraus seien. — Nun ist das ja für die Deutschen eine Ehre,
daß über sie geklagt wird, daß es so schwer sei, sie für alle
möglichen Schwärmereien zu gewinnen. Aber lehrreich ist diese
Klage für uns in dreifacher Beziehung. Erstens, wenn Kirchen,
die von Haus aus gar nicht deutsch sind und keine Deutschen
haben, jetzt noch mit Ernst die Arbeit unter den Deutschen auf⸗
nehmen, dann soll uns das mahnen, daß unsere Arbeit in
deutscher Sprache noch lange nicht getan ist. Zum andern,
wenn wir die Klage hören: Die Gemeinden fallen auseinander
wie Ziegelsteine ohne Stroh, wenn sie keine Lehranstalten in ihrer
Mitte haben, dann soll uns das daran erinnern, welch ein Sam⸗
melpunkt und Stützpunkt und Bollwerk eine Lehranstalt ist für
ein ganzes großes Gebiet, in dem sie sich befindet. Drittens,
wenn wir sehen, mit welchem Ernst mancherlei Sekten Jagd
machen auf die Deutschen, die uns doch so nahe stehen, dann soll
uns das ermuntern, nicht müde, sondern immer eifriger zu wer⸗
den im Werk der Inneren Mission. E. P.
Frauenvereine im Osten, die es sich zur Aufgabe machen,
an der Hand von Missionsbüchern wie „Das Mormonentum der
Islam (Türkentum) Amerikas“ das Wesen der Mormonen zu
studieren, beklagen sich darüber, daß sich öfters Mormonenfrauen
in ihre Versammlungen einschleichen, sich auch wohl zum Wort
melden und Reden halten wollen, um alles zu leugnen, was in
Büchern steht, und ihren „Glauben“ zu verteidigen. Während
unsere Artikel über die Lehre der Mormonen im „Lutheraner“
erschienen, erhielten wir auch von Mormonen die Anfrage, ob eine
Entgegnung im „Lutheraner“ aufgenommen würde. Dafür ist
schlechterdings kein Bedürfnis. Da gibt es nichts zurechtzustellen.

Sie sind ja die ganze Zeit ganz allein zu Worte gekonmen. Da
ist absichtlich — es hätte ja sonst viel kürzer geschehen können —
mit Angabe von Titel und Seite aus ihren eigenen Büchern, die
samt und sonders direkt aus ihrem eigenen Verlag gekauft wur⸗
den, ihre Lehre dargestellt worden. Wir haben noch nie gehört,
daß ein Mormone an übergroßer Bescheidenheit oder an einem
übermaß an Wahrhaftigkeit gestorben wäre. E. P.

über den Wert der deutschen Sprache äußerte sich Prof. Dr.
Owen vom Lehrerseminar in Chicago in einem kürzlich ge⸗
haltenen Vortrag in sehr anerkennender und beherzigenswerter
Weife. Er sagte: „Die deutsche Sprache — unschätzbar ist mir
ihre Kenntnis gewesen, auch geistig anregend in meinen Studien.
Ich kann tatsächlich sagen, daß ich eher auf die englische Sprache
verzichten kann als auf die deutsche. Es gab Zeiten in meinem
Leben, als ich meine Studien nur mittels der deutschen Sprache
betreiben konnte, weil es keine englischen Bücher über die be⸗
treffenden wissenschaftlichen Fragen gibt. Unermeßlich ist der
Vorteil der Kenntnis der deutschen Sprache auf den Gebieten der
Wissenschaft, der Industrie, der Technik und der sozialen Organi⸗
sation. Die Sprache ist tatsächlich unentbehrlich. Wir sind ge⸗
zwungen anzuerkennen, daß, wenn nur eine fremde Sprache
gelehrt werden soll, dies unbedingt die deutsche sein muß. Und
da denke ich manchmal mit Empörung daran, wie so viele Eltern
dieses kostbare Gut, dessen Erwerb mich Tausende von Dollars
gekostet hat, fortwerfen und es nicht ihren Kindern vererben.
Jedesmal, wenn sich jemand mit deutschem Namen zur Auf⸗
nahme ins Seminar meldet, frage ich, ob er oder sie deutsche
Eltern hat. Wird die Frage bejaht, so forsche ich nach den Kennt⸗
nissen in der deutschen Sprache, und da mache ich häufig trübe
Erfahrungen. Ich rate jedem Besucher unserer Anstalt, sich die
Kenntnis der deutschen Sprache anzueignen oder sie sich, wenn
er sie bereits besitzt, zu erhalten.“ Das sind prächtige und be⸗
schämende Worte zugleich: beschämend für jene Deutschamerikaner,
die ihre Muttersprache für nichts achten, den von Prof. Owen so
hoch geachteten Schatz leichtfertig von sich werfen.

Das Obergericht von Illinois hat dieser Tage die Ent⸗
scheidung abgegeben, daß die städtische Ordinanz von Chicago,
welche die Zahl der Wirtschaften (saloons) auf einen zu je
500 Einwohnern beschränkt, rechtskräftig sei. Es gibt gegen⸗
wärtig 7323 Wirtschaften in der Stadt. Im nächsten Jahre
soll ihre Zahl auf etwa 5000 vermindert werden. In seinem
Entscheid tat das Obergericht den Ausspruch: „Das Geschäft,
berauschende Getränke zu verkaufen, ist mit Gefahren für die Ge⸗
meinschaft verbunden und ist zugestandenermaßen ein Gegen⸗
stand, der der Regulierung durch die Polizeigewalt des Staates
unterliegt. Es gibt kein selbstverständliches (inherent) Recht, den
Handel zu betreiben, und er kann auch ganz verboten werden.“ —
Man braucht gar kein Prohibitionist zu sein, um zu wissen und
zu sagen, daß das Betreiben einer Wirtschaft ein überaus an⸗
rüchiges und gefährliches Geschäft ist. E. P.

Christnacht im Wald.

Die Glocken hatten das Christfest eingeläutet, und in den
Kirchen und Häusern klangen die Jubellieder dem Heiland zu
Ehren. Helles Jauchzen von Kinderstimmen drang in die dunkle
Nacht hinein. Nur die blasse Frau in tiefer Trauer hörte nicht
das Jauchzen der ganzen Welt, in ihrem Herzen wollte es nicht
Weihnacht werden. Sie schmiegte den Kopf an den Arm ihres
hochgewachsenen Begleiters, der sie schweigend den langen Frauen⸗
berg hinauf, aus der Stadt hinaus und auf den Wartburgsweg
führte. Ein tiefer Seufzer hob seine Brust, wenn er daran
dachte, daß auch in der Christmette, die sie besucht hatten, eine

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