Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 68, Nummer 26 › Seite 411
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 24. Dezember 1912, Seite 411
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Sonntagsſchule. ö 4
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Ner utherane
Die Sitzungen der verschiedenen Distriktssynoden sind nun
vorüber; und es kommt jetzt darauf an, daß die Gemeinden mit
den Beschlüssen und mit dem Stand des Werkes der Synode be⸗
kannt gemacht werden. Wir können selbstverständlich kein In⸗
teresse von unsern Christen erwarten für eine Sache, von der sie
nichts wissen. Wir haben P. C. C. Schmidt gebeten, die vor
seiner Gemeinde gehaltene Predigt dem „Lutheraner“ zu über⸗
lassen. Wir taten das aus zwei Gründen: einmal, weil da
schlicht und sachlich die Bedürfnisse der Synode dargelegt und
mit echt evangelischer Ermahnung den Christen ans Herz gelegt
werden; zum andern, weil es eben ein Bericht an die Ge⸗
meinde ist. Es gibt immer noch Leute, die sich gar nicht denken
können, was der Pastor und die Deputierten auf der Synode tun,
und es gibt noch mehr Leute, denen der Gedanke fernliegt, daß
das lauter Dinge sind, die sie so nahe angehen, weil sie eben
ein Teil der Synode sind. Da hilft es viel, wenn der Pastor
nach der Synode der Gemeinde davon erzählt. Ja, die Sache
ist es wert, zuweilen zum Gegenstand der Predigt gemacht zu
werden, wie das von vielen Pastoren ja geschieht. E. P.
Sonntags schulliteratur. Seit zwei Jahren gibt unser Ver⸗
lagshaus auch Lektionen und Hilfsmittel für Sonntagsschulen
heraus. Das Ganze ist in vier Serien gegliedert. Für die
Kleinen erscheinen bunte Bilderkarten mit einer kurzen biblischen
Geschichte auf der Rückseite. Dann konimen Lektionen für Mittel⸗
und Oberklassen und endlich für die Bibelklasse, die sich aus
größeren Kindern zusammensetzt, fortlaufende Erklärung eines
biblischen Buches. In den nächsten zwei Jahren soll die Apostel⸗
geschichte durchgenonmmen werden. Diese Hilfsmittel kommen
einem Bedürfnis entgegen. Es gibt eben viele Gemeinden, die
Sonntagsschulen haben, und die brauchen solche Literatur. Und
unsere Sonntagsschulen wollen gesunde lutherische Nahrung für
die Jugend. Die Zeit der Sonntagsschule ist so kurz bemessen,
daß, wenn da überhaupt etwas Nennenswertes geleistet werden
soll, der Stoff sehr sorgfältig ausgewählt und eingeteilt werden
muß. Unsere Lektionen sind so eingerichtet, daß in einem Kursus
von sechs Jahren der ganze Text des Kleinen Katechismus aus⸗
wendig gelernt wird. Es soll eben den Kindern die Kenntnis der
Heilswahrheiten beigebracht werden, die man wissen muß, um
ein Christ zu sein und selig zu werden. In den Sonntagsschul⸗
lektionen der Sekten kommen meistens gerade diese Heilswahr⸗
heiten zu kurz; es sind gewöhnlich Partien ausgewählt, die Ge⸗
schichte und sittliche Vorschriften bieten. Ja oft macht sich in den
Sonntagsschullektionen der grobe Unglaube als neue Weisheit
breit, worüber im Laufe dieses Sommers mehrere Blätter ver⸗
schiedener Kirchen bitterlich geklagt haben. Daher geben wir
unsere eigenen Blätter heraus, und es ist erfreulich, daß sie sich
allgemeiner Anerkennung und eines ausgedehnten Gebrauches
erfreuen. E. P.
Kolporteure in unsern Kreisen. Die Verbreitung von
Büchern durch Kolporteure hat in unsern Kreisen in den letzten
Jahren wieder zugenommen. Und besonders wo durch seßhafte
Agenten nicht gearbeitet tverden kann oder nicht gearbeitet wird,
ist das eine gute Art und Weise, christlichen Lesestoff unter das
Volk zu bringen. Unser Generalagent wird vielleicht auch in
diesen Weihnachtsferien wieder Studenten zur Verbreitung guter
Bücher ausrüsten. Daß dadurch Studenten sich etwas Geld er⸗
werben zum Weiterstudium, das wird jeder in Ordnung finden.
Weil aber fortwährend allerlei Leute allerlei Bücher zum Ver—
kauf anbieten, so benutzen wir diese Gelegenheit, wieder daran zu
erinnern, daß Pastoren und Gemeinden, die auch über den Bücher⸗
verkauf in ihrer Mitte zu sagen haben, auf zwei Dinge achten
sollten. Vor allem natürlich darauf, daß in ihrer Mitte nur gute,
christliche und nützliche Bücher verkauft werden. Mit nutzlosen
oder zweifelhaften Büchern sollten unsere Christen verschont
werden. Schlechte Bücher soll man überhaupt nicht kaufen, bloß
weil es ein Buch ist und vielleicht einen schönen Einband hat.
Sodann sollten solche Kolporteure, die unsere Bücher ver⸗
kaufen, in unsern Kreisen selbstverständlich den Vorzug haben.
Die meisten Verlagshäuser dienen lediglich ihren eigenen In⸗
teressen, andere den Interessen ihrer Kirchengemeinschaft. Unser
Verlagshaus ist das Concordia Publishing House in St. Louis.
Das gehört unserer Synode, also uns selbst, und der Gewinn des⸗
selben fließt in unsere Shnodalkasse, die bei unserm großen
Haushalt viel braucht. Nun hat ja unsere Synode ihre Druckerei
und ihren Buchhandel nicht zum Geldmachen, sondern um christ⸗
liche Bücher und Zeitschriften zu verbreiten. Aber der Gewinn,
der abfällt, ist ein ehrlicher Gewinn, den Gott uns beschert; und
den nehmen wir mit Dank an und verwenden ihn zum Wohle des
Reiches Gottes. E. P.
Ziehen wir Missourier die Christen unnötigerweise in die
kirchlichen Streitigkeiten hinein? Es wurde neuerdings wieder
der Vorwurf erhoben, daß wir „Missourier“ unnötigerweise die
Christen in die kirchlichen Streitigkeiten hineinzögen. Es gibt
allerdings unnötige Streitigkeiten in der Kirche, Streitigkeiten.
die weder den Christen noch den Pastoren und Professoren ge⸗
ziemen. Der Apostel Paulus ermahnt den Timotheus: „Der
törichten und unnützen Fragen entschlage dich; denn du weißt,
daß sie nur Zank gebären“, 2 Tim. 2. 23. Hierher gehören alle
Fragen in der Religion, die aufgeworfen werden, weil man nicht
einfältig bei Gottes Wort bleibt, sondern außer und ohne
Gottes Wort in geistlichen Dingen klug sein will. Wie derselbe
Apostel uns belehrt: „So jemand anders lehret und bleibet nicht
bei den heilsamen Worten unsers HErrn IEsu Christi und bei
der Lehre von der Gottseligkeit, der ist verdüstert“, das heißt,
aufgeblasen, „und weiß nichts, sondern ist seuchtig“ (krank) „in
Fragen und Wortkriegen, aus welchen entspringet Neid, Hader,
Lästerung, böser Argwohn“, 1 Tim. 6, 3. Aber alle Fragen
und Streitigkeiten, die den Glauben und die Lehre betreffen, wie
sie in der Heiligen Schrift geoffenbart sind, gehen alle Christen
gar nahe an. Allen Christen ist von ihrem Heiland ausdrücklich
befohlen, daß sie im Gegensatz zu aller falschen Lehre, die auf⸗
kommt, bei seinem Wort bleiben und sich davon nicht
abwenden lassen. Joh. 8, 31. 32: „So ihr bleiben werdet an
meiner Rede, so seid ihr meine rechten Jünger und werdet die
Wahrheit erkennen.“ Ja, der HErr Christus mutet nicht bloß
den Lehrern der Kirche, sondern allen Christen zu, die falschen
Lehrer auch dann zu erkennen, wenn diese unter dem
Schein der Wahrheit die falsche Lehre verbergen. „Sehet
euch vor vor den falschen Propheten“, sagt der HErr, „die in
Schafskleidern zu euch kommen“, Matth. 7, 15. Selbst der
Philosophie sollen die Christen sich erwehren können. Denn auch
die Ermahnung Kol. 2, 8 geht nicht bloß die Pastoren, sondern
alle Christen an: „Sehet zu, daß euch niemand beraube durch
die Philosophie und lose Verführung nach der Menschen Lehre
und nach der Welt Satzungen und nicht nach Christo.“ — Aber
wie können die Christen das? Sind denn alle Christen so
weise Leute? Allerdings! Alle Christen kennen ja Christum.
Sie wissen, daß Christus Gottes Sohn ist, und daß sie durch sein
Tun und Leiden Vergebung der Sünden haben, und daß Christi
Wort ihres Fußes Leuchte und das Licht auf ihrem Wege ist.
Durch diese Erkenntnis sind sie auf einen Standpunkt erhoben,
von welchem aus sie alle Fragen, die die Religion betreffen, sicher
beurteilen können. „Der Geistliche“, das ist, der Christ, „richtet
alles und wird von niemand gerichtet“, 1 Kor. 2, 15. Und um
auf den Tadel zurückzukommen, daß wir die Christen unnötiger⸗
weise in die religiösen Streitigkeiten „hineinziehen“: ob wir
die Christen in die Streitigkeiten „hineinziehen“ oder nicht, sie
stehen ja allezeit mitten darin. Sie werden ja alle⸗
zeit, wo sie gehen und stehen, auch bei ihrem Geschäft und Hand⸗
werk, von der Welt und falschen Lehrern angefochten. Es
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