Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 68, Nummer 26 › Seite 414
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 24. Dezember 1912, Seite 414
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4¹⁴ Ser „TutheraneS
lassen, und so bezog er 1883 unsere Lehranstalt in Springfield,
wo er 1888 seine Studien vollendete. Er bediente nacheinander
die Gemeinden in Ludell, Kans.; New Melle, Mo.; Good Farm,
Ill.; Lemont, Ill., und seit zwei Jahren die Gemeinde in German⸗
town, Jowa. Am 28. April 1889 trat er in den heiligen Ehe⸗
stand mit Magdalena Matuschka, Tochter P. F. Matuschkas. Diese
ist ihm eine treue Gehilfin gewesen, die Freud' und Leid mit ihm
geteilt hat. Sieben Kinder hat Gott ihnen beschert, von denen
eins in der Kindheit starb, und seine teure Gattin ist ihm letzten
Februar in den Himmel voraufgegangen. Am Freitag, den
6. September, besuchte er mit einem Gliede seiner Gemeinde, der
ihn in seinem Automobil hinfuhr, die vakante Gemeinde an der
Mill Creek, um hier am genannten Abend mit dem dortigen Ge⸗
sangverein ein Lied für die Einführung des neuen Pastors ein⸗
zuüben. Auf der Heimreise geschah es nun, daß der Führer die
Kontrolle über die Maschine verlor, und diese sich vor einer
Brücke überschlug. Sämtliche Insassen kamen unter die Ma⸗
schine, konnten sich aber alle retten bis auf P. Grefe. Man ver⸗
suchte alles mögliche, ihn zu retten; doch vergeblich. Als dann
das Ol in der Maschine noch explodierte, konnte man später nur
noch den verkohlten Leichnam des Entschlafenen hervorholen. —
Am Dienstag, den 10. Septeniber, fand unter großer Beteili⸗
gung seitens seiner Gemeinde, seiner Freunde und Amtsbrüder
auf dem Gottesacker der Gemeinde zu Germantown von dem
Saal des Leichenbestatters in Paullina aus die Beerdigung statt.
Visitator A. Amstein sprach hier ein Gebet. Am Grabe amtierte
P. A. Semmann, und P. O. Horn redete hier einige Worte des
Trostes. Im eigentlichen Gottesdienst predigten Präses A. D.
Greif und der Unterzeichnete. Die Zeit seiner Wallfahrt hat
der Entschlafene gebracht auf 53 Jahre, 5 Monate und 9 Tage.
— „Wie gar unbegreiflich sind seine Gerichte und unerforschlich
seine Wege!“ Röm. 11, 33. „Ja fürwahr, du bist einsver⸗
borgener Gott, du Gott Israels, der Heiland!“ Jes. 45, 15.
Ein verborgener Gott in seinen Wegen, auch hier bei diesem
Todesfall! Aber doch ist er, der Heiland, stets auf das Heil
seiner Kinder und seiner Kirche bedacht. Er wolle den schwer—
geprüften Hinterbliebenen mit Trost und Hilfe nahe sein!
H. Wehking.
Am 25. November entschlief im Glauben an seinen Erlöser
weiland P. Andreas Grafelmann infolge von Lungen-
entzündung. Der Entschlafene wurde am 10. Juni 1851 zu
Plönjeshausen, Hannover, geboren und bald nach der Geburt
durch die heilige Taufe dem Heilande in die Arme gelegt. Nach-
dem er im Elternhause eine christliche Erziehung genossen hatte,
kam er 1868 nach Amerika. Im Herbst 1872 trat er in die prak⸗
tische Abteilung des theologischen Seminars zu St. Lonis ein
und wurde am 29. Juni 1875 mit einem ehrenvollen Zeugnis
entlassen. Er wirkte zuerst auf einem Missionsgebiet im nord⸗
östlichen Jowa. Im April 1884 nahm er den Beruf der St. Jo⸗
hannesgemeinde bei Victor, Jowa, an und bediente diese Ge⸗
meinde mit aller Gewissenhaftigkeit und Treue bis zum Herbst
1893. Mit einem schweren, unheilbaren Leiden, das nach Gottes
unbegreiflichem Verhängnis ihm auferlegt war, schied er aus dem
Amte. Neunzehn Jahre lang hat er durch Gottes gnädige Hilfe
sein Kreuz und Leiden getragen. Nun aber dürfen wir sagen:
Sein Jammer, Trübsal und Elend
Ist kommen zu ein'm sel'gen End';
Er hat getragen Christi Joch,
Ist gestorben und lebet noch.
Am 28. November wurde sein müder Leib auf dem Gottesacker
seiner früheren Gemeinde bei Victor unter großer Beteiligung zur
Ruhe gebettet. Sein Seelsorger. P. J. A. Dürr von Lockridge,
Jowa, hielt ihm eine Gedächtnispredigt auf Grund der Worte
Pauli 2 Tim. J, 18. Der Unterzeichnete predigte in englischer
Sprache auf Grund der Worte Ps. 73, 23—26. P. H. A. König
von Williamsburg amtierte am Grabe. Der Entschlafene hinter⸗
läßt seine Witwe und fünf erwachsene Kinder. Gott leite die
Hinterbliebenen nach seinem Rat und nehme sie endlich mit
Ehren auf! Otto Kitzmann.
Im Glauben an seinen Heiland entschlief am 2. Dezember
P. em. Karl Friedrich Seitz. Er wurde geboren am
17. September 1831 zu Rußheim, Baden. Nachdem er seine
theologischen Studien auf der Capital University in Colum⸗
bus, O., absolviert und sein Examen bestanden hatte, trat er in
das heilige Predigtamt ein und verwaltete auch fast immer dabei
das Schulamt, teils in der Ohio⸗, teils in der Missourisynode,
bis er das ihm liebgewordene Amt wegen vieler Gebrechen nieder⸗
legen mußte. Als er durch fleißiges, gewissenhaftes Forschen in
der Heiligen Schrift, in den Bekenntnisschriften und andern
Büchern zu der festen überzeugung gelangt war, daß die Lehre
der Missourisynode von Bekehrung und Gnadenwahl schrift- und
bekenntnisgemäß sei, kehrte er zu dieser Synode zurück. In
dieser Lehrstellung beharrte er unentwegt bis an sein seliges Ende.
— Im Jahre 1859, am 7. Juli, vermählte er sich mit Anna
Elsebein, geb. Althoff. Gott segnete die Ehe mit zehn Kindern,
sechs Söhnen und vier Töchtern, von denen aber vier dem Vater
in die Ewigkeit vorangegangen sind. — Christlich zur Erde be—
stattet wurde er am 4. Dezember. Der Unterzeichnete hielt den
Hinterbliebenen eine Trostrede auf Grund von Joh. 11, 25. 26.
Ru d. H. C. Meyer.
(Verspätet.)
Am 19. Juni starb infolge eines Schlaganfalls im Glauben
an seinen Heiland unser treuverdienter emeritierter Lehrer Jo⸗
hannes G. Nüchterlein. Er war am 4. Dezember 1836
in Roßstall bei Nürnberg, Bayern, geboren. Im Jahre 1845
kam er mit seinen Eltern nach Amerika. Seine Jugendzeit ver⸗
lebte er in Frankenmuth, Mich. Nach seiner Konfirmation wurde
er nach Fort Wayne gesandt, um sich für das Lehramt vorzu⸗
bereiten. Nach wohlbestandenem Examen wurde er 1857 als
Lehrer der Gemeindeschule zu Adrian, Mich., eingeführt. Hier
arbeitete er fünf Jahre la4ang im Segen. Sein zweites Arbeits⸗
feld war Roseville bei Detroit, von wo aus er später nach Detroit
berufen wurde. Von da kam er nach Frankenmuth und weidete
dort sechzehn Jahre lang die Lämmer Christi. Im Jahre 1882
folgte er dem Rufe der Immanuelsgemeinde zu Grand Rapids,
Mich. Hier hat er 25 Jahre treu gearbeitet und sein fünfzig⸗
jähriges Amtsjubiläum gefeiert. Neben seiner Arbeit in der
Schule widmete er viel Zeit dem Jungmännerverein. Eine Zeit⸗
lang war er auch Dirigent des Männerchors. Die letzten andert—
halb Jahre diente er der Gemeinde als Finanzsekretär. Seine
Gattin, mit der er in fast fünfzigjähriger Ehe glücklich gelebt
hatte, wurde ihm vor sechs Jahren plötzlich durch den Tod ent⸗
rissen. Es überleben ihn sechs Kinder, zwölf Enkel und ein
Urenkel. Die Beerdigung fand am 22. Juni unter großer Be⸗
teiligung statt. Die Synode des Michigan-Distrikts war zur
Zeit in Detroit versammelt und sandte den Hinterbliebenen durch
ihren Sekretär ein herzliches Beileidsschreiben. Im Hause hielt
der Unterzeichnete eine deutsche Rede iiber Luk. 2, 38. 39 und
eine englische über Hebr. 12, 22 — 24.
rede in der Kirche lagen die Worte 5 Mos. 34, 1—12 zugrunde,
der englischen Jes. 3, 10. Das Andenken des Verstorbenen bleibe
unter uns im Segen! B. Poch.
Der deutschen Leichen⸗
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