Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 68, Nummer 26 › Seite 408

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 24. Dezember 1912, Seite 408

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SE Der „Tutheraned

Allgemeiner Präses viel Schönes und Erfreuliches erzählt. Er
erinnerte daran, wie Großes durch dieses Werk der Synode
schon ausgerichtet wurde. Große Städte und große Land⸗
distrikte sind dadurch unter den Schall des reinen Evangeliums
gebracht worden. Gemeinden um Gemeinden, ja ganze Syno⸗
daldistrikte sind dadurch entstanden. Wir brauchen aber auch
viele Arbeiter dafür. Von 100 Kandidaten, die aus unsern
Seminaren hervorgehen, werden 75 in die Innere Mission
gesandt. Das wichtigste Gebiet ist jetzt der große Nordwesten,
das Land nördlich von den Vereinigten Staaten, ein Gebiet
2500 Meilen lang und 1000 Meilen breit. Auf diesem Gebiete
arbeiten unsere jungen Reiseprediger unter viel Gefahren und
Strapazen und haben in wenigen Jahren 200 Gemeinden und
Predigtplätze gegründet. Auch in den Staaten Wyoming und
Montana fahren die ausgesandten Boten fort, die sehr zer⸗
streuten Lutheraner aufzusuchen und zu sammeln. Vor Jahren
schickte die Synode einen Mann nach der Pacificküste mit der
Predigt des Evangeliums, und heute gibt es dort zwei Di⸗
strikte unserer Synode, die nun ostwärts missionieren und unsern
Missionaren in Montana und Colorado die Hand reichen. Selbst
in Utah, dem Mormonenstaat, haben sie eine lutherische Ge⸗
meinde gesammelt. An der ganzen Küste des Stillen Ozeans,
von San Diego bis Alaska, treiben unsere Reiseprediger dies
gesegnete Werk. Und nicht weniger eifrig sind unsere Brüder
im Süden gewesen. Sogar in Cuba predigen sie nun, und auf
der ISle of Pines singen sie lutherische Lieder. Lacht einem
nicht das Herz bei solchen Berichten? Es ist wahr, zu dieser
Arbeit ist viel Geld nötig, §180,000 jährlich, sagte der Allge⸗
meine Präses; aber was ist das für eine Synode von 600,000
Kommunizierenden? Auch der Ärmste sollte doch im Jahre
einen Dollar für dieses selige Werk ersparen können. — Zur
Inneren Mission in unserm Lande gehört auch die Taub⸗
stummenmission. Acht Missionare stehen in dieser Arbeit.
Wir haben hier in St. Louis schon öfter Gelegenheit gehabt
zu sehen, in welcher Weise diese Arbeit getan wird, und wie
Gott sie auch wunderbar segnet. Zur Führung derselben sind
jährlich §56000.00 nötig. Die Emigrantenmission in
New Nork und andern Seehäfen ist zwar nicht mehr ein so
bedeutendes Werk wie früher, da die Einwanderung deutscher
Protestanten sehr abgenommen hat. Doch hat sie immer noch
ein Feld für ihre Tätigkeit, zumal die Missionare anfangen,
sich der Seeleute anzunehmen. Sehr wichtig aber und segens⸗
reich sind unsere fremdsprachigen Missionen. Nicht
bloß in der deutschen und englischen Sprache, wie mancher den⸗
ken möchte, wird in unserer Synode gepredigt, sondern auch
in der Sprache der Esten, Letten, Polen, Litauer und Perser.
Daß wir auch unter den eingewanderten Persern Mission trei⸗
ben, hat zur Folge gehabt, daß jetzt ein Beruf aus Perserland
gekommen ist, wir sollen ihnen einen Prediger schicken. Denkt
euch, in jenem fernen Heidenlande, wo einst der gewaltige
König Cyrus regierte, der das gefangene Volk Jsrael wieder
freigab, in jenem Lande wissen sie von unserer Missionsarbeit
und bitten um einen lutherischen Prediger!

Längst schon hat unsere Innere Mission auch im Ausland
ein Feld gefunden. Daß wir in Deutschland, Däne⸗
mark und London missionieren, und wie nötig dies ist,
haben wir ja an unserent Missionsfest gehört. 56000.00 sind
dazu im Jahr erforderlich. Jahrelang haben wir auch nach
Australien und Neuseeland für die Mission Geld und

Leute geschickt. Der Allgemeine Präses berichtete uns nun,
daß die lutherische Kirche daselbst jetzt so erstarkt sei, daß sie
die Mission allein treiben könne: Sie konnte in diesem Jahre
die ersten in ihrer Anstalt ausgebildeten Kandidaten, 12 an
der Zahl, aussenden. — Das wichtigste Feld dieses Zweiges
unferer Mission ist Brasilien, ein Land, in welchem päpst⸗
liche Finsternis seit Jahrhunderten die unumschränkte Herr⸗
schaft hatte. Vor dreizehn Jahren schickten wir einen Kund⸗
schafter in jenes Land. Das war der Anfang; und heute sind
dort 30 Prediger, die an 71 Plätzen das Evangelium verkün⸗
digen. 46 Schulen haben sie schon, in denen 1400 Kinder
unterrichtet werden. Durch die Kontinentalbahn wird es er⸗
möglicht werden, daß bald auch in Südamerika von Ozean
zu Ozean von unsern Boten das Wort vom Heil in Christo
wird gepredigt werden. Aber die Leute sind hier arm, sehr
arm, und die Kirche daselbst muß noch manches Jahr von uns
kräftig unterstützt werden, ehe sie sich zur Selbständigkeit ent⸗
wickeln kann.

Das andere große Missionswerk unserer Synode, über
welches wir Bericht hörten, ist die Rußere Mission, son⸗
derlich die Mission unter den Heiden in Indien. Wir haben
dort jetzt 11 Missionare, von denen der älteste 21 Jahre an der
Arbeit ist. Sie haben zwei Missionsgebiete, ein nördliches und
ein südliches. Auf dem nördlichen sind 4, auf dem südlichen
3 Stationen. Um jede Station herum liegt ein Kreis von
Schulen, in denen 1100 Knaben unterrichtet werden. Denkt
euch, so viele schwarzäugige indische Knaben, die zum Güötzen⸗
dienst erzogen wurden, so viele, daß sie unsere Kirche fast fül⸗
len würden, hören jetzt täglich, wie unsere Kinder, das Wort
des Lebens. Welch ein Segen! Ach, es hält so schwer, daß dort
ein Heide sich bekehrt und öffentlich Christum bekennt; denn er
weiß, daß schwere Verfolgung seiner wartet. Doch ist die Zahl
der Getauften in unserer dortigen Mission jetzt auf 550 ge⸗
stiegen. Und kürzlich — ob das schon dagewesen ist? — haben
etwa 1000 Heiden einen unserer Missionare um die Predigt des
Evangeliums gebeten. Das ist zu viel Arbeit für den einen.
Wir sollten noch mehr Arbeiter in diese Ernte senden. Zur
Führung dieser Mission bedürfen wir jährlich §30,000. —
Hieran schloß sich ein Bericht über Indianermission.
Wir haben in dieser Arbeit nur einen Missionar, und er
arbeitet nicht vergeblich. Er hat eine kleine Gemeinde gesam⸗
melt von 25 stimmfähigen Gliedern, und die Leute zeigen gute
Erkenntnis und einen ernsten, christlichen Sinn. Die Haupt⸗
arbeit geschieht durch die Schule, in welcher die Kinder, wenn
sie überhaupt kommen sollen, nicht nur unterrichtet, sondern
auch gekleidet und beköstigt werden müssen. Die kleine Mission
kostet darum §57000.00 das Jahr. — Auch Judenmission
haben wir, und zwar in New Vork, wo eine Million Juden
wohnen, mehr als jemals in Jerusalem gewohnt haben. Der
Erfolg ist sehr gering. Aber auch um einer Seele willen
ist IZEsus vom See Genezareth bis Tyrus gewandert. — Von
der Negermission hören wir öfter, lesen davon in der
„Missionstaube“ und im L'ionéeer. Wir wurden aber doch dar⸗
auf aufmerksam gemacht, daß diese Mission noch immer sehr
erfreuliche Erfolge erfährt. Fast überall sind die Schulen über⸗
füllt, und es gebricht an Raum. Die lutherischen Neger be⸗
weisen großen Ernst und viel Treue. Eine kleine lutherische
Negergemeinde in Little Rock, die seit fünfzehn Jahren keinen
Pastor gehabt hat und nur ganz notdürftig von dem Pastor

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