Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 10, Nummer 24-25 › Seite 196
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1854-07-29, Seite 196
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Katechismus 3
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Ich gebe daher, was ich aus andern glaubwürdigen Nachrichten habe. Ihre Gemeindeverfassung schien so ziemlich die unsere gewesen zu sein. Aus der Gemeinde wählten sie eine Anzahl der frömmsten und erfahrendsten Männer zu Vorstehern, mit welchen der Pastor die Gemeinde regierte. Ueber ihren Wandel herrscht nur Eine Stimme. So rühmt unter andern der bekannte Mitbegründer der Methodistengemeinschaft, George Whitefield, der sie besuchte, wie arbeitsam sie seien, welche innige brüderliche Liebe sie untereinander verbände, welche heilsamen kirchlichen Einrichtungen unter ihnen bestünden, wie sie alle vorkommenden Mishelligkeiten durch den Prediger und seine Vorsteher unter sich selbst ausglichen, und wie sich namentlich der Pastor Boltzius mit bewunderungswürdigem Eifer der Erziehung der Jugend annähme. Ein Beweis, wie sehr sie durch ihren lauteren Christenwandel auch bei den Gliedern anderer Confessionen in Achtung standen, ist der Eifer, mit welchem ihnen der genannte Whitefield zur Errichtung eines Waisenhauses in Ebenezer verhalf, mit welchem dann später eine Erziehungsanstalt und eine Pflanzschule für Prediger verbunden werden sollte. Nachdem dieser durch eigenhändige und mit vielfacher Aufopferung veranstaltete Sammlungen in England und Amerika endlich eine namhafte Summe beisammen hatte, kaufte er zu diesem Zwecke 500 Acres unbebautes Land und legte 1740 selbst den Grundstein, wobei er dem Hause den Namen „Bethesda“ gab. Diese nach und nach so mühsam erweiterte Anstalt hat jedoch zum Theil sehr traurige Schicksale gehabt. Schon 2 Jahre nach seiner Einweihung war es in Gefahr, sammt der ganzen Provinz in die Hände der feindseligen Spanier zu fallen und im Amerikanischen Befreiungskriege wurde sie größtentheils zerstört.
Doch es fehlte den neuen Ansiedlern auch nicht an Haß und mancherlei Verfolgung, deren gänzliches Ausbleiben uns wegen ihrer Bekenntnistreue oder ihres Wandels ja mit Bedenken erfüllen müßte. Unter anderem verdienten sie sich bei manchen Ansiedlern gar schlechten Dank damit, daß sie, um keinerlei Versuchung zum Trunke zu haben, von vornherein standhaft jegliche Einfuhr des Branntweins an ihren Orten verweigerten, ungeachtet die guten Folgen ihrer Standhaftigkeit mit Händen zu greifen waren, ungeachtet nach dem Berichte eines Gliedes des obenerwähnten königl. Directoriums, an denjenigen Gegenden in Georgien, in welchen die Einfuhr des Branntweins erlaubt war, weit wenige Gesundheit und körperliche Kraft im Allgemeinen zu finden war. Noch mehr Haß zogen sie sich dadurch zu, daß sie sich standhaft und eifrig der wider den ursprünglichen Willen Oglethorpes später und allmählig begonnenen Einführung der Sclaverei in Georgien widersetzten und [unleserlich] durch die That bewiesen, daß auch in [unleserlich] Himmelsstrichen die Europäer unter jenen he[unleserlich] mit der Bebauung des Landes ohne Neger zurecht kommen könnten. Sie protestirten am längsten dagegen und selbst dann ließen sich noch nicht alle beruhigen, als man ihnen die Versicherung gab, daß die Negersclaven als Christen erzogen und behandelt werden sollten. Erst als ihnen ein begehrtes Gutachten von Deutschland aus erklärte: „Wenn ihr Sclaven nehmet im Glauben und in der Absicht, sie zu Christo zu führen, so wird diese Handlung keine Sünde sein, sondern sie mag euch Segen bringen“ — hörten die bisher noch mit Gewissensbedenken Erfüllten auf, gegen den Strom zu schwimmen.
Diese erste salzburgische Ansiedlung in Georgien erhielt jedoch in den nachfolgenden Jahren einen Zuwachs um den andern von ihren Glaubens- und Leidensgenossen, derjenigen Lutheraner aus andern deutschen Gegenden nicht zu gedenken, welche sich hernach gleichfalls unter ihnen niederließen. Unter der Anführung des Freiherrn von Reck, der zu ihnen gehörte, sich um ihre Ansiedlung große Verdienste erwarb und ihre Einrichtungen in Urlspergers „Reisediarium“ näher beschrieben hat, kamen in den Jahren 1735, 1736 und 1741 noch drei andere Züge Salzburger in Georgien an. Von den Ersteren ist einmal in Nro. 14. p. 55 des 3. Jahrgangs dieser Zeitschrift ein schöner Zug mitgetheilt worden, worüber der Leser nachschlagen wolle. Von den Letzteren aber sei hier noch erwähnt, daß ihrer 50 durch Stuttgard zogen, wo ihnen in einer ungemein volkreichen Versammlung von dem durch seine Erbauungsschriften bekannten M. Conrad Rieger eine Abschiedspredigt gehalten wurde. Es war gerade der dritte Sonntag nach Trinitatis. Auf Grund des schönen Evangeliums vom verlornen Schaf und Groschen suchte derselbe „in einer gemeinen, vertraulichen Unterredung“ seinen Zuhörern allen, „doch insonderheit auch diesen dahingehenden Pilgrimen etwas zum gesegneten Andenken mitzugeben u. zu hinterlassen“ 1. von Jesu u. 2. von der Zuhörer Seelen. Und nachdem er dies in seiner originellen, zu Herzen dringenden Weise gethan hatte, so wandte er sich zum Schlusse noch einmal an die anwesenden Salzburger insonderheit und sprach: „Nehmet mit nach Georgien, was ich euch von euerer Seele mitgegeben habe. Der HErr Jesus ist euer rechter Commissarius, der empfängt euch in seine Aufsicht, Hut, Pflege und Rechnung. Er sagt: alle Seelen sind mein, Ezech. 18, 4. Ihr seid ihm alle gleich lieb, Er will euch alle wohlbewahren zur Seligkeit. Ach! bewahret denn auch ihr mit schuldiger Treue und Sorgfalt dieses unschätzbare Kleinod! Was hülfe es euch, wenn euer Leib gesund nach Ebenezer käme und euere Seelen nähmen Schaden? Was hülfe es euch, wenn ihr ein bischen Gut hineinbrächtet und verlöret eure Seelen? Nichts! Ihr macht die halbe Zahl aus derer die im Evangelio gezählt worden. Ihr werdet auf fünfzig Köpfe gerechnet. Ach! der HErr lasse euch doch alle gutartige Schäflein sein: aber bewahret euch auch, daß nicht ein einziges von eurer Zahl verloren werde! O schönes Häuflein, wenn fünfzig wahrhaftig bekehrte Leute zu jener größeren Heerde stießen! Ach bringet doch nichts von den Sünden u. Unarten über das Meer in die neue Welt! Reiniget euch unterwegs recht aus, und waschet euch als Lämmlein, die erst aus der Schwemme kommen. Kein räudiges müsse unter euch sein und die dortigen Guten anstecken: wohl aber müsse man an euch viel Erbauliches zur Ehre Jesu Christi und seiner Kirche wahrnehmen. Wandelt also würdiglich dem Evangelio unseres HErrn Jesu Christi und wisset, daß ihr Leute seid, auf welche viel tausend Augen gerichtet sind. Eure Untreue, Kaltsinnigkeit, Heuchelei würde ein größeres Aergernis geben, als von andern; es würde doppelt schändlich sein, wenn ihr unsere gute Hoffnung betröget und unsere jetzigen Segenswünsche in Seufzer verwandeltet. Lasset euch absonderlich auch eure dortigen zwei Lehrer befohlen sein. Sie sind Hirten nach dem Herzen Jesu und weiden die Heerde, die ihnen befohlen ist, mit aller Treue und Liebe. Erkennet sie in dem HErrn; habet Herz und gut Vertrauen zu ihnen, folget ihrer Stimme und erfreuet sie mit eurem Gehorsam unter ihrem beschwerlichen Amt. Endlich betet für uns, wir wollen für euch beten. Und so befehle ich euch Gott und dem Worte seiner Gnade, der da mächtig ist, euch zu stärken, und zu geben das Erbe mit allen denen, die geheiliget werden durch den Namen des HErrn Jesu!“ —
Damit will ich denn auch diese Erzählung beschließen. Fragst du aber l. Leser nach den Nachkommen dieser wackeren Kämpfer für das Kleinod der reinen Lehre, deren Geschichte du gewiß nicht ohne Beschämung und Ermunterung gelesen hast: so magst du wohl ihrer Nachkommen nach dem Fleisch in der alten und neuen Welt noch genug finden, vergeblich aber wirst du bei Vielen derselben noch der Väter Lehre, Geist, Glauben, Treue und Gottesfurcht suchen. Ach, die reine Lehre und deren herrliche Frucht kann wohl als ein Erbe auf die Kinder übergehen; sie läßt sich aber nicht wie Haus und Hof in einem Testament vermachen, sondern es gehören Nachkommen dazu, die bei dem Abschied ihrer gläubigen Eltern mit Elisa bitten und flehen können, daß ihr Geist zwiefältig bei ihnen sei (2 Kön. 29,). Weil nun das je länger, je mehr die Nachkommen unserer Salzbur- vergaßen — wie das leider gewöhnlich so geht — so verloren sie das Erbe der Väter und wurden drüben ein Theil von der falschen Union und hier ein Theil von den Secten oder einem falschen Lutherthum verschlungen. Ein warnender Wink das für uns und unsre Kinder, welche Gott aus unverdienter Gnade und Barmherzigkeit gewürdigt hat, an seiner rechtgläubigen Kirche in der neuen Welt fortzubauen, zu der einst hauptsächlich jene Salzburger in Georgien den Grund legen durften. Möge darum der Gedanke an diese ihre Nachkommen, uns abermals an unsre beiden Predigerseminare erinnern, auf daß wir uns das Bestehen, Gedeihen und Zunehmen derselben doch einmal zu einer allgemeinen Herzenssache machen; denn
English translation AI translation
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I give, therefore, what I have from other trustworthy accounts. Their congregational constitution seems to have been pretty much like ours. From the congregation they chose a number of the most pious and experienced men as elders, with whom the pastor governed the congregation. About their conduct there is only One voice. Thus, among others, the well-known co-founder of the Methodist fellowship, George Whitefield, who visited them, praises how industrious they were, what hearty brotherly love bound them to one another, what wholesome church arrangements existed among them, how they settled among themselves all occurring misunderstandings through the preacher and his elders, and how especially Pastor Boltzius, with admirable zeal, devoted himself to the education of the youth. A proof of how highly they were esteemed, through their pure Christian conduct, also among members of other confessions, is the zeal with which the said Whitefield helped them to the erection of an orphanage at Ebenezer, with which a school of education and a nursery for preachers were afterward to be connected. After he had at last, through collections made with his own hand and with manifold self-sacrifice in England and America, brought together a considerable sum, he bought for this purpose 500 acres of uncultivated land and in 1740 himself laid the cornerstone, whereby he gave the house the name "Bethesda." This institution, enlarged so laboriously little by little, has nevertheless in part had very sad fortunes. Already 2 years after its dedication it was in danger, together with the whole province, of falling into the hands of the hostile Spaniards, and in the American War of Independence it was for the most part destroyed.
But the new settlers also did not lack hatred and manifold persecution, the complete absence of which would, on account of their fidelity to the Confession or their conduct, have to fill us with misgivings. Among other things they earned very bad thanks from many settlers by the fact that, in order to have no temptation to drunkenness, they steadfastly refused from the outset any importation of brandy in their places, although the good results of their steadfastness were palpable, although, according to the report of a member of the above-mentioned royal board of directors, in those parts of Georgia in which the importation of brandy was permitted, far less health and bodily strength were generally to be found. Still more hatred they drew upon themselves by steadfastly and zealously opposing the introduction of slavery in Georgia, begun later and gradually against Oglethorpe's original will, and [illegible] proving by the deed that even in [illegible] climates the Europeans among those he[illegible] could get on well with the cultivation of the land without Negroes. They protested longest against it, and even then not all let themselves be quieted when the assurance was given them that the Negro slaves should be brought up and treated as Christians. Only when a requested opinion from Germany declared to them: "If you take slaves in faith and with the intention of leading them to Christ, this act will be no sin, but it may bring you a blessing" — did those who until then were still filled with scruples of conscience cease to swim against the stream.
This first Salzburg settlement in Georgia received, however, in the following years one increase after another from their fellow believers and fellow sufferers, not to mention those Lutherans from other German regions who afterward likewise settled among them. Under the leadership of Baron von Reck, who belonged to them, who acquired great merit for their settlement and has described their arrangements more closely in Urlsperger's "Reisediarium," there arrived in the years 1735, 1736 and 1741 three more companies of Salzburgers in Georgia. Of the first of these a fine account was once communicated in Nro. 14, p. 55 of the 3rd volume of this periodical, to which the reader may refer. Of the last, however, let it be mentioned here that 50 of them passed through Stuttgart, where in an uncommonly numerous assembly a farewell sermon was preached to them by M. Conrad Rieger, known by his devotional writings. It was just the third Sunday after Trinity. On the ground of the beautiful Gospel of the lost sheep and the piece of silver, he sought "in a common, familiar discourse" to give and leave to all his hearers, "but especially also to these departing pilgrims something for a blessed remembrance" 1. of Jesus and 2. of the hearers' souls. And after he had done this in his original manner, which goes to the heart, he turned at the close once more to the Salzburgers present in particular and said: "Take with you to Georgia what I have given you concerning your soul. The LORD Jesus is your rightful Commissary, who receives you into His oversight, keeping, care and account. He says: all souls are mine, Ezek. 18, 4. You are all equally dear to Him, He will keep you all safe unto salvation. Ah! keep, then, you also with due faithfulness and care this priceless jewel! What would it profit you if your body came sound to Ebenezer and your souls took harm? What would it profit you if you brought in a little property and lost your souls? Nothing! You make up the half of the number of those that are counted in the Gospel. You are reckoned at fifty heads. Ah! may the LORD make you all good-natured little sheep: but keep yourselves also, that not a single one of your number be lost! O beautiful little flock, if fifty truly converted people joined that larger flock! Ah, bring nothing of the sins and bad habits over the sea into the new world! Cleanse yourselves thoroughly on the way, and wash yourselves as lambs that have just come out of the sheep-wash. Let no scabby one be among you and infect the good ones there: but let much that is edifying be seen in you to the honor of Jesus Christ and His Church. Walk therefore worthy of the Gospel of our LORD Jesus Christ and know that you are people on whom many thousand eyes are fixed. Your unfaithfulness, coldness, hypocrisy would give greater offense than that of others; it would be doubly shameful if you deceived our good hope and turned our present blessings into sighs. Let your two teachers there be especially commended to you. They are shepherds after the heart of Jesus and feed the flock that is committed to them with all faithfulness and love. Acknowledge them in the LORD; have heart and good confidence toward them, follow their voice and gladden them with your obedience under their burdensome office. Finally pray for us, we will pray for you. And so I commend you to God and to the word of His grace, who is able to strengthen you and to give you the inheritance among all them which are sanctified through the name of the LORD Jesus!" —
With this I will also conclude this narrative. But if you ask, dear reader, after the descendants of these brave fighters for the jewel of pure doctrine, whose history you have surely read not without shame and encouragement: you may well find enough of their descendants according to the flesh in the old and new world, but in vain will you seek in many of them the doctrine, spirit, faith, fidelity and fear of God of the fathers. Ah, pure doctrine and its glorious fruit can indeed pass as an inheritance to the children; but it cannot be bequeathed in a testament like house and farm, but descendants are needed who at the departure of their believing parents can pray and beseech with Elisha that their spirit may be doubled upon them (2 Kings 29,). Since now the descendants of our Salzbur- forgot it more and more — as, alas, it commonly goes — they lost the inheritance of the fathers and over there became partly a prey of the false Union, and here partly of the sects or of a false Lutheranism. A warning sign that is for us and our children, whom God from undeserved grace and mercy has deemed worthy to continue building on His orthodox Church in the new world, to which those Salzburgers in Georgia were once chiefly permitted to lay the foundation. May therefore the thought of these their descendants remind us once again of our two preachers' seminaries, that we may make their existence, prosperity and growth once for all a matter of the heart for all of us; for