Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 69, Nummer 2 › Seite 20

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 21. Januar 1913, Seite 20

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SDer V„utheranev

Man hat uns sogenannten Missouriern je und je vorge—
worfen, daß wir aus unsern toten und auch lebenden öffent—
lichen Lehrern zu viel machten. Wir setzten ihre Autorität an
die Stelle der Heiligen Schrift. Dem ist nicht also. Wir be—
halten durch Gottes Gnade im Auge, daß auch unsere begab—
testen Lehrer für ihre Person fehlbare Menschen sind, und
daß wir auch in bezug auf sie die uns von Gott auferlegte
Pflicht haben, alles, was sie reden und schreiben, nach Gottes
Wort zu prüfen, ob sich's also halte. Noch mehr: wenn wir
diese Prüfung vollziehen, so finden wir, daß auch sie — Walther
eingeschlossen — in einzelnen Beweisführungen und gelegent—
lichen Bemerkungen es nicht in jedem Wort getroffen haben.
„Wer auch in keinem Worte fehlet, der ist ein vollkommener
Mann.“ Anch in keinem Worte zu fehlen, ist auf eine kleine
Klasse von Menschen in der Kirche beschränkt, auf die heiligen
Apostel nach Pfingsten und die Schreiber der Heiligen Schrift.
Alle andern Lehrer der Kirche sind rechte Lehrer, weil und inso—
fern sie das Wort der Schrift lehren und, wo sie einmal eigene
Gedanken haben, diese fahren lassen und zum Wort der Schrift
zurückkehren. Wir sind, wie Luther es ausdrückt, rechte Lehrer,
insofern wir der Apostel Schüler und der Propheten Kinder
sind, die keine eigene, sondern der Apostel und Propheten Lehre
vortragen. So dürfen wir auch von uns und unsern Vätern
sagen: Wir sind rechte Lehrer, weil wir durch Gottes Gnade
bei Gottes Wort in allen Artikeln der christlichen Lehre blei—
ben. Vor nun 26 Jahren, etwa um diese Zeit des Jahres,
saß ich am Krankenbette D. Walthers. Wir besprachen, was
unser Herz vornehmlich erfüllte, unsern Kampf um die Lehre
von der Bekehrung und Gnadenwahl. Da gebrauchte Wal—
ther etwa diese Worte: „Sie wissen, der Streit war hart,
sehr hart. Wir haben viel Widerspruch erfahren. Aber ich
konnte nicht anders. Wenn der SErr Christus mich am Jüng—
sten Tage fragt, warum ich also lehrte, werde ich antwor—
ten: Du, HErr Christe, mit deinem klaren Wort hast mich
gelehrt und verführt.“ — Das sind die Lehrgaben, die Gott
uns in unsern heimgegangenen Vätern und Brüdern verliehen
hat. Dafür sagen wir Gott Dank, innigen Dank! Wer sind
wir, daß uns Gott also in Gnaden bedacht hat?

Wie wird's aber in Zukunft werden? Wird Gott
uns seine Gaben entziehen? Verdient hätten wir es wohl mit
unserer vielfachen Undantbarkeit. Aber wir demütigen
uns vor Gott und fliehen zu seiner Gnade. Und Gott hat
noch nie den demütigen, zerschlagenen und zerbrochenen Herzen
eine Bitte versagt. Zudem: es handelt sich ja um die Kirche.
Die Kirche steht unserm Heilande gar nahe. Sie ist ja sein
Leib, sein eigener geistlicher Leib. Er kann ihr alles geben,
was sie bedarf, denn er hat alles im Himmel und auf Erden
in seiner Hand. Und er will ihr alles geben, denn er ist
seines Leibes Heiland. Darum bitten wir mit der Zuversicht
der Erhörung:

Ach, bleib mit deiner Gnade
Bei uns, HErr JIEsu Christ,

Daß uns hinfort nicht schade

Des bösen Feindes List.

Ach, bleib mit deiner Treue
Bei uns, mein HErr und Gott!
Beständigkeit verleihe;

Hilf uns aus aller Not!

Amen.

Betrachtungen über 1 Petr. 4, 8—11.

.

An dem uns so nahen Ende aller Dinge — wer ist es, der
uns da richten und über unser ewiges Geschick entscheiden wird?
Gott, Gott allein.

Darum muß die allererste, die allervornehmste Sorge
unsers ganzen Lebens die sein, daß wir uns recht gegen Gott
verhalten.

Wie wir uns recht gegen Gott verhalten sollen, das zeigt
uns St. Petrus mit den Worten: „Auf daß in allen
Dingen Gott gepreiset werde durch JEsum
Christum, welchem sei Ehre und Gewalt von
Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen.“

Wir sollen Gott preisen durch JEsum Christum.

Durch JEsum Christum hat Goͤtt uns verlorne und ver—
dammte Sünder erlöst, errettet, uns das Heil gegeben und gibt
uns das täglich und will uns die Fülle desselben geben am
Ende aller Dinge. In JEésu Christo ist Gott uns ein gnädiger
Gott und läßt iims sein Angesicht freundlich leuchten. In JEjn
Christo erkennen wir Gott mit seliger und seligmachender Er—
kenntnis. So sollen wir denn allewege IEsum Christum an—
schauen und — daß ich so sage — durch ihn hindurch Gott
preisen. Das ist der Glaube, der rechte seligmachende Glaube,
der Gott so preist durch IEsum Christum. Wie kann ein Fun—
ken Glaube in dir sein, ohne daß du Gott preisest durch IEsum
Christum?

In allen Dingen sollen wir Gott preisen durch IEsum
Christum.

In all unserm Werk, Tun und Verhalten, durch all unser
Werk, Tun und Verhalten sollen wir Gott preisen durch IEsum
Christun. Der Preis Gottes durch IJEsum Christum, der in
unserm Herzen ist, soll sich nicht allein in unserm Munde, son—
dern auch in unserm ganzen Werk, Tun und Verhalten zeigen.
All unser Werk, Tun und Verhalten soll dahin gerichtet sein,
daß Gott gepriesen werde durch IEsum Christum. Wes das
Herz voll ist, des geht nicht allein der Mund über, sondern das
bestimmt auch alles Werk, Tun und Verhalten.

Wenn du ein Amt in der Gemeinde Gottes hast, so richte
es aus mit Preis Gottes; und daß in der Gemeinde Gottes
Gott gepriesen werde durch IEsum Christum, dies sei dein
Begehr, dein Ziel, das du dir steckst.

Wenn dumit deinem Nächsten, zu deinem Nächsten von
Gott, Gottes Wort redest, so tu das mit Preis Gottes in dei—
nem Herzen, und daß Gott auch von deinem Nächsten gepriesen
werde durch IEsum Christum.

Wenn du deinem Nächsten dienst mit der Gabe, die du
empfangen hast, so tu das als ein guter Haushalter der Gnade
Gottes: preise Gott für seine Gnade und tu allen Dienst in der
Weise und Absicht, daß auch dein Nächster, dem dir dienst, Gott
preise durch IEsum Christum.

Wenn du gastfrei deinen Nächsten beherbergst, so tu das
mit Preis gegen Gott durch JEsum Christum, der dich so gnä—
dig aufgenommen und dir eine ewige Wohnung bereitet hat,
und habe dabei das Ziel, daß auch dein Nächster in solcher Er—
fahrung deiner Christenliebe Gott preise durch IEsum Christum.

All deine brünstige Liebe zu deinem Nächsten sei nichts
anderes als ein Gott durch IEsum Christum preisender Ab—

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