Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 69, Nummer 2 › Seite 22
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 21. Januar 1913, Seite 22
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S Ner BLutheranes
im Gebirge vergißt dieses und denkt: Der Vater der Ströme
bedarf meiner nicht. Wenn so alle unsere Synodaldistrikte, alle
unsere Gemeinden, alle unsere einzelnen Christen, ein jeder nach
dem Vermögen, das Gott darreicht, regelmäßig obige Kassen
bedenken, dann werden diese Gaben, wenn sie schließlich in
St. Louis zusammenfließen, wie ein breiter, mächtiger Strom
die Kasse unsers Allgemeinen Kassierers füllen, so daß er stets
nach Bedarf austeilen kann. Laßt uns also alle vom Missis—
sippi eine Lektion lernen, vor allen Dingen aber beherzigen, was
der heilige Apostel Paulus uns 2 Kor. 9, 6—8 sagt: „Ich
meine aber das: Wer da kärglich säet, der wird auch kärglich
ernten; und wer da säet im Segen, der wird auch ernten im
Segen. Ein jeglicher nach seiner Willkür, nicht mit Unwillen
oder aus Zwang; denn einen fröhlichen Geber hat Gott lieb.
Gott aber kann machen, daß allerlei Gnade unter euch reichlich
sei, daß ihr in allen Dingen volle Genüge habet und reich seid
zu allerlei guten Werken.“ F. Pfotenhaner.
—
Eine Bitte.
Lieber Lutheraner!
Erlaube mir, Dir eine Bitte vorzutragen. Es werden im
Kreis unserer Synode mehrere wöchentliche Zeitungen gelesen,
in denen ein echt christlicher Geist herrscht und die deshalb zu
empfehlen sind. In diesen Zeitungen erscheinen regelmäßig
Zuschriften von Lesern, die allerlei Nachrichten bringen, poli—
tische, ökonomische, gesellschaftliche und auch kirchliche. Nun
möchte ich Dich bitten, jene Einsender aufzufordern, ihre kirch—
lichen Nachrichten auch Dir zukommen zu lassen, damit sie auch
Deinen Lesern bekannt werden. Wenn zum Beispiel in
St. Marys, Md., wo zuerst unter englischen Kolonisten das
römisch⸗katholische Kreuz in unserm Lande aufgerichtet wurde,
nach fast dreihundert Jahren eine lutherische Gemeinde ge—
gründet wird, so ist das etwas, was Du auch bekannt machen
solltest. Oder wenn in Virginia eine Schar fremdsprachiger
Lutheraner sich zum erstenmal zu einer lutherischen Abend—
mahlsfeier versammelt, so möchten Deine Leser auch davon
Nachricht bekommen. Oder wenn in Chicago ein Verein, der
die Pflege unsers ersten Lehrerseminars sich besonders ange—
legen sein läßt, eine wichtige Versammlung hält, dann sollten
Deine Leser auch die Freude haben, davon zu hören.
Sodann möchte ich Dich bitten, kompetente Leute zu er⸗
suchen, Deine Leser über die Lehranstalten unserer Synode
auf dem laufenden zu halten. Ich meine nicht, daß sie Dir
immer wieder schreiben sollen, daß im Seminar oder College
um fünf oder sechs Uhr aufgestanden und um zwölf Uhr zu
Mittag gegessen wird, noch viel weniger, daß die Schüler dieser
oder jener Anstalt einen auswärtigen Verein im Ballspiel ge—
schlagen haben oder als Sänger und Musikanten in einem Kon⸗
zert aufgetreten sind. Es gibt viele andere Angelegenheiten
unserer Anstalten, über die wir Synodalglieder von Zeit zu
Zeit Nachricht haben möchten. Ich will nur eine namhaft
machen: den Geldpunkt. Schon seit einiger Zeit läßt Du den
Kassierer der Allgemeinen Synode uns sagen, daß die Synodal⸗
kasse Schulden hat. Woher kommt diese nie endenwollende
Schuld? Sind wir Synodalglieder zu arm, um sie zu bezahlen,
oder fehlt es uns an Interesse für die Synodalkasse? Ohne
Zweifel ist letzteres der Fall. Der Mangel an Interesse hat
aber nach meiner Meinung darin seinen Grund, daß uns nicht
genug gesagt wird über das, was aus der Synodalkasse be—
stritten werden muß. Abgesehen von dem Gehalt des Präses
und den Kosten einiger Reisen, die im Dienst der Synode ge—
macht werden, wird das Geld der Synodalkassen zur Erhaltung
der achtzig Anstaltsprofessoren und zur Ausführung der nötigen
Reparaturen an den Gebäuden der Synode verwandt. Von
letzterem sagst du uns nur selten etwas. Wenn Du uns das
eine Mal sagtest: In X. mußten diese und jene Reparaturen
gemacht werden; in Y. war dieses oder jenes abgenutzt, und
man war gezwungen, es durch ein neues zu ersetzen, und das
kostete hier so viel und dort so viel — wenn Du uns so etwas
erzählen ließest, dann wäre für uns die Geldnot nicht ein Bild,
das uns kalt läßt, sondern ein leidender Körper, dessen Anblick
unser Pflichtgefühl erwecken würde.
In alter Liebe
Ein „Lutheraner“⸗Leser.
Anmerkung der Redaktion. Der geehrte Ein⸗
sender, der schon mehr zu den Vätern der Synode gehört und
es mit der Synode und ihrem Werk wohl meint, hat ganz recht,
und sein Brief gibt uns Veranlassung zu sagen, was wir schon
länger haben sagen wollen. Es ist uns auch schon passiert, daß
wir Vorkommnisse in unsern eigenen Kreisen erst aus andern
Blättern erfuhren. Wir bitten deswegen um Zusendung von
Neuigkeiten, die von allgemeinem Interesse sind. Wir meinen
natürlich nicht überraschungsgeschichten und Geburtstagsfeiern.
Auch können wir nicht berichten über Taufen, Todesfälle usw.
innerhalb der Gemeinden; dazu ist der Kreis der Synode zu
groß und der Raum des „Lutheraner“ zu beschränkt. Aber Er—
eignisse, von denen man meint, die sollte die Kirche erfahren,
die sollte man an den „Lutheraner“ melden. Allermeist bitten
wir hiermit alle unsere Lehrerkollegien, dafür zu sorgen, daß
der „Lutheraner“ von ihren Anstalten die nötigen Nachrichten
bekommt. Auch unsere Reiseprediger und Missionare berichten
nie zu viel. Selbstverständlich unterliegen alle Einsendungen
dem Urteil der Redaktion, die für das Blatt verantwortlich ist.
Auch bittet der Unterzeichnete um Zusendung sämtlicher Ge—
meinde⸗ und Distriktsblätter, die im Kreise der Synode er—
scheinen. E. P.
——
Zur kirchlichen Chronik.
Die Konferenz unserer Missionare in Indien spricht ihren
herzlichen Dank aus für das nun gesicherte Bergheim. Der Vor⸗
schlag und die Bitte, ein solches Bergheim herzurichten, fand be—
geisterte Aufnahme. Es wurde angegeben, daß ein solches Heim
etwa §10,000 kosten würde, und es dauerte gar nicht lange, da
war ein ganz Teil mehr als die §10,000 da. Die Missionare
freuen sich über ihr Bergheim, aber, wenn es möglich ist, noch
mehr über die Gesinnung der Christen, die in dieser Bereitwillig⸗
keit zum Ausdruck kann. Sie sehen, daß ihre Glaubensgenossen
sie in der Ferne nicht vergessen, daß sie nicht wollen, daß ihre
Missionare im fernen Heidenlande unnötige Leiden und Be⸗
schwerden tragen. Dieselbe Liebe unserer Christen wird auch
dafür sorgen, daß immerfort und immer mehr Geld in die Mis⸗
sionskasse fließe, aus der unsere Missionare, die wir ausgesandt
haben, und die in unserm Namen an den Heiden arbeiten, er—
halten werden. ö E. P.
Auf Cuba und den benachbarten Inseln wird ja seit einem
Jahre von P. C. R. Ortel gearbeitet. Dieser Tage sandte er uns
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