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Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 21. Januar 1913, Seite 18

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S

offenbar Gottlose und Sündenknechte wie Christen zu behan—
deln und ohne Verhör und Zucht zum Sakrament zuzulassen.
Gegen beides, die Gleichgültigkeit in der Lehre und die unluthe⸗
rische Praxis, richtete sich P. Stöckhardt mit Wort und Schrift.
Dadurch kam er mit den höchsten kirchlichen Behörden in Kon—
flikt. Er wurde vom Amte suspendiert, und es wurde ihm
Anitsentsetzung in Aussicht gestellt. Sogar vor dem weltlichen
Gericht wurde er verklagt. „Charakteristisch genug für unsere
landeskirchlichen Zustände!“ rief damals sogar ein kirchliches
Blatt aus, das bis auf den heutigen Tag im Dienste der Lan—
deskirche steht. In derselben Zeit stand ein anderer Mann in
hohen kirchlichen Würden, den dasselbe Blatt so charakterisiert:
„Ein Leugner der Gottheit Christi, der die kirchliche Dreieinig—
keitslehre ein zusammengeschrumpftes Heidentum“, die luthe—
rische Abendmahlslehre materialistischen Aberglauben“, die im
Katechismus bezeugte Wirkung der Taufe „Zauberei nennt, die
Notwendigkeit einer Versöhnung durch Christi Blut entschieden
bestreitet und überhaupt die Stirn hat, es als das Ziel seiner
Wirksamkeit in Sachsen offen auszusprechen, daß mit dem alten
Christenglauben hier aufgeräumt und einer neuen Ausprä—
gung des Christentums‘ Raum geschafft werde.“

Inzwischen war P. Stöckhardt im Verkehr mit P. Ruh—
land in der Erkenntnis der Wahrheit weitergeführt worden und
erkannte, daß die kleine verachtete Freikirche und mit ihr die
Missourisynode eine echt lutherische Stellung einnehme in Lehre
und Praxis. Im Jahre 1876 trat er aus der Landeskirche
aus und trat mit einem bedeutenden Teil seiner Gemeinde zu
der Gemeinde P. Ruhlands über und amtierte mit diesem ge—
meinsam als Diakonus an der separierten St. Johannisge—
meinde in Planitz. Im Jahre 1878 kanmer dann nach Ame—
rika und wurde Pastor der Gemeinde zum Heiligen Kreuz in
St. Louis. Schon vom nächsten Jahre an übernahm er auf
Wunsch der Fakultät Vorlesungen über Exegese am Concordia—
Seminar. Im Jahre 1887 wurde er dann ordentlicher Pro—
fessor an genannter Anstalt und unterrichtete bis an sein
Lebensende in alt- und neutestamentlicher Exegese, einem Fach,
in dem er von seinen Universitätsjahren her mit besonderer
Vorliebe gearbeitet hatte und für das er besonders begabt und
befähigt war. An Büchern hat er in diesen Jahren heraus—
gegeben: Passionspredigten, Adventspredigten, Biblische Ge—
schichte des Alten Testaments, Biblische Geschichte des Neuen
Testaments, eine Auslegung des Propheten Jesaias, des Römer—
briefes, des Epheserbriefes und in allerletzter Zeit des ersten
Petribriefes. Im Jahre 1903 wurde ihm von der Fakultät
des norwegischen Lutherseminars die Würde eines Doktors der
Theologie verliehen.

Nachdem die Leiche seit Sonntag im Seminar aufgebahrt
gewesen war, wobei Studenten die Ehrenwache hielten, fand
dann am Montag die Beerdigung statt. In der Aula wurde
eine Leichenfeier abgehalten, bei der D. Pieper die Rede hielt
und Direktor Schaller vom Seminar der Wisconsinsynode und
Prof. Hove vom Seminar der Norwegischen Synode im Namen
ihrer Anstalten und Synoden ihre Teilnahme bezeugten. In
der Kirche hielt P. C. C. Schmidt die Leichenpredigt, woran
sich noch eine Rede des Allgemeinen Präses F. Pfotenhauer
anschloß. Der Entschlafene hinterläßt außer seiner trauern—
den Witwe, die ihm eine rechte Gehilfin war, noch zwei Söhne
und eine Schwester.

D. Stöckhardt war ein gottbegnadeter Theolog, mit natür—

lichen Gaben und den Gaben des Heiligen Geistes in hohem
Maße ausgerüstet. Er hatte einen scharfen Verstand, eine aus⸗

gezeichnete Kenntnis des göttlichen Wortes und der lutherischen

Lehre, einen Gedankenreichtum, und es stand ihm eine reiche,
edle Sprache zur Verfügung. Ein Hauptzug an ihm war sein
Eifer für die Reinheit der Lehre ohne Menschenfurcht und Men⸗
schengefälligkeit. Die Gesinnung beseelte ihn bis an sein Ende,
die er als junger Pastor schon den Feinden des reinen Wortes
zur Zeit der Verfolgung gegenüber aussprach: „Mag die
Sache, unter Gottes Zulassen, laufen und enden, wie sie wolle:
keine Macht der Erde soll uns, so Gott Gnade gibt, je hin⸗
dern, fort und fort über Landeskirche, Konsistorium geradeso
zu urteilen, zu zeugen und zu schreiben, wie wir es auf Grund
und nach Maßgabe des Wortes Gottes und des Bekenntnisses
bisher getan haben. Wollen sie die Bibel und die lutherischen
Synibole verdammen, so mögen sie es tun in ihres Gottes Na⸗
men; Gottes Wort, Gottes Sache zieht aus diesem Handel
gewiß nicht den kürzeren.“ So war er in den Lehrstreitig—
keiten, die ja leider der Kirche nicht erspart bleiben, ein Kämpfer
in den ersten Reihen, ein Rufer im Streit. Den hat Gott uns
jetzt genommen.
gar slerben, „Gottes Wort ist nicht gebunden“, 2 Tim. 2, 9.
Wir sind ja gewohnt, zum Vater im Himmel zu beten: „Dein
Reich komme!“ Und so bitten wir um so zuversichtlicher, als
wir ihm vorhalten: „Dein ist das Reich.“ Das Haupt der
Kirche sitzt zur Rechten Gottes; der muß seiner Kirche helfen,
sonst ist sie verloren; der wird ihr aber auch helfen, und dann
bleibt die Stadt Gottes fein lustig mit ihren Brünnlein. Dar—
um klang die ganze Leichenfeier darin aus:

Ach, bleib mit deiner Gnade

Bei uns, HErr JéEsu Christ!

Ach, bleib mit deinem Worte

Bei uns, du wertes Licht!

Ach, bleib mit deiner Treue
Bei uns, mein HErr und Gott!

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——— —

+ Prof. D. G. Stöckhardt.
Gedächtnisrede, gehalten in der Aula des theologischen Seminars
von F. Pieper.

In Christo herzlich geliebte Trauerversammlung, insonder—
heit geehrte Kollegen und teure Studenten der Con—
cordia!

Die Heilige Schrift, in der Gott selbst zu uns redet, offen⸗—
bart uns Gottes Herz. Sie offenbart uns insonderheit, wie

Gottes Herz zu uns steht in aller Not, die uns getroffen hat 4

und noch trifft. Wie ist doch Gott so um unser Heil und Wohl—
ergehen besorgt! Der große Gott geht sozusagen ganz auf in
der Sorge für unser Heil. Weil kein Mensch Gott versöhnen
konnte, so hat er selbst die Versöhnung in seine Hand genom—
men. Er hat uns mit sich selber versöhnt durch den Tod sei—
nes Sohnes. Sodann hat er uns das Wort von der geschehe—

nen Versöhnung, das Evangelium, gegeben, wodurch er sich

eine Kirche, eine Christenheit, auf Erden sammelt. Alle Chri—
sten sind weise, geistlich verständige Leute. Sie sind allesamt
von Gott gelehrt. Sie kennen Christum, ihren Heiland, und
verkündigen die Tugenden des,
Finsternis zu seinem wunderbaren Licht. Aber noch mehr!

Aber wenn auch Lehrer gebunden werden und

der sie berufen hat von der E

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