Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 69, Nummer 2 › Seite 23
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 21. Januar 1913, Seite 23
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Staatsſchule 2 · Gemeindeſchule
des Gebäudes:
8Der V„Tuthierantt
23
seinen Jahresbericht über seine zwei kleinen Gemeinden, die er diesem übergang ist der Waschraum untergebracht. Das Wirt⸗
gegründet hat, und über seine drei Predigtplätze. Dazu schreibt
er in einem Privatbriese: „Es sind kleine Zahlen, die nichts er—
zählen von den Hindernissen, die zu überwältigen waren, von der
Mühe und Arbeit, von den vielen Fahrten, von den Stunden, da
das Herz schwach wurde in der Einsamkeit des Pionierlebens. Da
ich nun auf ein Jahr meiner Arbeit zurücksehe, kann ich nicht
anders, als Gottes unverdiente Gnade und Güte rühmen. Er
hat mich Schwachen getragen und gehoben. Er hat wieder neue
Lust gegeben. Er hat mich vor allem manchen herrlichen Erfolg
an den Seelen sehen lassen. Mit den allerersten Zeiten ver—
glichen, da ich im Freien predigte oder in unserm Renthaus, sind
wir vorangekommen. Jetzt haben wir zwei Gemeinden hier.
Zuzug ist beständig im Gang. Die Zeit naht, wo wir mit Schule
in Santa Barbara beginnen können. Soweit Menschenaugen
sehen können, ist Santa Fe der beste Platz. Aber uns fehlt ein
eigenes Lokal, das wir ohne Hilfe unserer Brüder in den Ver-—
einigten Staaten nicht bauen können. Wir sind in Santa Fe
ganz von den Methodisten abhängig, die uns ihre Kirche alle
bierzehn Tage von 9 bis 10 Uhr vormittags überlassen. Das ist
eine ungelegene Zeit und hat schon manchen von Gottesdienst⸗
besuch abgehalten.“ — P. Örtel verspricht, in nächster Zeit dem
„Lutheraner“ ausführlich über seine Mission Mitteilung machen
zu wollen. Das werden wir gewiß alle mit Interesse lesen.
E. P.
Das „Seminario Concordia“, das heißt, Concordia-Semi⸗
nar, das Prediger- und Lehrerseminar des Brasilianischen
Distrikts unserer Synode, wurde in Brasilien, in Porto Alegre,
am 29. September feierlich eingeweiht. Gesungen wurde bei der
Gelegenheit unten in Südamerika der Festgesang, der vor 62 Jah—
ren zur Einweihung unsers Concordia-Seminars in St. Louis
gedichtet und gesungen wurde. Weil das Werk in Brasilien unsere
Mission ist, und weil der da eingeweihte Bau zum großen Teil
mit den Gaben unserer Christen errichtet worden ist, so werden
unsere Leser auch gern sich das so wichtige und, wie wir hoffen,
segensreiche Gebäude etwas schildern lassen. In dem „Ev.-Luth.
Kirchenblatt für Südamerika“ finden wir folgende Beschreibung
„Das Hauptgebäude mißt 40450 Fuß. Die
Front ziert ein von gedrehten Säulen getragener Vorbau. Auf
demselben weht an Festtagen und nationalen Feiertagen eine
brasilianische Flagge, die auf Beschluß der Aufsichtsbehörde für
das Seminar angeschafft wurde. Durch die Haupttür gelangt
man in den Korridor, der das Gebäude der ganzen Länge nach
durchzieht. Der Haupttür zunächst befinden sich zu beiden Seiten
des Korridors zwei Lehrsäle, die sich mittels verschiebbarer Kor—
ridorwände in einen einzigen Saal verwandeln lassen, der 1840
Fuß mißt und besonders auch mit Rücksicht auf unsern Jugend—
verein, dem ja die ganze Schülerschaft unsers Seminars ange—
hört, geplant wurde. Es folgt links das Bibliothekszimmer, in
welchem auch die Druckerpresse nebst Zubehör untergebracht ist,
und dahinter der Speisesaal. Auf der rechten Seite des Korridors
liegen an zweiter und dritter Stelle ein Kranken- und ein Frem—
denzimmer und dahinter noch ein Lehrsaal. Man sieht hieraus,
daß die Lehrsäle durch kleinere Zimmer voneinander getrennt sind,
so daß die Stimme der dozierenden Professoren nicht durch die
Holzwände hindurchschallt, was gegenseitige Störung verursachen
würde. Der gemeinsame Schlafsaal ist im ausgebauten Dach—
rauni untergebracht. Er ist sehr geräumig und genügend luftig.
In ihm werden unsere Schüler nach des Tages Last und Mühe
angenehm ausruhen und Kraft und Frische zu neuem Studium
sammeln können. Der Aufgang zu dem Schlafsaal befindet sich
zwischen dem Bibliothekszimmer und dem Korridor und ist breit
und beguem. Durch einen überdachten Gang ist das kleinere
Wirtschaftsgebäude mit dem Hauptgebäude verbunden. Neben
schaftsgebäude ist 22426 Fuß groß und enthält die Küche nebst
Vorratskammer und drei Wohnstuben für die Familie der Haus⸗
mutter und für ein Dienstmädchen. Es soll nicht unerwähnt
bleiben, daß unser Jugendverein durch eine Extrasammlung die
Kosten der elektrischen Lichtanlage in der Höhe von etwa 400 Mil⸗
reis (5220.00) bestritten hat. Darin ist die Arbeit nicht mit⸗
eingeschlossen; denn die wurde von unsern praktischen Professoren
selbst besorgt. Ferner haben unsere Studenten mehrere Wochen
hindurch bei der Fertigstellung des Gebäudes fleißig und geschickt
geholfen. So kommen insonderheit die schönen Verzierungen des
Gebäudes auf ihre Rechnung.“ — Unsere Brüder freuen sich, daß
ihre Lehranstalt nun ihre eigene Behausung hat. Wir vereinigen
uns mit ihnen in dem Wunsch und der Bitte zu Gott, daß er diese
Anstalt zu einer Stätte des Segens mache, daß da viele junge
Leute zum Amt in Kirche und Schule wohl ausgerüstet werden,
und daß Gott auch in Südamerika seinem Wort und Luthers Lehre
eine bleibende Stätte und einen gesegneten Lauf verleihen wolle.
E. P.
Indianer verbreiten das Evangelium unter den Heiden. Auf
der Versammlung christlicher junger Männer unter den Indianern,
die kürzlich in Flandreau, S. Dak., abgehalten wurde, wurde be—
schlossen, daß jene Vereinigung der Sioux-Indianer einen Ver⸗
einssekretär oder Agenten in Indien erhalten wolle. Das Bild,
das sich uns hier darbietet, wie die Söhne Sitting Bulls, Red
Clouds, American Horse, Spotted Tail usw. dasitzen und Gelder
unterschreiben, um den Heiden Indiens das Evangelium zu sen⸗
den, ist gewiß ein herrliches und bietet ein handgreifliches Bei—
spiel von den Erfolgen der evangelischen Missionare, die unter den
kriegliebenden Stämmen Amerikas arbeiten. „An ihren Früchten
sollt ihr sie erkennen.“ Dies zeigt auch den Wert der Mission!
(Aus „Der Indianerfreund“.)
Daß die Notwendigkeit der Gemeindeschule und die Unzu⸗
länglichkeit der Sonntagsschule auch von andern Leuten erkannt
wird, haben wir öfters bemerkt. Eben lesen wir in der „Refor⸗
mierten Kirchenzeitung“ folgendes: „Es ist schon lange nichts
meehr in der Kirchenzeitung‘ über Gemeindeschule geschrieben wor⸗
den. Es ist zu beklagen, daß sehr viele Protestanten in unserm
Lande die öffentliche Schule als ein Bollwerk gegen Rom ansehen.
Diese wollen nicht wissen, daß gerade die öffentliche Schule Rom
in die Hände arbeitet. Wo man versucht, die Bibel in die Schule
einzuführen, ist Rom flugs auf dem Sprunge, es zu verhindern,
und es erreicht seinen Zweck. Anderseits hütet sich Rom wohl,
seine Kinder der Staatsschule anzuvertrauen, weil sie darin gegen
die Religion gleichgültig werden würden; es errichtet überall
Kirchenschulen und zwingt seine Glieder, ihre Kinder dahinein
zu schicken. So erstarkt die römische Kirche und weiß, was sie
will, und hält die Gleichgültigkeit fern. Ganz anders sieht es
bei den Protestanten aus. Sie mögen wohl noch gegen Rom
und seine Menschensatzungen protestieren, allein es fehlt ihnen
der rechte Glaubensgrund. Sie haben niemals durch gründlichen
Unterricht die Heilstatsachen gelernut, und von dem, was die Re—
formatoren gelehrt und wie sie für die Wahrheit gestritten haben,
wissen sie nichts. So kommt es, daß man im protestantischen
Heerlager fast nichts mehr hat als eine verblaßte Moral. Man
will Moral, aber keine Lehre und im Grunde — auch keine Bibel,
kein Wort Gottes, und infolgedessen auch kein Bekenntnis. Man
predigt Moral über Moral, man sucht überall die Sitten zu heben
— und die Welt, die Kirche wird immer unmoralischer und sitten—
loser. Es braucht uns nicht zu wundern, daß in unsern Tagen
die Predigten ‚nicht mehr ziehen“, daß man allerhand Gaumen—
und Ohrenschmaus damit verbindet, um noch Zuhörer zu haben.
Und mit vielen Mitteln und Mittelchen muß inan die Kinder in
die Sonntagsschule locken, sonst kommen sie nicht! Habe deine
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