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Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 18. Februar 1913, Seite 53

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Und ich sahe einen Engel
liegen mitten durch den
Hinnuel, der hatte tin ewig

7 Evangelium, zu vrrkindigen
denen, die auf Erden sizen
„ und wohnen, und allen Hei-

den, und Geschlechtern, und
Sprachen, und älkern, und
sprach mit großer Stimme:
KLürchter Gott, und gebet
ihn die Chrt; denn die Zeit
seines Gerichts ist kommen,
und betel an den, der gemacht
hat Himmel, und und
AMeer, und die Wasser⸗
brunnen. Ossb. Joh. 14, 6. 7.

Berausgegeben von der Deutschen Evangelisch⸗Lutherischen Synode von Missouri, Ohio u. a. Staaten.
Redigiert von dem Lehrerkolleginm des theologischen Seminars in St. Lonis.

69. Jahrgang.

Hl. Louis, Mo., den 18. Februar 1913.

Nr. 4.

Ursache und Frucht des Leidens Christi.

Wir singen in dieser Zeit wieder solche Lieder wie: „IEsu,
deine Passion will ich jetzt bedenken“; denn wir leben wieder
in der Passionszeit, in der wir das Leiden und Sterben Christi
ganz besonders zum Gegenstand der Betrachtung machen. Da
erinnern wir uns sofort an die ernste Wahrheit, wie so viel
von dem ausgestreuten edlen Samen des göttlichen Wortes
vergeblich ausgestreut wird und keine Frucht bringt. Nun
wollen wir doch nicht solche vergebliche Hörer sein; und gerade
die Passionsgeschichte, die so ins Herz des Evangeliums hinein⸗
gehört, daß das ganze Evangelium kurzweg „das Wort vom
Kreuz“ genannt wird, wollen wir gern mit Nutzen und Segen
betrachten. Und dabei wissen wir: „Der natürliche Mensch
vernimmt nichts vom Geiste Gottes; es ist ihm eine Torheit
und kann es nicht erkennen“, 1 Kor. 2, 14. Und wieder gerade
„das Wort vom Kreuz ist eine Torheit denen, die verloren
werden“, 1 Kor. 1, 18. Gerade der gekreuzigte Christus ist
den Juden ein Argernis und den Griechen eine Torheit, V. 28.
Darum wenden wir uns bei unserer Passionsbetrachtung an
den gekreuzigten Heiland selbst und bitten: „Wollest mir vom
Himmelsthron Geist und Andacht schenken!“ Da bitten wir
von seiner Angst und seinen Banden, seiner Kreuzesschmach und
seinem bitteren Tod: „Meine Seele sehen mach's!“ Laß meine
Seele das recht anschauen, präge mir das Bild wohl ein: den
leidenden Heiland, so daß, wenn endlich des Todes Grauen alles
andere Wissen unbeschadet von mir treibt, meines JEsu Kreuz
und Pein mein letztes Wissen sei.

Aber bei solchem Schauen und Betrachten der Leiden
Christi muß auch immer die Frage sein und die rechte Antwort
auf die Frage: Warum leidet er das, und was soll ich davon
haben? Darum bitten wir in jenem Liede:

Doch so laß mich nicht allein
Deine Marter sehen;

Laß mich auch die Ursach' fein
Und die Frucht verstehen.

Laß mich nicht bloß das alles anschauen, was du leidest, son⸗
dern laß mich auch fein, wie es sich gehört und mir Segen
bringt, Ursache und Frucht deines Leidens verstehen. Wo man
die nicht versteht, da geht es wie bei den Jüngern, denen der
SErr vorher sein Leiden so deutlich vor Augen malte: „Sie
aber vernahmen der keines, und die Rede war ihnen verborgen,

und wußten nicht, was das gesagt war“, Luk. 18, 34. Da
kann dann ein Petrus sagen: „SéErr, schone dein selbst; das

widerfahre dir nur nicht!“ Matth. 16, 22. Da können Leute
unter dem Kreuze stehen und die ganze Marter mitansehen, und
die einen wissen sich vor Schadenfreude nicht zu lassen, und die
Töchter Jerusalems beweinen den SErrn, der von ihnen gar
nicht beweint werden will. Ohne Verständnis der Ursache und
Frucht desselben können Jünger JEsu an seinem Leiden sich
so stoßen, daß sie ganz irrewerden und erst dadurch wieder
zurechtgebracht werden, daß der HErr ihnen eröffnet: „Mußte
nicht Christus solches leiden?“ Luk. 24, 26.

Daß Christi Leiden und Sterben eine Ursache hatte, ver⸗—
steht sich von selbst. Gott tut nichts ohne Ursache und Absicht.
Schon den Christen in ihrem Leiden wird gesagt: Das ge⸗—
schieht nicht von ungefähr, sondern hat seine Ursachen. Es
kommt von der Hand dessen, der auch die Sperlinge nicht ver⸗
gißt, und von dem die Haare auf eurem Haupte gezählt sind.
Und wenn sie auch die Ursache nicht immer ganz und voll
erkennen, dann sagt ihr Gott ihnen: „Ich weiß wohl, was ich
für Gedanken über euch habe“, Jer. 29, 11. Hat schon das
Leiden der Christen, hat alles Tun und Walten Gottes seine
Ursachen, dann hat das ganz gewiß seine Ursachen, daß der
Sohn Gottes leidet und stirbt.

Da sagen manche: O, die Ursache liegt gar nicht fern;
das ging ganz natürlich und menschlich zu. Die Ursache seines
Leidens war der Zorn seiner Feinde. Es ging dem guten
IEsus von Nazareth wie vielen großen Leuten vor ihm und
nach ihm. Seine Zeitgenossen verkannten ihn und deswegen
haßten und töteten sie ihn. Er wurde also einfach ein Märtyrer
für seine Lehre. Aber das erklärt die Sache nicht. Zornig

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