Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 69, Nummer 4 › Seite 59

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 18. Februar 1913, Seite 59

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Lehre zu einigen, wie sie im lutherischen Bekenntnis aus Gottes
Wort gelehrt und bekannt ist. Um dies Ziel zu erreichen, er—
lauben wir uns den Vorschlag, daß man zunächst einmal vier
Jahre lang alle die „Fortschritte“ in Ruhestand versetzt, die man
in bezug auf die christliche Lehre gemacht zu haben meint. Man
studiere einmal vier Jahre lang vor andern menschlichen Schriften
vornehmlich Luthers Schriften. Das wird in überraschender Weise
zur Einigkeit dienen. Luthers Schriften sind leicht zu haben. Wir
selbst haben Luthers sämtliche Schriften wieder herausgegeben
und jedermann zugänglich gemacht. Aus Luthers Schriften kann
jedermann leicht erkennen, daß Luthers Lehre Gottes Wort und
somit die rechte Vereinigungsbasis für die lutherische Kirche
Amerikas und die Kirche der ganzen Welt ist. Der Lutheran
sagt sehr richtig an einer andern Stelle: „Nicht äußere Ver—
einigung, sondern innere Einigkeit ist das, wonach die lutherische
Kirche Verlangen trägt“ (It is not outward union, but inward
unity which the Lutheran Church is sighing for“). Gott
will uns diese innere Einigkeit, die Einigkeit in Lehre und Glau⸗
ben, geben. Daran ist kein Zweifel. Gott will nicht eine un⸗
einige, sondern eine in Lehre und Glauben einige Kirche. Gott
will aber die Einigkeit nicht unmittelbar, sondern mittelbar
wirken, nämlich in der Weise, daß wir sein Wort, wie es in der
Heiligen Schrift vorliegt, hören, im Glauben annehmen und
unsere einzige Lehre und Weisheit sein lassen. Die Uneinigkeit
in der Kirche rührt von den törichten Menschen her, die in Sachen
der christlichen Lehre trotz aller göttlichen Warnungen und Ver—
bote ihre törichten Menschengedanken an die Stelle des Wortes
Gottes setzen und für ihre Person und ihre Lehre Anhänger suchen
und finden. Die Papstkirche, sagt Luther immer wieder, sucht
ihre Einigkeit in der Einheit mit ihrem äußeren Götzen, dem
Papst. Die christliche Kirche sucht und findet ihre Einigkeit in
Gottes Wort, das sie hört, durch Wirkung des Heiligen Geistes
annimmt und wider alle Menschengedanken festhält und bekennt.

Aus Hlabisa im fernen Zululand in Südafrika machte uns
kürzlich P. H. Otte einige Mitteilungen, die seinen vielen Studien⸗
genossen und allen Missionsfreunden in unserer Mitte interessant
sein werden. P. Otte, der Sohn eines südafrikanischen Missionars,
erhielt seine Vorbildung auf dem norwegischen College in Decorah,
Jowa, studierte von 1893 bis 1896 auf unserm hiesigen Seminar
Theologie und kehrte dann in seine afrikanische Heimat zurück, um
dort als Missionar unter den heidnischen Zulus zu wirken. Er
schreibt: „Im Januar werden es sechzehn Jahre, seit ich hierher
kam, um diese Missionsstation zu übernehmen. Damals waren
hier fünf christliche Familien, die von unserer Station in Natal
hierher gewandert waren, 33 Seelen. Sodann waren hier noch
drei, die vom jetzigen (norwegischen) Bischof Astrup auf seinen
jährlichen Besuchsreisen hier getauft waren — also im ganzen
36 Seelen. Von diesen sind im Laufe der Jahre die meisten weg—
gezogen; es gefiel ihnen besser auf andern Stationen. Eine
Familie von 8 Seelen wurde von der Obrigkeit von hier verjagt,
weil es ruchbar wurde, daß der Familienvater (vor meiner An⸗
kunft war er Evangelist hier, mußte aber seines schlechten Wandels
wegen abgesetzt werden) gedroht hatte, mich im Aufruhr von 1906
erschießen zu wollen, da ich ihm sein Amt abgenommen hatte. So
sind jetzt noch 14 Seelen von der ursprünglichen Gemeinde hier,
und doch hatte die Gemeinde am Schluß des vorigen Jahres
(1911) 101 Seelen. So hat Gott unsere Arbeit hier gesegnet.
Es sind ihrer noch mehr hier getauft worden; aber etwa 20 sind
teils verschollen — vielleicht in den Goldminen —, teils haben
sie sich andern Gemeinden angeschlossen, die ihrer Heimat näher
waren als diese. Viele von den Heiden zeigen Verlangen, den
Heiland kennen zu lernen, aber Furcht vor der Obrigkeit hält sie
noch zurück. Sie werden sich wohl wundern, daß ich sage: Furcht
vor der Obrigkeit halte sie zurück, und doch ist dem so. Unsere

*

christliche Obrigkeit hilft den heidnischen Eltern, ihre Kinder vom
Christentum abzuhalten. Es kommen nämlich viele, zumal junge
Mädchen und Knaben, zu uns mit der Bitte, unterrichtet zu
werden. Wir können nicht anders, als sie aufnehmen. Dann
kommen die Eltern oder Vormünder, um die Kinder zurückzuholen.
Meistens weigern sich die Kinder, da es ihnen ein Ernst ist, Chri⸗
sten zu werden, und da gehen dann die Eltern zur Obrigkeit, um
mit deren Hilfe die Kinder wiederzuerlangen. In früheren
Jahren sandte der Magistrat einen Polizisten mit Brief und
Aufforderung, die Kinder an den Polizisten abzugeben, der sie
dann den Eltern überlieferte. Viele kamen wieder zu uns, wur—
den ins Gefängnis gesteckt, ließen sich aber auch dadurch nicht vom
Christentum abhalten; sie kamen immer wieder, bis die Eltern
der Sache müde wurden und sie nicht miehr hinderten, Christen
zu werden. Jetzt muß der Missionar vor Gericht erscheinen for
the crime of harboring children against the consent of parents
or guardians'. Wohl ein dutzendmal bin ich deshalb vorm Gericht
gewesen. Einmal habe ich die Unkosten bezahlen müssen und bin
gewarnt worden, daß ich das nächste Mal bestraft werden würde.
Trotz dieser Verhinderungen wächst die Anzahl der Lernenden
immer mehr. So haben wir jetzt gerade etwa 60 Leute in unsern
Häusern (ein Mädchenheim und ein Knabenheim), die täglich in
der christlichen Lehre unterrichtet werden. Am Sonntag ist unsere
Kirche gewöhnlich voll; viele müssen auf dem Fußboden sitzen, da
sie keinen Sitzplatz finden können. Gottes Wort richtet auch hier
aus, wozu es gesandt ist.“ L. F.
über Vorkommnisse in unserer australischen Schwestersynode,
die unsern Lesern interessant sein werden, machen wir einige Mit⸗
teilungen: Die Gemeinde in Perth, Westaustralien, die so lange
auf einen Prediger aus Amerika warten mußte, ist seit einem
halben Jahre wieder versorgt. P. Woy aus Schenectady, N. Y.,
wurde am 11. Sonntag nach Trinitatis dort eingeführt. — Mis⸗
sionar Wiebusch, der letztes Jahr auf einer Erholungsreise viele

Glieder unserer Synode besuchte, ist glücklich nach Australien

zurückgekehrt und steht seit dem 27. Oktober auf seiner Missions⸗
station in Koonibba, Südaustralien, wieder in voller Arbeit unter
den Australnegern oder Buschmännern. Auch er bekommt jetzt
die lang ersehnte Hilfe in seiner schwierigen Missionsarbeit.
nämlich der Predigermangel in der Australischen Synode so sehr
groß war und von uns wegen der Predigernot in unserer eigenen
Mitte nicht befriedigt werden konnte, so beschloß die Fakultät des
Concordia-College zu Adelaide zusammen mit der Aufsichtsbe⸗
hörde der Anstalt, die 12 Studenten ihrer Kandidatenklasse schon
zu Weihnachten ins Predigtamt zu entlassen, die ersten Prediger
aus dieser vor einer Reihe von Jahren wieder ins Leben ge⸗
rufenen Anstalt der Australischen Synode. Dies ist denn auch
nach den letzten Nachrichten geschehen, und die 12 jungen Männer,
über deren Ausbildung unsere Glaubensgenossen mit Recht sich
von Herzen freuen, haben nicht nur alle gleich Berufe erhalten,
sondern können auch nur die dringlichsten Gesuche befriedigen. Es
waren mehr Berufe eingelaufen, als Kandidaten zur Verfügung
standen. Das ist auch ein Zeichen, wie die kirchliche Arbeit unserer
fernen Brüder sich ausbreitet und schön gedeiht, namentlich in
dem Staate Queensland, wo die Innere Mission erst in den letzten
Jahren recht in Angriff genommen werden konnte und jetzt schon
ein eigener Synodaldistrikt mit 6 Pastoren und 17 Gemeinden
besteht. Zwei der Kandidaten gehen nach Queensland, einer nach
New South Wales, einer nach Westaustralien, einer auf die Mis⸗
sionsstation und außerdem noch vier nach Südaustralien und vier
nach Victoria, in welchen beiden Staaten die Synode ihre meisten
Gemeinden hat. Unter den besetzten Posten ist auch die Groß—
stadt Sydney, nachdenn vor einigen Jahren schon die andere Groß⸗
stadt Melbourne einen eigenen Pastor erhalten hat. — Der Kursus
in der Anstalt zu Adelaide, die zugleich Predigerseminar, Lehrer⸗
seminar und College ist, ist so eingerichtet, daß nur alle drei

Da

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