Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 69, Nummer 4 › Seite 60
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 18. Februar 1913, Seite 60
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Unzucht · Zeitſchriften 5
60 S Ver TutheraneSSe
Jahre eine Predigtamtskandidatenklasse fertig wird, so daß kein
Predigerüberfluß zu erwarten steht. Auch wird die in Sachen
der Schulgesetzgebung eingesetzte Kommission der Synode emp⸗—
fehlen, daß der Kursus für die, welche sich auf das Predigtamt
vorbereiten wollen, auf zehn Jahre, der für die angehenden Lehrer
auf sechs Jahre ausgedehnt werde. — Vor einigen Monaten
wurde auch zufolge einer Anregung seitens der Synode beschlossen,
die Privatdruckerei der Firma Oskar Müller in Hochkirch, Victoria,
und das damit verbundene Buchgeschäft durch eine Aktiengesell—
schaft käuflich zu erwerben, um für die Synode Druck und Buch⸗
handel zu betreiben, bis diese selbst das Geschäft übernehmen kann.
Auf diese Weise wird die Synode in absehbarer Zeit in den Besitz
einer eigenen Druckerei und Verlagsbuchhandlung gelangen. Aus
allem, was wir im „Lutherischen Kirchenboten für Australien“
und in Privatbriefen lesen, geht hervor, daß in der Synode
frisches Leben und Wesen herrscht und rechter Eifer für die Aus⸗
breitung des Reiches Gottes. L. F.
Am 3. Februar war das Fest des heiligen Blasius. Dieser
Blasius soll ums Jahr 316 als Märtyrer gestorben sein. Man
erzählt von ihm, daß er einem Knaben eine Gräte aus dem Halse
gezogen habe; seitdem wird er angerufen als Helfer in Hals⸗
leiden. Der „Katholische Glaubensbote“ forderte zu folgendem
auf: „Niemand sollte es versäumen, sich durch dieses Sakramental
der Kraft des Gebets und des Segens der Kirche teilhaftig zu
machen. Aber nicht allein die Kinder sollten sich diesen Segen
holen, sondern auch die Großen, vor allem auch die, welche zu
Halskrankheiten besonders disponiert sind.“ Er beschreibt auch,
wie es gemacht wird: „Bei Hinhaltung der Kerzen an den Hals
in Kreuzesform betet der Priester: Durch die Verdienste und die
Fürbitte des heiligen Blasius, Bischofs und Märthrers, befreie
dich Gott von allen übeln des Halses! Im Namen des Vaters,
des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.“ — Also dieselbe
Geschichte, von der Luther im Großen Katechisnius klagt: „Wenn
jemand ein Zahn wehe tät, der fastet und feiert St. Apollonia;
fürchtet er sich für Feuersnot, so macht er St. Lorenz zum Not—
helfer; fürchtet er sich für Pestilenz, so gelobet er sich zu
St. Sebastian oder Rochio, und des Greuels unzählig viel mehr,
da ein jeglicher seinen Heiligen wählet, anbetet und anrufet, in
Nöten zu helfen.“ E. P.
„Hat die Kirche das Recht, Fasttage vorzuschreiben?“ So
fragt der „Katholische Glaubensbote“ und antwortet: „Aller—
dings hat sie dazu das Recht. Sie hat es durch ihren göttlichen
Stifter IEsus Christus erhalten, der ihr die Vollmacht gab, alles
vorzuschreiben, was zu unserm Seelenheile notwendig ist, und der
ausdrücklich gesagt hat: ‚Wer die Kirche nicht hört, ist ein Heide
und öffentlicher Sünder.‘ Wenn uns also die katholische Kirche
gebietet, an bestimmten Tagen zu fasten, so sind wir dazu im
Gewissen verpflichtet.“ Ei, da wird ja ein Bibelspruch ange—
führt. Jawohl, und der steht Matth. 18, 17. Aber da steht auch
rein gar nichts von Fasten und Menschengeboten, sondern da steht
von dem Bruder, der sich von der Kirche, der Gemeinde, nicht
strafen und zur Buße führen lassen will. Glaubensartikel und
im Gewissen verbindende Gesetze zu geben, das hat Gott sich selbst
vorbehalten, und er warnt uns ausdrücklich vor Menschengeboten
und sagt, daß man ihm damit vergeblich diene, Matth. 15, 9.
Richtig ist, was Luther sagt: „Die christliche Kirche hat nicht
Macht, irgendeinen Artikel des Glaubens zu setzen, hat auch nie
einen gesetzt, wird es auch nimmermehr tun. Die Kirche Gottes
hat nicht Macht, irgendein Gebot von guten Werken zu stellen,
wie sie es auch nie getan hat, noch auch jemals tun wird. Alle
Artikel des Glaubens sind genugsam in der Heiligen Schrift ge—
setzt, so daß es nicht nötig ist, außerdem noch irgendeinen zu
setzen. Alle Gebote guter Werke sind genugsam in der Heiligen
Schrift gestellt, so daß es nicht nötig ist, außerdem noch irgend—
eins zu fellen. Die Kirche Gottes hat Macht, Gebränche anzu—
ordnen in Festen, Speisen, Fasten, Gebeten, Wachen usw., aber E.
nicht über andere, sondern über sich selbst, hat auch nie
anders getan, wird's auch nicht tun.“ (XIIH 958.) Das Aller⸗
greulichste ist natürlich, wenn man mit solchem Menschensatzungen
sich Gottes Gnade verdienen will; dann gesazehen sie zur Schande
und Schmach dem Erlösungswerk Christi. E. P.
Auch unter den Professoren an den Stagtsuniversitäten gibt
es Christen, die ihren Mitchristen kein Arge mis geben wollen.“
Im „Lutheraner“ vom 7. Januar hatten wir berichtet, daß nach
Zeitungsberichten ein Professor der Medizin einen Studenten
die neue Weisheit vorgetragen habe, daß der Mensch zu einer
Nun wird uns von befreun⸗
deter Seite geschrieben, daß gerade der Professor, Lem diese Aus⸗
sage zugeschrieben wurde, ein aufrichtiger, demütiger Christ sei. —
Zeit einmal ein Fisch gewesen sei.
Ein Student, der seiner Faulheit wegen entfernt wor den sei, habe
jene Nachricht erfunden und der Presse übergeben und so sei sie in
alle Zeitungen gekommen. So sehr es uns freut, daß jener Pro⸗
fessor der Medizin als demütiger Christ bekannt ist, dem es nicht
einerlei ist, was seine Mitchristen von ihm denken, so bleibt doch .
Denn es wird vieles
über Ursprung und Abstammung des Menschen gelehrt, was ebenso E—
Daher erklärt sich's auch, daß die Zeitungen die
unsere dazu gemachte Bemerkung stehen.
unsinnig ist.
Nachricht für möglich hielten und nur als einen neuen Auswuchs
des Unsinns ansahen. E. P.
In Chicago hat ein Komitee, das besondere Untersuchungen
angestellt hat über die Ausdehnung der Unzucht in jener Stadt.
haarsträubende Dinge gefunden und einen Bericht von etwa 400
Die darin berichteten Zustände sind so
Seiten veröffentlicht.
scheußlich, daß die Postbehörden ernstlich überlegt haben, ob der
Bericht durch die Post versandt werden dürfe. Der Bericht sagt,
daß in der einen Stadt jährlich mehr als §15,000,000 für Un⸗
zucht verausgabt werden, und jährlich das Leben von mehr als
50,000 Mädchen geopfert werde. In andern Städten wird es
wohl verhältnismäßig nicht besser sein. Das Komitee sagt: das
Elend fange gewöhnlich so an, daß ein Mädchen, dessen Lohn
höchstens 6 Dollars die Woche betrage, andern Mädchen es gleich⸗
tun wolle in Kleiderputz und Wohlleben. Weil der geringe Lohn
dazu nicht ausreiche, so suche es sich daneben Sündenlohn. Auch
die Tanzhallen werden für den Fall so manches Mädchens ver⸗
antwortlich gemacht. Tausende von Mädchen vom Lande kämen
in die Stadt, um Beschäftigung zu suchen, kennten die Gefahren
der Stadt nicht, seien von ihren Eltern nie ernstlich gewarnt wor⸗ 4
den und seien nun ohne Aufsicht. In letzter Zeit hat man ange⸗
fangen, christliche Herbergen und Hospize einzurichten. Die können
ein gesegnetes Werk tun an fremden, in der Stadt unbekann⸗
ten jungen Leuten, die sonst so leicht allerlei Verführern in die
Hände fallen.
Leuten die Augen öffnen über die Gefahren in einer fremden
Allermeist müssen Eltern und Pastoren jungen
Stadt und dafür sorgen, daß sie in der Stadt in gute Gesellschaft
und unter Seelsorge kommen. E. P.
Es wird geliefert, was das Publikum haben will. In einem
Frauenverein hatte man sich tadelnd ausgesprochen über die
humoristische und bunte Beigabe der Sonntagszeitungen. Die
Witze und die Bilder seien doch gewöhnlich zu albern und zu
läppisch. Darauf führt eine Zeitung folgendes aus: Die Ver⸗
leger der Zeitungen wissen das auch und sie haben auch gar keine
Freude daran. Sie würden viel lieber wirkliche Kunstbeilagen
liefern; aber die würde das große Publikum nicht kaufen; es
will die albernen haben. Und die Zeitungsherausgeber treiben
ihr Handwerk, um ihr Leben zu machen; so bieten sie dem Volk,
was es will. So gehe es auch auf andern Gebieten. Die Sänger
trügen nicht würdige, kunstvolle Gesänge vor und die Musikanten
nicht klassische Stücke, sondern leichte Ware, weil das Publikum
es so wolle.
Geschmack des Publikums, das sie besuche. „Als Volk sind wir
Desgleichen richte man sich in Theatern nach dem
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