Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 69, Nummer 4 › Seite 61
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 18. Februar 1913, Seite 61
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Zeitſchriften 5
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8Ver 2„Tutheranets 61
noch sehr grob und ungebildet in unserm Geschmack. Musik und
Wertschätzung eines feinen Humors haben unsere Seelen noch
nicht erfüllt. Das muß alles gepflegt werden, und das läßt sich
in einem Jahr und in einer Generation nicht erreichen.
Niemand hat ein schärferes Auge auf diese Entwicklung als die
Verleger; und das ist sicher: sie werden die komische Abteilung
besser machen oder ganz aufgeben, sobald sie sehen, daß sie es tun
können und dabei die Leserzahl behalten.“ — Also in allen diesen
Dingen wird dem Publikum geliefert, was es haben will; das
Angebot richtet sich nach der Nachfrage. Es muß eine gesunde
öffentliche Meinung geschaffen werden. Und dazu hilft am
besten, wenn man die Leute zu Christen macht und im Christen⸗
tum gründlich unterrichtet. Mit Gesetzen, Geboten und Ver⸗
boten ist wenig ausgerichtet. Die stille Arbeit der Verbreitung
des Evangeliums und christlicher Erziehung ist die beste Lösung
auch aller sozialen Fragen. E. P.
Einige kleine „Zeichen der Zeit“. Die „Augustinuskorre⸗
spondenz“ läßt folgende Merke durch die römische Presse gehen:
„Sehr tröstliche Nachrichten kommen aus Norwegen über die Fort⸗
schritte, die die katholische Kirche dort zu verzeichnen hat. Größ—
tenteils sind diese dem Eifer und der Arbeitskraft des apostolischen
Vikars, Monsignor Fallize, zu verdanken, eines gebürtigen Luxem⸗
burgers, der dieses Amt seit 1892 bekleidet. Diese Fortschritte
sind um so bemerkenswerter, wenn man bedenkt, daß noch vor
hundert Jahren kein katholischer Priester sich in Norwegen auf—
halten durfte, und nur der Protestantismus Existenzberechtigung
hatte. Heute haben die Katholiken Kultusfreiheit, katholische
Orden können im Lande wirken, und der apostolische Vikar hat
zahlreiche Schulen gegründet. Diese Schulen unterstehen der
ausschließlichen Kontrolle des apostolischen Vikars; kein staatlicher
Inspektor betritt je diese Schulen. Außerdem sind die katholischen
Eltern von der Steuer für die staatlichen Schulen befreit, so daß
ihre Beiträge einzig den von ihren Kindern besuchten katholischen
Schulen zugute kommen.“ Die römische Presse findet das ganz
in der Ordnung. In Ssterreich unterstehen die evangelischen
Schulen so sehr der Aufsicht des staatlichen Schulinspektors, daß
in manchen der wirklich evangelische Charakter ziemlich zurück—
tritt; und die Eltern, die eine evangelische Schule unterhalten,
müssen auch für die „staatlichen“, mehr oder minder katholischen
Schulen Beiträge leisten. Auch dieses findet die „Augustinus⸗
korrespondenz“ in der Ordnung. (Wbg.)
—— —
Das schönste Bild.
Ein kunstreicher und gottseliger Maler ließ Gottholden ein
Stück sehen, darin der HErr JEsus, sein Kreuz haltend, mit
offenen, bluttriefenden Wunden gar artig fürgestellet war. Zu
seinen Füßen lagen, mit großer Kunst gemalet, der König David,
die Sün derin, deren im siebenten Kapitel Lucä gedacht wird, die
man gemeiniglich Maria Magdalena nennet, der Schächer am
Kreuz, in kläglicher Gestalt, der verlorne Sohn und andere, über
welche das Blut IEsu herabfloß, und er segnete sie mit ausge⸗
streckter Hand. Gottholden gingen die Augen über und er sagte:
Ich muß einmal mit Euch handeln, daß Ihr mir so ein Bild ver—
fertigt und mich mitten unter dieser Gesellschaft malt. Ach, ich
bedarf meines HErrn IEsu und seines heiligen Blutes auch. Ich
will mich lassen abdrängen, ich will zurückstehen, wenn die Welt
Kronen und Zepter austeilt, wenn sie Gold oder Silber auswirft,
wenn sie Schauspiele hält und jedermann zuläuft. Aber wo mein
FEsus seine Gnade und Blut austeilt, da lasse ich mich nicht ab⸗
drängen; meinen IEsum lass' ich nicht. Wer diesem süßen Hei—
lande nicht will zu Füßen liegen, der wird dem Teufel müssen
unter den Füßen liegen ewiglich. „So jemand den HErru IEsum
Christum nicht liebhat, der sei verflucht“, sagt sein werter Apostel
und ich mit ihm. ö
Damit aber Ihr, fuhr er fort, mir diese Freude nicht um⸗
sonst gemacht habt, so saget mir, was dünkt Euch, wann ist der
HErr IEsus am schönsten gewesen? Der Maler antwortet: Ge—
wiß in seiner Kreuzigung, da er um unserer Sünde willen am
kläglichsten war zugerichtet und anzusehen. Wohl, sagte Gott⸗
hold, Ihr habt nicht uneben geantwortet; denn ich verwundere
mich mehr über ihn, wenn ich ihn im Geiste betrachte am Kreuze
hängend, mit Blut überflossen, voller Striemen und Wunden, als
wenn ich ihn in seiner Herrlichkeit zur Rechten Gottes sitzend an—
schaue. Am Kreuz war er recht schön; denn er gefiel seinem
himmlischen Vater in dem Purpur seines heiligen Blutes so wohl,
daß er alles Zorns und aller Welt Sünde darüber vergaß. Wenn
er hätte ein Kleid angehabt mit Diamanten und Perlen über und
über besetzt, so hätte es der Himmel nicht angesehen, und ein
betrübtes Gewissen würde keine Schönheit für sich darin finden.
Aber o wie schön ist der blutende, gekreuzigte, verwundete JEsus,
wenn man ihn mit blutendem Herzen und tränenden Augen an⸗
sieht! Dies ist zwar der Welt Spott, aber der Engel Lust, der
Teufel Schreck, der Menschen Schmuck, Trost, Schatz und alles.
Ich will Euch aber meine Gedanken auch eröffnen. Mich
dünket, dann ist mein IEsus am schönsten, wenn er so ist, wie
Ihr ihn hier gemalt habt, wenn er nämlich mitten unter den
Sündern steht und die Frucht seines vergossenen Blutes unter
ihnen austeilt. Schön ist er in der Erwerbung unsers Heils,
aber noch schöner in der Austeilung und Zueignung, wenn sein
teures Blut die Sünder wirklich reinigt, und er sieht, daß sein
bitteres Leiden an ihnen nicht verloren ist. Das ist seine höchste
Freude in der himmlischen Freude. Dann ist er am schönsten
anzusehen; alsdann verwundern sich alle Einwohner des Him⸗
mels über ihn und singen: „Du bist würdig zu nehmen Kraft
und Reichtum und Weisheit und Stärke und Ehre und Preis und
Lob. Denn du bist erwürget und haft uns Gott erkauft mit
deinem Blut“, Offenb. 5, 9. 12.
Und so, wie er hier steht, sollte man ihn an allen Altären
in den Kirchen bilden, wo sein heiliges Liebesmahl gehalten wird,
welches ohne Zweifel darum fürnehmlich von ihm uns ist hinter⸗
lassen worden, daß er darin den Schatz seines Verdienstes und
Blutes unter uns austeilen, einem jeden sich selbst schenken und
alle und jede mit seinem lebendigmachenden Blute besprengen
möchte.
Als nun Gotthold das Bild noch einmal ansah, sagte er mit
tränenden Augen: O JEsu, du Schönster unter den Menschen—
kindern, wie lieb, wie schön, wie teuer bist du meiner Seele!
O ein elender Mensch, wenn er auch ein Beherrscher der Welt ist,
der dich nicht achtet und sein Haupt nicht willig zu deinen Füßen
legt! Ich sage von Grund meines Herzens, daß ich es für meine
höchste Ehre in dieser Welt halte, wenn ich dir mag zu Füßen
liegen; mir ist besser an deinen Füßen, als wenn ich auf einem
königlichen Throne sitzen sollte.
(Gottholds zufällige Andachten.)
Ein Wort, das zum Segen wurde.
Es war Konfirmandenunterricht. Den derben, übermütigen
Knaben gegenüber stand der hagere, kränkliche Pfarrer mit vom
Alter gebeugter Gestalt und dünngewordener Stimme. Er hatte
keine leichte Aufgabe, denn oft genug mißbrauchten sie seine Milde
und Schwächlichkeit und trieben Nebendinge, ja es war zu be⸗
fürchten, daß von seinen guten, treuen Worten wenig hafken blieb.
„Wer von euch war am Sonntag in der Kirche?“ fragte er, wie
üblich, und ließ sich Text und Einleitung der gehörten Predigt
sagen.
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