Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 69, Nummer 4 › Seite 57
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 18. Februar 1913, Seite 57
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leidet Schiffbruch.
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510,318.99. Mit dem sich mächtig entfaltenden Schiffsverkehr
in diesem Hafen wird sich voraussichtlich auch die geschäftliche
Seite der Arbeit entsprechend von Jahr zu Jahr heben und
der Mission zugute kommen. Möge der treue Heiland der in
Schwachheit, aber im stetigen Aufblick zu ihm verrichteten Mis—
sionsarbeit auch fernerhin seinen Beistand und Segen verleihen,
damit sie an ihrem Teile dem Aufbau seines Reiches diene.
Seemannsmission.
Die Seemannsmission besteht in Verbindung mit der Emi⸗
grantenmission, und zwar seit Beginn des vorigen Jahres. Sie
war schon früher ins Auge gefaßt worden, erhielt dann bei
Gelegenheit einer Visitation besondere Anregung von seiten des
Ehrw. Allgemeinen Präses, der die Inangriffnahme dieser Ar⸗
beit warm befürwortete. Gelegenheit dazu war und ist reichlich
vorhanden. Laut statistischer Angaben der hiesigen Hafen—
behörde verkehrten hier 1912 mit Einschluß der Küstenschiffe
5659 Dampfer und Segelschiffe. Im Laufe eines Jahres
kommen und gehen Zehntaͤusende von Seeleuten aus den ver⸗
schiedensten Nationen, die aber fast durchweg, vielleicht mit
Ausnahme der Araber, Indier und Chinesen, der englischen
Sprache mächtig sind, denen daher in dieser Zunge das rettende
Evangelium von der Gnade Gottes in Christo verkündigt wer⸗
den kann. Unter den Seeleuten sind mehr Lutheraner, als
man gewöhnlich anzunehmen geneigt ist. Gibt es doch see⸗
fahrende Völker, die ihrer Konfession nach fast ganz luthe—
risch sind.
Die dringende Notwendigkeit der Mission unter den See⸗
leuten liegt klar zutage. Unter allen Berufsarten entbehrt
wohl keine in auch nur annäherndem Maße die Gelegenheit der
regelmußigen Teilnahme am öffentlichen Gottesdienst wie der
Beruf des Seemannes, dessen Heimat das Weltmeer geworden
ist und der unstet von einem Weltteil zum andern wandert.
Die unausbleiblichen Folgen sind daher auch so oft rohes, laster⸗
haftes Wesen in Worten und Werken. Der Seemann, beson⸗
ders der gewöhnliche Matrose, ist der geistlichen Verwahrlosung
und Verrohung ausgesetzt, weil er zu wenig unter dem Einfluß
des göttlichen Wortes und pastoraler Seelsorge steht. Dies ist
besonders der Fall auf den überseeischen Segelschiffen und den
sogenannten tramp steamers, den Zugvögeln des Weltmeeres,
das heißt, solchen Dampfern, die auf Kontrakt eine Ladimg nach
irgendeinem Hafen in der Welt befördern. Die Seeleute auf
diesen Schiffen werden schließlich ganz heimatlos. Ein Fami—
lienleben kennen sie kaum. Ihr Leben ist sonntaglos. Kommt
ihr Schiff nach monatelanger Fahrt endlich in den Hafen, so
ist bei dem ersten Landgang nur zu oft und mit verderblichen
Folgen die Matrosenschenke ihr nächstes Ziel. So mancher
Seemann kommt wohlbehalten über das gefahrvolle Meer,
hat Leib und Leben gerettet, aber in der ungleich gefährlicheren
Brandung des Hafenlebens schlagen die Wogen der Sünde
und des Lasters über ihm zusammen. Seine unsterbliche Seele
Roher Sinnengenuß wird seine Religion.
Zur Erhaltung des Leibes und Lebens funkelt für ihn selbst
in der dunkelsten Sturmnacht das helle Licht des Leuchtturms
und weist ihm den sicheren Weg in den Hafen. Wieviel nötiger
ist es, daß für seine arme Seele das strahlende Licht göttlichen
Wortes leuchte und ihm den Weg in den Hafen ewigen Lebens
zeige!
Mit diesem Ziele vor Augen wurden in der Zeit, die von
der Emigrantenmission übrigblieb, 232 Schiffe, 127 Segel⸗
schiffe und 105 Frachtdampfer besucht und an 1177 Seeleuten,
meistens Matrosen, Feuerleuten, Köchen und Steuermännern,
Seelsorge getrieben. Unter diesen waren 16 verschiedene Natio—
nalitäten vertreten. Gestatteten es Zeit und Umstände, so wur⸗
den die Mannschaften im Vorderkastell aufgesucht und mit ein⸗
zelnen oder mehreren zugleich in freundlicher Gesprächsweise
geredet über die Notwendigkeit, an das Heil der Seele zu
denken, während der barmherzige Gott die Gnadenzeit andauern
lasse. War eine längere Unterredung ausgeschlossen, zum Bei⸗
spiel kurz vor der Ausfahrt, so erhielten alle, selbst Türken,
Araber und Chinesen, das St. Johannesevangelium in ihrer
Muttersprache mit der herzlichen Bitte, das Büchlein während
der Freiwache zu lesen. Nur acht Matrosen verweigerten die
Annahme eines Testaments oder eines Traktats. Von 232 Ka⸗
pitänen verweigerten zwei, Amerikaner, unter groben Verwün⸗
schungen die Erlaubnis, auf ihren Schiffen unter den Mann⸗
schaften Mission zu treiben. Im Hospital wurden 29 Seeleute
bis zu ihrer Genesung besucht und Andacht mit anschließender
Unterredung über das eine, was not tut, gehalten. In der
Missionarswohnung wurden 24 empfangen und beraten. Ein
verschollener Matrose wurde auf einem Frachtdampfer gefun—
den und die Beziehung zu seiner Familie wiederhergestellt, und
für einen andern wurden Vater und Mutter über den Verbleib
ihres Sohnes in Kenntnis gesetzt. Für vier schiffbrüchige Ma⸗
trosen wurde mit Rat und Tat gesorgt, und für einen wurden
seine Angelegenheiten durch den Konsul geordnet. Schiffs⸗
gottesdienste mit einer Gesanitzuhörerschaft von 230 wurden
29, meistens abends während der Freiwache, abgehalten. Die
größte Zahl der Zuhörer war 24, die kleinste 2, nämlich zwei
deutsche Lutheraner auf einem englischen Frachtdampfer. Ein
Gottesdienst wurde mit 8 Arabern, die Englisch einigermaßen
verstanden, abgehalten und ihnen IEsus Christus als alleiniger
Heiland angepriesen. Diesem Gottesdienst folgte eine längere
Unterredung über den Unterschied zwischen der mohammeda—
nischen und der christlichen Religion. In einem Gottesdienst,
an dem sich 8 Matrosen beteiligten, wurden alle gefragt, wann
sie zuletzt eine Predigt gehört hätten, und die Angaben schwank⸗
ten zwischen 9 und 23 Jahren.
Bei der Seemannsmission noch viel mehr als bei der Emi⸗
grantenmission entzieht sich der Erfolg der sichtlichen Wahr⸗
nehmung. Man arbeitet an den Seeleuten, sucht ernstlich mit
Gottes Wort aufs Herz einzuwirken, aber bald ist die Hafenzeit
für ihr Schiff verstrichen, es sticht in die See, und man sieht
dieselben Leute vielleicht nie wieder. Doch auch hier fehlt es
unter Gottes gütiger Fügung nicht an einzelnen Beweisen,
daß sein lauteres Wort in die Herzen eingedrungen ist. Es
gingen nämlich anerkennende Dankbriefe von Seeleuten bei
der Mission ein aus Montevideo, Uruguay, Buenos Aires und
Rosario, Argentinien, Halifax, Nova Scotia, Hamburg, San
Juan, Portoriko, und ein Brief von einem Matrosen bei der
Ausfahrt in die See durch Vermittlung des Lotsen. Einer
dieser Briefe lautet in übersetzung, wie folgt:
„Montevideo, 31. Mai 1912.
„Lieber Seemannspastor!
„Am 31. Mai, nach einer Fahrt von 58 Tagen, sind wir
hier angelangt. Wir hatten während der ganzen Passage sehr
günstiges Wetter. Es ist wunderbar, jedesmal wenn wir von
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