Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 69, Nummer 4 › Seite 54
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 18. Februar 1913, Seite 54
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und boshaft genug waren ja seine Feinde, aber sie waren es
nicht eigentlich, die da ihren Willen durchsetzten. Ja, wie ging
ihnen da so manches gegen ihre Rechnung. Wie oft hatten
sie ihn greifen und töten wollen und hatten es nicht tun können.
Jetzt aber wollten sie eigentlich nicht. Jetzt hieß es: „Ja nicht
auf das Fest, daß nicht ein Aufruhr im Volk entstehe!“ Und
gerade zum Fest geschah es.
Noch weniger war Christi eigene Sünde die Ursache seiner
Leiden, als ob er um Missetat willen gelitten hätte, was seine
Taten wert waren. So faßten die Juden es auf, denen der
Prophet die Worte in den Mund legt: „Wir aber hielten ihn
für den, der geplagt und von Gott geschlagen und gemartert
wäre“, Jes. 53, 4. Es wurden an jenem Karfreitag auf Gol—
gatha zwei Leute gekreuzigt, die die Wahrheit sagten, wenn
sie bekannten: „Wir empfahen, was unsere Taten wert sind.“
Aber der sagte ebenso die Wahrheit, der da von dem in ihrer
Mitte Hangenden sagte: „Dieser hat nichts Ungeschicktes ge—
handelt.“ Herodes und Pilatus, beides böse Buben, überbieten
einander förmlich in dem Bekenntnis: „Ich finde keine Schuld
an ihm.“ Gott selbst gibt ihm das Zeugnis: „Dies ist mein
lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe.“ Nein, er ist
„heilig, unschuldig, unbefleckt, von den Sündern abgesondert“,
Hebr. 7, 26. Er ist das „Lamm Gottes unschuldig“.
Du bist ja nicht ein Sünder
Wie wir und unsre Kinder;
Von übeltaten weißt du nicht.
Nein, er sagte es selbst, was die Ursache seiner Leiden ist.
„Es wird alles erfüllet werden, was geschrieben ist durch
die Propheten von des Menschen Sohn“, Luk. 18, 31. Ob⸗
gleich er mit einem Wort seine Häscher zu Boden werfen
und seinen Vater hätte bitten können, daß er ihm zusende mehr
denn zwölf Legionen Engel, spricht er: „Wie würde aber die
Schrift erfüllet? Es muß also geschehen“, Matth. 26, 54.
Das sagt er nach beendeter Niedrigkeit seinen geschlagenen Jün⸗
gern: „Ihr Toren und träges Herzens, zu glauben alle dem,
das die Propheten geredet haben! Mußte nicht Christus solches
leiden?“ Luk. 24, 26. „Also ist's geschrieben, und also mußte
Christus leiden“, V. 46.
Aber der Propheten Wort ist Gottes Wort. „Die hei—
ligen Menschen Gottes haben geredet, getrieben von dem Hei—
ligen Geist“, 2 Petr. 1, 21. Es war also Gottes Wille
und Ratschluß, daß Christus leiden und sterben sollte. Schon
der Prophet sagt von ihm: „Aber der HErr wollte ihn also
zerschlagen mit Krankheit. Der HErr warf unser aller Sünde
auf ihn“, Jes. 53, 6. 10. Mit dem Wort an seine Jünger
tritt er den Leidensweg an: „Aber auf daß die Welt erkenne,
daß ich den Vater liebe, und ich also tue, wie mir der Vater
geboten hat, stehet auf und lasset uns von hinnen gehen!“ Joh.
14, 31. Darum sagt er, das Dreinschlagen seiner Jünger
abwehrend: „Soll ich den Kelch nicht trinken, den mir mein
Vater gegeben hat?“ Joh. 18, 11. Was seine Jünger damals
nicht verstanden, wenn er ihnen sagte: „Des Menschen Sohn
gehet hin, wie es beschlossen ist“, Luk. 22, 22, das bekennen sie
hernach selbst: „Wahrlich ja, sie haben sich versammelt über
dein heiliges Kind JEsum, zu tun, was deine Hand und was
dein Rat zuvor bedacht hat, das geschehen sollte“, Apost. 4, 27.
Und warum hatte Gott den Ratschluß gefaßt, daß Christus
leiden und sterben sollte2? „Unser Heil zu sein“, litt
er alle Schmerzen. Er war das Lamm Gottes, das der Welt
Sünde trug. „Der HErr warf unser aller Sünde auf ihn.“
„Den, den hat Gott zum Sündenfeind und Sühner wollen
wählen.“ Ihm ist der Auftrag geworden:
Geh hin, mein Kind, und nimm dich an
Der Kinder, die ich ausgetan
Zur Straf' und Zornesruten.
Die Straf' ist schwer, der Zorn ist groß,
Du kannst und sollst sie machen los
Durch Sterben und durch Bluten.
Um diesen Erlösungsbeschluß Gottes auszuführen, geht
Unsere
Sünde, unsere Hilflosigkeit und unser verlorner Zustand, das 3
war die Ursache, warum Christus leiden und sterben mußte. 4
nun unser Heiland ins Leiden und in den Tod hinein.
Ja erkennen und bekennen wir es nur recht bußfertig. Da
brauchen wir gar nicht erst zu sagen, wie zuweilen unverstanden
gesungen wird: Laß mich auch die Ursach' sein!
wir schon längst.
Ach, die Ursach' war auch ich,
Ich und meine Sünde.
Diese hat gemartert dich,
Nicht das Heideng'sinde.
Und was ist nun die Frucht? „Unser Heil zu sein“,
litt er alle Schmerzen. Er ist nun unser Heil, unser Heiland.
Er ist der HErr, der unsere Gerechtigkeit ist. Er ist nun „mein
SErr, der mich verlornen und verdammten Menschen erlöset
Das sind
hat, erworben und gewonnen von allen Sünden, vom Tod und ö
„Die Strafe liegt auf ihm,
von der Gewalt des Teufels“.
auf daß wir Frieden hätten, und durch seine Wunden sind wir
geheilet“, Jes. 53, 5. „Gott war in Christo und versöhnte die
Welt mit ihm selber und rechnete ihnen ihre Sünden nicht zu“,
2 Kor. 5, 19.
macht uns rein von aller Sünde“, 1 Joh. 1, 7.
Durch sein Leiden ist gestillt
Deines Gottes Zorn und Rache.
Er hat das Gesetz erfüllt,
Gut gemacht die böse Sache,
Sünde, Teufel, Tod umschränket
Und den Himmel dir geschenket.
Und da bitten wir nun:
In dem Bild jetzund erschein',
JEsu, meinem Herzen,
Wie du, unser Heil zu sein,
Littest alle Schmerzen.
Dieses Bild, dieses Heilandsbild, führt uns das Evangelium
Das wollen wir in allen Sündennöten und
vor die Seele.
Gewissensängsten gläubig anschauen, zu diesem Heiland ein
herzliches Vertrauen fassen, der Frucht seiner Leiden uns trösten. ö
Und auch im Tode noch soll es dieses Bild sein, in dem er uns
erscheinen und vor unserer Seele stehen soll, wie er, unser Heil
zu sein, alle Schmerzen litt.
Erschein' mir in dem Bilde,
Zu Trost in meiner Not,
Wie du, HErr Christ, so milde
Dich hast geblut't zu Tod.
„Wer so stirbt, der stirbt wohl“ und wird dann in vollem Maße
„die Frucht verstehen“ und ewig genießen, wenn das
Schau' her, hie steh' ich Armer,
Der Zorn verdienet hat;
Gib mir, o mein Erbarmer,
Den Anblick deiner Gnad'
übergeht in den Lobgesang der vollendeten Seligen: „Das
Lamm, das erwürget ist, ist würdig, zu nehmen Kraft und
Reichtum und Weisheit und Stärke und Ehre und Preis und
Lob“, Offenb. 5, 12. E. P.
„Das Blut JEsu Christi, des Sohnes Gottes, 4 ö
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